Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Schmid bis Schmied (Bd. 6, Sp. 892 bis 900)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Schmid, 1) Karl Christian Ehrhard, Philosoph, geb. 24. Okt. 1761 zu Heilsberg im Weimarischen, gest. 10. April 1812 in Jena, wurde 1791 Professor der Philosophie in Gießen, 1793 in Jena, seit 1806 Vorsteher eines Erziehungsinstituts daselbst. Seine im Kantschen Geist gehaltenen Hauptwerke sind: »Kritik der reinen Vernunft« (Jena 1786, 4. Aufl. 1798); »Wörterbuch zum Gebrauch der Kantschen Schriften« (das. 1786, 3. Aufl. 1795); »Versuch einer Moralphilosophie« (das. 1790, 4. Aufl. 1802) und »Allgemeine Enzyklopädie und Methodologie der Wissenschaften« (Gotha 1810).
   2) Christoph von, Jugendschriftsteller, geb. 15. Aug. 1768 in Dinkelsbühl, gest. 3. Sept. 1854 in Augsburg, studierte in Dillingen, erhielt 1791 die Priesterweihe, ward Schulinspektor und Schulbenefiziat in Thannhausen an der Mindel, 1816 Pfarrer in Stadion bei Ulm, 1827 Domherr in Augsburg und 1832 zugleich Kirchenscholarch. Unter seinen zahlreichen, durch leichte Darstellung und gemütlichen Ton anziehenden, weitverbreiteten und auch ins Französische und Englische übersetzten Jugendschriften, die in vielen Einzel- und Gesamtausgaben vorliegen, sind hervorzuheben: die »Ostereier«, »Genoveva«, »Der Weihnachtsabend«, »Rosa v. Tannenburg«, und »Das Blumenkörbchen«. Seine »Erinnerungen« erschienen Augsburg 185357,4 Bdchn.; seine »Briefe und Tagebuchblätter« gab Werfer (Münch. 1868) heraus. Vgl. Schneiderhan, Christoph v. S., Lebensbild (Stuttg. 1899).
   3) Karl Adolf, Schulmann und Philolog, geb. 19. Jan. 1804 zu Ehingen in Württemberg, gest. 23. Mai 1887 in Stuttgart, studierte in Tübingen, ward Rektor 1838 des Pädagogiums in Eßlingen, 1852 des Gymnasiums in Ulm, 1859 des Gymnasiums in Stuttgart, wo er 1877 mit dem Titel eines Prälaten in den Ruhestand trat. Sein Hauptverdienst liegt in der Herausgabe der »Enzyklopädie des gesamten Erziehungs- und Unterrichtswesens« (mit Palmer und Wildermuth, Gotha 185875, 11 Bde.; 2. Aufl., Leipz. 187687, 10 Bde., vom 7. Bd. an unter Leitung von W. Schrader), von der er auch einen Auszug als »Pädagogisches Handbuch« (2. Aufl. 1883 bis 1884, 2 Bde.) herausgab. Eine Sammlung von Reden und Aufsätzen erschien u. d. T.: »Aus Schule und Zeit« (Gotha 1875). Von der umfangreichen

[Bd. 6, Sp. 893]


»Geschichte der Erziehung« erschien während seines Lebens nur der 1. Band: »Die vorchristliche Erziehung« (bearbeitet von S. und G. Baur, Stuttg. 1884); es wurde fortgeführt und vollendet von seinem Sohne Georg Schmid, Staatsrat und Professor in Petersburg, mit Hilfe zahlreicher Mitarbeiter (Bd. 25, das. 18891902).
   4) Leopold, freisinniger katholischer Theolog und philosophischer Schriftsteller, geb. 9. Juni 1808 in Zürich, gest. 20. Dez. 1869 in Gießen, ward nach Bekleidung mehrerer Pfarrämter 1839 Professor der katholischen Theologie und 1843 auch der Philosophie in Gießen. 1849 zum Bischof von Mainz erwählt, aber vom Papst in dieser Eigenschaft nicht bestätigt, legte er seine Professur der Theologie nieder, behielt nur die der Philosophie bei und verzichtete 1867 auf die römische Kirchengemeinschaft. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: »Über die jüngste Mainzer Bischofswahl« (Gießen 1850); »Der Geist des Katholizismus, oder Grundlegung der christlichen Irenik« (das. 184850,4 Bücher; 2. Ausg. 1880); »Grundzüge der Einleitung in die Philosophie« (das. 1860); »Das Gesetz der Persönlichkeit« (das. 1862); »Ultramontan oder katholisch« (1.4. Aufl., das. 1867); »Mitteilungen aus der neuesten Geschichte der Diözese Mainz« (das. 1868, gegen Ketteler). Vgl. Schröder und Schwarz, L. Schmids Leben und Denken (Leipz. 1871); Lutterbeck, Leopold S. über die religiöse Aufgabe der Deutschen (Mannh. 1875).
   5) Heinrich, luth. Theolog, geb. 31. Juli 1811 in Harburg bei Nördlingen, gest. 17. Nov. 1885 in Erlangen, wo er seit 1846 Privatdozent, seit 1848 außerordentlicher, seit 1854 ordentlicher Professor war. Unter seinen zahlreichen Schriften sind zu nennen: »Die Dogmatik der evangelisch-lutherischen Kirche dargestellt« (Erlang. 1843; 7. Aufl., Gütersl. 1893); »Geschichte der synkretistischen Streitigkeiten« (Erlang. 1846); »Lehrbuch der Kirchengeschichte« (Nördl. 1851, 2. Aufl. 1856); »Die Theologie Semlers« (das. 1858); »Geschichte des Pietismus« (das. 1863); »Lehrbuch der Dogmengeschichte« (das. 1860; 4. Aufl. von Hauck, das. 1887); »Der Kampf der lutherischen Kirche um Luthers Lehre vom Abendmahl im Reformationszeitalter« (Leipz. 1868); »Geschichte der katholischen Kirche Deutschlands von der Mitte des 18. Jahrhunderts« (Münch. 187274); »Handbuch der Kirchengeschichte« (Erlang. 180081, 2 Bde.).
   6) Hermann von, Schriftsteller, geb. 30. März 1815 zu Weizenkirchen in Oberösterreich, gest. 19. Okt. 1880 in München, studierte auf der Universität München die Rechte, trat dann in den bayrischen Staatsdienst, ward 1848 zum Gerichtsassessor in München und dramaturgischen Beirat des Hoftheaters befördert, aber 1850 infolge seiner Parteinahme für Ronges deutsches Kirchentum in Ruhestand versetzt. Seitdem privatisierte er in München als. Schriftsteller, bis ihm 1870 König Ludwig II. die Direktion des Gärtnertortheaters übertrug, die er aber nur wenige Jahre behielt. S. trat zuerst mit dem Trauerspiel »Camoens«, das in München 1843 mit Beifall zur Ausführung kam, sodann besonders mit anziehenden Schilderungen aus dem Volksleben hervor, die durch die »Gartenlaube« die weiteste Verbreitung fanden und seinen Namen rasch allgemein beliebt machten. Die meisten seiner Romane und Dorfgeschichten spielen auf dem Boden seiner Heimat. Wir nennen von ihnen: »Das Schwalberl« (Münch. 1861); »Alte und neue Geschichten aus Bayern« (das. 1861); »Der Kanzler von Tirol« (das. 1862, 3 Tle.); »Almenrausch und Edelweiß«, Erzählung (Berl. 1864); »Bayrische Geschichten aus Dorf und Stadt« (Münch. 1864, 2 Bde.); »Im Morgenrot« (das. 1864, 2 Bde.); »Friedel und Oswald« (Berl. 1866, 3 Bde.); »Mütze und Krone« (Leipz. 1869, 5 Bde.), vielleicht das bedeutendste Werk Schmids; »Die Türken in München« (das. 1872, 2 Bde.); »Concordia« (das. 1874, 5 Bde.); »Der Bauernrebell« (Stuttg. 1876). Von seinen Bühnenstücken (gesammelt als »Dramatische Schriften«, Leipz. 1853, 2 Bde.) verdienen die Trauerspiele: »Karl Stuart«, »Christoph der Kämpfer« und »Straßburg«, die spätern Dramen: »Columbus« (Leipz. 1875), »Rose und Distel« (Wien 1876) und die Volksstücke: »Der Tatzelwurm« (Stuttg. 1873), »Die Auswanderer« (das. 1875), »Vineta« (das. 1875), »Die Z'widerwurz'n« (Leipz. 1878), »Der Loder« (das. 1880) Hervorhebung. Außerdem veröffentlichte er die erzählende Dichtung »Winland, oder die Fahrt ums Glück« (Stuttg. 1877). Schmids »Gesammelte Schriften« erschienen in 50 Bänden (Leipz. 187384, 2. Aufl. 188992).
   7) (S.-Schwarzenberg) Franz Xaver, Philosoph und Pädagog, geb. 22. Okt. 1819 in Schwarzenberg (Oberösterreich), gest. 28. Nov. 1883 in München, seit 1856 Privatdozent, später Professor der Philosophie und Pädagogik in Erlangen. Als Pädagog machte er sich namentlich verdient durch Begründung besonderer Vereine für Volkserziehung (Erlangen 1871, Augsburg 1878 etc.), die er 1880 zu einem bayrischen Landesverein zusammenfaßte. 1876 entstand die von S. begründete Volkserziehungsanstalt in Bäumenheim bei Donauwörth und seit 1881 eine sich noch immer mehrende Anzahl von Knaben- und Mädchenhorten (s. Meyers Kinderhorte). Er schrieb: »Christliche Religionsphilosophie« (Nördl. 1857); »Philosophische Pädagogik im Umrisse« (Erlang. 1858); »Réné Descartes« (Nördl. 1859); »Entwurf eines Systems der Philosophie auf pneumatologischer Grundlage« (Wien 186368, 3 Tle.); »Clytia, eine pädagogische Novelle« (Erlang. 1880); »Über Volkserziehung« (Stuttg. 1879); »Briefe über vernünftige Erziehung« (3. Aufl., Wien 1882); »Katechismus der Gerechtigkeit« (das. 1883) u. a.-
   8) Ferdinand von, unter dem Namen Dranmor bekannter Dichter, geb. 22. Juli 1823 in Muri bei Bern, gest. 19. März 1888 in Bern, widmete sich dem Kaufmannsstand und ging nach vollendeter Lehrzeit nach Brasilien, wo er sich durch Unternehmungsgeist und Tatkraft zu großem Wohlstand emporschwang und 1852 österreichischer Generalkonsul in Rio de Janeiro wurde. Später trat er in nähere Beziehungen zum Erzherzog Maximilian von Österreich. Seit 1872 lebte er vorwiegend in Paris, seit 1875 wieder in Rio de Janeiro. Schmids Dichtungen zeichnen sich durch Tiefe des elegischen Gehaltes und durch formale Abrundung aus. Seine Werke sind: »Poetische Fragmente« (Leipz. 1860, 2. Aufl. 1865); »Kaiser Maximilian«, Gedicht (Raab 1868), und »Requiem«, eine philosophisch-psychologische Dichtung (2. Aufl., Leipz. 1870). Seine »Gesammelten Dichtungen« (Berl. 1873, 3. Aufl. 1879) enthalten außer den genannten auch den »Dämonenwalzer«. Vgl. Vetter, Ferdinand S., eine literarische Studie (Bern 1897).
   9) Matthias, Maler, geb. 14. Nov. 1835 zu See im Paznauner Tal, kam 1853 nach München zu einem Vergolder und blieb dort drei Jahre, worauf er die Akademie besuchte. Anfangs widmete er sich der religiösen Malerei, fand aber erst den richtigen Boden für sein Talent, als er 1869 in die Schule Pilotys

