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Schmerzstillende Mittel bis Schmid (Bd. 6, Sp. 890 bis 892)
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Artikelverweis Schmerzstillende Mittel, s. Meyers Betäubende Mittel.
 
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Schm. et Kze., bei Pflanzennamen Abkürzung für Johann Karl Schmidt, geb. 6. April 1793 in Bernstadt (Oberlausitz), gest. 2. Dez. 1850 als Konservator des Shuttleworthschen Herbariums in Bern; Pilze. Kze., s. Kunze.
 
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Schmettau, 1) Samuel, Reichsgraf von, geb. 26. März 1684 in Berlin, gest. daselbst 18. Aug. 1751, focht in einem ansbachischen Regiment unter Prinz Eugen und Marlborough bei Höchstädt und Malplaquet sowie später am Rhein, trat 1714 in kursächsische Dienste, wurde Oberst der Artillerie, ging 1717 in österreichische Dienste über und focht gegen die Türken, dann gegen die Spanier in Sizilien, leitete 1720 die Belagerung von Messina, kämpfte 1733 als Feldmarschalleutnant am Rhein und ward 1735 Feldzeugmeister und 1741 Feldmarschall. Er hat 28 Schlachten und 32 Belagerungen beigewohnt. Beim Ausbruch des ersten Schlesischen Krieges berief ihn Friedrich II. als preußischen Untertan in seine Dienste; da indes S. nicht gern gegen Österreich fechten mochte, verwendete ihn der König als Gesandten an den Höfen von Frankreich und des Kaisers. Nach Beendigung des ersten Schlesischen Krieges wurde er Präsident der Akademie der Wissenschaften in Berlin und bemühte sich eifrig um die wissenschaftlichen Unternehmungen, besonders ün Fache der Erdkunde.
   2) Karl Christoph, Reichsgraf von, preuß. Generalleutnant, Bruder des vorigen, geb. 8. Juni 1696, gest. 27. Okt. 1775 in Brandenburg, diente zuerst im österreichischen, dann während des Siebenjährigen Krieges im preußischen Heere, verteidigte 1758 Dresden mit Erfolg, kapitulierte 5. Sept. 1759, dem Befehl des Königs gemäß, ohne Entsatz abzuwarten, und wurde deshalb in Ungnade aus dem Heer entlassen. Sein Neffe, Graf Friedrich Wilhelm Karl von S., geb. 12. April 1742, tat sich sowohl im Siebenjährigen Krieg als auch in den Feldzügen am Rhein gegen die Franzosen hervor und fiel als General der Infanterie bei Auerstedt 14. Okt. 1806.
   3) Ferdinande von, geb. 26. April 1798 zu Bartenstein in Preußen, gest. 24. Mai 1875 in Kösen, Tochter eines preußischen Majors, opferte im Frühjahr 1813 in Breslau ihr schönes langes Haar für das Vaterland und wurde 1863 dafür hochgeehrt, auch zur Ehrenstiftsdame von Zehdenick ernannt. Vgl. Ziehlberg, Ferdinande von S. (Dessau 1886).
 
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Schmetten (tschech. smetana), in Österreich soviel wie Milchrahm.
 
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Schmetterlinge (Lepidoptera, Lepidopteren, Schuppenflügler, Falter, hierzu Tafeln Meyers »Schmetterlinge I u. II«, mit Erklärungsblatt), Ordnung der Insekten, Kerbtiere mit saugenden Mundteilen, unbeweglichem Prothorax, vier häutigen, dicht beschuppten Flügeln und vollkommener Metamorphose. Der

