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Schönbart bis Schönburg (Bd. 6, Sp. 947 bis 949)
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Artikelverweis Schönbart (Schembert, v. mittelhochd. schëme, »Maske, Larve«), Bartmaske, daher das sog. Schönbartlaufen, eine der Metzger- und Messererzunft von Nürnberg 1349 von Karl IV. gestattete Fastnachtslustbarkeit, die in einem glänzenden Maskenumzug mit Narrenpritschen und -Blasbälgen bestand, aber schon 1539 vom Rat untersagt und aufgehoben

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wurde. Die Umzüge oder Schönbartspiele wurden jedesmal in den dazu bestimmten Schönbartbüchern beschrieben und abgebildet. Das letzte ist von Hans Sachs in Versen geschildert worden. Vgl. Zunftgebräuche.
 
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Schönbein, Christian Friedrich, Chemiker, geb. 18. Okt. 1799 zu Metzingen in Württemberg, gest. 29. Aug. 1868 in Baden-Baden, studierte in Tübingen und Erlangen, besuchte 1826 England und Frankreich und folgte 1828 einem Ruf an die Universität Basel. S. arbeitete über die Passivität des Eisens und entdeckte 1839 das Ozon und 1844 das Vermögen des Phosphors, den mit ihm in Berührung gebrachten Sauerstoff zu ozonisieren; 1845 stellte er Nitrosaccharin, Nitroamylum und Schießbaumwolle dar und erhielt 1845 durch Auflösen derselben in Ätheralkohol das Kollodium, das alsbald in die Chirurgie eingeführt wurde. Später beschäftigte er sich vorzüglich mit Untersuchung der Oxydationsvorgänge. Er schrieb: »Das Verhalten des Eisens zum Sauerstoff« (Basel 1837); »Beiträge zur physikalischen Chemie« (das. 1844); »Über die Erzeugung des Ozons« (das. 1844); »Über die langsame und rasche Verbrennung der Körper in atmosphärischer Luft« (das. 1845). Kahlbaum gab seinen Briefwechsel mit Berzelius heraus (Basel 1898), Kahlbaum und Darbyshire »Letters of Faraday and S.« (das. 1899), Kahlbaum und Thon Briefwechsel Schönbeins mit Liebig (Leipz. 1900). Vgl. Hagenbach, Christian Friedrich S. (Basel 1869); »Der Baseler Chemiker Christ. Friedr. S.« (Jubiläumsschrift, das. 1899); Kahlbaum und Schaer, Christian Fr. S. (Leipz. 18991901, 2 Tle.).
 
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Schönberg, 1) Hauptstadt des zu Mecklenburg-Strelitz gehörigen Fürstentums Ratzeburg, an der Maurin, Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Lübeck-Strasburg i. U. und der Kleinbahn S.-Dassow, Sitz der höchsten Landesbehörden für das Fürstentum Ratzeburg, hat eine evang. Kirche, ein Lutherdenkmal, Realgymnasium, Amtsgericht, Oberförsterei, Elektrizitätswerk, Dampfmolkerei und (1905) 2838 Einw. S. wurde 1822 zur Stadt erhoben. 2) (S. in Oberlausitz) Stadt im preuß. Regbez. Liegnitz, Kreis Lauban, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Denkmal Kaiser Wilhelms I., Pappwaren- und Zigarrenfabrikation, Weberei und (1905) 1302 Einw. 3) Dorf im preuß. Regbez. Danzig, Kreis Karthaus, hat eine evang. Kirche und (1905) 436 Einw. Östlich die Schönberger Berge mit dem 33 im hohen Turmberg, auf dem ein Bismarckturm errichtet ist. 4) Dorf im preuß. Regbez. Schleswig, Kreis Plön, an der Kleinbahn Kiel-S., Hauptort des Ländchens Propstei (1905: 7881 Einw.), hat eine evang. Kirche, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein Amtsgericht, Elektrizitätswerk, Ausfuhr des bekannten Propsteier Saatgetreides und (1905) 1558 Einw. Östlich in der Nähe die Ostseebäder Schönberger und Stakendorser Strand. 5) (Mährisch-S.) Stadt in Mähren, 360 m ü. M., auf einem Hügel nördlich der Mündung der Teß in die March, an den Staatsbahnlinien Sternberg-Ziegenhals und Hohenstadt-Zöptau gelegen, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat 3 katholische und eine prot. Kirche, ein Obergymnasium, eine Webe-, eine Ackerbau- und Flachsbereitungsschule, ein Sanatorium mit Wasserheilanstalt, ein Kranken-, ein Waisenhaus, eine Landeszwangsarbeitsanstalt, bedeutende Leinen-, Baumwoll- und Seidenwarenfabrikation, Bleicherei, Gerberei, Brettsägen, Ziegelbrennerei, Brauerei, Mineralölraffinerie und Fettwarenfabrik und (1900) 11,636 deutsche Einwohner. Vgl. »Chronik der Stadt Mährisch-S.«, von Umlauff u. Tersch (Schönberg 1901, 2 Tle.). 6) Schloßruine am Rhein, s. Meyers Oberwesel.
 
