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Schmelztiegel bis Schmerschlächte (Bd. 6, Sp. 887 bis 889)
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Artikelverweis Schmelztiegel, Gefäße aus verschiedenem Material zur Ausführung von Schmelzungen, müssen hohe Temperaturen ertragen, ohne zu sintern und zu schmelzen, dürfen bei schroffem Temperaturwechsel nicht reißen und müssen hinreichende Widerstandsfähigkeit gegen Asche und gewisse Flußmittel, wie Bleiglätte etc., besitzen. Die hessischen S. werden bei Großalmerode und Abterode in Kurhessen aus sehr fettem, eisen- und kalkfreiem Pfeifenton mit 1/3-1/2 grobem Quarzsand gefertigt. Sie sind feuerfest, vertragen starke Temperaturwechsel, sind aber für manche Operationen zu porös und grobkörnig, werden auch von Alkalien, Bleioxyd etc. leicht durchlöchert. Viel feuerfester sind die Stourbridgetontiegel aus 2 Teilen Stourbridgeton mit 1 Teil Koks. Sehr brauchbar sind Schamottetiegel aus einer Mischung von feuerfestem Ton mit Schamotte. Hierher gehören auch die Pariser Tiegel aus Ton von Andenne mit Pulver von alten Tiegeln. Für außergewöhnlich

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hohe Temperaturen eignen sich S. aus Kalkstein, Magnesia oder Tonerde. Die letztern bereitet man aus einem Gemisch von Tonerdehydrat mit sehr stark gebrannter Tonerde. Auch empfiehlt man Tiegel aus Tonerde und Magnesia (Spinelltiegel), Bauxit und Gaize, einer sehr kieselreichen Felsart unter der Kreide in den Ardennen. S. aus Speckstein widerstehen dem Feuer, bersten nicht bei langsamem Erhitzen, schmelzen nicht und werden von Säuren nicht angegriffen. Für manche Zwecke benutzt man Tiegel aus reiner Kohle oder Graphit. Graphitschmelztiegel (Ipser, Passauer Tiegel), zum Schmelzen von Gußstahl, Gold, Silber, Messing und Neusilber, werden aus Graphit mit feuerfestem Ton gefertigt und kommen ungebrannt in den Handel. Auch die größten ertragen schroffen Temperaturwechsel und stehen sehr gut im Feuer. Sie werden schließlich durch langsames Verbrennen des Graphits dünnwandig, und man überzieht sie deshalb von außen mit einem Brei aus Ton und Boraxlösung. Infolge ihrer Glätte liefern sie sehr reinen Guß. Porzellantiegel dienen zu chemischen Operationen, werden glasiert und unglasiert angewendet, widerstehen den meisten chemischen Agenzien, springen aber leicht und werden vorteilhaft mit Magnesia in hessische S. eingebettet. Alkalische Massen, die Tontiegel zu stark angreifen, schmelzt man in gußeisernen Tiegeln. Zur chemischen Analyse benutzt man Silber- u. Platintiegel, die hohe Temperatur ertragen, aber vorsichtig behandelt werden müssen, weil sie von manchen Substanzen stark angegriffen werden.
 
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Schmelzwärme, s. Meyers Schmelzen.
 
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Schmer, soviel wie Schmalz.
 
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Schmerbauch, s. Meyers Bauch.
 
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Schmerfluß (griech. Seborrhöe), eine überreichliche Absonderung der Talgdrüsen, ist die Ursache mannigfacher Hautkrankheiten. Die Anhäufung des Hautschmers in den Drüsen selbst, deren Ausführungsgang durch Staub oder Verhärtung der Absonderung verstopft ist, bildet die Meyers Mitesser (s. d.), die Entzündung solcher Talgknötchen die Akme (s. Meyers Finne); der S. der Haut bei Schwindsüchtigen wird als Pityriasis tabescentium, der S. des Kopfes als Schinnbildung (Seborrhoea sicca) bezeichnet; unter der Vorhaut erzeugt der S. die Eichelentzündung (s. d.). Vgl. Hautkrankheiten.
 
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Schmergel, Pflanze, s. Chenopodium.
 
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Schmerkraut, s. Pinguicula.
 