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beweglich eingelenkte, dicht behaarte Kopf trägt vielgliederige, faden- oder borstenförmige, häufig keulenförmige, auch gesägte oder gekämmte Fühler, große, halbkugelige Facettenaugen und zuweilen zwei Punktaugen. Die Mundteile (s. Abbildung) bestehen aus einer verkümmerten Oberlippe, ebensolchen Oberkiefern und aus verlängerten Unterkiefern, die zu zwei Halbrinnen umgewandelt sind und sich zu dem spiralig aufgerollten Rüssel (Rollzunge) dicht zusammenlegen. Letzterer ist bisweilen bedeutend länger als der Körper, in andern Fällen sehr kurz, gewöhnlich aber mit seinen, gezähnelten Dörnchen zum Aufritzen der Nektarien besetzt und zum Aufsaugen des Blütensaftes eingerichtet. Die drei Brustringe sind miteinander verschmolzen und gleich dem übrigen Körper dicht behaart. Die nur ausnahmsweise (bei den Weibchen gewisser Gattungen) verkümmerten Flügel sind teilweise oder vollständig mit dachziegelförmig sich deckenden, schuppenartigen Haaren (Schuppen) der mannigfachsten Form bekleidet, welche die Färbung, Zeichnung und Irisierung der Flügel bedingen. Die Schüppchen sind meist sein gerippt und gezähnelt und stecken mit ihren Stielen in Löchern der Flügelhaut; die Männchen vieler Arten haben an einzelnen Stellen größere Ansammlungen von Duftschuppen, von denen ein mitunter recht starker Geruch ausgeht. Beide Flügel sind häufig miteinander verbunden, indem Häkchen am Vorderrande der Hinterflügel in ein Bändchen der Vorderflügel eingreifen. Die Beine sind schwach und haben fünfgliederige Tarsen; mitunter sind die Vorderbeine verkümmert. Der Hinterleib endet zuweilen mit einem Haarbüschel. Die Geschlechter sind oft an Größe, Färbung und Flügelbildung sehr verschieden; gewöhnlich haben die Männchen lebhaftere und prachtvollere Farben und sollen bisweilen um den Besitz des Weibchens kämpfen. Mitunter gehören derselben Art zwei oder drei verschieden gestaltete Weibchen an, die man früher fälschlich als Varietäten oder gar als verschiedene Arten beschrieben hat; andre Arten zeigen nach der Jahreszeit sehr verschiedene Färbungen (s. unten). Der Bauchstrang des Nervensystems ist gewöhnlich lang und hat 2 oder 3 Brust- sowie 5 Bauchknoten. Am Ende der Speiseröhre befindet sich ein besonderer Saugmagen; die Anzahl der Nierenschläuche (Malpighischen Gefäße) beträgt in der Regel sechs. Die Geschlechter sind stets getrennt; bei etwa 20 Arten kommt teils ausnahmsweise, teils als Regel Parthenogenesis vor. Die Larven, gewöhnlich Raupen genannt, sind lebhaft, oft sehr schön gefärbt und tragen zuweilen Haare, Dornen, Stacheln oder Hörner; nur die im Holz, in Wurzeln etc. vom Licht abgeschlossen lebenden sind meist farblos und glatt. An ihrem großen, hornigen Kopfe haben sie auf jeder Seite mehrere Punktaugen und dicht neben dem Munde sehr kurze Fühler. Die beißenden Mundteile sind vollständig wie bei den Käferlarven gebildet. Überall folgen auf die drei Fußpaare der Brustringe noch 2 oder 5 Paar Afterfüße (Bauchbeine, Bauchfüße). Die Afterfüße am letzten Leibesring, die Nachschieber, sind oft besonders gestaltete gabelartige Anhänge (so beim Buchenspinner und Gabelschwanz). Die Larven leben meist von Pflanzen; sie befestigen sich vor der Verpuppung an geschützten Orten oder spinnen mit dem an der Luft erhärtenden Saft ihrer zwei großen Spinndrüsen Kokons und verwandeln sich in Puppen, bei denen die Gliedmaßen des künftigen Insekts dem Körper dicht anliegen und mit ihm zusammen von einer harten, hornigen Hülle umgeben sind. Manche Puppen sind empfindlich gegen das Licht, auch hängt die Farbe der Puppenhülle bis zu einem gewissen Grade von der Umgebung ab, so daß man bei einzelnen Arten sie beliebig abändern kann, wenn man die Raupen sich zwischen Papier von der gewünschten Farbe verpuppen läßt. Aus der Puppe schlüpft nach wenigen Wochen oder nach der Überwinterung der Schmetterling, der in der Regel nur kurze Zeit lebt, nach der Begattung oder Eiablage zugrunde geht und nur selten überwintert. Bei einigen Arten sind die Exemplare, die im Frühling aus der Puppe ausschlüpfen, in Färbung und Zeichnung der Flügel so sehr von der Sommerform verschieden, daß man sie früher für besondere Varietäten oder gar Arten gehalten hat (z. B. Vanessa levana und prorsa gehören zusammen als Winter- und Sommerform; sogen. Saison- oder Horadimorphismus). Manche S. fliegen zuzeiten aus unbekannten Ursachen in großen Schwärmen, soz. B. Plusia gamma, Vanessa cardui etc. Durch massenhaftes Auftreten werden die Raupen den Pflanzen oft sehr schädlich, sind jedoch auch starken Verfolgungen durch andre Insekten (Schlupfwespen etc.) ausgesetzt. Die Zahl der existierenden Arten wird auf viel mehr als 100,000 geschätzt, doch ist davon erst ein geringer Teil genau bekannt. Fossile S. (s. Meyers Neorinopsis und Meyers Mylothrites auf Tafel Meyers »Tertiärformation II«, Fig 10 a und b) sind schon in der Steinkohlenformation aufgefunden worden.
   Einteilung: A. Kleinschmetterlinge (Microlepidoptera), kleine, zarte S. mit meist langen, borstenförmigen Fühlern. Hierher die Familien: Motten (Tineidae; Lärchenminiermotte, Apfelbaumgespinstmotte, Tafel I, Fig. 37), Federgeistchen (Pterophoridae, Tafel I, Fig. 38), Wickler (Tortricidae: Kieferntrieb-, Kieferngallenwickler) und Zünsler (Pyralidae: Rübsaatpfeifer). B. Großschmetterlinge (Großfalter, Macrolepidoptera): 1) Spanner (Geometrina: Kiefernspanner, Birken-, Frostspanner, Tafel I, Fig. 3536; Tafel II, Fig. 21). 2) Eulen (Noctuina: Quecken-, Feldulmen-, Forleule, Ordensband, Tafel I, Fig. 3034; Tafel II, Fig. 18, 19). 3) Spinner (Bombycina: Buchen-, Ringelspinner, Nachtpfauenauge, Tafel I, Fig. 2427). 4) Schwärmer (Abendfalter, Abendschwärmer, Sphingina), mit meist sehr langem Rüssel und langen Vorderflügeln. Hierher die Familien: Schwärmer (Crepuscularia, Dämmerungsfalter, Sphingidae: Kiefernschwärmer, Taubenschwanz, Totenkopf, Oleanderschwärmer, Tafel I, Fig. 2123; Tafel II, Fig. 15), Holzbohrer (Xylotropha: Hornissenschwärmer),

