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Schmerz bis Schmetten (Bd. 6, Sp. 889 bis 890)
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Artikelverweis Schmerz (Dolor), die abnorme Erregung oder gesteigerte Tätigkeit der Empfindungsnerven, das wichtigste subjektive Symptom zahlloser Krankheitszustände. Man nimmt jetzt meistens an, daß der S. durch eigne, keine weitere Leistung übernehmende Nerven vermittelt werde, und rechnet ihn zu den Sinnesempfindungen. Früher zählte man ihn zu den Gemeingefühlen, also zu denjenigen Empfindungen, die im Bewußtsein das ganz allgemeine Gefühl des körperlichen Wohl- und Unwohlbefindens hervorrufen. Dem Schmerzsinne der Haut dienen vielleicht die sogen. freien intraepithelialen Nervenendigungen als peripherische Endorgane. Es steht fest, daß die Fähigkeit zur Vermittelung der Schmerzempfindung nicht allen Teilen der Körperoberfläche zukommt, vielmehr auf die Schmerzpunkte beschränkt ist, ebenso wie die Druckempfindung auf die Druckpunkte der Haut angewiesen ist. Die Schmerzempfindung sowohl als die Schmerzensäußerung ist nach Intensität, Art etc. in hohem Grade abhängig von Alter, Geschlecht und von der Individualität. Niedern Tieren geht sie vermutlich völlig ab. Ihre Reaktionen auf schmerzhafte Eingriffe (Krümmen der verletzten Würmer etc.) sind als Reflexbewegungen zu deuten. Der S. ist ein Warnungs- und Schutzmittel, das erst auf den höhern Stufen der Tierwelt zur Geltung kommt und gewissermaßen eine Errungenschaft der fortgeschrittenen Entwickelung darstellt. Im allgemeinen kann der S. seinen Sitz in jedem Organ oder Gewebe haben, das sensible Nerven besitzt, und zwar ist er um so lebhafter, je nervenreicher dies ist. Der S. ist verschieden zunächst nach den schmerzmachenden Ursachen. Sehr schnelle Einwirkungen, z. B. Nervendurchschneidung, ebenso wie rein chronische Veränderungen der Nerven sind häufig fast schmerzlos. Der Grad der Schmerzen ist ferner verschieden nach der Erregbarkeit des Individuums: Gesunde ertragen S. besser als Rekonvaleszenten, Erwachsene besser als Kinder. Die Aufmerksamkeit steigert den S. Ein heftiger und kurz dauernder S. ist dem Kranken oft lieber als ein gleichmäßig und länger fortdauernder S. von geringem Grade. Der S. ist bei weitem am häufigsten eine wirklich lokale Erscheinung, d. h. die Stelle, an der er empfunden wird, ist auch diejenige, wo die abnorme Erregung der Nerven stattfindet. Dieser lokale S. nimmt auf Druck, Bewegung und örtliche Reize aller Art zu und bleibt an seiner Stelle, springt nicht herum. Seltener ist der S. eine exzentrische Erscheinung, d. h. er hat seine Ursache an einem andern Ort als da, wo er empfunden wird. Störungen, welche die Nervenzentralorgane oder irgend eine Stelle im Verlauf eines Nervs betreffen, verursachen S., der dem Bewußtsein als an den peripherischen Enden der betreffenden Nervenfasern erregt erscheint. Das Bewußtsein verlegt nämlich die Ursache einer an ungewohnter Stelle angreifenden Nervenerregung dahin, wo Reize der Nerven für gewöhnlich zu treffen pflegen, also in seine peripherische Ausbreitung in der Haut etc. Der exzentrische S. nimmt auf Druck, Bewegung und andre Reize des schmerzenden Organs nicht zu. Nicht selten zeigt er sich über eine größere oder viele zerstreute Stellen verbreitet und ist manchmal wandernd. Irradiiert ist der S., wenn sich die Erregung von einer sensibeln Faser auf andre nicht unmittelbar betroffene überträgt (Mit emp sin dung). Irradiierte Schmerzen können in großer Entfernung von der kranken Stelle vorkommen und heißen dann sympathische Schmerzen (z. B. Knieschmerz bei Hüftgelenksentzündung, Schulterschmerz bei Leberabszessen). Zu den irradiierten Schmerzen gehören besonders manche Formen des Kopf- und Zahnschmerzes.

