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Schmantlöffel bis Schmarotzermilben (Bd. 6, Sp. 882 bis 884)
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Artikelverweis Schmantlöffel, Röhre aus Eisenblech mit Ventil an einem Ende, dient zum Herausnehmen des Bohrschlammes (des Schmants) aus dem Bohrloch.
 
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Schmarda, Ludwig Karl, Zoolog, geb. 23. Aug. 1819 in Olmütz, studierte seit 1835 in Wien, wurde 1843 Assistent an der Josephsakademie daselbst, 1847 Lehrer in Graz, 1850 Professor an der Universität daselbst und 1852 Professor der Zoologie in Prag. 185357 machte er mit Franz v. Fridau eine Reise um die Welt. Inzwischen wegen seiner Beteiligung an den Ereignissen von 1848 seiner Professur enthoben, privatisierte er in Steiermark, in Paris und Berlin, bis er 1862 die Professur der Zoologie in Wien erhielt. 186365 untersuchte er die Fischereiverhältnisse an den österreichischen und 1868 an den französischen Küsten. Er trat 1883 in Ruhestand und bereiste 1884, 1886 und 1887 die westlichen Mittelmeerländer. Er schrieb: »Kleine Beiträge zur Naturgeschichte der Infusorien« (Wien 1846); »Andeutungen aus dem Seelenleben der Tiere« (das. 1846); »Grundzüge der Zoologie« (das. 1853); »Zur Naturgeschichte der Adria« (das. 1852); »Zur Naturgeschichte Ägyptens« (das. 1854); »Die geographische Verbreitung der Tiere« (das. 1853, 3 Bde.); »Neue wirbellose Tiere« (Leipz. 1859-ul); »Reise um die Erde« (Braunschw. 1861, 3 Bde.); »Zoologie« (Wien 1871 bis 1872, 2 Bde.; 2. Aufl. 187778).
 
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Schmargendorf, Dorf im preuß. Regbez. Potsdam, Kreis Teltow, am Grunewald, an der Berliner Ringbahn und einer elektrischen Straßenbahnlinie, hat eine evang. Kirche, ein Denkmal Kaiser Wilhelms I. und (1905) 5039 Einw. Vgl. Spatz, Aus der Geschichte Schmargendorfs (Berl. 1902).

[Bd. 6, Sp. 883]



 
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Schmarotzen (schmarutzen), einen andern benutzend, auf dessen Kosten in Speise und Trank frei ausgehen; auch im übertragenen Sinne gebraucht.
 