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Schönberg, 1) Gustav von, Nationalökonom, geb. 21. Juli 1839 in Stettin, studierte in Bonn und Berlin Rechts- und Staatswissenschaften, wurde 1865 Gerichtsassessor, war eine Zeitlang am Seminar des preußischen Statistischen Bureaus beschäftigt und wurde 1867 als Lehrer der Nationalökonomie an der landwirtschaftlichen Akademie Proskau angestellt. Ende 1868 zum ordentlichen Professor der Nationalökonomie an die Universität Basel berufen, kam er 1870 in gleicher Eigenschaft nach Freiburg i. Br. und 1873 nach Tübingen. Ende 1899 wurde er zum Kanzler der Universität Tübingen ernannt. Außer einer Reihe von Aufsätzen schrieb S.: »Zur wirtschaftlichen Bedeutung des Zunftwesens im Mittelalter« (Berl. 1868); »Die Landwirtschaft der Gegenwart und das Genossenschaftsprinzip« (das. 1869); »Die Volkswirtschaft der Gegenwart im Leben und in der Wissenschaft« (Basel 1869); »Arbeitsämter. Eine Aufgabe des Deutschen Reichs« (Berl. 1871); »Die Frauenfrage« (Basel 1872); »Die Volkswirtschaftslehre« (Berl. 1873); »Die deutsche Freihandelsschule und die Partei der Eisenacher Versammlung vom Oktober 1872« (Tübing. 1873); »Die sittlich-religiöse Bedeutung der sozialen Frage« (2. Aufl., Stuttg. 1876); »Zur Handwerkerfrage« (Heidelb. 1876); »Finanzverhältnisse der Stadt Basel im 14. und 15. Jahrhundert« (das. 1879); »Basels Bevölkerungszahl im 15. Jahrhundert« (Jena 1883); »Die Sozialpolitik des Deutschen Reichs« (Tübing. 1886). Für das von ihm herausgegebene »Handbuch der politischen Ökonomie« (Tübing. 1882, 2 Bde.; 4. Aufl. 189698, 3 Bde. in 5 Teilen) schrieb S. die Abhandlungen: Volkswirtschaft, Gewerbepolitik, Gewerbliche Arbeiterfrage und Persönliche Dienstleistungen. Auch an der Bildung und Wirksamkeit des Vereins für Sozialpolitik hat sich S. lebhaft beteiligt.
   2) Friedrich von, franz. Marschall, s. Meyers Schomberg.
 
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Schönblatt, s. Meyers Calophyllum.
 
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Schönblindheit, s. Meyers Augenkrankheiten der Haustiere.
 