[Bd. 6, Sp. 894]


trat. Nach dem Beispiel Defreggers wählte er zunächst die Stoffe zu seinen Bildern aus dem Tiroler Volksleben, aus dem er jedoch auch die Schattenseiten mit polemischer Tendenz hervorhob. Seine Hauptwerke dieser Gattung sind: der Herrgottschnitzer, die Bettelmönche, die Beichtzettelsammlung, der Sittenrichter, das Brautexamen und die Austreibung der Zillertaler Protestanten. Seit 1879 schuf er auch eine Reihe von Genrebildern in anmutiger Formgebung und weichem Kolorit ohne Tendenz, von denen das Verlöbnis, Stillvergnügt, der Jägergruß, der eingeseifte Herr Pfarrer, die Rettung einer abgestürzten Edelweißpflückerin durch ihren Burschen, Verlassen, der Gang zur Wallfahrt, eine Szene aus den Tiroler Befreiungskriegen gegen die Franzosen, die Spielwarenhändlerin und der Festredner genannt seien. S. hat auch Altarbilder für Kirchen in München und Passau gemalt. Er ist königlicher Professor und lebt in München.
 
Artikelverweis 
Schmidt, bei lat. Pflanzennamen für Johann Anton Schmidt, geb. 6. Mai 1823 in Hamburg, 185463 Professor in Heidelberg, gest. 21. Jan. 1905 in Elberfeld, schrieb: »Beiträge zur Flora der Kapverdischen Inseln« (Heidelb. 1852), »Flora von Heidelberg« (das. 1857); Labiaten, Skrofulariazeen.
 
Artikelverweis 
Schmidt, 1) Karl von, preuß. Reitergeneral, geb. 12. Jan. 1817 in Schwedt a. O., gest. 25. Aug. 1875 in Danzig als Generalmajor (beauftragt mit Führung der 7. Division), trat 1834 aus dem Kadettenhaus in das 4. Ulanenregiment und machte die Feldzüge 1864 und 1866 als Kommandeur des Kürassierregiments Nr. 4 mit. Geradezu vorbildlich konnte sich seine Tätigkeit im Feldzug 1870/71 entfalten. Noch Ende 1866 zum Kommandeur des neu errichteten Husarenregiments Nr. 16 ernannt, rückte er an dessen Spitze ins Feld, erhielt 16. Aug. das Kommando der 14. Kavalleriebrigade und nahm mit dieser noch am gleichen Tage ruhmreichen Anteil an der Schlacht von Vionville, wobei er durch einen Schuß in den Oberschenkel schwer verwundet wurde. Nur notdürftig wiederhergestellt, eilte er seiner Brigade nach und erreichte sie 5. Okt. in Le Mesnil St.-Denis, um am folgenden Tage das Kommando über die 6. Kavalleriedivision an Stelle von deren verwundetem Führer, des Herzogs Wilhelm von Mecklenburg, zu übernehmen. Als Kavalleriedivisionsführer wie auch mehrfach als Führer aus allen Waffengattungen zusammengesetzter Verbände hat sich S. bis zum Friedensschluß hervorragend bewährt (Verfolgung nach der Schlacht von Le Mans). Nach der Rückkehr in die Heimat hat er mit Wort und Schrift unermüdlich tätig bahnbrechend auf die Entwickelung der deutschen Reiterei, ihre kriegsmäßige Ausbildung und Führung im Gefecht eingewirkt. Nach ihm ist das preußische Ulanenregiment von S. (1. pommersches) Nr. 4 benannt. Aus seinem Nachlaß gab v. Vollard-Bockelberg die »Instruktionen, betreffend die Erziehung, Ausbildung, Verwendung und Führung der Reiterei« (Berl. 1876, 2. Aufl. 1886) heraus. Vgl. Kaehler, Die preußische Reiterei von 18061876 in ihrer innern Entwickelung (Berl. 1876); Pelet-Narbonne, General Karl von S. (Beiheft zum »Militär-Wochenblatt«, 1902, Berl.).
   2) Auguste, Vorkämpferin der deutschen Frauenbewegung, geb. 3. Aug. 1833 in Breslau als Tochter eines Offiziers, gest. 10. Juni 1902 in Leipzig, erhielt ihre Vorbildung in der königlichen Landesschule zu Posen und bestand dort 1850 die Lehrerinnenprüfung. Nach kurzer Wirksamkeit als Erzieherin wurde sie 1855 Lehrerin an der höhern Mädchenschule zu St. Maria Magdalena und später Leiterin einer Privatschule in Breslau, 1862 wissenschaftliche Leiterin der von Ottilie v. Steyber begründeten höhern Mädchenschule in Leipzig, die 1870 in ihren Besitz überging und samt dem mit ihr verbundenen Lehrerinnenseminare bis 1892 unter ihrer Leitung stand. Dann gab sie die unterrichtliche Tätigkeit auf, um sich ganz den Vereinsbestrebungen zur geistigen Hebung und sozialen Förderung des weiblichen Geschlechts zu widmen. Seit 1865 neben Luise Otto-Peters (s. Meyers Otto 4, S. 257) zweite Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, wurde sie, kurz zuvor von einjährigem Aufenthalt in Italien heimgekehrt, nach deren Tode (im März 1895) erste Vorsitzende dieses Vereins, zu dessen Erfolgen sie wesentlich beigetragen hat. Vgl. Friedrichs, Auguste S. als Frauenrechtlerin (Leipz. 1904); Anna Plothow, Die Begründerinnen der deutschen Frauenbewegung (2. Aufl., das. 1907).
   3) Reinhart, deutscher Politiker, geb. 14. Juni 1838 zu Sprockhövel in Westfalen, besitzt seit 1869 eine Papierfabrik in Elberfeld, war 189093 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und gehört ununterbrochen seit 1887 dem Reichstag an. Als Vertreter der freisinnigen Volkspartei war S. 189598 erster und 18981900 zweiter Vizepräsident des Reichstags. Gegenwärtig ist er Vorsitzender der freisinnigen Volkspartei.
   4) Rochus, Afrikareisender und Kolonialschriftsteller, geb. 10. Juli 1860 in Grasegrund bei Bunzlau, wurde Offizier, trat unter Wissmann in die deutsche Schutztruppe, wurde Bezirkshauptmann von Bagamoyo, nahm 1892 seinen Abschied und lebt jetzt in Magdeburg. Er veröffentlichte: »Geschichte des Araberaufstandes in Ostafrika« (Frankf. a. O. 1892); »Deutschlands Kolonien« (Berl. 1895, 2 Bde.); »Deutschlands koloniale Helden und Pioniere der Kultur im schwarzen Kontinent« (Braunschw. 1896, 2 Bde.) und (in Gemeinschaft mit C. v. Perbandt und G. Richelmann) die Biographie »Hermann v. Wissmann, Deutschlands größter Afrikaner« (Berl. 1906). [Theologen, Philosophen etc.] 5) Karl, protest. Theolog, geb. 20. Juni 1812 in Straßburg, gest. daselbst 11. März 1895., wurde 1837 Privatdozent am Seminar und 1839 ordentlicher Professor der Theologie daselbst, seit 1843 und dann wieder 18721877 auch Mitglied der theologischen Fakultät. Unter seinen Schriften heben wir hervor: »Essai sur Jean Gerson« (Straßb. 1839); »Johannes Tauler« (Hamb. 1841); »Gérard Roussel« (Straßb. 1845); »Histoire et doctrine de la secte des Cathares ou Albigeois« (Par. 1849, 2 Bde.); »Essai historique sur la société civile dans le monde romain et sur sa transformation par le christianisme« (Straßb. 1853; deutsch von Richard, Leipz. 1857); »Die Gottesfreunde« (Jena 1854); »Peter Martyr Vermigli« (Elberf. 1858); »Wilhelm Farel und Peter Viret« (das. 1860); »Philipp Melanchthon« (das. 1861); »Leben und Schriften des Nikolaus von Basel« (Wien 1866); »Les libertins spirituels. Traités mystiques« (Par. 1876); »Histoire littéraire de l'Alsace à la fin du XV. et an commencement du XVI. siècle« (das. 1879, 2 Bde.); »Précis de l'histoire de l'Eglise d'Occident pendant le moyen-âge« (das. 1885); »Répertoire bibliographique strasbourgeois jusque vers 1530« (Straßb. 189398,8 Hefte). Aus seinem Nachlaß erschien das »Wörterbuch der Straßburger Mundart« (Straßb. 1896).