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Schmarotzer (Parasiten), Tiere oder Pflanzen, die an oder in andern Tieren und Pflanzen (ihren Wirten) leben und sich auf deren Kosten ernähren. Es handelt sich also nicht um ein Zusammenleben zu gegenseitigem Nutzen, wie bei der Symbiose, sondern der S. schädigt den Wirt. In der Zoologie unterscheidet man meist folgende Abstufungen des Parasitismus: echte Parasiten, die sich ganz von andern Tieren ernähren; Kommensalen (Tischgenossen, Mitesser), die von der Nahrung andrer mit genießen; Mutualisten, die gegenseitig auseinander angewiesen sind; endlich Pseudoparasiten, d. h. Tiere, die nur ausnahmsweise schmarotzen (z. B. Fliegenlarven im Menschen). Der Kommensalismus und Mutualismus äußert sich sehr verschieden; das eine Tier kann das andre, den Wirt, lediglich als Wohnung benutzen, wie z. B. der Schlangenaal (Fierasfer), der sich im Leib einer Seegurke aufhält, aber von Krebsen lebt und auch meist den Kopf aus der hintern Öffnung seiner lebenden Behausung herausstreckt. Sehr viele Kommensalen finden sich unter Krebsen und Würmern, von denen ein großer Teil zum Leben der beständigen Hilfe andrer Tiere bedarf, wie der Einsiedlerkrebs (s. d.) der Seerose; sie erhält durch den Krebs Futter, während die Gefährlichkeit ihrer Nesselorgane die Annäherung vieler dem Krebse nachstellender Tiere hindert. Manche Insekten, die auf Säugetieren und Vögeln wohnen und sich von deren abfallenden Hautschuppen nähren, dürfen, insofern ihre Anwesenheit dem Wirt von Nutzen ist, gleichfalls zu den Mutualisten gezählt werden; dasselbe gilt von gewissen Milben, die auf echte Schmarotzermilben Jagd machen und so die Haut der Säugetiere und Vögel von diesen lästigen Parasiten befreien (Hilfsschmarotzer). Der Organismus mancher Tiere scheint für die parasitische Lebensweise besonders geeignet zu sein, soz. B. derjenige der Krebse, die viele tierische Parasiten, ganz besonders aus der niedern Abteilung der Entomostraken, liefern. Auch Protozoen kommen sehr häufig als S. vor (vgl. Sporozoen). Vor allem spielen aber die Würmer als echte Parasiten eine große Rolle und finden sich wohl bei den meisten höhern und vielen niedern Tieren. So beherbergt allein der Mensch häufig verschiedene Bandwürmer im Darm, Distomen in Leber, Darm und Blut, Nematoden im Darm oder im Blut etc. Am Menschen leben außerdem noch Läuse, Flöhe und Wanzen, zuweilen Zecken, ferner einzellige S., wie Amöben, Flagellaten, Infusorien und Sporozoen. Diese echten S. nähren sich von den Bestandteilen des lebenden Körpers und erzeugen häufig Krankheiten, selbst den Tod. Die S. sind meist an bestimmte Wirte, oft an bestimmte Körperteile des Wirtes gebunden. Auf oder in Schmarotzern hausen manchmal andre S. Viele S. erreichen nicht in ein und demselben Wirt oder wenigstens nicht in demselben Organ ihre volle Entwickelung, treten daher Wanderungen an oder gelangen passiv in einen andern Wirt, indem dieser z. B. das Tier frißt, das den unreifen S. enthält, der sich nun im neuen Wirte zur Geschlechtsreife entwickelt (Wirtswechsel der Hämosporidien, Saug-, Band- und Spulwürmer, z. B. der Trichine, die aus der Muskulatur des Schweines in den Darmkanal des Menschen übertragen wird). Von manchen Tieren schmarotzt nur das eine Geschlecht. Nach dem Aufenthalt in oder auf dem Wirt unterscheidet man Ento- und Ektoparasiten (Binnen- und Außenschmarotzer, Ento- oder Entero- und Epizoen). Zu den in jedem Alter freien Schmarotzern gehören die Blutegel, b Nücken, Fliegen, Flöhe, Läuse, Wanzen, Milben etc.; sie siedeln sich niemals auf dem Wirt an, nähren sich zwar von dessen Blut, nehmen ihm aber nie das Leben (Halbschmarotzer). Andre S. sind nur in der Jugend frei, siedeln sich später in einem andern Tiere an und verändern dann mitunter ihre Gestalt ungemein. Auch schmarotzt wohl das Männchen in oder auf dem (mitunter selbst schon parasitischen) Weibchen, z. B. bei dem Wurm Bonellia sowie bei Schmarotzerkrebsen. Von manchen Tieren leben nur die Jugendformen parasitisch, die Erwachsenen dagegen frei, z. B. die Schlupfwespen, die ihre Eier in Insektenlarven legen, die Bremsen, die als Glochidien bekannten Larven der Flußmuscheln, die in der Jugend am Körper von Fischen schmarotzen, u. a. Einen meist bedeutenden Einfluß übt das Schmarotzertum auf den S. selbst, einen meist viel geringern auf den Wirt aus. Letzterer wird manchmal mißgestaltet, blutarm, verliert zuweilen die Fähigkeit zur Fortpflanzung (parasitäre Kastration) etc.; ersterer aber büßt in dem Maß, wie er sich an die neue, bequemere Lebensweise auf Kosten eines andern gewöhnt, seine eignen Organe ein. Daher sind viele Parasiten mehr oder weniger blind, haben verkümmerte Gliedmaßen, ein rückgebildetes Nerven- und Blutgefäßsystem, selbst der Ernährungsapparat kann, wie z. B. bei den Bandwürmern, zurückgebildet werden, ja manche bestehen nur noch aus einem sackförmigen Körper, der außer den Geschlechtsorganen kaum noch etwas andres enthält. Zu solchen der sogen. regressiven Metamorphose verfallenen Tieren gehören z. B. unter den niedern Krebsen die Wurzelkrebse (s. Meyers Rankenfüßer), die man früher längere Zeit geradezu für Geschwülste ihrer Wirte gehalten hat, bis man die aus ihnen hervorkommende Brut als echte junge Krebschen, die munter umherschwimmen und fressen, erkannte. Entstanden muß man sich den Parasitismus dadurch denken, daß schwächere Tiere sich zu besserm Nahrungserwerb in den Schutz stärkerer Tiere begaben, aus welchem Zusammenleben sich dann allmählich der Parasitismus entwickelte. Diejenigen Tierformen, die in der Jugend frei und erst später als S. leben, geben also einen Hinweis auf die Entstehungsweise des Parasitismus und durchlaufen gewissermaßen noch die Entwickelung, die dieser genommen hat. Vgl. van Beneden, Die S. des Tierreichs (Leipz. 1876); Perty, Über den Parasitismus in der organischen Natur (2. Aufl., Berl. 1874); Leuckart, Die menschlichen Parasiten (u. Aufl., Leipz. 1879 ff.) und Allgemeine Naturgeschichte der Parasiten (das. 1879); Robin, Histoire naturelle des végétaux parasites que croissent sur l'homme et sur les animaux vivants (Par. 1858); Giebel-Nitzsch, Insecta epizoa (Leipz. 1874); Küchenmeister und Zürn, Die menschlichen Parasiten (2. Aufl., das. 187881); Zürn, Die S. auf und in dem Körper unsrer Haussäugetiere (2. Aufl., Weim. 188188, 2 Bde.); Huber, Bibliographie der klinischen Helminthologie (Münch. 189195); Braun, Die tierischen Parasiten des Menschen (3. Aufl., Würzburg 1903); Looß, Schmarotzertum in der Tierwelt (Leipz. 1892); Mosler-Peiper, Tierische Parasiten (2. Aufl., Wien 1903).
 
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Schmarotzerbienen (Kuckucksbienen), Bienengattungen, bei denen die Weibchen keine Sammelhaare besitzen und daher auch keinen Blütenstaub

[Bd. 6, Sp. 884]


sammeln. Sie legen ihre Eier in die fertigen Zellen eines Wirtes und schaffen vielleicht auch das rechtmäßige Ei beiseite. Ihre Ähnlichkeit mit dem Wirt erleichtert ihnen das Eindringen in das fremde Nest.
 
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Schmarotzergewächse, s. Meyers Schmarotzerpflanzen.
 
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Schmarotzerhummeln, s. Meyers Hummel.
 
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Schmarotzerkrebse, alle parasitischen Krebstiere; unpassend nur die Schmarotzer unter den Ruderfüßern.
 
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Schmarotzermilan, s. Meyers Weihen.
 
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Schmarotzermilben, s. Meyers Milben.

 

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