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Cheloniarier (Cheloniaria: Bär, Blutfleck etc., Tafel I, Fig. 1720,28,29; Tafel II, Fig. 16, 17, 20) u. a. 5) Tagfalter (Rhopalocera, Diurna, Papilionidae; Segelfalter, Tagpfauenauge, Baumweißling etc.), ebenfalls mit mehreren Familien (Tafel I, Fig. 116; Tafel II, Fig. 114). Viele Abbildungen von Schmetterlingen finden sich noch auf den Tafeln »Forstinsekten, Gartenschädlinge, Landwirtschaftliche Schädlinge, Darwinismus, Mimikry«. Der Schmetterling war schon im Altertum Symbol der Unsterblichkeit der Seele; besonders wird das Hervorgehen des Schmetterlings aus der Puppe auf die Befreiung der Seele aus den Banden des Körpers im Tode bezogen. Psyche wurde daher gewöhnlich mit Schmetterlingsflügeln dargestellt, ebenso der Gott des Schlafes (Hypnos).
   Vgl. Esper, Die europäischen S. (Erlang. 17771805, 7 Bde.); Borkhausen, Naturgeschichte der europäischen S. (Frankf. a. M. 178894, 5 Bde.); Ochsenheimer und Treitschke, Die S. von Europa (Leipz. 180735, 10 Bde. in 17 Abtlgn.); Hübner, Sammlung europäischer S. (Augsb. 180541) und Sammlung exotischer S. (das. 181641, 3 Bde.; neue Ausg., Brüssel 1896); Herrich-Schäffer, Systematische Bearbeitung der S. von Europa (Regensb. 184355, 5 Bde.) und Lepidopterorum exoticorum species novae (das. 185056); Freyer, Neuere Beiträge zur Schmetterlingskunde (Augsb. 183158, 7 Bde.); Speyer, Geographische Verbreitung der S. Deutschlands und der Schweiz (Leipz. 185862, 2 Tle.); Staudinger und Rebel, Katalog der Lepidopteren des paläarktischen Faunengebietes (3. Aufl., Berl. 1901); Heinemann, Die S. Deutschlands und der Schweiz (Braunschw. 185977, 2 Bde.); Ramann, Die S. Deutschlands und der angrenzenden Länder (Arnstadt 187275); Rothe, Vollständiges Verzeichnis der S. Österreich-Ungarns, Deutschlands und der Schweiz (2. Aufl., Wien 1902); Weismann, Über den Saisondimorphismus der S. (Leipz. 1875) und Die Entstehung der Zeichnung bei den Schmetterlingsraupen (das. 1876); Scudder, The Butterflies of the Eastern United States and Canada etc. (Boston 1890, 3 Bde.); Buckler, The larvae of the British Butterflies and Moths (Lond. 1886 ff.); Romanoff, Mémoires sur les lépidoptères (Mosk. 1887, 3 Bde.); Spuler, Die Raupen der S. Europas (2. Aufl. des Hofmannschen Werkes, Stuttg. 1905) und Die S. Europas (3. Aufl. desgleichen, das. 1901 ff.); Meyrick, Handbook of British Lepidoptera (Lond. 1895); Standfuß, Handbuch der paläarktischen Großschmetterlinge (Jena 1896); Rühl, Die paläarktischen Großschmetterlinge (Leipz. 1892 ff.); v. Dobeneck, Die Raupen der Tagfalter, Schwärmer und Spinner des mitteleuropäischen Faunengebiets (Stuttg. 1898); Rößler, Die Raupen der Großschmetterlinge Deutschlands (Leipz. 1900); Lampert, Großschmetterlinge und Raupen Mitteleuropas (Eßlingen 1906 ff.); Seitz, Die Großschmetterlinge der Erde (Stuttg. 1906 ff.); auch die Schmetterlingsbücher von Berge (8. Aufl., das. 1899), Rockstroh (7. Aufl., Halle 1901), Fleischer-Sträßle (5. Aufl., Stuttg. 1905) u. a.
 