[Bd. 6, Sp. 895]



   6) Kaspar, unter dem Pseudonym Max Stirner bekannter philosophischer Schriftsteller, geb. 25. Okt. 1806 in Bayreuth, gest. 26. Juni 1856 in Berlin, studierte in Berlin, Erlangen und Königsberg Theologie und Philologie, ward Gymnasiallehrer in Berlin, dann Lehrer an einer höhern Töchterschule daselbst. Zuletzt lebte er in sehr dürftigen Verhältnissen. Sein Hauptwerk: »Der Einzige und sein Eigentum« (Leipz. 1845, 3. Aufl. 1900, auch in Reclams Universal-Bibliothek), kann als das Äußerste gelten, was der philosophische Radikalismus an kühner und geistreicher Negation gegen Staat, Religion, Sitte und in der Betonung des vollendeten Egoismus hervorgebracht hat. Sonst schrieb er noch eine »Geschichte der Reaktion« (Berl. 1852, 2 Bde.) und übersetzte Says »Lehrbuch der praktischen politischen Ökonomie« (Leipz. 1845, 4 Bde.) und Adam Smiths »Untersuchungen über den Nationalreichtum«. Zuerst erregten seine Ausstellungen einiges Aufsehen und Widerspruch, dann waren sie lange Zeit vergessen, bis E. v. Hartmann wieder darauf hinwies. Später wurden sie in Verbindung mit Nietzsches Ansichten gebracht, wiewohl mit Unrecht, und mehr beachtet. Max Stirners »Kleinere Schriften« gab Mackay heraus (Berl. 1898). Vgl. Lucchesi, Die Individualitätsphilosophie Stirners (Leipz. 1897); Mackay, M. Stirner, sein Leben und sein Werk (das. 1898); Joël, Philosophenwege (Berl. 1901); V. Basch, Individualisme anarchiste, Max Stirner (Par. 1904); Ruest, Max Stirner (2. Aufl., Berl. 1906); Messer, Max Stirner (das. 1907); E. Horn, Max Stirners ethischer Egoismus (das. 1906).
   7) Karl, pädagogischer Schriftsteller, geb. 7. Juli 1819 in Osternienburg (Anhalt), gest. 8. Nov. 1864 in Gotha, studierte in Halle und Berlin Theologie und Philosophie, ward 1845 Gymnasiallehrer in Köthen, 1846 Pfarradjunkt in Edderitz, trat 1850 an das Gymnasium zurück und folgte 1863 dem Ruf als Seminardirektor, Schulrat und Landesschulinspektor nach Gotha, wo er ein freisinniges Volksschulgesetz ins Leben rief. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: »Anthropologische Briefe« (Dessau 1852; 2. Aufl.) als »Anthropologie« (Dresd. 1865, 2 Bde.); »Die Harmonie der Welten« (Leipz. 1853); »Buch der Erziehung« (Köthen 1854, 2. Aufl. 1873); »Briefe an eine Mutter« (das. 1855); »Gymnasialpädagogik« (das. 1857); »Geschichte der Pädagogik« (das. 186062, 4 Bde.; Bd. 1 in 4. Aufl. von Dittes und Hannak, 1888; Bd. 2 u. 3 in 3. Aufl. von W. Lange, 1873 u. 1875; Bd. 4 in 4. Aufl. von Lange 1883); »Geschichte der Erziehung und des Unterrichts« (das. 1863, 4. Aufl. 1883). Vgl. Meißelbach, Dr. Karl S. (Gotha 1892).
   [Juristen.] 8) Karl Adolf (S.-Ilmenau zur Unterscheidung von S. 9), Pandektist, geb. 4. Nov. 1816 zu Allstedt in Sachsen-Weimar, gest. 24. Okt. 1903 in Baden-Baden, habilitierte sich 1840 in Jena, ward 1843 zum außerordentlichen Professor ernannt, 1849 ordentlicher Professor in Greifswald, 1850 in Freiburg. 185866 war er Mitglied der badischen Ersten Kammer, folgte im Frühjahr 1869 einem Ruf an die Universität Bonn, im Herbst desselben Jahres einem solchen nach Leipzig. 1901 trat er in den Ruhestand. Von seinen Schriften sind zu nennen außer seiner Ausgabe von Ciceros Rede »Pro Roscio Commoedo« (Leipz. 1840): »Zivilistische Abhandlungen« (Bd. 1, Jena 1841); »Das Interdiktenverfahren der Römer« (Leipz. 1853); »Das formelle Recht der Noterben« (das. 1862); »Das Pflichtteilsrecht des Patronus und des Parens Manumissor« (Heidelb. 1868); »Das Hauskind in mancipio« (Leipz. 1879). Von der Universität Leipzig wurde er zum Dr. phil. honoris causa promoviert.
   9) Karl Adolf, Jurist, geb. zu Warnow in Mecklenburg, gest. 8. Juli 1871 als Rat am Oberappellationsgericht in Rostock, schrieb: »Der prinzipielle Unterschied zwischen dem römischen und germanischen Rechte« (Bd. 1, Rostock 1853); »Die Rezeption des römischen Rechts in Deutschland« (das. 1868).
   [Geschichtschreiber.] 10) Michael Ignaz, Geschichtschreiber, geb. 30. Jan. 1736 zu Arnstein im vormaligen Hochstift Würzburg, gest. 1. Nov. 1794 in Wien, besuchte das bischöfliche Seminar in Würzburg, ward Erzieher der Kinder des Grafen Rotenhan in Bamberg, 1763 Seminardirektor in Würzburg, 1771 Universitätsbibliothekar, Beisitzer der theologischen Fakultät und Lehrer der deutschen Reichsgeschichte daselbst. 1774 mit einer ansehnlichen Präbende ausgestattet, trat er als geistlicher Rat in die Regierung ein. Nachdem er 1778 den Anfang seiner »Geschichte der Deutschen« veröffentlicht hatte, wurde S. Wirklicher kaiserlicher Hofrat und Direktor des Haus- und Staatsarchivs in Wien, daneben Lehrer des nachmaligen Kaisers Franz II. und Mitglied des neuorganisierten Zensurkollegiums. Das genannte Geschichtswerk erschien unter dem Titel: »Ältere Geschichte der Deutschen« (Ulm 177885) und ward vom 6. Band an aus dem Nachlaß Schmidts als »Neuere Geschichte der Deutschen« von Milbiller fortgesetzt (das. 17851808, 17 Bde.). Eine andre Ausgabe erschien in Wien als »Ältere Geschichte der Deutschen« (17831793, 5 Bde.) und als »Neuere Geschichte der Deutschen« (17851808, 17 Bde.). Eine Fortsetzung dazu schrieb Dresch (»Geschichte Deutschlands seit der Stiftung des Rheinbundes«, Ulm 182430, 2 Bde.). Biographie von Oberthür (Hannov. 1802).
   11) Wilhelm Adolf, namhafter Geschichtschreiber, geb. 26. Sept. 1812 in Berlin, gest. 10. April 1887 in Jena, wurde 1840 Privatdozent, 1845 außerordentlicher Professor der Geschichte in Berlin, 1851 Professor in Zürich und 1860 in Jena. 1848 Mitglied des Frankfurter Parlaments, gehörte S. 187476 dem deutschen Reichstag an. Von seinen Werken sind hervorzuheben: »Geschichte der Denk- und Glaubensfreiheit im 1. Jahrhundert der Kaiserherrschaft und des Christentums« (Berl. 1847); »Preußens deutsche Politik« (das. 1850, 3. Aufl. 1867); »Geschichte der preußisch-deutschen Unionsbestrebungen« (das. 1851, 2 Bde.); »Der Aufstand in Konstantinopel unter Justinian« (Zürich 1854); »Zeitgenössische Geschichten« (Berl. 1859); »Elsaß und Lothringen« (Leipz. 1859, 3. Aufl. 1870); »Tableaux de la Révolution française publiés sur les papiers inédits du département de la police secrète de Paris« (das. 186770, 3 Bde.); »Epochen und Katastrophen« (Berl. 1874); »Pariser Zustände während der Revolutionszeit 17891800« (Jena 187476, 3 Bde.; franz. von Viollet, Par. 188085, 2 Bde.); »Das Perikleische Zeitalter« (Jena 187779, 2 Bde.); »Handbuch der griechischen Chronologie« (das. 1888) und »Abhandlungen zur alten Geschichte« (Leipz. 1888, beide Werke hrsg. von Rühl). Auch redigierte er 184448 die »Zeitschrift für die Geschichtswissenschaft« und besorgte die 8. Ausgabe von Beckers »Weltgeschichte« (Berl. 186063, 18 Bde.). Aus seinem Nachlaß gab Alfred Stern heraus: »Geschichte der deutschen Verfassungsfrage während der Befreiungskriege und des Wiener Kongresses« (Stuttg. 1890). Vgl. Landwehr, Zur Erinnerung an Adolf S. (Berl. 1887).

