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Schonäus bis Schönborn (Bd. 6, Sp. 947 bis 949)
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Artikelverweis Schonäus, s. Meyers Schoon.
 
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Schönbach, 1) Dorf in der sächs. Kreish. Bautzen, Amtsh. Löbau, an der Staatsbahnlinie Taubenheim-Dürrhennersdorf, hat eine evang. Kirche, Weberei, Syenit- und Granitbrüche, Dampfschriftbläserei und (1905) 1954 Einw. 2) Stadt in Böhmen, Bezirksh. Eger, nahe der sächsischen Grenze, an der Staatsbahnlinie Tirschnitz-S., mit einer Fachschule für Musikinstrumentenbau, bedeutender Fabrikation von Musikinstrumenten (insbes. Geigen), Bierbrauerei und (1900) 4180 deutschen Einwohnern. Östlich liegt das Dorf Absroth, mit dem Schlosse Ober-S., Baumwollspinnerei und -Weberei (Leibitschgrund) und 1468 Einwohnern.
 
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Schönbach, Anton Emanuel, Germanist, geb. 29. Mai 1848 zu Rumburg in Böhmen, besuchte das Wiener Piaristengymnasium, studierte in Wien und Berlin, wo er ein Schüler Wilhelm Scherers und Karl Müllenhoffs wurde, habilitierte sich im Herbst 1872 als Privatdozent in Wien und wurde im Februar 1873 außerordentlicher, 1876 ordentlicher Professor für deutsche Philologie an der Grazer Universität, wo er noch jetzt wirkt. Er veröffentlichte: »Über die Marienklagen« (Graz 1874); »Über die humoristische Prosa des 19. Jahrhunderts« (das. 1875); »Vorauer Bruchstücke des Wigalois« (das. 1877); »Steirische und kärntnerische Taidinge« (6. Bd. der »Österreichischen Weistümer«, mit F. Bischoff, Wien 1881); »Mitteilungen aus altdeutschen Handschriften« (das. 18781904, 8 Tle.); »Nathaniel Hawthorn« (Heilbr. 1884); »Die Brüder Grimm« (Berl. 1885); »Altdeutsche Predigten« (Graz 188691, 3 Bde.); »Über Lesen und Bildung« (das. 1888; 7. Aufl. 1905); »Walther von der Vogelweide« (Dresd. 1890; 2. Aufl., Berl. 1895); »Über eine Grazer Handschrift lateinisch-deutscher Predigten« (Graz 1890); »Auslese altdeutscher Segensformeln« (1893); »Über Hartmann von Aue« (Graz 1894); »Studien zur Geschichte der altdeutschen Predigt« (Wien 18961906, 7 Tle.); »Das Christentum in der altdeutschen Heldendichtung« (Graz 1897); »Die Anfänge des deutschen Minnesangs« (das. 1898); »Studien zur Erzählungsliteratur des Mittelalters« (Wien 18981902, 5 Tle.); »Beiträge zur Erklärung altdeutscher Dichtwerke« (das. 18991904, 4 Tle.); »Gesammelte Aufsätze zur neuern Literatur in Deutschland, Österreich, Amerika« (Graz 1900); »Über einige Evangelienkommentare des Mittelalters« (Wien 1903); »Über Gutolf von Heiligenkreuz« (das. 1904); »Über Hermann v. Reun« (das. 1905) u. a. Ferner gab er mit B. Seuffert die »Grazer Studien zur deutschen Philologie« (Graz 18951900, 6 Tle.) und allein F. M. Felders »Aus meinem Leben« (Wien 1904) heraus.
 
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Schönbart (Schembert, v. mittelhochd. schëme, »Maske, Larve«), Bartmaske, daher das sog. Schönbartlaufen, eine der Metzger- und Messererzunft von Nürnberg 1349 von Karl IV. gestattete Fastnachtslustbarkeit, die in einem glänzenden Maskenumzug mit Narrenpritschen und -Blasbälgen bestand, aber schon 1539 vom Rat untersagt und aufgehoben

[Bd. 6, Sp. 948]


wurde. Die Umzüge oder Schönbartspiele wurden jedesmal in den dazu bestimmten Schönbartbüchern beschrieben und abgebildet. Das letzte ist von Hans Sachs in Versen geschildert worden. Vgl. Zunftgebräuche.
 