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Schönborn, altes rheinländisches, seit 1701 reichsgräfliches Geschlecht. Johann Philipp von S., geb. 1605, ward 1642 Fürstbischof zu Würzburg sowie 1647 Erzbischof und Kurfürst von Mainz, wirkte für die Wahl Ferdinands III. zum römischen König, beförderte eifrig das Zustandekommen des Westfälischen Friedens, erneuerte 1658 bei der Krönung des Kaisers Leopold I. den Streit mit dem Erzbischof von Köln über das Recht der Salbung des Kaisers, schloß sich dem Rheinbund an, bemächtigte sich Erfurts mit Hilfe französischer und lothringischer Truppen 1664 durch Kapitulation, zog Leibniz in seine Dienste, verfolgte eine Frankreich freundliche Politik und starb 1673. (Vgl. Guhrauer, Kur-Mainz in der Epoche von 1672, Hamb. 1839, 2 Bde.; Mentz, Joh. Phil. v. S., Jena 189699, 2 Tle.; Wild, Joh. Phil. v. S., genannt der deutsche Salomo, Heidelb. 1896.) Sein Bruder Philipp Erwin v. S., dem er das Erzschenkenamt Mainz, das Erbtruchseßamt Würzburg und 1621 die Reichsherrschaft Reichsberg übertrug, wurde 1663 Freiherr. Dessen Sohn Lothar Franz, Freiherr von S., geb. 1655, war seit 1695 Kurfürst von Mainz, auch Bischof von Bamberg, erhielt mit seinen Brüdern 1701 die Reichsgrafenwürde und starb 1729 (vgl. Wild, Lothar Franz von S., Heidelb. 1904). Sein Bruder Friedrich Karl, Graf von S., Reichskanzler und Fürstbischof zu Bamberg,

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gest. 1746, erwarb der Familie 1711 das Obersterblandtruchseßamt des Herzogtums Österreich ob und unter der Enns (vgl. Wild, Staat und Wirtschaft in den Bistümern Würzburg und Bamberg, Heidelb. 1906). Ein dritter Bruder, Melchior Friedrich, Graf von S., geb. 1644, gest. 1717, k. k. Geheimer und Reichshofrat, hatte 14 Kinder, darunter sieben Söhne, von denen fünf Geistliche wurden, während von den zwei weltlich gebliebenen, Rudolf Franz Erwin und Anselm Franz, sich die jetzt bestehenden drei Linien ableiten: S.-Wiesentheid, in Bayern, Großherzogtum Hessen und Nassau (Chef Graf Artur, geb. 30. Jan. 1846, erblicher Reichsrat in Bayern); S.-Buchheim, in Österreich und Ungarn (Chef Graf Friedrich Karl Erwin, geb. 1869, Obersterblandtruchseß von Österreich, Magnat von Ungarn), und ein böhmischer Ast, dessen Chef Graf Karl Friedrich, geb. 10. April 1840, erbliches Mitglied des österreichischen Herrenhauses, ist. Die Brüder des letztgenannten s. den folgenden Artikel:
 
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Schönborn, Friedrich, Graf, österreich. Staatsmann, geb. 11. Sept. 1841 zu Dlaschkowitz in Böhmen, studierte die Rechte und machte sich durch einige Broschüren als eifriger Anhänger der tschechisch-klerikalen Richtung im böhmischen Feudaladel bemerkbar. 1881 wurde er Statthalter von Mähren, 1888 Justizminister, eine Stelle, die er auch im sogen. Koalitionsministerium bis 1895 innehatte, darauf ward er zum Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofs ernannt. Unter seiner Ministerschaft wurden nicht unwichtige Reformgesetzentwürfe auf juridischem Gebiete fertiggestellt (Strafgesetz, Zivilprozeßordnung u. a.). S. ist lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses. Er schrieb: »Böhmen und Österreich« (Prag 1870); »Randglossen zum Entwurf eines neuen Strafgesetzes« (das. 1878); »Wirkungen der Neuschule« (das. 1881). Sein Bruder Franz, Fürsterzbischof von Prag und Kardinal, geb. 24. Jan. 1844 in Prag, gest. 25. Juni 1899 in Falkenau, studierte die Rechte, machte den Krieg von 1866 als Offizier mit, widmete sich dann der Theologie, wurde 1883 Bischof von Budweis, erhielt 1885 das Prager Erzbistum und 1889 den Kardinalshut. Der jüngste Bruder, Adalbert, geb. 2. Juli 1854, studierte die Rechte, trat in den Gerichtsdienst ein, wurde dann Mitglied des böhmischen Landtags und des Landesausschusses.
 