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Schmetterlingsblüte, s. Meyers Blüte, S. 87, und Tafel Meyers »Blütenformen I«, Fig. 15 u. 16; Schmetterlingsblütler, Pflanzenfamilie, s. Leguminosen.
 
Artikelverweis 
Schmetterlingsfink, s. Meyers Astrilds.
 
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Schmetterlingshafte, s. Meyers Köcherjungfern.
 
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Schmetterstreifen, s. Meyers Pflanzenkrankheiten, S. 723, 2. Spalte.
 
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Schmeykal, Franz, österreich. Politiker, geb. 3. Dez. 1826 in Böhmisch-Leipa, gest. 5. April 1894 in Prag, studierte in Prag die Rechte und widmete sich der Advokatur. 1861 wählte ihn seine Vaterstadt in den Landtag und dieser sofort in den Landesausschuß. Seither lebte er dauernd in Prag, wohin er auch seine Kanzlei verlegte. Durch seine Rednergabe, seinen Eifer für die deutsche Sache und die Uneigennützigkeit seines Charakters schwang er sich zum unbestrittenen Führer der Deutschen in Böhmen empor; er war Mitbegründer und viele Jahre hindurch Obmann des Deutschen Kasinos in Prag und verstand es, das Deutschtum in Böhmen, namentlich in der Zeit des Kampfes unter dem Ministerium Taaffe, organisiert und einig zu erhalten. Einen Ausgleich mit den Tschechen konnte er sich nur auf dem Wege der nationalen Abgrenzung der beiden Völkerschaften des Landes und ihrer Rechte denken. Dafür wirkte er im Landtag und bei den Ausgleichskonferenzen im Dezember 1889. S. war Mitglied des k. k. Staatsgerichtshofs und Ausschußmitglied der böhmischen Advokatenkammer. In seiner Vaterstadt wurde ihm ein Bronzestandbild errichtet. Vgl. Bendel, Franz S., Gedenkblätter (Prag 1895).
 