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Schönbein, Christian Friedrich, Chemiker, geb. 18. Okt. 1799 zu Metzingen in Württemberg, gest. 29. Aug. 1868 in Baden-Baden, studierte in Tübingen und Erlangen, besuchte 1826 England und Frankreich und folgte 1828 einem Ruf an die Universität Basel. S. arbeitete über die Passivität des Eisens und entdeckte 1839 das Ozon und 1844 das Vermögen des Phosphors, den mit ihm in Berührung gebrachten Sauerstoff zu ozonisieren; 1845 stellte er Nitrosaccharin, Nitroamylum und Schießbaumwolle dar und erhielt 1845 durch Auflösen derselben in Ätheralkohol das Kollodium, das alsbald in die Chirurgie eingeführt wurde. Später beschäftigte er sich vorzüglich mit Untersuchung der Oxydationsvorgänge. Er schrieb: »Das Verhalten des Eisens zum Sauerstoff« (Basel 1837); »Beiträge zur physikalischen Chemie« (das. 1844); »Über die Erzeugung des Ozons« (das. 1844); »Über die langsame und rasche Verbrennung der Körper in atmosphärischer Luft« (das. 1845). Kahlbaum gab seinen Briefwechsel mit Berzelius heraus (Basel 1898), Kahlbaum und Darbyshire »Letters of Faraday and S.« (das. 1899), Kahlbaum und Thon Briefwechsel Schönbeins mit Liebig (Leipz. 1900). Vgl. Hagenbach, Christian Friedrich S. (Basel 1869); »Der Baseler Chemiker Christ. Friedr. S.« (Jubiläumsschrift, das. 1899); Kahlbaum und Schaer, Christian Fr. S. (Leipz. 18991901, 2 Tle.).
 
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Schönberg, 1) Hauptstadt des zu Mecklenburg-Strelitz gehörigen Fürstentums Ratzeburg, an der Maurin, Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Lübeck-Strasburg i. U. und der Kleinbahn S.-Dassow, Sitz der höchsten Landesbehörden für das Fürstentum Ratzeburg, hat eine evang. Kirche, ein Lutherdenkmal, Realgymnasium, Amtsgericht, Oberförsterei, Elektrizitätswerk, Dampfmolkerei und (1905) 2838 Einw. S. wurde 1822 zur Stadt erhoben. 2) (S. in Oberlausitz) Stadt im preuß. Regbez. Liegnitz, Kreis Lauban, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Denkmal Kaiser Wilhelms I., Pappwaren- und Zigarrenfabrikation, Weberei und (1905) 1302 Einw. 3) Dorf im preuß. Regbez. Danzig, Kreis Karthaus, hat eine evang. Kirche und (1905) 436 Einw. Östlich die Schönberger Berge mit dem 33 im hohen Turmberg, auf dem ein Bismarckturm errichtet ist. 4) Dorf im preuß. Regbez. Schleswig, Kreis Plön, an der Kleinbahn Kiel-S., Hauptort des Ländchens Propstei (1905: 7881 Einw.), hat eine evang. Kirche, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein Amtsgericht, Elektrizitätswerk, Ausfuhr des bekannten Propsteier Saatgetreides und (1905) 1558 Einw. Östlich in der Nähe die Ostseebäder Schönberger und Stakendorser Strand. 5) (Mährisch-S.) Stadt in Mähren, 360 m ü. M., auf einem Hügel nördlich der Mündung der Teß in die March, an den Staatsbahnlinien Sternberg-Ziegenhals und Hohenstadt-Zöptau gelegen, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat 3 katholische und eine prot. Kirche, ein Obergymnasium, eine Webe-, eine Ackerbau- und Flachsbereitungsschule, ein Sanatorium mit Wasserheilanstalt, ein Kranken-, ein Waisenhaus, eine Landeszwangsarbeitsanstalt, bedeutende Leinen-, Baumwoll- und Seidenwarenfabrikation, Bleicherei, Gerberei, Brettsägen, Ziegelbrennerei, Brauerei, Mineralölraffinerie und Fettwarenfabrik und (1900) 11,636 deutsche Einwohner. Vgl. »Chronik der Stadt Mährisch-S.«, von Umlauff u. Tersch (Schönberg 1901, 2 Tle.). 6) Schloßruine am Rhein, s. Meyers Oberwesel.
 