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Schönbrunn, 1) kaiserliches Lustschloß in Wien, 13. Bezirk (Hietzing), am rechten Ufer des Wienflusses, an der Wientallinie der Stadtbahn, war schon unter Kaiser Matthias ein Jagdschloß, ward unter Leopold I. nach Plänen von Fischer v. Erlach begonnen, unter Maria Theresia 174450 vollendet und dient seither dem Hofe im Frühsommer und Herbst zum Aufenthalt. Die Hauptfront ist 156 m lang; mit Einschluß der Nebengebäude zählt man 1441 Gemächer. Sehenswert sind die Schloßkapelle, die große und kleine Galerie mit Spiegelwänden und Plafondgemälden, die drei Landschaftszimmer, das Zimmer mit den Hamiltonschen Gemälden, der Zeremoniensaal und das Theater. An der Südseite des Schlosses dehnt sich ein im französischen Geschmack des 18. Jahrh. angelegter, 197 Hektar großer Park aus, der dem Publikum offen steht. Das schöne Parterre vor der Gartenfront des Schlosses ist mit 32 Marmorstatuen geziert und durch einen Neptunbrunnen sowie durch die auf der Anhöhe (237 m). sich erhebende Gloriette, eine 95 m lange, 19 m hohe offene Säulenhalle (mit schöner Aussicht von der Plattform), abgeschlossen. Der westlich anstoßende Teil. gegen Hietzing enthält einen zoologischen und einen botanischen Garten mit Palmenhaus, der östliche Teil gegen Meidling den »schönen Brunnen«, nach dem das Schloß benannt ist, ferner eine künstliche römische Ruine und einen Obelisken. In S., wo Napoleon I. 1805 und 1809 sein Hauptquartier hatte, wurde 26. Dez. 1805 der zu Preßburg abgeschlossene Friede bestätigt und 14. Okt. 1809 der Wiener Friede abgeschlossen (s. Meyers Österreich, S. 194). 1832 starb hier sein Sohn, der Herzog von Reichstadt. Vgl. Leitner, Monographie des kaiserlichen Lustschlosses S. (Wien 1875); Weller, Die kaiserlichen Burgen in Bild und Wort (das. 1880) und die beschreibenden Führer von Freudenreich (2. Aufl., das. 1895), Kronfeld (2. Aufl. 1891), Knauer (2. Aufl. 1900); Sauerhering, Die Entstehung des Friedens von S. 1809 (Leipz. 1889). 2) Wasserheil- und Molkenkuranstalt im schweizer. Kanton Zug, zur Gemeinde Menzingen gehörig, 698 m ü. M.
 
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Schönbuch, Plateaulandschaft in Württemberg, zwischen Stuttgart und Tübingen, erreicht bei Weil 583 m Höhe.
 
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Schönburg, ein jetzt fürstliches und gräfliches Haus mit ausgedehnten Besitzungen im Königreich Sachsen. Das ganze Gebiet, das die Zwickauer Mulde durchfließt, umfaßt 582 qkm (10,5 QM.) mit ca. 270,000 Einw. (in 10 Städten und etwa 125 Dörfern) und gehört zu den sächsischen Kreishauptmannschaften Leipzig, Zwickau und Chemnitz. Die Schönburgschen Herrschaften zerfallen seit 1740 in Standes- (Rezeß-) herrschaften und gemeine Lehen (Lehnsherrschaften). Zu den Standesherrschaften, mit einem Areal von 362 qkm und 190,000 Einw., gehören die in den Kreishauptmannschaften Zwickau und Chemnitz gelegenen Herrschaften Forder- und Hinterglauchau (mit Glauchau, Meerane, Hohenstein-Ernstthal), Waldenburg (mit der Stadt Waldenburg), Lichtenstein (mit Lichtenstein und Kallnberg), die Grafschaft Hartenstein (mit Hartenstein und Lößnitz) und als Vasallengüter eine Anzahl von Rittergütern (Kallnberg, Rüßdorf, Neudörfel etc.); zu den Lehnsherrschaften, mit 220 qkm Areal und 80,000 Einwohnern, gehören die Stadt Penig, die Dörfer Wechselburg und Rochsburg sowie mehrere Dörfer in der Kreish. Zwickau. Zur Ständeversammlung senden die fünf Rezeßherrschaften und die vier Lehnsherrschaften je einen Vertreter in die Erste Kammer. Die Schönburgschen Herrschaften haben eine eigne Gesamtkanzlei (in Glauchau), die den Rang einer öffentlichen Behörde hat; dagegen hat S. die eigne Gerichtsbarkeit und eine Anzahl Hoheitsrechte 1878 gegen eine Entschädigung von 11/2 Mill. Mk. an die Krone Sachsen abgetreten. 1700 wurde das Geschlecht durch den Kaiser Leopold I. in den Reichsgrafenstand erhoben. Sachsen wollte, in seinen Landeshoheitsrechten geschädigt, diese Würde nicht anerkennen, ließ sich aber 4. Mai 1740 zu einem Vergleich herbei, wonach S. sich der Oberbotmäßigkeit und dem Territorialrecht Sachsens unterwarf, und im Frieden zu Meyers Teschen (s. d.) 1779 erhielt Sachsen die Landeshoheit über S. als Entschädigung für Rechte auf Bayern zugestanden. Mil der Auflösung des Deutschen Reiches erloschen die Rechte der Reichs- und Kreisstandschaft der Schönburge, während die Rezesse von 1740 fortbestanden. Die durch die Verfassung des Königreichs Sachsen von 1831 herbeigeführten Veränderungen in der Verwaltung der Schönburgschen Herrschaften führten zu dem Erläuterungsrezeß vom 9. Okt. 1835, der am 22. Aug. 1862 durch Vertrag von neuem geändert wurde, sowie zu dem Rezeß vom 29. Okt. 1878. An Sonder-