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Schmid, 1) Karl Christian Ehrhard, Philosoph, geb. 24. Okt. 1761 zu Heilsberg im Weimarischen, gest. 10. April 1812 in Jena, wurde 1791 Professor der Philosophie in Gießen, 1793 in Jena, seit 1806 Vorsteher eines Erziehungsinstituts daselbst. Seine im Kantschen Geist gehaltenen Hauptwerke sind: »Kritik der reinen Vernunft« (Jena 1786, 4. Aufl. 1798); »Wörterbuch zum Gebrauch der Kantschen Schriften« (das. 1786, 3. Aufl. 1795); »Versuch einer Moralphilosophie« (das. 1790, 4. Aufl. 1802) und »Allgemeine Enzyklopädie und Methodologie der Wissenschaften« (Gotha 1810).
   2) Christoph von, Jugendschriftsteller, geb. 15. Aug. 1768 in Dinkelsbühl, gest. 3. Sept. 1854 in Augsburg, studierte in Dillingen, erhielt 1791 die Priesterweihe, ward Schulinspektor und Schulbenefiziat in Thannhausen an der Mindel, 1816 Pfarrer in Stadion bei Ulm, 1827 Domherr in Augsburg und 1832 zugleich Kirchenscholarch. Unter seinen zahlreichen, durch leichte Darstellung und gemütlichen Ton anziehenden, weitverbreiteten und auch ins Französische und Englische übersetzten Jugendschriften, die in vielen Einzel- und Gesamtausgaben vorliegen, sind hervorzuheben: die »Ostereier«, »Genoveva«, »Der Weihnachtsabend«, »Rosa v. Tannenburg«, und »Das Blumenkörbchen«. Seine »Erinnerungen« erschienen Augsburg 185357,4 Bdchn.; seine »Briefe und Tagebuchblätter« gab Werfer (Münch. 1868) heraus. Vgl. Schneiderhan, Christoph v. S., Lebensbild (Stuttg. 1899).
   3) Karl Adolf, Schulmann und Philolog, geb. 19. Jan. 1804 zu Ehingen in Württemberg, gest. 23. Mai 1887 in Stuttgart, studierte in Tübingen, ward Rektor 1838 des Pädagogiums in Eßlingen, 1852 des Gymnasiums in Ulm, 1859 des Gymnasiums in Stuttgart, wo er 1877 mit dem Titel eines Prälaten in den Ruhestand trat. Sein Hauptverdienst liegt in der Herausgabe der »Enzyklopädie des gesamten Erziehungs- und Unterrichtswesens« (mit Palmer und Wildermuth, Gotha 185875, 11 Bde.; 2. Aufl., Leipz. 187687, 10 Bde., vom 7. Bd. an unter Leitung von W. Schrader), von der er auch einen Auszug als »Pädagogisches Handbuch« (2. Aufl. 1883 bis 1884, 2 Bde.) herausgab. Eine Sammlung von Reden und Aufsätzen erschien u. d. T.: »Aus Schule und Zeit« (Gotha 1875). Von der umfangreichen