[Bd. 6, Sp. 896]



   [Literarhistoriker.] 12) Heinrich Julian, Literarhistoriker, geb. 7. März 1818 in Marienwerder, gest. 27. März 1886 in Berlin, studierte in Königsberg Geschichte und Philologie, bekleidete sodann 1842 bis 1846 eine Lehrerstelle an der Luisenstädtischen Realschule in Berlin, siedelte 1847 nach Leipzig über, wo er Mitarbeiter an den »Grenzboten« wurde, die er im Juli 1848 gemeinschaftlich mit Freytag zu eigen erwarb. Die beiden nahe befreundeten Schriftsteller verliehen dieser Zeitschrift sowohl durch die literarische Kritik (Kampf gegen die Romantik und gegen das Junge Deutschland, Hochhaltung eines gesunden Realismus) als durch die politischen Artikel (gemäßigter Liberalismus der sogen. Gothaer) bald eine sehr geachtete Stellung. Vorher schon (Ende 1847) hatte S. sein erstes größeres, bereits 1845 geschriebenes Werk, die »Geschichte der Romantik im Zeitalter der Revolution und Restauration« (Leipz. 1847), veröffentlicht. Aus seinen Artikeln für die »Grenzboten« entstanden allmählich zwei größere, trotz mancher Einseitigkeit beachtenswerte Werke, die »Geschichte der deutschen Nationalliteratur im 19. Jahrhundert« (Leipz. 1853, 2 Bde.) und die »Geschichte der französischen Literatur seit der Revolution« (das. 1857; 2. umgearbeitete Aufl. 187374, 2 Bde.). Besondern Erfolg hatte das erstere Werk; es ward bald um einen Band: »Jena und Weimar« (1855), erweitert und führte nun den Titel: »Geschichte der deutschen Literatur seit Lessings Tod« (5. Aufl., Leipz. 186567, 3 Bde.). Nachdem sich die Beziehungen Schmidts und Freytags zu den Meyers »Grenzboten« (s. d.) schon seit längerer Zeit gelockert hatten, trat S. 1861 ganz von der Redaktion der Zeitschrift zurück und übernahm in Berlin die ihm von der Fraktion Vincke angetragene Redaktion der »Berliner Allgemeinen Zeitung«, die 1863 zu erscheinen aufhörte, worauf S. sich wieder ausschließlich der literarhistorischen Tätigkeit zuwandte. Seit 1878 bezog er einen Ehrengehalt von 1500 Mk., den ihm der deutsche Kaiser zur Feier seines 60. Geburtstags ausgesetzt hatte. Sein Werk »Geschichte des geistigen Lebens in Deutschland von Leibniz bis auf Lessings Tod, 16811781« (Leipz. 186163, 2 Bde.) schließt sich, der Zeit nach rückwärts, seiner »Geschichte der Literatur seit Lessings Tod« ergänzend an. Vereint erschienen diese Werke als »Geschichte der deutschen Literatur von Leibniz bis auf unsre Zeit« (Berl. 1886 bis 1896, 5 Bde.). Ferner erschienen von ihm: »Übersicht der englischen Literatur im 19. Jahrhundert« (Sondersh. 1859); »Schiller und seine Zeitgenossen« (Leipz. 1859); »Über die Notwendigkeit einer neuen Parteibildung« (Berl. 1866) und die geistvollen Essays: »Bilder aus dem geistigen Leben unsrer Zeit« (Leipz. 187074, 4 Bde.), in denen der Kritiker sich der Literatur der Gegenwart gegenüber billiger und anerkennender zeigte als in seiner frühern Zeit. Verwandter Natur ist die Sammlung »Porträts aus dem 19. Jahrhundert« (Berl. 1878).
   13) Erich, Literarhistoriker, Sohn von S. 17), geb. 20. Juni 1853 in Jena, studierte germanische Philologie und Literaturgeschichte in Graz, Jena und Straßburg, habilitierte sich 1875 als Privatdozent für Literaturgeschichte in Würzburg, ward Ostern 1877 als außerordentlicher Professor der deutschen Philologie nach Straßburg, im Herbst 1880 als ordentlicher Professor nach Wien berufen, von wo er 1885 als Direktor des Goethe-Archivs nach Weimar übersiedelte. Ende 1886 erhielt er als Nachfolger seines Lehrers W. Scherer die Professur für deutsche Sprache und Literatur an der Universität in Berlin. Er veröffentlichte: »Reinmar von Hagenau und Heinrich von Rugge« (Straßb. 1874); »Richardson, Rousseau und Goethe« (Jena 1875); »H. L. Wagner, Goethes Jugendgenosse« (das. 1875, 2. Aufl. 1879); »Lenz und Klinger, zwei Dichter der Geniezeit« (Berl. 1878); »Beiträge zur Kenntnis der Klopstockschen Jugendlyrik« (Straßb. 1880); »Charakteristiken« (Berl. 1886 bis 1901, 2 Bde.; Bd. 1: 2. Aufl. 1902). Sein Hauptwerk ist: »Lessing. Geschichte seines Lebens und seiner Schriften« (Berl. 188492, 2 Bde.; 2. Aufl. 1899) Außerdem gab er heraus: »Goethes Faust in ursprünglicher Gestalt, nach der Göchhausenschen Abschrift« (Weim. 1888, 3. Aufl. 1894); »Lessings Übersetzungen aus dem Französischen Friedrichs des Großen und Voltaires« (Berl. 1892), »Goezes Streitschriften gegen Lessing« (Stuttg. 1893), mehrere Bände der »Schriften der Goethe-Gesellschaft« (Weim. 1885 ff.), besorgte mit Hartmann eine kritische Ausgabe von Uhlands »Gedichten« (Stuttg. 1898, 2 Bde.), mit Steig und Minde-Pouet eine solche von Kleists Werken (Leipz. 1905, 5 Bde., in Meyers Klassiker-Bibliothek) und ist als Redakteur und Herausgeber (»Faust« u. a.) an der weimarischen Goethe-Ausgabe beteiligt.
   [Sprachforscher.] 14) Isaak Jakob, namhafter Kenner der mongolischen und tibetischen Sprache und Literatur, geb. 1779 in Rostock, gest. 8. Sept. 1847 als russischer Staatsrat und Mitglied der Akademie in Petersburg. Unter seinen zahlreichen Schriften heben wir hervor: »Forschungen im Gebiet der ältesten religiösen, politischen und literarischen Bildungsgeschichte der Völker Mittelasiens, vorzüglich der Mongolen und Tibeter« (Petersb. 1824); Ausgabe und Übersetzung der 1662 mongolischabgefaßten »Geschichte der Ostmongolen und ihres Fürstenhauses« (das. 1829); »Grammatik der mongolischen Sprache« (das. 1831); »Mongolisch-deutsch-russisches Wörterbuch« (das. 1835); »Die Taten Bogda Gesser-Chans« (das. 1836, deutsch 1839); »Grammatik der tibetischen Sprache« (das. 1839), eine deutsche Version der »Grammar of the tibetan language« von Csoma de Körös (Kalkutta 1834); »Tibetisch-deutsches Wörterbuch« (Petersb. 1841); »Der Weise und der Tor«, tibetischer Text und Übersetzung (das. 1843, 2 Bde.).
   15) Moritz, Philolog, geb. 19. Nov. 1823 in Breslau, gest. 8. Okt. 1888 in Jena, studierte seit 1840 in Breslau und Berlin, privatisierte dann in Schweidnitz, unterrichtete seit 1847 am dortigen Gymnasium und wurde 1849 Lehrer am Gymnasium in Öls, 1857 außerordentlicher, 1869 ordentlicher Professor in Jena. Von griechischen Grammatikern gab er heraus: »Didymi fragmenta« (Leipz. 1854), »Hesychii lexicon« (Jena 185868, 5 Bde.; kleinere Ausg. 186364, 2 Tle.; 2. Aufl. 1867) und Arkadios' »Epitome« aus Herodians »Catholica prosodia« (das. 1860). Zu den griechischen Dichtern, deren Metrik er besondere Sorgfalt zuwandte, veröffentlichte er: »De dithyrambo poetisque dithyrambicis« (Berl. 1845); »Pindars olympische Siegesgesänge« (griech. u. deutsch, Jena 1869); »Die Sophokleischen Chorgesänge rhythmiert« (das. 1870); »Über den Bau der Pindarischen Strophen« (Leipz. 1882) sowie Ausgaben von Sophokles' »Oedipus tyrannus« (Jena 1871) und »Antigone« (das. 1880). Inschriftlichen Studien entsprangen: »The Lycian inscriptions« (Jena 1868); »Neue lykische Studien« (das. 1869); »Die Inschrift von Idalion und das kyprische Syllabar« (das. 1874); »Sammlung kyprischer Inschriften in epichorischer Schrift« (das. 1876). Außerdem lieferte er Ausgaben von Hyginus (Jena 1872), von

