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Schminke bis Schmitt (Bd. 6, Sp. 907 bis 908)
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Artikelverweis Schminke, rote und weiße Präparate, mit denen man die Haut zu verschönern sucht. Als rote S. benutzt man weiße Pulver, wie Reismehl, Talk, Zinkoxyd, basisches Wismutchlorid oder -Nitrat, mit Karmin, Karthamin, mehr aber mit künstlichen roten Farbstoffen und trägt sie mit einer Puderquaste (Schwanenpelz) auf die Haut auf. Flüssige Schminken, ammoniakalische Lösungen von Karmin und Lösungen von Eosin, werden nur noch wenig zum Schminken der Lippen benutzt, dagegen sind Cremeschminken, weiche, nicht fettende Präparate, mehr in Aufnahme gekommen. Das farblose Alloxan, das die Haut rot färbt (Schnouda), ist ohne Bedeutung. Die von Leichner erfundenen Fettschminken sind Mischungen der Farbstoffe mit Fetten und werden hauptsächlich auf der Bühne benutzt, um dem Gesicht des Schauspielers den jeweilig erforderlichen Charakterausdruck zu verleihen. Der Leichnersche Fettpuder ist nur ein Hautverschönerungsmittel für Damen. Über weiße S. s. Meyers Puder. Blaue S. für die Adern besteht aus Talk und Berlinerblau. Wie noch heute viele Naturvölker ihren Körper bemalen, so schminkte man sich auch schon im Altertum. Die Ägypter benutzten Bleiweiß, Mennige, Bleiglanz, Schwefelantimon, Braunstein. Mit grünen basischen Kupferkarbonaten machte man einen Kreis um das Auge. Auch in Ninive und in Griechenland, besonders

[Bd. 6, Sp. 908]


bei den Hetären, war das Schminken gebräuchlich. Europa, die Tochter Agenors, entwendete der Juno ihre Schminkbüchse. Die Römer erfanden abenteuerliche Methoden zur Verschönerung der Haut, und als S. benutzten sie Bleiweiß mit Krokodilmist, Erde von Chios, Zinnober, Mennige, Orseille, Blei, Antimon, Kohle von Rosenblättern, Dattelkernen etc. Triumphatoren schminkten sich mit Mennige. Belgier und Bretonen sollen die Lehrmeister der Römer im Schminken gewesen sein. Auch im Nibelungenlied wird geschminkt. In Deutschland kannte man im Mittelalter an 100 Schönheitsmittel. Eine neue Epoche des Schminkens entstand im 12. Jahrh. am Hofe von Florenz. Von dort kam das Schminken nach Frankreich. Unter Heinrich III. schminkten sich auch die Männer, und unter Ludwig XIV. soll man jährlich 2 Mill. Töpfchen S. verbraucht haben. Vgl. Altmann, Die Maske des Schauspielers (3. Aufl. von Menzel, Berl. 1896); Borée, Die Kunst des Schminkens (das. 1898); Buck, Bühnenköpfe und die Schminkkunst (120 Tafeln mit Text, Zür. 1903); Bolz und Baum, Die Kunst des Schminkens, herausgegeben vom Bunde der Barbiere etc.
 
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Schminkläppchen, s. Meyers Bezetten.
 
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Schminkpflästerchen, s. Meyers Schönheitspflästerchen.
 
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Schminkweiß, soviel wie Wismutweiß.
 
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Schmirgel (Smirgel), Abart des Korunds (s. d.). Außer Korund kommt als S. auch in den Handel gepulverter Edelsteingrus, besonders von Topas und Granat, Gemenge von Eisenglanz und Quarz (levantischer oder venezianischer S.), von Eisenkiesel und Granat, die an Wert hinter dem S. um so mehr zurückstehen, je geringer ihre Härte ist.
 
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Schmirgel, die Dotterblume, s. Meyers Caltha.
 
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Schmirgelfeilen, s. Meyers Mineralfeilen.
 
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Schmirgelleinen, Leinen oder Baumwollengewebe mit aufgeleimtem Schmirgel zum Blankputzen der Maschinenteile, desgleichen zum Schleifen und Abziehen der Kratzen in Spinnereien.
 
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Schmirgelscheibe, s. Meyers Schleifscheiben.
 
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Schmirn, soviel wie Sperber.
 
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Schmitt, 1) Aloys, Komponist, geb. 26. Aug. 1788 zu Erlenbach a. M. in Bayern, gest. 25. Juli 1866 in Frankfurt a. M., machte seine Kompositionsstudien unter André in Offenbach und ließ sich dann als Musiklehrer in Frankfurt a. M. nieder. Nachdem er von da aus einige Kunstreisen gemacht hatte, folgte er einem Ruf als Hoforganist nach Hannover, gab aber diese Stelle bald wieder auf, um in Frankfurt unabhängig als Komponist und Virtuos zu leben. Von seinen Kompositionen (Oratorien, Messen, Opern, Kammermusikwerke, Klavierkonzerte etc.) haben die instruktiven Klavierwerke sich als vorzügliches Unterrichtsmaterial bewährt (Sonatinen, Op. 10 u. 11; Etüden, Op. 16,55,62,67 u. 115; Methode, Op. 114, u. a.). Vgl. Henkel, Leben und Wirken von Dr. Aloys S. (Frankf. 1873). Sein Sohn Georg Aloys S., geb. 1827, war 185792 Hofkapellmeister in Schwerin, lebte seitdem in Dresden und starb daselbst 15. Okt. 1902; er hat sich durch Klavierkompositionen leichtern Stils und eine Oper: »Trilby«, namentlich aber durch seine Unterrichtswerke bekannt gemacht.
   2) Henryk, poln. Historiker, geb. 5. Juli 1817 in Lemberg, gest. daselbst 16. Okt. 1883, erwarb sich unter großen Entbehrungen eine gelehrte Bildung, wurde im Aufstand 1846 zum Tode verurteilt, aber zu strenger Hast auf dem Spielberg begnadigt und erst 1848 amnestiert. Er wurde darauf Kustos der Bibliothek Pawlikowski in Lemberg. Von seinen demokratisch gesinnten Werken über polnische Geschichte sind bemerkenswert: »Abriß der polnischen Geschichte von den ältesten Zeiten bis 1763« (Lemb. 185560, 3 Bde.); »Materialien für die Geschichte des Interregnums nach dem Tode Augusts III.« (das. 1857, 2 Bde.); »Geschichte des polnischen Volkes« (das. 1863); »Geschichte Polens im 18. und 19. Jahrhundert« (Krak. 1866, 3 Bde.); »Die Regierung Stanislaus Augusts« (Lemb. 1870, 2 Bde.) u. a. Sein Leben schrieb Cholodecki (Pseud. W. Cwik; Lemb. 1888).

 

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