[Bd. 6, Sp. 890]


Die Schmerzempfindung kann zeitweise fehlen bei Abwendung der Aufmerksamkeit, bei örtlicher Einwirkung der Kälte (lokale Anästhesie durch Ätherdampf oder Äthylchlorid), nach Bepinselung der betreffenden Stelle mit Kokainlösung, nach Einspritzung von Kokain und ähnlichen Mitteln ins Rückenmark (Lumbalanästhesie), bei gehemmter Leitung durch die Nerven (z. B. nach Nerven- oder Rückenmarksverletzungen) und bei gehinderter Perzeption durch das Gehirn, z. B. im Rausch oder der Narkose. Auch im hypnotischen Zustand und in der Hysterie kann die Schmerzempfindung fehlen oder sehr abgestumpft sein. In den betreffenden Nerven hinterläßt der S. keine Folgen; nach dem Aufhören des Schmerzes ist der Nerv wieder normal erregbar. Im Gehirn werden Empfindungen andrer Art während und nach dem S. entweder gar nicht oder doch nur unvollständig wahrgenommen; es enstehen unter Umständen Schlaflosigkeit, Bewußtlosigkeit, Delirien; häufig finden Reflexbewegungen statt: Verziehen des Gesichts, Schreien, Zuckungen, veränderte Herz- und Atmungsbewegungen. Die gewöhnlichste Folge und Äußerung des Schmerzes besteht im Weinen. Veränderung der Ernährung findet nur bei sehr heftigen und bei langanhaltenden Schmerzen statt. Die Behandlung der Schmerzen sucht die Ursache des Schmerzes zu entfernen (Abwendung äußerer Schädlichkeiten, Anwendung der Kälte, der Blutentziehung), zumal bei peripherischen Schmerzen, oder die Leitung des abnorm erregten Nervs zu unterbrechen (Ausschneidung eines Stückes aus dem Verlauf des Nervs), oder die Perzeptionsfähigkeit des Gehirns herabzusetzen oder zeitweilig ganz aufzuheben (örtlicher und allgemeiner Gebrauch der Narkotika, Einatmen von Chloroform- und Ätherdämpfen). Dem gewöhnlichen körperlichen, physischen S. steht gegenüber der Seelenschmerz, der psychische, ein bis zum Affekt gesteigertes Gefühl, das durch gewisse Vorgänge in der geistigen Sphäre, im Gebiete der Vorstellungen entsteht, seien diese mehr intellektueller oder mehr moralischer Natur, so bei großem Verlust, Reue, Trauer etc. Ist der Seelenschmerz dauernd und tief, so macht er allmähliche Übergänge zur Melancholie; ist er heftig und plötzlich, so kann er sich ebenso wie der körperliche zu Exaltationszuständen steigern. Vgl. L. Dumont, Vergnügen und S. (Leipz. 1876); Oppenheimer, S. und Temperaturempfindung (Berl. 1893); Goldscheider, Über den S. in physiologischer und klinischer Hinsicht (das. 1894); Martius, Der S. (Leipz. 1898).
 
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Schmerzensgeld, eine Geldentschädigung, die unabhängig von einem etwaigen Vermögensschaden einzig als Äquivalent für die durch eine Körperverletzung verursachten Schmerzen gezahlt wird. Das deutsche Strafgesetzbuch kennt den Ausdruck S. nicht, es hat aber in der Meyers Buße (s. d.) eine ähnliche Einrichtung. Auch dem deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch ist die Bezeichnung S. unbekannt, aber auch hier findet sich in § 847 eine Vorschrift, die gleiche Zwecke verfolgt. Nach ihm kann nämlich im Falle der Verletzung des Körpers oder der Gesundheit sowie im Falle der Freiheitsentziehung der Verletzte auch wegen des Schadens, der nicht Vermögensschaden ist, eine billige Entschädigung in Geld verlangen. Den gleichen Anspruch hat eine Frauensperson, die vergewaltigt oder hinterlistig durch Drohung zur Gestattung des Beischlafes verleitet wurde. Dieser Anspruch ist natürlich ein höchst persönlicher und ist daher weder übertragbar, also vor allem auch nicht pfändbar. Vererblich ist er nur unter gewissen Voraussetzungen. In Österreich ist dem Beschädigten durch § 1325 des allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches das Recht gegeben, neben Ersatz der Kurkosten oder entgangenen Gewinnes auch ein angemessenes S. zu verlangen.
 