[Bd. 6, Sp. 897]


Aristoteles' Schrift »Über die Dichtkunst« (griech. u. deutsch, das. 1875), von »Aristotelis Politicorum liber I« (griech. u. deutsch, das. 1882, 2 Tle.) und des »Memoire eines Oligarchen in Athen über die Staatsmaximen des Demos« (d. h. der pseudoxenophontischen Schrift vom Staate der Athener, das. 1876). Vgl. Kötschau, Moritz S. (Berl. 1890).
   16) Johannes, Sprachforscher, geb. 29. Juli 1843 in Prenzlau, gest. 4. Juli 1901 in Berlin, studierte 186165 in Bonn und Jena, habilitierte sich im Sommer 1868 in Bonn für vergleichende Sprachwissenschaft, ward 1873 daselbst außerordentlicher Professor, bald darauf als Ordinarius nach Graz und von hier 1876 nach Berlin berufen, wo er 1884 auch Mitglied der Akademie der Wissenschaften wurde. Seine hauptsächlichsten Schriften sind: »Zur Geschichte des indogermanischen Vokalismus« (Weim. 187175, 2 Bde.); »Die Verwandtschaftsverhältnisse der indogermanischen Sprachen« (das. 1872); »Die Pluralbildungen der indogermanischen Neutra« (das. 1889); »Die Urheimat der Indogermanen und das europäische Zahlensystem« (Berl. 1890); »Kritik der Sonantentheorie« (Weim. 1895). Seit 1875 war er Mitredakteur der »Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung«.
   [Naturforscher, Ärzte.] 17) Oskar, Zoolog, geb. 21. Febr. 1823 in Torgau, gest. 17. Jan. 1886 in Straßburg, studierte seit 1842 in Halle und Berlin, habilitierte sich 1847 in Jena für Zoologie, erhielt 1849 eine außerordentliche Professur, folgte 1855 einem Ruf an die Universität Krakau, ward 1857 nach Graz versetzt und wurde 1872 Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie in Straßburg. S. untersuchte namentlich die niedern Tiere und seit 1862 vorzugsweise die Schwämme, über die er »Die Spongien des Adriatischen Meeres« (Leipz. 1862, mit 3 Suppl. 186468), »Grundzüge einer Spongienfauna des atlantischen Gebiets« (das. 1870) und »Die Spongien des Meerbusens von Mexiko« (Jena 1880) veröffentlichte. Auch wurde unter seiner Leitung die künstliche Schwammzucht bei Lesina ins Leben gerufen. In seinem Werk »Deszendenzlehre und Darwinismus« (Leipz. 1873, 3. Aufl. 1884) zeigte er sich als einen der entschiedensten Anhänger dieser Lehre. Von seinen übrigen Schriften sind hervorzuheben: »Die rhabdocölen Strudelwürmer des süßen Wassers« (Jena 1848); »Handbuch der vergleichenden Anatomie« (das. 1849; 9. Aufl., umgearbeitet von Lang, 1888), dem sich der »Handatlas der vergleichenden Anatomie« (2. Aufl., das. 1854) und »Die Entwickelung der vergleichenden Anatomie« (das. 1855) anschlossen; ferner: »Lehrbuch der Zoologie« (Wien 1853) und »Leitfaden der Zoologie« (das. 1860, 4. Aufl. 1882); »Bilder aus dem Norden« (Jena 1851); »Das Mikroskop« (Leipz. 1851); »Goethes Verhältnis zu den organischen Naturwissenschaften« (Berl. 1853); »Naturgeschichtliche Darstellungen« (Wien 1858); »Das Alter der Menschheit und das Paradies« (mit Franz Unger, das. 1866); »Die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Philosophie des Unbewußten« (Leipz. 1876) und »Die Säugetiere in ihrem Verhältnis zur Vorwelt« (das. 1884). Auch bearbeitete er die niedern Tiere für Brehms »Tierleben« (Bd. 10).
   18) Johann Friedrich Julius, Astronom, geb. 26. Okt. 1825 in Eutin, gest. 7. Febr. 1884 in Athen, war 184245 auf der Hamburger Sternwarte, dann auf der Bilker tätig, wurde 1846 Assistent der Sternwarte in Bonn, 1853 Astronom auf der Sternwarte des Propstes v. Unkrechtsberg in Olmütz und 1858 Direktor der Sternwarte in Athen. Seine Arbeiten erstreckten sich auf das Zodiakallicht, die Sternschnuppen, die veränderlichen Sterne, die physische Beschaffenheit der Kometen und namentlich auf den Mond. Auch lieferte er wertvolle Beiträge zur physischen Geographie Griechenlands. Er schrieb: »Resultate aus zehnjährigen Beobachtungen über Sternschnuppen« (Berl. 1852); »Das Zodiakallicht« (Braunschw. 1856); »Der Mond« (Leipz. 1856); »Über Rillen auf dem Mond« (das. 1866); »Die Eruption des Vesuv im Mai 1855« (Wien 1856); »Vulkanstudien« (Leipz. 1874); »Studien über Erdbeben« (das. 1875). Von Lohrmanns »Mondkarte« veranstaltete er eine neue Ausgabe mit Text (Leipz. 1877) und veröffentlichte selbst nach eignen Beobachtungen die größte und beste Karte des Mondes (Berl. 1878, 25 Blatt), die wir besitzen.
   19) Emil, Anthropolog, geb. 7. April 1837 in Obereichstädt bei Eichstädt in Bayern, gest. 22. Okt. 1906 in Jena, studierte 185762 Medizin, war 186265 Assistent an der chirurgischen Klinik in Bonn, praktizierte 186582 in Essen, zugleich als Leiter des Kruppschen Krankenhauses. Seit 1882 wirkte er in Leipzig, habilitierte sich hier 1885 für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte und wurde 1889 außerordentlicher, 1896 ordentlicher Honorarprofessor. Er bereiste 1869 und 1876 Nordamerika, 187475 Ägypten, 188990 Ceylon und Vorderindien und lebte seit 1901 in Jena. Er schrieb: »Anthropologische Methoden. Anleitung zum Beobachten und Sammeln« (Leipz. 1888); »Reise nach Südindien« (das. 1894); »Vorgeschichte Nordamerikas« (Braunschw. 1894); »Ceylon« (Berl. 1897) und die Geschichte Vorder- und Hinterindiens im 2. Bande von Helmolts »Weltgeschichte« (Leipz. 1902). Auch veröffentlichte er 1888 einen Katalog seiner Privatschädelsammlung.
   20) Ferdinand August, geb. 25. Juli 1852 in Bonn, wo er als Arzt lebt, verdient um das Turnwesen als Mitglied des Ausschusses der deutschen Turnerschaft (188797), als Mitbegründer der deutschen Turnbauschule, als Mitglied des Zentralausschusses für Volks- und Jugendspiele, als Vertreter des Freiluftturnens, als Mitarbeiter an turnerischen Zeitschriften und durch die Werke: »Die Leibesübungen nach ihrem körperlichen Übungswert dargestellt« (Leipz. 1893); »Die Gymnastik an den schwedischen Volksschulen« (Berl. 1900); »Unser Körper. Handbuch der Anatomie, Physiologie und Hygiene der Leibesübungen« (2. Aufl., Leipz 1902); »Physiologie der Leibesübungen« (das. 1905); »Anleitung zu Wettkämpfen, Spielen und turnerischen Vorführungen bei Jugend- und Volksfesten« (4. Aufl., das. 1905); »Körperpflege und Tuberkulose« (das. 1902). Er ist Mitherausgeber des »Jahrbuchs für Volks- und Jugendspiele«. 21) Klamer Eberhard Karl, Dichter, geb. 29. Dez. 1746 in Halberstadt, gest. daselbst 12. Nov. 1824, ward Kriegs-, später Domkommissar in Halberstadt und gehörte noch zu Gleims Freundeskreis. Seine Dichtungen, die von einer milden und biedern Gesinnung zeugen, aber geringen poetischen Wert haben, sind vorzugsweise lyrischen Charakters, z. B.: »Hier sitz' ich auf Rasen, mit Veilchen bekränzt«, »Als der Großvater die Großmutter nahm«, im übrigen Fabeln und Erzählungen, poetische Episteln etc. Auch hat er »Klopstock und seine Freunde«, Briefwechsel (Halberst. 1820), herausgegeben. Schmidts »Leben und auserlesene Werke« erschienen in 3 Bänden (hrsg. von seinem Sohn und von Lautsch, Stuttg. 182628).