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und Hoheitsrechten sind dem Hause verblieben: Recht auf einen besondern Gerichtsstand vor einem Zivilsenat des Oberlandesgerichts, Hofrang unmittelbar nach den königlichen Prinzen am sächsischen Hofe, Befreiung von der Militärpflicht, Landestrauer und Kirchengebet innerhalb der Rezeßherrschaft, das Recht, 100 Mann Soldaten zu halten etc. Als der erste Herr von S. kommt urkundlich Hermann, Stifter des Klosters Geringswalde, 116682 vor. Nach einer Zersplitterung in mehrere Linien vereinigte Ernst IV. 1488 den Gesamtbesitz wieder. Seine Söhne stifteten 1534 die Linien Waldenburg, Glauchau (1620 erloschen) und Penig. Die Waldenburger Linie, auch die obere oder ältere genannt, gestiftet von Hugo, ward 1790 in der Person des Grafen Otto Karl Friedrich reichsfürstlich. Dessen ältester Sohn, Fürst Otto Viktor (geb. 1. März 1785, gest. 16. Febr. 1859), vermählt mit Prinzessin Thekla von Schwarzburg-Rudolstadt, stiftete über 2 Mill. Mk. zu wohltätigen und gemeinnützigen Zwecken, errichtete das Lehrerseminar in Waldenburg und die Lehrerinnenseminare in Kallnberg und Droyßig, 7 Krankenhäuser, 2 Waisen- und 2 Unterstützungsanstalten etc. Von seinen Söhnen stammen die beiden Linien S.-Waldenburg (lutherisch, Haupt [seit 1893] Fürst Otto Viktor, geb. 22. Aug. 1882, seit 1904 vermählt mit Prinzessin Eleonore zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg) und S.-Hartenstein (katholisch, gegenwärtiger Chef [seit 1896] Fürst Aloys, geb. 21. Nov. 1858, s. unten) ab. Die Peniger Linie, auch die untere oder jüngere genannt, stammt von Wolfgang, dessen Enkel Wolf Ernst und Wolf Heinrich die Linien S.-Glauchau (Hinterglauchau, lutherisch) und S.-Glauchau-Penig-Wechselburg (Forderglauchau, katholisch) stifteten. Die erstere Linie ist mit Graf Klemens, geb. 19. Nov. 1829, gest. 19. Okt. 1900, ausgestorben, Haupt der letztern ist Graf Joachim, geb. 20. Juli 1873, dessen Vater Graf Karl (gest. 27. Nov. 1898) 1869 in Rom katholisch wurde und der 1900 die Herrschaften Hinterglauchau und Rochsburg erbte. Vgl. Tobias, Regesten des Hauses S. bis 1326 (Zittau 1865); Hanschmann, Chronik der Stadt Waldenburg und des fürstlichen Hauses S.-Waldenburg (Waldenb. 1880); »Schönburgische Geschichtsblätter« (hrsg. von Kästner, das. 189499, 6 Bde.); Colditz, Aus der Geschichte Schönburgs (Lichtenstein 1905).

 

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