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Schönberg, 1) Gustav von, Nationalökonom, geb. 21. Juli 1839 in Stettin, studierte in Bonn und Berlin Rechts- und Staatswissenschaften, wurde 1865 Gerichtsassessor, war eine Zeitlang am Seminar des preußischen Statistischen Bureaus beschäftigt und wurde 1867 als Lehrer der Nationalökonomie an der landwirtschaftlichen Akademie Proskau angestellt. Ende 1868 zum ordentlichen Professor der Nationalökonomie an die Universität Basel berufen, kam er 1870 in gleicher Eigenschaft nach Freiburg i. Br. und 1873 nach Tübingen. Ende 1899 wurde er zum Kanzler der Universität Tübingen ernannt. Außer einer Reihe von Aufsätzen schrieb S.: »Zur wirtschaftlichen Bedeutung des Zunftwesens im Mittelalter« (Berl. 1868); »Die Landwirtschaft der Gegenwart und das Genossenschaftsprinzip« (das. 1869); »Die Volkswirtschaft der Gegenwart im Leben und in der Wissenschaft« (Basel 1869); »Arbeitsämter. Eine Aufgabe des Deutschen Reichs« (Berl. 1871); »Die Frauenfrage« (Basel 1872); »Die Volkswirtschaftslehre« (Berl. 1873); »Die deutsche Freihandelsschule und die Partei der Eisenacher Versammlung vom Oktober 1872« (Tübing. 1873); »Die sittlich-religiöse Bedeutung der sozialen Frage« (2. Aufl., Stuttg. 1876); »Zur Handwerkerfrage« (Heidelb. 1876); »Finanzverhältnisse der Stadt Basel im 14. und 15. Jahrhundert« (das. 1879); »Basels Bevölkerungszahl im 15. Jahrhundert« (Jena 1883); »Die Sozialpolitik des Deutschen Reichs« (Tübing. 1886). Für das von ihm herausgegebene »Handbuch der politischen Ökonomie« (Tübing. 1882, 2 Bde.; 4. Aufl. 189698, 3 Bde. in 5 Teilen) schrieb S. die Abhandlungen: Volkswirtschaft, Gewerbepolitik, Gewerbliche Arbeiterfrage und Persönliche Dienstleistungen. Auch an der Bildung und Wirksamkeit des Vereins für Sozialpolitik hat sich S. lebhaft beteiligt.
   2) Friedrich von, franz. Marschall, s. Meyers Schomberg.
 
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Schönblatt, s. Meyers Calophyllum.
 
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Schönblindheit, s. Meyers Augenkrankheiten der Haustiere.
 