[Bd. 6, Sp. 898]


22) Friedrich Wilhelm August, gewöhnlich S. von Werneuchen genannt, Dichter, geb. 23. März 1764 in Fahrland bei Potsdam, war erst Prediger am Invalidenhaus in Berlin, hierauf zu Werneuchen in der Mittelmark, wo er 26. April 1838 starb. Als Poet suchte er (besonders in dem von ihm herausgegebenen »Kalender der Musen und Grazien«, Berl. 179697) den von J. H. Voß in seinen Idyllen angeschlagenen Natürlichkeitston weiterzubilden und verfiel dabei in jenen platten Naturalismus, den Goethe in seinem Gedicht »Musen und Grazien in der Mark« und A. W. Schlegel im »Athenäum« treffend parodierten. Schmidts »Neueste Gedichte« erschienen Berlin 1815. Eine Auswahl aus seinen Gedichten veröffentlichte L. Geiger (»Musen und Grazien in der Mark«, Berl. 1889).
   23) Georg Philipp, genannt S. von Lübeck, Dichter, geb. 1. Jan. 1766 in Lübeck, gest. 28. Okt. 1849 in Ottensen bei Hamburg, studierte in Göttingen und Jena erst die Rechte, dann Medizin, ward Assistenzarzt an der Irrenanstalt in Lübeck, 1803 Sekretär des Finanzministers Grafen v. Schimmelmann in Kopenhagen und war 180629 Direktor des Bankkontors in Altona. Seine in Taschenbüchern zerstreuten Gedichte wurden von Schumacher u. d. T.: »Lieder« (Altona 1821; 3. Aufl., von S. selbst besorgt, 1847) gesammelt. Sie zeichnen sich durch einfachen, der poetischen Stimmung entsprechenden Ausdruck aus und sind zum Teil (wie »Fröhlich und wohlgemut«, »Ich komme vom Gebirge her«, »Von allen Ländern in der Welt« u. a.) ins Volk übergegangen.
   24) Ferdinand, beliebter Volks- und Jugendschriftsteller, geb. 2. Okt. 1816 in Frankfurt a. O., gest. 30. Juli 1890 in Berlin, besuchte das Seminar zu Neuzelle und war darauf bis 1880 als Lehrer an einer Gemeindeschule in Berlin tätig. Eine besonders verdienstliche Tätigkeit entwickelte er in Berlin zur Hebung der niedern Volksklassen, deren Ergebnis die Gründung von Volksbibliotheken und des Vereins zum Wohl der arbeitenden Klassen war. In seinen zahlreichen Volks- und Jugendschriften, die er seit 1845 in ununterbrochener Folge herausgab (»Jugendbibliothek«, Berl. 185567, 36 Bde.), suchte er vor allem den Sinn des Volkes für nationale Geschichte zu beleben und hat dadurch erfolgreich gewirkt. Von seinen übrigen Schriften machen wir namhaft: »Preußens Geschichte in Wort und Bild« (3. Aufl., Leipz. 188183, 3 Bde.); »Weltgeschichte für Haus und Schule« (3. Aufl., Berl. 1897, 4 Bde.); »Volkserzählungen« (2. Aufl., das. 1867, 4 Bde.); »Volkserzählungen und Schilderungen aus dem Berliner Volksleben« (2. Aufl., Leipz. 1888, 3 Bde.); »Berliner Bilder« (Brem. 1876); »Frauengestalten aus der Sage und Geschichte« (Jena 1881); »Kaiser Wilhelm und seine Zeit« (4. Aufl., Leipz. 1893) u. a. Vgl. Jahnke, Ferdinand S. (Berl. 1886); Schreck, Ferd. S. in seiner Bedeutung als Jugendschriftsteller und Volkspädagog (Bielef. 1902).
   25) Maximilian, Volksschriftsteller und Dialektdichter, geb. 25. Febr. 1832 zu Eschlkam im Bayrischen Wald als Sohn eines Zollverwalters, besuchte die Polytechnische Schule in München, trat aber 1850 in die bayrische Armee ein, wurde als Offizier mehrere Jahre zum Topographischen Bureau und als Erzieher ins Kadettenhaus kommandiert, 1866 zum Hauptmann befördert und wegen hervorragender Tapferkeit mit dem Militärverdienstorden ausgezeichnet. Infolge der Feldzugsstrapazen erkrankt, konnte er in dem nächsten Kriege 1870/71 nur Adjutantendienste in der Festung Ulm verrichten. 1874 ehrenvoll verabschiedet, lebte er fortan mit dem Titel eines Hofrats und ausgezeichnet durch die Gunst König Ludwigs als freier Schriftsteller in München. Außer einigen Bühnenstücken (»Im Austragstüberl«, »Johannisnacht«, »Der Georgithaler« u. a.) schrieb S. eine Reihe von oft ausgelegten Romanen und Erzählungen, in denen er Land und Leute seiner bayrischen Gebirgsheimat in lebensfrischen Farben und humorvoll schildert, und die daher auch in kulturgeschichtlicher Hinsicht von Interesse sind. Es erschienen von ihm außer den »Volkserzählungen aus dem Bayrischen Wald« (München 186368, 4 Bde.): »Der Schutzgeist von Oberammergau« und »Johannisnacht« (1880), die Humoreske »Der vergangene Auditor«, »Der Leonhardsritt« und »Die Miesenbacher« (1881), »Der Herrgottsmantel« und »Die Schwanjungfrau« (1882), »Die Blinde von Kunterweg« (1883), »Die Fischerrosl von St. Heinrich« (1884), »Der Zuggeist« (1885), »Der Musikant von Tegernsee« (1886), »'s Lisel vom Ammersee« (1887), »Die Jachenauer in Griechenland« und »Der Primiziant« (1888), »Mauthner-Flank« (1889), »Im Herzen des Waldes« (1890), »Hančička, das Chodenmädchen«, »Am goldenen Steig« (1893), »Der Prälatenschatz« (1894), »Die Künischen Freibauern« (1895), »Der Reismüller« (1898), »Himmelbrand« (1899), »Die Hopfenbrockerin« (1901), »Der blinde Musiker« (1905). Auch eine Gedichtsammlung: »Altboarisch« (Münch. 1884), »Humoresken« (1892) und seine Lebensgeschichte: »Meine Wanderung durch 70 Jahre« (Reutling. 1901, 2 Bde.) hat S. veröffentlicht. Seine »Gesammelten Werke« erschienen in Reutlingen 18981905 in 32 Bänden.
   26) Rudolf, dän. Schriftsteller, geb. 25. Juli 1836, veröffentlichte als Buchhandlungsgehilfe Arbeiten, die einige Gönner veranlaßten, ihn von 1861 an die Universität besuchen zu lassen, wo er sich bald als Schüler des Philosophen R. Nielsen auszeichnete (»Glauben und Wissen als absolut verschiedene Prinzipien«; »Die Widersprüche in Nielsens Lehre«, beide 1867). Von seinen Dramen wurde »Der verwandelte König« mit großem Erfolg ausgeführt (1876; deutsch, Leipz. 1889). Seine besten Novellen sind in den Sammlungen »Handzeichnungen« (188191, 5 Bde.) enthalten. Gutgeführte Handlung und seine Charakterzeichnung haben sie auch in Deutschland bekannt gemacht. Von seinen Abhandlungen und Studien sind unter anderm »Ad egne Veje« (1884) und »Fra Liv og Literatur« (1887) anzuführen.
   27) Otto Ernst, Schriftsteller (Pseudonym: Otto Ernst), geb. 7. Okt. 1862 in Ottensen bei Hamburg, besuchte die Volksschule daselbst, später das Seminar in Hamburg und vervollständigte seine Ausbildung durch Privatstudien, war von 18831901 Lehrer an der Hamburger Volksschule, daneben von 1886 bis 1890 auch an einer höhern Töchterschule; seit 1901 widmet er sich ausschließlich seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Außer »Gedichten« (Norden 1888; 2. Aufl., Hamb. 1892), »Neuen Gedichten« (Hamb. 1892; beide vereinigt und überarbeitet u. d. T.: »Gedichte«, Leipz. 1902) und einer dritten lyrischen Sammlung: »Stimmen des Mittags« (das. 1901, 3. Aufl. 1904), veröffentlichte S. mehrere ernste Dramen: »Die größte Sünde« (Hamb. 1895; umgearbeitete 3.4. Aufl., Leipz. 1901) und »Bannermann« (Leipz. 1904), ferner das die Nietzscheaner populär verspottende Lustspiel »Jugend von heute« (Hamb. 1899; 12. Aufl., Leipz. 1906), die an Dreyers »Probekandidat« angelehnte, vielgespielte pädagogische Komödie »Flachsmann als