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»Geschichte der Erziehung« erschien während seines Lebens nur der 1. Band: »Die vorchristliche Erziehung« (bearbeitet von S. und G. Baur, Stuttg. 1884); es wurde fortgeführt und vollendet von seinem Sohne Georg Schmid, Staatsrat und Professor in Petersburg, mit Hilfe zahlreicher Mitarbeiter (Bd. 25, das. 18891902).
   4) Leopold, freisinniger katholischer Theolog und philosophischer Schriftsteller, geb. 9. Juni 1808 in Zürich, gest. 20. Dez. 1869 in Gießen, ward nach Bekleidung mehrerer Pfarrämter 1839 Professor der katholischen Theologie und 1843 auch der Philosophie in Gießen. 1849 zum Bischof von Mainz erwählt, aber vom Papst in dieser Eigenschaft nicht bestätigt, legte er seine Professur der Theologie nieder, behielt nur die der Philosophie bei und verzichtete 1867 auf die römische Kirchengemeinschaft. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: »Über die jüngste Mainzer Bischofswahl« (Gießen 1850); »Der Geist des Katholizismus, oder Grundlegung der christlichen Irenik« (das. 184850,4 Bücher; 2. Ausg. 1880); »Grundzüge der Einleitung in die Philosophie« (das. 1860); »Das Gesetz der Persönlichkeit« (das. 1862); »Ultramontan oder katholisch« (1.4. Aufl., das. 1867); »Mitteilungen aus der neuesten Geschichte der Diözese Mainz« (das. 1868, gegen Ketteler). Vgl. Schröder und Schwarz, L. Schmids Leben und Denken (Leipz. 1871); Lutterbeck, Leopold S. über die religiöse Aufgabe der Deutschen (Mannh. 1875).
   5) Heinrich, luth. Theolog, geb. 31. Juli 1811 in Harburg bei Nördlingen, gest. 17. Nov. 1885 in Erlangen, wo er seit 1846 Privatdozent, seit 1848 außerordentlicher, seit 1854 ordentlicher Professor war. Unter seinen zahlreichen Schriften sind zu nennen: »Die Dogmatik der evangelisch-lutherischen Kirche dargestellt« (Erlang. 1843; 7. Aufl., Gütersl. 1893); »Geschichte der synkretistischen Streitigkeiten« (Erlang. 1846); »Lehrbuch der Kirchengeschichte« (Nördl. 1851, 2. Aufl. 1856); »Die Theologie Semlers« (das. 1858); »Geschichte des Pietismus« (das. 1863); »Lehrbuch der Dogmengeschichte« (das. 1860; 4. Aufl. von Hauck, das. 1887); »Der Kampf der lutherischen Kirche um Luthers Lehre vom Abendmahl im Reformationszeitalter« (Leipz. 1868); »Geschichte der katholischen Kirche Deutschlands von der Mitte des 18. Jahrhunderts« (Münch. 187274); »Handbuch der Kirchengeschichte« (Erlang. 180081, 2 Bde.).
   6) Hermann von, Schriftsteller, geb. 30. März 1815 zu Weizenkirchen in Oberösterreich, gest. 19. Okt. 1880 in München, studierte auf der Universität München die Rechte, trat dann in den bayrischen Staatsdienst, ward 1848 zum Gerichtsassessor in München und dramaturgischen Beirat des Hoftheaters befördert, aber 1850 infolge seiner Parteinahme für Ronges deutsches Kirchentum in Ruhestand versetzt. Seitdem privatisierte er in München als. Schriftsteller, bis ihm 1870 König Ludwig II. die Direktion des Gärtnertortheaters übertrug, die er aber nur wenige Jahre behielt. S. trat zuerst mit dem Trauerspiel »Camoens«, das in München 1843 mit Beifall zur Ausführung kam, sodann besonders mit anziehenden Schilderungen aus dem Volksleben hervor, die durch die »Gartenlaube« die weiteste Verbreitung fanden und seinen Namen rasch allgemein beliebt machten. Die meisten seiner Romane und Dorfgeschichten spielen auf dem Boden seiner Heimat. Wir nennen von ihnen: »Das Schwalberl« (Münch. 1861); »Alte und neue Geschichten aus Bayern« (das. 1861); »Der Kanzler von Tirol« (das. 1862, 3 Tle.); »Almenrausch und Edelweiß«, Erzählung (Berl. 1864); »Bayrische Geschichten aus Dorf und Stadt« (Münch. 1864, 2 Bde.); »Im Morgenrot« (das. 1864, 2 Bde.); »Friedel und Oswald« (Berl. 1866, 3 Bde.); »Mütze und Krone« (Leipz. 1869, 5 Bde.), vielleicht das bedeutendste Werk Schmids; »Die Türken in München« (das. 1872, 2 Bde.); »Concordia« (das. 1874, 5 Bde.); »Der Bauernrebell« (Stuttg. 1876). Von seinen Bühnenstücken (gesammelt als »Dramatische Schriften«, Leipz. 1853, 2 Bde.) verdienen die Trauerspiele: »Karl Stuart«, »Christoph der Kämpfer« und »Straßburg«, die spätern Dramen: »Columbus« (Leipz. 1875), »Rose und Distel« (Wien 1876) und die Volksstücke: »Der Tatzelwurm« (Stuttg. 1873), »Die Auswanderer« (das. 1875), »Vineta« (das. 1875), »Die Z'widerwurz'n« (Leipz. 1878), »Der Loder« (das. 1880) Hervorhebung. Außerdem veröffentlichte er die erzählende Dichtung »Winland, oder die Fahrt ums Glück« (Stuttg. 1877). Schmids »Gesammelte Schriften« erschienen in 50 Bänden (Leipz. 187384, 2. Aufl. 188992).