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Schmerle (Cobitis L., Misgurnus Lac.), Gattung der Edelfische aus der Familie der Karpfen (Cyprinidae), Fische mit langgestrecktem Körper, kleinem, schuppenlosem Kopfe, von wulstigen Lippen und Barteln umgebenem Munde, mit zahlreichen spitzigen Zähnen einreihig besetztem Schlundknochen, den Bauchflossen gegenüberstehender Rückenflosse, kurzer Afterflosse und kleinen Schuppen. Der Schlammbeißer (Schlammpitzger, Wetterfisch, Bisgurre, Moorgrundel, Grundedel, Misgurnus fossilis Lac., Cobitis fossilis L., s. Tafel Meyers »Fische II«, Fig. 3), bis 30 cm lang, mit sehr gestrecktem, schwärzlichem, gelb und braun gestreiftem, unterseits hellerm, schwarz getüpfeltem, sehr beweglichem und schlüpfrigem Körper, zehn Barteln am Mund und kleinen Flossen, von denen Rücken- und Schwanzflosse schwarzbraun gefleckt sind, findet sich in Flüssen und Seen Mittel- und Osteuropas mit schlammigem Grunde, verbirgt sich winters im Schlamm und, wenn das Wasser austrocknet, auch sommers, da er vermöge eigentümlicher Darmatmung lange außerhalb des Wassers zu leben vermag. Vor Ausbruch eines Gewitters ist er sehr unruhig und wird deshalb als Wetterprophet gehalten. Er nährt sich von Gewürm, Fischlaich und vermoderten Pflanzenteilen, laicht im April und Mai, pflanzt sich aber nicht stark fort, obgleich die Zahl der Eier 140,000 beträgt. Der Steinpitzger (Dorngrundel, C. taenia L.), 10 cm lang, orangegelb mit schwarzen Flecken und Linien, bewohnt Mitteleuropa von der Ost- und Nordsee bis Dalmatien, von Großbritannien bis Rußland, ist überall seltener als die S., laicht im April bis Juni; sein Fleisch ist wenig geschätzt. Die S. (Bartgrundel, C. barbatula L., s. Abbildung), bis 15 cm lang, mit wenig gestrecktem, walzenförmigem Körper und sechs Bartfäden, ist auf dem Rücken dunkelgrün, an den Seiten gelblich, unterseits hellgrau, auf Kopf, Rücken und an den Seiten braunschwarz gefleckt und gestreift, an Rücken-, Schwanz- und Brustflosse gefleckt. Sie findet sich weitverbreitet in Europa, besonders in Sachsen, Brandenburg, Hessen, in der Schweiz und Tirol, in seichten, schnell fließenden Bächen mit sandigem Grunde, ruht am Tag unter Steinen verborgen und geht nachts ihrer Nahrung nach, die aus Würmern, Insekten, Laich und Pflanzenstoffen besteht; sie laicht im März und April, und das Männchen hält bei den in einer Grube abgelegten Eiern Wache. Sie ist außer dem Wasser äußerst hinfällig. Ihr Fleisch ist sehr wohlschmeckend, wenn es sofort nach dem Tode des Tieres zubereitet wird, und man züchtet sie deshalb in kleinen Wasserlöchern mit beständigem Zu- und Abfluß.
 
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Schmerling, Pilz, s. Boletus.
 
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Schmerling, Anton, Ritter von, österreich. Staatsmann, geb. 23. Aug. 1805, gest. 23. Mai 1893 in Wien, entstammte einer alten niederösterreichischen Adelsfamilie, studierte in Wien die Rechte, trat 1829 in den Staatsdienst und war 1846 bereits Appellationsrat. 1847 wählten ihn, dessen liberale Gesinnung und Gegnerschaft gegen das Metternichsche System bekannt war, die niederösterreichischen Stände in den Landtag, woselbst er die Interessen des Bürger- und Bauernstandes vertrat und für die Preßfreiheit wirkte. An der Bewegung der Märztage von 1848 hatte er lebhaften Anteil, war Mitglied der Deputation, die mit dem Hofe wegen einer Verfassung verhandelte und half bei der Organisation der Nationalgarde mit. Von dem neuen Ministerium wurde er im April 1848 nach Frankfurt gesandt, um hier als Vertrauensmann den Beratungen über einen neuen Verfassungsentwurf für Deutschland beizuwohnen. Nach Colloredos Rücktritt übernahm er 19. Mai 1848 für die letzten Wochen der Bundesversammlung das Präsidium. Von der Stadt Tulln in Niederösterreich in das deutsche Parlament gewählt, schloß er sich hier der Partei der konstitutionellen Monarchie an. Am