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Schmerzensmann (Miserikordienbild), in der ältern deutschen Kunst der gegeißelte, dornengekrönte Jesus; s. auch Meyers Ecce homo.
 
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Schmerzensmutter, s. Mater dolorosa.
 
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Schmerzlosigkeit, s. Analgesie; vgl. Schmerz.
 
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Schmerzmesser, s. Meyers Algesimeter.
 
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Schmerzpunkte, Valleixsche (Puncta dolorōsa), bestimmte, gegen Druck empfindliche Punkte bei peripheren Neuralgien, da, wo die Nervenstämme oberflächlich oder auf harter Unterlage verlaufen.
 
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Schmerzstillende Mittel, s. Meyers Betäubende Mittel.
 
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Schm. et Kze., bei Pflanzennamen Abkürzung für Johann Karl Schmidt, geb. 6. April 1793 in Bernstadt (Oberlausitz), gest. 2. Dez. 1850 als Konservator des Shuttleworthschen Herbariums in Bern; Pilze. Kze., s. Kunze.
 
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Schmettau, 1) Samuel, Reichsgraf von, geb. 26. März 1684 in Berlin, gest. daselbst 18. Aug. 1751, focht in einem ansbachischen Regiment unter Prinz Eugen und Marlborough bei Höchstädt und Malplaquet sowie später am Rhein, trat 1714 in kursächsische Dienste, wurde Oberst der Artillerie, ging 1717 in österreichische Dienste über und focht gegen die Türken, dann gegen die Spanier in Sizilien, leitete 1720 die Belagerung von Messina, kämpfte 1733 als Feldmarschalleutnant am Rhein und ward 1735 Feldzeugmeister und 1741 Feldmarschall. Er hat 28 Schlachten und 32 Belagerungen beigewohnt. Beim Ausbruch des ersten Schlesischen Krieges berief ihn Friedrich II. als preußischen Untertan in seine Dienste; da indes S. nicht gern gegen Österreich fechten mochte, verwendete ihn der König als Gesandten an den Höfen von Frankreich und des Kaisers. Nach Beendigung des ersten Schlesischen Krieges wurde er Präsident der Akademie der Wissenschaften in Berlin und bemühte sich eifrig um die wissenschaftlichen Unternehmungen, besonders ün Fache der Erdkunde.
   2) Karl Christoph, Reichsgraf von, preuß. Generalleutnant, Bruder des vorigen, geb. 8. Juni 1696, gest. 27. Okt. 1775 in Brandenburg, diente zuerst im österreichischen, dann während des Siebenjährigen Krieges im preußischen Heere, verteidigte 1758 Dresden mit Erfolg, kapitulierte 5. Sept. 1759, dem Befehl des Königs gemäß, ohne Entsatz abzuwarten, und wurde deshalb in Ungnade aus dem Heer entlassen. Sein Neffe, Graf Friedrich Wilhelm Karl von S., geb. 12. April 1742, tat sich sowohl im Siebenjährigen Krieg als auch in den Feldzügen am Rhein gegen die Franzosen hervor und fiel als General der Infanterie bei Auerstedt 14. Okt. 1806.
   3) Ferdinande von, geb. 26. April 1798 zu Bartenstein in Preußen, gest. 24. Mai 1875 in Kösen, Tochter eines preußischen Majors, opferte im Frühjahr 1813 in Breslau ihr schönes langes Haar für das Vaterland und wurde 1863 dafür hochgeehrt, auch zur Ehrenstiftsdame von Zehdenick ernannt. Vgl. Ziehlberg, Ferdinande von S. (Dessau 1886).
 
Artikelverweis 
Schmetten (tschech. smetana), in Österreich soviel wie Milchrahm.

 

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