[Bd. 6, Sp. 899]


Erzieher« (Leipz. 1901, 23. Aufl. 1906) sowie die Lustspiele »Die Gerechtigkeit« (1.6. Aufl., das. 1902), »Das Jubiläum« (das. 1905) und die Märchenkomödie »Ortrun und Ilsebill« (das. 1906). Nicht minder erfolgreich war S. mit seinen von Humor und Satire gewürzten, vielfach ausgelegten Erzählungen und Plaudereien. Hierher gehören die »Kartäusergeschichten« (Hamb. 1895), »Aus verborgenen Tiefen« (das. 1891; 4. Aufl. u. d. T.: »Besiegte Sieger«, Leipz. 1906), »Der süße Willy« (Hamb. 1896), die »Hamborger Schippergeschichten« (das. 1899), »Ein frohes Farbenspiel« (Leipz. 1900), »Vom geruhigen Leben« (das. 1902), »Von großen und kleinen Leuten« (das. 1905), »Appelschnut. Neues und Altes von ihren Taten, Abenteuern und Meinungen« (das. 1906). Sein reifstes Werk bot er in dem durch stimmungsvolle Kleinmalerei ausgezeichneten autobiographischen Roman »Aus Asmus Sempers Jugendland« (Leipz. 1904, 40. Aufl. 1906). Bemerkenswertes bot er auch in seinen Essays: »Offenes Visier!« (2. Aufl., Leipz. 1895) und »Buch der Hoffnung« (das. 189697, 2 Bde.). Vgl. J. Schumann, Otto Ernst (Leipz. 1902). 28) Georg Friedrich, Kupferstecher, geb. 24. Jan. 1712 in Berlin, gest. daselbst 25. Jan 1775, besuchte seit 1727 die Akademie in Berlin, bildete sich seit 1737 in Paris unter dem Kupferstecher Larmessin, als dessen Gehilfe er besonders Lancretsche Gemälde stach, und erhielt hier von dem Maler Rigaud den Stich seines Porträts von Mignard anvertraut, der ihm 1742 die Aufnahme in die französische Akademie erwarb. 1744 folgte er einem Ruf als Hofkupferstecher nach Berlin, 1757 nach St. Petersburg, wo er unter anderm das Bildnis der Kaiserin Elisabeth stach und eine Kupferstecherschule organisierte. Seit 1762 wirkte er wieder in Berlin. S. ist der glänzendste deutsche Linienstecher des 18. Jahrh. und hat auch Radierungen ausgeführt, in denen er sich ganz an Rembrandt anschloß. Die Zahl seiner Blätter beläuft sich auf nahezu 300. Vgl. Jacoby, Schmidts Werke (Berl. 1815); Wessely, Georg Friedr. S., Verzeichnis seiner Stiche etc. (Hamb. 1887); Apell, Das Werk von Georg Friedrich S. (Dresd. 1887).
   29) Max, Maler, geb. 23. Aug. 1818 in Berlin, gest. 8. Jan. 1901 in Königsberg, bildete sich auf der Berliner Akademie und bei W. Schirmer zum Landschaftsmaler aus, bereiste 184344 den Orient, 1847 bis 1853 Süddeutschland, Italien, die Ionischen Inseln und die Provence. Bis 1855 schilderte er mit Vorliebe die südliche Landschaft, später die nordische, worin er zumeist nach idyllischer Stimmung bei freundlicher Sonnenbeleuchtung strebte. Im Neuen Museum zu Berlin führte er mehrere griechische und ägyptische Landschaften in Wandmalerei aus. 1868 wurde S. Professor an der Kunstschule in Weimar, 1872 an der Königsberger Akademie, wo er zuletzt stellvertretender Direktor war. Dort malte er unter anderm eine Reihe von Landschaften aus der »Odyssee« für das Gymnasium in Insterburg, Strandlandschaften von der Ostsee und ostpreußische Waldlandschaften, darunter: Im Heidekraut (1888), vom Fels zum Meer (die Burg Hohenzollern und Küste von Groß-Kuhren in Ostpreußen für das Regierungsgebäude in Königsberg), norddeutsches Jagdgefilde (1894), schwüler Tag am See, Meeresstille (Vilm bei Rügen) und ein Sonnenblick auf Dünensand (1895). Zwei seiner Bilder (Wald und Berg, 1868, und Spreelandschaft bei schwülem Wetter, 1877) besitzt die Berliner Nationalgalerie. Er gab heraus: »Die Technik der Aquarellmalerei« (7. Aufl., Leipz. 1901).
   30) Friedrich, Freiherr von, Architekt, geb. 22. Okt. 1825 zu Frickenhofen in Württemberg, gest. 23. Jan. 1891 in Wien, studierte an der Polytechnischen Schule in Stuttgart unter Mauch und Breymann und erlernte die Steinmetzkunst. 1843 wandte er sich nach Köln, wo er als Steinmetzgehilfe in die Dombauhütte eintrat; 1848 wurde er Meister, und 1856 bestand er das Staatsexamen als Baumeister in Berlin. Bei der Konkurrenz zur Wiener Votivkirche erhielt er den dritten und bei der zum Berliner Rathaus den ersten Preis. 1857 wurde er als Professor der Architektur an die Mailänder Akademie berufen, wo ihm bald neben seiner Lehrtätigkeit die Restauration von Sant' Ambrogio übertragen ward, die aber durch den Krieg von 1859 ins Stocken geriet. 1859 wurde er Professor an der Kunstakademie in Wien. Er baute die Lazaristenkirche daselbst, die Pfarrkirche in Fünfhaus und die gotische Kirche in Graz; 1862 wurde er Baumeister des Stephansdoms, erhielt 1865 den Titel Oberbaurat und wurde 1888 vom Kaiser von Österreich in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Seine andern Hauptwerke sind: das akademische Gymnasium, die Vollendung des Turms von St. Stephan, das in deutsch-italienischer Gotik ausgeführte Rathaus (s. Tafel Meyers »Wiener Bauten II«), vor dem ihm 1896 ein Erzstandbild von Hofmann und Deininger errichtet wurde, und das an Stelle des abgebrannten Ringtheaters erbaute Stiftungshaus in venezianischer Gotik (Tafel I, Fig. 6). Er war einer der hervorragendsten und künstlerisch selbständigsten Vertreter des gotischen Stils in der deutschen Baukunst. Vgl. Reichensperger, Zur Charakteristik des Baumeisters Friedrich Freih. v. S. (Düsseld. 1891).
   31) Albert, Architekt, geb. 16. Sept. 1841 zu Sonneberg in Thüringen, widmete sich dem Baufach auf der Baugewerbeschule und dem Polytechnikum in München, ließ sich nach einer Studienreise durch Italien 1865 als Privatarchitekt in München nieder und erbaute dort außer zahlreichen Wohn- und Geschäftshäusern die Neue Synagoge (s. Tafel Meyers »Münchener Bauten II«, Fig. 2), den Löwenbräukeller, die königliche Filialbank und die protestantische Lukaskirche (Tafel III, Fig. 2). Außerhalb Münchens erbaute er das Schloß Frauenau im Bayrischen Wald und das Hochschloß am Ammersee. Er erhielt 1888 den Professortitel und wurde 1889 Mitglied der Münchener Kunstakademie.
 
Artikelverweis 
Schmidtburg, ehemals Schloß, jetzt Ruine bei Bundenbach im Fürstentum Birkenfeld, war der Mittelpunkt eines gleichnamigen kurtrierischen Amtes. Vgl. Wild- und Rheingrafen.
 
Artikelverweis 
Schmidt-Cabanis, Richard, humoristisch-satirischer Schriftsteller, geb. 22. Juni 1838 in Berlin, gest. daselbst 11. Nov. 1903, widmete sich anfangs dem Buchhandel, ging dann (1860) zum Theater über und vertauschte 1867 aus Gesundheitsrücksichten die Bühnenlaufbahn mit dem Beruf des Schriftstellers. Er beteiligte sich in Berlin an der Redaktion der Damenzeitung »Victoria«, führte 186984 die Redaktion der »Berliner Montagszeitung« und redigierte als Mitglied der Redaktion des »Berliner Tageblattes« viele Jahre hindurch dessen humoristische Beilage »Ulk«. Von seinen vorwiegend freisinnig-politischen Satiren nennen wir: »Verstimmte Akkorde« (Berl. 1868); »Allerlei Humore«, komische Novellen (das. 1872, 4 Bdchn.; 3. Aufl. 1890); »Was die Spottdrossel pfiff«, politisch-satirische Zeitgedichte (das.