   7) (S.-Schwarzenberg) Franz Xaver, Philosoph und Pädagog, geb. 22. Okt. 1819 in Schwarzenberg (Oberösterreich), gest. 28. Nov. 1883 in München, seit 1856 Privatdozent, später Professor der Philosophie und Pädagogik in Erlangen. Als Pädagog machte er sich namentlich verdient durch Begründung besonderer Vereine für Volkserziehung (Erlangen 1871, Augsburg 1878 etc.), die er 1880 zu einem bayrischen Landesverein zusammenfaßte. 1876 entstand die von S. begründete Volkserziehungsanstalt in Bäumenheim bei Donauwörth und seit 1881 eine sich noch immer mehrende Anzahl von Knaben- und Mädchenhorten (s. Meyers Kinderhorte). Er schrieb: »Christliche Religionsphilosophie« (Nördl. 1857); »Philosophische Pädagogik im Umrisse« (Erlang. 1858); »Réné Descartes« (Nördl. 1859); »Entwurf eines Systems der Philosophie auf pneumatologischer Grundlage« (Wien 186368, 3 Tle.); »Clytia, eine pädagogische Novelle« (Erlang. 1880); »Über Volkserziehung« (Stuttg. 1879); »Briefe über vernünftige Erziehung« (3. Aufl., Wien 1882); »Katechismus der Gerechtigkeit« (das. 1883) u. a.-
   8) Ferdinand von, unter dem Namen Dranmor bekannter Dichter, geb. 22. Juli 1823 in Muri bei Bern, gest. 19. März 1888 in Bern, widmete sich dem Kaufmannsstand und ging nach vollendeter Lehrzeit nach Brasilien, wo er sich durch Unternehmungsgeist und Tatkraft zu großem Wohlstand emporschwang und 1852 österreichischer Generalkonsul in Rio de Janeiro wurde. Später trat er in nähere Beziehungen zum Erzherzog Maximilian von Österreich. Seit 1872 lebte er vorwiegend in Paris, seit 1875 wieder in Rio de Janeiro. Schmids Dichtungen zeichnen sich durch Tiefe des elegischen Gehaltes und durch formale Abrundung aus. Seine Werke sind: »Poetische Fragmente« (Leipz. 1860, 2. Aufl. 1865); »Kaiser Maximilian«, Gedicht (Raab 1868), und »Requiem«, eine philosophisch-psychologische Dichtung (2. Aufl., Leipz. 1870). Seine »Gesammelten Dichtungen« (Berl. 1873, 3. Aufl. 1879) enthalten außer den genannten auch den »Dämonenwalzer«. Vgl. Vetter, Ferdinand S., eine literarische Studie (Bern 1897).
   9) Matthias, Maler, geb. 14. Nov. 1835 zu See im Paznauner Tal, kam 1853 nach München zu einem Vergolder und blieb dort drei Jahre, worauf er die Akademie besuchte. Anfangs widmete er sich der religiösen Malerei, fand aber erst den richtigen Boden für sein Talent, als er 1869 in die Schule Pilotys

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trat. Nach dem Beispiel Defreggers wählte er zunächst die Stoffe zu seinen Bildern aus dem Tiroler Volksleben, aus dem er jedoch auch die Schattenseiten mit polemischer Tendenz hervorhob. Seine Hauptwerke dieser Gattung sind: der Herrgottschnitzer, die Bettelmönche, die Beichtzettelsammlung, der Sittenrichter, das Brautexamen und die Austreibung der Zillertaler Protestanten. Seit 1879 schuf er auch eine Reihe von Genrebildern in anmutiger Formgebung und weichem Kolorit ohne Tendenz, von denen das Verlöbnis, Stillvergnügt, der Jägergruß, der eingeseifte Herr Pfarrer, die Rettung einer abgestürzten Edelweißpflückerin durch ihren Burschen, Verlassen, der Gang zur Wallfahrt, eine Szene aus den Tiroler Befreiungskriegen gegen die Franzosen, die Spielwarenhändlerin und der Festredner genannt seien. S. hat auch Altarbilder für Kirchen in München und Passau gemalt. Er ist königlicher Professor und lebt in München.

 

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