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Schönborn, altes rheinländisches, seit 1701 reichsgräfliches Geschlecht. Johann Philipp von S., geb. 1605, ward 1642 Fürstbischof zu Würzburg sowie 1647 Erzbischof und Kurfürst von Mainz, wirkte für die Wahl Ferdinands III. zum römischen König, beförderte eifrig das Zustandekommen des Westfälischen Friedens, erneuerte 1658 bei der Krönung des Kaisers Leopold I. den Streit mit dem Erzbischof von Köln über das Recht der Salbung des Kaisers, schloß sich dem Rheinbund an, bemächtigte sich Erfurts mit Hilfe französischer und lothringischer Truppen 1664 durch Kapitulation, zog Leibniz in seine Dienste, verfolgte eine Frankreich freundliche Politik und starb 1673. (Vgl. Guhrauer, Kur-Mainz in der Epoche von 1672, Hamb. 1839, 2 Bde.; Mentz, Joh. Phil. v. S., Jena 189699, 2 Tle.; Wild, Joh. Phil. v. S., genannt der deutsche Salomo, Heidelb. 1896.) Sein Bruder Philipp Erwin v. S., dem er das Erzschenkenamt Mainz, das Erbtruchseßamt Würzburg und 1621 die Reichsherrschaft Reichsberg übertrug, wurde 1663 Freiherr. Dessen Sohn Lothar Franz, Freiherr von S., geb. 1655, war seit 1695 Kurfürst von Mainz, auch Bischof von Bamberg, erhielt mit seinen Brüdern 1701 die Reichsgrafenwürde und starb 1729 (vgl. Wild, Lothar Franz von S., Heidelb. 1904). Sein Bruder Friedrich Karl, Graf von S., Reichskanzler und Fürstbischof zu Bamberg,

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gest. 1746, erwarb der Familie 1711 das Obersterblandtruchseßamt des Herzogtums Österreich ob und unter der Enns (vgl. Wild, Staat und Wirtschaft in den Bistümern Würzburg und Bamberg, Heidelb. 1906). Ein dritter Bruder, Melchior Friedrich, Graf von S., geb. 1644, gest. 1717, k. k. Geheimer und Reichshofrat, hatte 14 Kinder, darunter sieben Söhne, von denen fünf Geistliche wurden, während von den zwei weltlich gebliebenen, Rudolf Franz Erwin und Anselm Franz, sich die jetzt bestehenden drei Linien ableiten: S.-Wiesentheid, in Bayern, Großherzogtum Hessen und Nassau (Chef Graf Artur, geb. 30. Jan. 1846, erblicher Reichsrat in Bayern); S.-Buchheim, in Österreich und Ungarn (Chef Graf Friedrich Karl Erwin, geb. 1869, Obersterblandtruchseß von Österreich, Magnat von Ungarn), und ein böhmischer Ast, dessen Chef Graf Karl Friedrich, geb. 10. April 1840, erbliches Mitglied des österreichischen Herrenhauses, ist. Die Brüder des letztgenannten s. den folgenden Artikel:
 
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Schönborn, Friedrich, Graf, österreich. Staatsmann, geb. 11. Sept. 1841 zu Dlaschkowitz in Böhmen, studierte die Rechte und machte sich durch einige Broschüren als eifriger Anhänger der tschechisch-klerikalen Richtung im böhmischen Feudaladel bemerkbar. 1881 wurde er Statthalter von Mähren, 1888 Justizminister, eine Stelle, die er auch im sogen. Koalitionsministerium bis 1895 innehatte, darauf ward er zum Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofs ernannt. Unter seiner Ministerschaft wurden nicht unwichtige Reformgesetzentwürfe auf juridischem Gebiete fertiggestellt (Strafgesetz, Zivilprozeßordnung u. a.). S. ist lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses. Er schrieb: »Böhmen und Österreich« (Prag 1870); »Randglossen zum Entwurf eines neuen Strafgesetzes« (das. 1878); »Wirkungen der Neuschule« (das. 1881). Sein Bruder Franz, Fürsterzbischof von Prag und Kardinal, geb. 24. Jan. 1844 in Prag, gest. 25. Juni 1899 in Falkenau, studierte die Rechte, machte den Krieg von 1866 als Offizier mit, widmete sich dann der Theologie, wurde 1883 Bischof von Budweis, erhielt 1885 das Prager Erzbistum und 1889 den Kardinalshut. Der jüngste Bruder, Adalbert, geb. 2. Juli 1854, studierte die Rechte, trat in den Gerichtsdienst ein, wurde dann Mitglied des böhmischen Landtags und des Landesausschusses.

 

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