[Bd. 6, Sp. 900]


1874); »Zoolyrische Ergüsse« (Berl. 1876); »Der große Struwwelpeter« (das. 1877); »Allerlei nette Pflanzen« (mit Illustrationen von Meggendorfer, Münch. 1882); »Auf der Bazillenschau« (Leipz. 1885); »Die Jungfernrede«, Humoreske (Berl. 1883); »Brummstimmen der Zeit« (das. 1886); »Südwestafrikanische Reisebriefe Aug. Kulickes« (Dresd. 1887); »Pessimistbeetblüten jüngstdeutscher Lyrik« (Berl. 1887); »Von einem, der auszog, nervös zu werden« (das. 1888); »Nervöse Humoresken« (das. 1889); »Der lustige Bädeker« (humoristisch-poetischer Führer durch Berlin, das. 1890); »Lachende Lieder« (das. 1892); »Geheimrats-Jettes Poesiealbum« (das. 1896); »Stechpalmenzweige. Bewaffnete Friedensdichtungen« (das. 1899) u. a.
 
Artikelverweis 
Schmidtmannshall, Kaliwerke bei Aschersleben im Regbez. Magdeburg, benannt nach Herm. Schmidtmann, der sie in Gemeinschaft mit Engländern 1876 bis 1883 begründete, umfaßt ein Bergwerkseigentum von 16 Konzessionsfeldern, mehr als 32 qkm. Das Kalisalzlager findet sich hier in einer Tiefe von 300 bis 400 m mit einer durchschnittlichen Abbaumächtigkeit von 10 m und reicht auf viele Jahrhunderte aus. Für die Ausbeutung stehen zwei getrennte Bergwerksanlagen in Betrieb. Das Werk besitzt eigne Verbindungsbahnen nach Aschersleben, ein großes Wasserwerk und zwei eiserne Druckrohrleitungen von ca. 25 km Länge zur Abführung der Fabrikwässer nach dem Bodefluß. Die Tagesanlagen bedecken ein Areal von 5,6 Hektar. Gefördert werden Karnallit, Kainit, Sylvinit (Hartsalz), Sylvin, Borazit und hergestellt hauptsächlich Chlorkalium, Kaliumsulfat, schwefelsaure Kalimagnesia, Kalidüngesalze, Kieserit, Brom und Rubidiumalaun. 1883 ging der Besitz an eine deutsche Gewerkschaft über, aus der 1889 eine Aktiengesellschaft (Kaliwerke Westeregeln) mit 12 Mill. Mk. Aktienkapital entstand. Das Werk gehört nach Alter und Bedeutung nächst dem preußischen und anhaltischen Fiskus zu den höchst beteiligten Werken im Kalisyndikat.
 
Artikelverweis 
Schmidt-Phiseldeck, Justus von, braunschw. Staatsmann, geb. 8. April 1769 in Wolfenbüttel, gest. daselbst 23. Sept. 1851, studierte in Helmstedt die Rechte, trat 1795 in den braunschweigischen Staatsdienst, ward 1799 Konsistorial-, Grenz- und Lehnsrat sowie Archivar, 1806 Geheimer Sekretär im Ministerium, trat dann in westfälische Dienste, ward 1808 Appellationsrichter in Kassel, 1809 Staatsrat, 1810 zugleich Generaldirektor der indirekten Steuern und nach der Restauration der frühern braunschweigischen Regierung 1814 Mitglied des Geheimeratskollegiums. Am Wiener Kongreß nahm er als Gesandter des Herzogs Friedrich Wilhelm bis 1815 teil, erhielt nach dieses Fürsten Tode (1815) vom Prinz-Regenten von England die Hauptleitung der Landesangelegenheiten übertragen, zog sich aber durch sein Verhalten den Haß des unmündigen Herzogs Karl zu, der ihn nach seinem Regierungsantritt 1826 wegen der Verweigerung der Herausgabe seiner mit dem König von England geführten Korrespondenz mit Verhaftung bedrohte. S. ging nach Hannover, wo er Chef des Justizdépartements und 1832 Landdrost in Hildesheim wurde, kehrte aber 1840 in die Heimat zurück. Seine Zerwürfnisse mit dem Herzog Karl behandelte er in einer besondern Schrift (Hannov. 1827).
 
Artikelverweis 
Schmidt-Rimpler, Hermann, Mediziner, geb. 30. Dez. 1838 in Berlin, studierte daselbst seit 1857, war bis 1871 Militärarzt und 186364 Assistent an der Privatklinik A. v. Gräfes. Er machte die Feldzüge 1864 und 1866 mit, kam Ende 1866 als Oberarzt an das Friedrich-Wilhelmsinstitut und 1868 als Stabsarzt an das Charitékrankenhaus, wo er an der Universitätsklinik A. v. Gräfes bis zu dessen Tod als Assistent wirkte. 1871 wurde er Professor in Marburg, wo er die Universitätsklinik für Augenheilkunde begründete und 1873 ordentlicher Professor wurde. 1890 ging er in gleicher Stellung nach Göttingen und 1901 nach Halle. Außer zahlreichen Abhandlungen, besonders über Refraktionsverhältnisse und über die Beziehungen der Erkrankungen des Auges zu denen des Gesamtorganismus, schrieb er: »Über das Glaukom« (Leipz. 1875, 2. Aufl. 1907); »Der Ausdruck in Auge und Blick« (Berl. 1876); »Universität und Spezialistentum« (Marb. 1881); »Über Blindsein« (Bresl. 1882); »Augenheilkunde u. Ophthalmoskopie« (Braunschw. 1885; 7. Aufl., Leipz. 1901); »Schule und Auge« (Bresl. 1887); »Die Schulkurzsichtigkeit und ihre Bekämpfung« (Leipz. 1890); »Das Auge und seine Darstellung in Skulptur und Malerei« (Bresl. 1892); »Die Erkrankungen des Auges im Zusammenhang mit andern Krankheiten« (in Nothnagels »Pathologie und Therapie«, Wien 1898, 2. Aufl. 1905).
 
Artikelverweis 
Schmidt-Weißenfels, Eduard, Schriftsteller, geb. 1. Sept. 1833 in Berlin, gest. 25. April 1893 in Bozen, begann frühzeitig die publizistische Tätigkeit, ward 1848 Sekretär der preußischen Nationalversammlung, dann der Ersten Kammer, machte 1850 den Feldzug in Schleswig-Holstein mit und ging dann nach Paris, wo er indessen nach dem Staatsstreich verhaftet und einige Monate später des Landes verwiesen wurde. Er lebte seitdem an verschiedenen Orten, in England, Berlin, Leipzig, Prag, Gotha, wo er in vertraute Beziehungen zum Herzog Ernst II. trat und die damals aufsehenerregende Broschüre »Der Herzog von Gotha und sein Volk« (Leipz. 1861) veröffentlichte, und schließlich dauernd in Stuttgart. S. veröffentlichte eine Reihe historischer, biographischer und literaturgeschichtlicher Werke, von denen wir nennen: »Frankreichs moderne Literatur seit der Restauration« (Berl. 1856, 2 Bde.); »Rahel und ihre Zeit« (Leipz. 1857); »Über Heinrich Heine« (Berl. 1857); »Scharnhorst« (Leipz. 1859); »Geschichte der französischen Revolutionsliteratur« (Prag 1859); »Friedrich Gentz« (das. 1859); »Charaktere der deutschen Literatur« (das. 1859, 2 Bde.); »Preußische Landtagsmänner« (Bresl. 1862); »Fürst Metternich« (Prag 1860, 2 Bde.); »Fichte und das deutsche Volk« (Berl. 1862); »Frankreich und die Franzosen« (das. 1868, 2 Bde.); »Ferdinand Freiligrath« (Stuttg. 1876, 2. Aufl. 1877); »Porträts aus Frankreich« (das. 1881); »Charakterbilder aus Spanien« (das. 1885) u. a. Außer einer Anzahl (meist historischer) Romane (»Polignac«, »Pascal Paoli«, »Der achtzehnte Brumaire«, »Die Söhne Barneveldts« u. a.) veröffentlichte er noch historisch-novellistische Bilder: »Zwölf Schlosser«, »Zwölf Bäcker«, »Zwölf Schneider« etc. (12 Bändchen), die er zu einer »Deutschen Handwerkerbibliothek« (Stuttg. 187883, 5 Bde.) zusammenfaßte.
 
Artikelverweis 
Schmiech (Schmiechen, Schmeie), linker Nebenfluß der Donau in Württemberg, entspringt bei Onstmettingen nahe dem Nordende der Alb, durchschneidet diese in südöstlicher Richtung und mündet bei Inzighofen.
 
Artikelverweis 
Schmied, Vogel, s. Meyers Glockenvogel.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: