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Schloß bis Schloßgardekompanie (Bd. 6, Sp. 872 bis 874)
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Artikelverweis Schloß (hierzu Tafel Meyers »Schlösser« mit Text), Vorrichtung zum Festhalten oder Verschließen von Türen, Schubladen, Kastendeckeln etc., bei der durch Drücker, Knopf, Schlüssel oder durch Verstellen gewisser Teile (Ringe mit Zeichen) der Verschluß bewirkt und gelöst werden kann. Nach der Art des Verschlusses unterscheidet man: 1) den Fallenverschluß zum bloßen Zuhalten von Türen etc., nur mit einer beständig im S. steckenden Klinke (Drücker, Knopf) versehen und zwar mit hebender oder schießender Falle (Tafel, S. I, Fig. 1 u. 2); 2) den Nachtriegelverschluß mit einem aus dem Schließkasten herausschiebbaren Riegel, der von auswärts mit einem Knopf oder einer mit Nuß versehenen Klinke verschoben wird; 3) das eigentliche S., das als Verschlußmittel einen verschiebbaren Riegel besitzt, dessen Bewegungen durch gewisse Teile (Zuhaltungen) verhindert wird und eines Schlüssels bedarf, der diese Zuhaltungen in eine den Riegel freigebende Lage bringt und dann auch meistens den Riegel verschiebt. Dieser von außen durch das Schlüsselloch eingeführte Schlüssel wirkt in der Regel durch Drehung (Tourschloß) und besitzt dann im S. eine Führung in einem runden Loche des Schloßbleches oder auf einem runden Stift (Dorn) mittels einer Bohrung (Hohlschlüssel, Rohr). Die Drehung erfolgt mittels eines am äußern Ende sitzenden Ringes (Raute) und die Verschiebung des Riegels etc. durch einen am andern Ende sitzenden Lappen (Bart), wobei eine um den Schlüssel an passender Stelle herumlaufende Wulst (Gesenk) das Eintreten des Schlüssels begrenzt. Bei einzelnen Anordnungen drängt der Schlüssel beim Einstecken die Zuhaltungen in die freigebende Lage (Steckschlüssel, Steckschloß), wo dann die Verschiebung des Riegels durch eine nachträgliche Drehung des Schlüssels oder eine besondere Vorrichtung (Schieber oder Olive) erfolgt. Bei Kastenschlössern sitzt der Schließmechanismus im Schloßkasten, der an der einen Seite der zu verschließenden Tür etc. mit Schrauben befestigt wird, und besteht aus dem Schloßblech, auf dem die Führungen für den Riegel, die Stifte zum Festhalten der Federn etc. angebracht sind, dem Stulp, d. h. derjenigen Seitenwand, durch die der Riegelkopf heraustritt, dem Umschweif, der die übrigen drei schmalen Seitenwände bildet, und dem Schloßdeckel (Deckplatte), der die letzte, dem Schloßblech parallele Seite entweder ganz verschließt oder nur die dem Schlüsselloch zunächst gelegenen Teile verdeckt. Einlaßschlösser sind den Kastenschlössern ähnlich, werden aber in eine Vertiefung auf der Seitenfläche der Tür, des Deckels etc. eingelassen. Einsteckschlösser werden in einen an der schmalen Seite der Tür eingestemmten Schlitz eingeschoben und mit den überragenden Stulprändern durch Schrauben befestigt. Hängeschlösser (Vorhängeschlösser) haben ein rings verschlossenes Gehäuse, aus dem ein Bügel an Stelle eines Riegels herausragt (Tafel, S. I und IV). Das einfachste Schloß ist das sogen. deutsche, nur eine schießende Falle (Tafel, Fig. 2), in welcher der Riegel durch eine etwa halbe Drehung eines Schlüssels zurückgeschoben (Halbtourschloß), durch den Schlüssel gehalten und die Feder wieder zum Einschnappen gebracht wird. Das Bastardschloß unterscheidet sich von dem deutschen S. nur dadurch, daß der Riegel in seinen Endstellungen mit einem Einschnitt auf einen Stift fällt, in dieser Lage durch eine Feder gehalten und durch Schlüssel abgehoben und verschoben wird. Als Grundlage aller Zuhaltungsschlösser gilt das französische S. (Tafel, Fig. 3, mit Text).
   Die vorbeschriebenen Schlösser bieten sehr wenig Sicherheit gegen unbefugtes Öffnen, da ein einfaches, aus Draht gebogenes schlüsselähnliches Werkzeug (Dietrich, Nachschlüssel) den Schlüssel ersetzen kann. Um die Einführung und Bewegung eines Dietrichs zu erschweren, hat man zuerst, wie alte Schlösser zeigen, den Schlüssellöchern und damit den Schlüsselbärten die verschiedensten Formen gegeben und in den Schlössern selbst sogen. Besatzungen (Eingerichte) angebracht, die aus Blechstreifen von mannigfaltigen Querschnitten bestehen, in Kreisbogen um das Schlüsselloch herum befestigt sind und mit entsprechenden Einschnitten im Schlüsselloch korrespondieren. Auch diese Vorrichtungen erhöhen die Sicherheit nur in geringem Grade. Sehr schwierig, zum Teil fast unmöglich dagegen sind von unbefugter Hand ohne den passenden Schlüssel oder Kenntnis gewisser Griffe die Sicherheitsschlösser zu öffnen, die in zahlreichen Konstruktionen angefertigt werden. Zu ihnen gehören das Buchstabenschloß, das Chubbschloß, das Bramahschloß, das Stechschloß und das Vexierschloß in vielfach verschiedenen Anordnungen und Kombinationen (Tafel, S. Iff.).
   Das sehr alte Buchstabenschloß ist ein Hängeschloß, das ohne Schlüssel gebraucht wird; es besteht aus einer Anzahl gleichgroßer Ringe, die an ihrer Peripherie mit Buchstaben und im Innern an einer einem gewissen Buchstaben gegenüberliegenden Stelle mit Einkerbungen versehen sind. Sie werden auf einen Zapfen zwischen den Bügel des Schlosses geschoben, der in einer Reihe parallel zur Achse so viel Stifte hat, als Ringe vorhanden sind. Stehen nun die Ringe alle so, daß die Stifte vor den Einkerbungen liegen, so läßt sich der Zapfen herausziehen und somit das S. öffnen. Die dazu nötige Stellung der Ringe, die sich äußerlich an den Buchstaben erkennen läßt, erreicht man durch Drehung der Ringe, bis ein bestimmtes Wort zum Vorschein kommt. Zum Verschließen schiebt man den Zapfen wieder ein und dreht die Ringe aus ihrer Öffnungsstellung.
   Die Sicherheitsschlösser besitzen mitunter noch andre Sicherheitsvorrichtungen, wozu z. B. die sogen. Vexiere gehören. Diese sind nach ähnlichem Prinzip wie die Buchstabenschlösser eingerichtet und bilden entweder noch eine besondere Zuhaltung, oder verhindern, den Schlüssellochdeckel beiseite zu schieben, bevor sie nicht in eine nur dem Besitzer bekannte Stellung gebracht worden sind. Zu dergleichen Vorrichtungen werden häufig an Geldschränken die auf der Tür angebrachten Knöpfe oder Rosetten benutzt. Sicherheitsschlösser mit elektrischen Vorrichtungen sind in der Weise von Hübner angegeben und von Busse :u Schweidnitz ausgeführt worden, daß ein dem

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Schlüssel des Yale-Schlosses ähnlicher Schlüssel mit Randeinschnitten oder noch besser ein schwierig abzuformender konischer Schlüssel, in das Schlüsselloch gesteckt, den Strom schließt, durch dessen Wirkung ein Elektromagnet einen Riegel zurückzieht, der sonst durch Federkraft den Riegel eines mechanischen Schlosses sperrt. Beim Schließen des letztern schnappt der elektrische Sperriegel von selbst ein.
   Geschichtliches. Verschlußvorrichtungen in Form von hölzernen Riegeln, die in Krampen eingreifen, waren schon den alten Ägyptern bekannt. Ausgrabungen an Stätten altgriechischer Kultur haben auch Schloßteile aus Kupfer und Bronze zutage gefördert. Auch aus römischer Zeit haben sich nur einzelne Schloßteile und Schlüssel aus Bronze und Eisen erhalten (s. Tafel Meyers »Schmiedekunst«), aus denen so viel hervorgeht, daß das altrömische S. sich aus dem uralten Holzriegelschloß entwickelt hat und auf einem vereinigten Stech- und Schiebesystem beruhte. Das Holzriegelschloß war im übrigen Europa noch bis zum Anfang des 10. Jahrh. allgemein üblich. Dann wurde zuerst der hölzerne Schlüssel durch den metallenen ersetzt, worauf metallene Riegel und im 11. Jahrh. die Einführung eines metallenen Gehäuses mit Schlüsselloch folgten. Durch die Entwickelung der Schmiedekunst in der gotischen Periode erfuhren auch S. und Schlüssel eine künstlerische Ausstattung, die sich schließlich bis zu reichster Ornamentik verstieg und im Laufe der Jahrhunderte den verschiedenen Stilwandlungen (Renaissance, Barock und Rokoko) folgte (s. Tafel Meyers »Schmiedekunst II«, Fig. 8, 2, 6, 10 u. I, Fig. 7 u. 8). Um das Schlüsselloch herum wurde, um dessen Auffinden zu erleichtern und zugleich die Ausstemmungen im Holze zu verdecken, das Schlüsselschild oder Schlüsselblech gelegt, das zumeist aus Rankenwerk, aber auch aus Figuren und Grotesken gebildet wurde (s. die Textfigur und Tafel Meyers »Schmiedekunst«, Fig. 4 und 17). Zu Ende des 15. Jahrh. wurde das Unterlagsblech umgewendet und dadurch der innere Mechanismus des Schlosses sichtbar, was zu einer künstlerischen Gestaltung und Verzierung der Konstruktion Anlaß gab (s. Tafel Meyers »Schmiedekunst«, Fig. 24). Um die Mitte des 17. Jahrh. wurde dieses Schloßsystem durch das französische verdrängt, das den Mechanismus in einem Kasten von Eisen mit Messingblech überdeckte. Zu Ende des 18. Jahrh. hörte die künstlerische Verzierung von S. und Schlüssel auf, da man den Schwerpunkt auf das Praktische, d. h. auf Sicherheit der Schlösser und präzises Eingreifen der Schlüssel, legte. In unsrer Zeit wird den Schlüsselschildern wieder eine künstlerische Ausstattung gegeben. Vgl. König, Grundriß der Schlosserkunst (5. Aufl., Weim. 1871); Schubert, Kombinations- und Sicherheitsschlösser (das. 1880); Lüdicke, Handbuch für Kunst-, Bau- und Maschinenschlosser (2. Aufl., das. 1891); Barberot, Traité de serrurerie (2. Aufl., Par. 1894); Hoch, Die neuern Sicherheitsschlösser (Berl. 1891), Schloßkonstruktionen (Leipz. 1891, 2 Tle.) und Technologie der Schlosserei (das. 18991901, 3 Tle.); Krauth und Meyer, Das Schlosserbuch. Kunst- und Bauschlosserei (2. Aufl., das. 1897, 2 Bde.); »Katalog der Sammlung von Schlüsseln und Schlössern im Besitz des Herrn Andreas Dillinger« (Wien 1886); Nötling, Studie über altrömische Tür- und Kastenschlösser (Mannh. 1870); Fink, Der Verschluß bei den Griechen und Römern (Regensb. 1889); Sales Meyer, Handbuch der Schmiedekunst (2. Aufl., Leipz. 1893); Ludewig und Steinach, Amerikanische Sicherheitsschlösser (Münch. 1887); Oldenburger, Konstruktion der Tür-, Schub- und Klappenverschlüsse (Weim. 1889). Weitere Literatur über Schmiedekunst s. Meyers Schmieden.
   Rechtliches. Schon in den alten Zunftvorschriften der Schlosser findet sich stets die Bestimmung, daß mit schwerer Strafe belegt wird, wer ohne Erlaubnis des Eigentümers eines Hauses oder Gegenstandes Schlüssel zu den betreffenden Schlössern anfertigt oder die Schlösser öffnet. Diese Schutzvorschrift ist in alle Strafgesetzbücher übergegangen und findet sich auch im § 369, Ziffer 1, des Reichsstrafgesetzbuches. Nach diesem werden Schlosser, die ohne obrigkeitliche Anweisung oder ohne Genehmigung des Inhabers einer Wohnung Schlüssel zu Zimmern oder Behältnissen in letztern anfertigen oder Schlösser an denselben öffnen, ohne Genehmigung des Hausbesitzers einen Hausschlüssel anfertigen oder ohne polizeiliche Erlaubnis Nachschlüssel oder Dietriche verabfolgen, bestraft.
 
Artikelverweis 
Schloß an Gewehren, s. Meyers Handfeuerwaffen, S. 748 s. S. in der Baukunst, s. Meyers Anker, S. 537.
 
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Schloß, in der Jägersprache beim Haarwild die durch die Beckenknochen gebildete Höhle, durch die der Weidedarm (Mastdarm) geht. Vgl. Eisbein.
 
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Schlossar, Anton, historischer und literarhistorischer Schriftsteller, geb. 27. Juni 1849 in Troppau, studierte 186773 die Rechte, Philosophie und Literaturgeschichte in Graz und wurde hier 1873 zum Dr. jur. promoviert; nachdem er sich zuerst der juristischen Laufbahn zugewandt hatte, trat er 1875 als Amanuensis in die Universitätsbibliothek in Graz ein und ist seit 1904 deren Vorstand und Direktor. Seine umfassende schriftstellerische Tätigkeit galt in erster Linie der Geschichte und Literatur Steiermarks. Er schrieb: »Innerösterreichisches Stadtleben vor 100 Jahren« (Wien 1877); »Erzherzog Johann von Österreich und sein Einfluß auf das Kulturleben der Steiermark« (das. 1878); »Österreichische Kultur- und Literaturbilder mit besonderer Berücksichtigung der Steiermark« (das. 1879); »Erzherzog Johann Baptist von Österreich« (das. 1880); »Steiermark im deutschen Lied«, Anthologie (Graz 1880); »Erzherzog Johann im Lied«, Anthologie (das. 1882); »Steiermärkische Bäder und Luftkurorte« (Wien 1883); »Kultur- und Sittenbilder aus der Steiermark« (Graz 1885); »Bibliotheca historico-geographica Stiriaca. Die historische und geographische Literatur der Steiermark«, Bibliographie (das. 1886); »Hundert Jahre deutscher Dichtung in Steiermark 17851885« (Wien 1893); »Briefwechsel zwischen Erzherzog Johann und Anton Graf von Prokesch-Osten« (Stuttg. 1898), »Vier Jahrhunderte deutschen Kulturlebens in Steiermark« (Graz 1907). Außerdem gab er heraus: »Nikolaus Lenaus Briefe an Emilie von Reinbeck und deren Gatten Georg von Reinbeck« (Stuttg. 1896); »Deutsche Volksschauspiele in Steiermark« (Halle 1891); »Friedrich Halms ausgewählte Werke« (Leipz. 1904) und »Anastasius Grüns Sämtliche Werke« (das. 1907; die biographische Einleitung auch gesondert) u. a. Auch veröffentlichte er ein Festspiel »Styrias Huldigung« und die Erzählung in Versen »Cornelia« (Innsbr. 1878).

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Artikelverweis 
Schloßbeine, s. Meyers Eisbein.
 
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Schloßblech, s. Meyers Eisenblech.
 
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Schloßchemnitz, s. Meyers Chemnitz, S. 922, 1. Spalte.
 
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Schloßen, s. Meyers Hagel.
 
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Schlosser, 1) Johann Georg, Schriftsteller, geb. 1739 in Frankfurt a. M., gest. daselbst 17. Okt. 1799, war ein Jugendfreund Goethes und verheiratete sich, zum badischen Oberamtmann in Emmendingen ernannt, im Herbst 1773 mit Goethes Schwester Cornelia. Nach deren frühem, 1777 erfolgtem Tode vermählte er sich 1778 zum zweitenmal mit der Frankfurterin Johanna Fahlmer, der Vertrauten Goethes in den mannigfachen Erlebnissen und innern Kämpfen seiner Sturm- und Drangperiode (»Goethes Briefe an J. F.«, hrsg. von Urlichs, Leipz. 1875). S. ward 1787 Geheimer Hofrat in Karlsruhe und 1790 Geheimrat und Direktor des Hofgerichts. Weil eine von ihm zugunsten der Armen erlassene Verordnung wieder zurückgenommen worden war, nahm er 1794 seine Entlassung und lebte nun als Privatmann teils in Ansbach, teils in Eutin im Kreise Stolbergs und Jacobis. 1798 wurde er von Frankfurt a. M. zum Syndikus gewählt. Im Verein mit Merck, Goethe u. a. war er eifriger Mitarbeiter an den »Frankfurter Gelehrten Meyers Anzeigen« (s. d.); zahlreiche Aufsätze von ihm enthält auch Boies »Deutsches Museum«. Außerdem veröffentlichte er mehrere Übersetzungen aus Platon, Aristoteles und andern Schriftstellern des Altertums sowie zahlreiche Schriften über literarische, philosophische, politische und volkswirtschaftliche Fragen. Zum Teil hat er sie selber gesammelt: »Kleine Schriften« (Basel 177994, 6 Bde.). Am wertvollsten ist seine schriftstellerische Tätigkeit da, wo sie mit seiner Wirksamkeit als Jurist und Verwaltungsbeamter in Zusammenhang steht. Vielfach zeigt er jedoch eine starke Selbstüberschätzung, namentlich in seiner Polemik gegen Kant. Vgl. Nicolovius (Schlossers Schwiegersohn), Joh. Georg Schlossers Leben und literarisches Wirken (Bonn 1844); Dechent im »Goethe-Jahrbuch«, Bd. 10 (Frankf. 1889); Eberh. Gothein, Johann Georg S. als badischer Beamter (»Neujahrsblätter der badischen historischen Kommission«, Heft 2, Heidelb. 1899).
   2) Friedrich Christoph, deutscher Geschichtschreiber, geb. 17. Nov. 1776 in Jever, gest. 23. Sept. 1861 in Heidelberg, studierte 179497 in Göttingen Theologie und verfaßte die theologischen Schriften: »Abälard und Dulcin« (Gotha 1807) und »Leben des Theodor de Beza und des Peter Martyr Vermili« (Heidelb. 1809). Anfangs Hauslehrer in Frankfurt a. M., 180810 Konrektor in Jever, lebte S. dann wieder in Frankfurt und schrieb die »Geschichte der bilderstürmenden Kaiser des oströmischen Reiches« (Frankf. 1812). Seit 1812 an dem vom Fürsten-Primas neuerrichteten Lyzeum Professor der Geschichte und Philosophie, ward er 1814 Stadtbibliothekar und 1819 Professor der Geschichte in Heidelberg, wo er eine im Sinne des Liberalismus äußerst wirkungsvolle Lehrtätigkeit entwickelte. Unter seinen Werken sind hervorzuheben: »Weltgeschichte in zusammenhängender Erzählung« (Frankf. 181524, 9 Bde.; 2. Aufl. 183941); »Geschichte des 18. Jahrhunderts« (Heidelb. 1823, 2 Bde.; 2. Aufl. u. d. T.: »Geschichte des 18. Jahrhunderts und des 19. bis zum Sturz des französischen Kaiserreichs«, das. 183648, 6 Bde.; 5. Aufl. 186466, 8 Bde.); »Universalhistorische Übersicht der Geschichte der Alten Welt und ihrer Kultur« (Frankf. 182634, 9 Tle.); »Zur Beurteilung Napoleons und seiner neuesten Tadler und Lobredner« (das. 183235, 3 Bde.); »Dante« (Leipz. 1855) und die weitverbreitete »Weltgeschichte für das deutsche Volk« (Frankf. 184456, 18 Bde. und Register; 5. Ausg., bearbeitet und fortgesetzt von O. Jäger und F. Wolff, Stuttg. 190104, 20 Bde.), von der die ersten 8 Bände ursprünglich aus Schlossers Schriften von Meyers Kriegk (s. d.) bearbeitet sind. Mit Bercht gab S. das »Archiv für Geschichte und Literatur« (Frankf. 183035, 3 Bde.) heraus. S. ging nicht darauf aus, durch schöne Form zu wirken, stand vielmehr in ausgesprochenem Gegensatz wie zu der kritischen, so auch zu der künstlerischen Geschichtschreibung. Der wissenschaftliche Gehalt seiner Werke steht hinter der moralischen Wirkung weit zurück, aber der für seine Zeit charakteristische Liberalismus seiner Auffassung hat seine Werke dem Verständnis des Volkes näher gebracht als die irgend eines andern Geschichtschreibers. S. hat auf den gebildeten Mittelstand seiner Zeit und dessen politische Anschauungen mächtig eingewirkt, ohne selbst je politisch tätig gewesen zu sein. Ein Denkmal wurde ihm 1876 in Jever errichtet; sein Bildnis s. Tafel Meyers »Deutsche Geschichtschreiber« im 7. Bd. Vgl. Gervinus, Fr. Chr. S., ein Nekrolog (Leipz. 1861; dazu die Kritik von Löbell: »Briefe über den Nekrolog Schlossers etc.«, anonym, Chemn. 1862); G. Weber, Fr. Chr. S., der Historiker, Erinnerungsblätter (Leipz. 1876); Erdmannsdörffer, Gedächtnisrede zu der Feier von Schlossers 100jährigem Geburtstag (Heidelb. 1876); O. Lorenz, F. C. S. und über einige Aufgaben und Prinzipien der Geschichtschreibung (Wien 1878).
   3) Johann Friedrich Heinrich, ultramontaner Schriftsteller, geb. 10. Dez. 1780 in Frankfurt a. M., gest. daselbst 22. Jan. 1851, praktizierte dort seit 1803 als Advokat, ward 1806 vom Fürsten-Primas zum Stadtgerichtsrat ernannt, legte diese Stelle bei Auflösung des Großherzogtums Frankfurt nieder und trat 1814 mit seiner Gattin Sophie, geborne du Fay (gest. 24. Mai 1865 im Stift Neuburg) zur katholischen Kirche über. S. schrieb unter anderm: »Die morgenländische orthodoxe Kirche Rußlands und das europäische Abendland« (Heidelb. 1845) und »Die Kirche in ihren Liedern durch alle Jahrhunderte« (2. Aufl., Freiburg 1863). Schlossers »Nachlaß« (Mainz 185659, 4 Bde.: Wanderfrüchte, Gedichte, Legenden etc.) gab seine Gattin heraus. »Goethe-Briefe aus Fritz Schlossers Nachlaß« (Stuttg. 1877) veröffentlichte Frese.
 
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Schlosserschulen, Unterrichtsanstalten für Schlosser, zum Teil Innungsschulen, die den gewöhnlichen Handwerkerschulen gleichen. Die 1894 in Roßwein (Sachsen) eröffnete Schlosserschule für Gehilfen wird vom Verbande der Schlosserinnungen Deutschlands, der sächsischen Regierung und der Stadt Roßwein unterhalten. Sie nimmt mindestens 17jährige Leute nach dreijähriger praktischer Tätigkeit auf, der Kursus umfaßt drei Semester, auch wird wöchentlich in 16 Stunden praktischer Unterricht erteilt. Schulgeld 100 bis 125 Mk. Ferner gibt es Schlosserinnungsschulen in Düsseldorf, Frankfurt a. O., Stettin und Magdeburg. Meisterkurse für Schlosser werden in Köln, Hannover und Posen fast alljährlich veranstaltet. Kunstschlosser werden in den preußischen Kunstgewerbeschulen ausgebildet, in Österreich in Königgrätz.
 
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Schloßgardekompanie, preuß. Truppe aus halbinvaliden Unteroffizieren der Infanterie, die 12 Jahre gedient und möglichst mit Auszeichnung an Feldzügen teilgenommen haben. Die Kompanie besteht aus 1 Hauptmann, 7 Feldwebeln und 62 Vizefeldwebeln. Sie steht unter Führung eines Flügeladjutanten und

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ist zur Beaufsichtigung königlicher Schlösser und Gärten und zum Wachtdienst bei feierlichen Gelegenheiten bestimmt, wobei sie die alten Grenadiermützen trägt. Die 25 Jahre gedienten Unteroffiziere erhalten einen Degen mit Krone, daher Krongardisten genannt. Die S. in Preußen wurde 30. März 1829 als Gardeunteroffizierkompanie gegründet und führt den Namen S. seit 3. Okt. 1861. Sie steht in Berlin, Potsdam und Kassel. In Württemberg (Stuttgart) wurde eine S. 1872 errichtet.

 

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