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15. Juli von Erzherzog Johann zum Reichsminister ernannt, verwaltete er anfangs das Innere und Äußere, behielt aber nachher nur das letztere bei. Da er jedoch seinen großdeutschen, österreichischen Standpunkt energisch vertrat und von der preußischen Hegemonie nichts wissen wollte, entzweite er sich mit den meisten seiner bisherigen Parteigenossen, legte 15. Dez. 1848 sein Ministerium nieder und kehrte nach Wien zurück, welche Stadt ihn in den Kremsierer Reichstag entsandte. Von der österreichischen Regierung als Bevollmächtigter bei der Zentralgewalt nach Frankfurt zurückgesandt, arbeitete er nun als Führer der Österreicher in der Paulskirche dem preußischen Erbkaisertum eifrig entgegen. Nachdem dennoch 27. März 1849 die preußische Partei die Oberhand behalten, schied er Ende April aus der Versammlung und ging wieder nach Wien, wo er 28. Juli 1849 als Justizminister ins Kabinett Schwarzenberg eintrat und der Schöpfer der Geschwornengerichte wurde. Mit der von Schwarzenberg verfolgten reaktionären Politik nicht einverstanden, nahm er im Januar 1851 seinen Abschied und ward bald darauf Senatspräsident des obersten Gerichtshofs und 1858 Präsident des Oberlandesgerichts in Wien. Nachdem das föderalistische Oktoberdiplom auf Widerwillen in der Bevölkerung gestoßen war, wurde S. 13. Dez. 1860 zum Staatsminister ernannt und arbeitete die zentralistischen Staatsgrundgesetze für die Reichs- und die Landesvertretungen aus, die mit dem kaiserlichen Patent vom 26. Febr. 1861 bekannt gemacht wurden (s. Meyers Österreich, S. 198). Diese Februarverfassung stieß aber auf den Widerstand vorzüglich Ungarns, dem gegenüber S. eine unfruchtbare, abwartende Haltung einnahm, die sich in seinem Ausspruch: »Wir können warten!« ausdrückte. Aber auch in der westlichen Hälfte standen die Slawen in Opposition gegen den Reichsrat und die Verfassung. Die ungünstige Finanzlage des Reiches, die unsicher gewordene Stütze der Deutschliberalen und ein geschickter Vorstoß der ungarischen Adelspartei unter Moritz Esterházy, die den Kaiser zu einer Reise nach Pest bestimmte, brachten S. zu Falle. Zuerst wurde das ganze Ministerium entlassen (27. Juli 1865), dann auch (20. Sept.) die Februarverfassung sistiert. S. übernahm sodann die Würde eines ersten Präsidenten des obersten Gerichtshofs; 186165 war er auch Mitglied des böhmischen, 186167 des niederösterreichischen Landtags und ward 1867 lebenslängliches Mitglied des österreichischen Herrenhauses, dessen erster Vizepräsident er wiederholt war, und in dem er seit 1879 die Opposition gegen das Taaffesche System führte. Am 11. Nov. 1891 trat er als Präsident des obersten Gerichtshofs in den Ruhestand und behielt nur das Kuratorium der Theresianischen Ritterakademie bei. Seinem politischen Liberalismus ist S. ebenso treu geblieben wie seiner gut österreichischen Gesinnung. Er hinterließ Memoiren, die noch nicht veröffentlicht sind. Ein Teil davon fand Benutzung durch A. v. Arneth, Anton Ritter von S. Episoden aus seinem Leben. 1835, 18481849 (Prag u. Wien 1895). Sein Bruder Joseph, Ritter von S., geb. 1807, gest. 6. Sept. 1884, war lange Zeit österreichischer Militärbevollmächtigter in Frankfurt a. M., dann im Kriegsministerium, 1868 Mitglied des Herrenhauses, 1878 als Feldzeugmeister verabschiedet.
 
Artikelverweis 
Schmerschlächte, s. Meyers Schlächte.

 

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