Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Schlitten bis Schlitzhaue (Bd. 6, Sp. 870 bis 871)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Schlitten, im Maschinenwesen ein Maschinenteil, der sich, in Nuten geführt, in einer Horizontal- oder Vertikalebene bewegt wie bei der Hobelmaschine, dem Support einer Drehbank etc. Über S. beim Schiffbau s. Meyers Ablauf.
 
Artikelverweis 
Schlittenapparat, elektrischer, s. Meyers Elektrische Induktion, S. 623.
 
Artikelverweis 
Schlittenfahrer (Schlittenschieber), Bezeichnung für englische Schwindelfirmen, die von London oder andern englischen Plätzen aus auswärtigen (meist deutschen und österreichischen) Firmen größere Warenposten auf Kredit herausschwindeln und die bezogenen Waren zu Schleuderpreisen veräußern. Vgl. Rollo-Reuschel, Moderne Raubritter (Köln 1895).
 
Artikelverweis 
Schlittgen, Hermann, Maler und Zeichner, geb. 23. Juni 1859 in Roitzsch (Regbez. Merseburg), besuchte die Akademie in Leipzig und bildete sich dann während eines mehrjährigen Aufenthalts in Paris und auf Studienreisen in Belgien, Italien und Spanien weiter. Durch seine humoristischen Zeichnungen, in denen er hauptsächlich das Treiben der höhern Gesellschaftskreise, besonders der Offiziere, auf Bällen, Gesellschaften etc. persiflierte, wurde er einer der bekanntesten und beliebtesten Mitarbeiter der »Fliegenden Blätter«. Er hat auch Schriften von Hackländer illustriert und Gesellschaftsbilder und Bildnisse mit starken koloristischen Effekten in Öl und Pastell gemalt. Er erhielt den Professortitel und lebt in München.
 
Artikelverweis 
Schlittschuh (nach alter Schreibart auch Schrittschuh), Vorrichtung zur schnellen und leichten Fortbewegung auf dem Eise. Schlittschuhe wurden von den Pfahlbauern aus Pferdeknochen verfertigt. Die sehr großen Knochenschlittschuhe hießen altnordisch Skidi, Ondrun, und Uller, der Schlittschuh-Ase der Edda, wird als der Meister in ihrem Gebrauch geschildert. Während die nordischen Völker, auch Friesen, Holländer etc. immer gute Schlittschuhläufer waren, hat sich die Kunst in Deutschland in bescheidnern Grenzen bewegt, bis durch Klopstocks enthusiastische Schilderungen (z. B. in seinen Oden: »Der Eislauf«, »Braga«, »Die Kunst Thialfs«) das Schlittschuhlaufen von neuem populär wurde. Bis zur Mitte des 19. Jahrh. kannte man nur die ältern, aus Holland zu uns gekommenen Stahlschlittschuhe, bei denen die Sohle in Holz eingelassen ist, und zweierlei Befestigungsarten, den Kreuzriemen mit der Kappe und den knöchelmarternden Ringen oder den Schnürschuh. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrh. wurde der S. mittels einer Schraube im Absatz befestigt, dann brachten die Amerikaner neue Befestigungsarten, und seitdem sind mehrere hundert verschiedene Konstruktionen patentiert worden. Die neuesten Formen halten genau so fest wie die Sohle selbst, ohne den Fuß im geringsten zu belästigen. Zum Wettlaufen verwenden die Friesen und Holländer einen durch Riemen anzuschnallen den Holzschlittschuh mit einer 30 cm langen, 23 mm breiten, sehr flachen Stahlsohle, während Norweger und Schweden die ähnlich konstruierte Laufschiene durch ein sinnreiches Aluminiumröhrensystem stützen und an der Stiefelsohle befestigen. Mit solchen Schlittschuhen fliegt man über das Eis, ohne zu ermüden; aber sie dienen nur zum Geradeausfahren. Zum Fahren von Bogen und Bogenkombinationen oder Figuren muß die Stahlsohle einen flachen Bogen beschreiben, der je nach den Leistungen, die man wünscht, verschieden gestaltet sein muß. Eine Kombination dieser beiden Eigenschaften bietet das von dem Amerikaner Haynes konstruierte

[Bd. 6, Sp. 871]


Modell. Die Kunst des Schlittschuhfahrens hat sich je nach der Örtlichkeit verschieden entwickelt. In Holland, Friesland, Skandinavien, Rußland, Finnland, in Norddeutschland und Kanada wird das Weit- und Schnellfahren mehr gepflegt, während im übrigen Deutschland, Österreich, Ungarn, England, in neuester Zeit auch in Schweden das Kunstlaufen in höchster Blüte steht, gefördert durch den Internationalen Eislaufverband und die verschiedenen größern Sportklubs, von denen besonders der Wiener Eislaufverein und der Berliner Schlittschuhklub sehr zur Verbreitung des Eislaufens beigetragen haben. In Großstädten mit kleinen Eisplätzen und rivalisierenden Schlittschuhläufern ist das Kunstlaufen als besonderer Sport vollständig ausgebildet. Der Wiener Eislaufverein hat die zahllose Menge der Kunstfiguren in ein System gebracht. Zum Schlittschuhsegeln benutzt man Schlittschuhe von etwa 60 cm Länge und ein an einem leichten Holzgestell verschiedener Konstruktion befestigtes leichtes Baumwoll- oder Seidensegel, die hiermit erzielte Schnelligkeit ist recht bedeutend und erreicht bei günstigem Winde wohl die Schnelligkeit eines Kurierzuges. Da aber zur Ausübung des Schlittschuhsegelns große schneefreie Eisflächen erforderlich sind, so findet sich selten Gelegenheit, diesen Sport ausüben zu können. Mit Rollschuhen fuhr man in mit Asphalt oder Zement ausgelegten Hallen (Skating-Rinks). Diese Bewegung kam zuerst in den Vereinigten Staaten von Nordamerika auf und fand auch in Europa Nachahmung, kommt aber in neuerer Zeit nicht mehr in Anwendung. Dagegen baut man jetzt in einigen größern Städten, London, Paris, Brüssel, künstliche Eisbahnen, in denen durch ein Röhrensystem, in dem sehr kalte Salzlösungen zirkulieren, eine wirkliche Eisbahn im Sommer erzeugt wird. Vgl. Brink, Die Schlittschuhfahrkunst (Plauen 1881); Calistus, Kunst des Schlittschuhlaufens (3. Aufl., Wien 1903); Diamantidi u. a., Spuren auf dem Eise (2. Aufl., das. 1892); Helfrich, Praktische Winke für Kunsteisläufer etc. (Berl. 1902); Holletschek, Kunstfertigkeit im Eislaufen (6. Aufl., Troppau 1904); Anderson, The art of skating (Lond. 1867); Vandervell und Witham, A system of figure-skating (3. Aufl., das. 1874); Meagher, Figure and fancy skating (das. 1895); Monier Williams, Figure-skating (das. 1898); Foster, Bibliography of skating (das. 1898). Über Wettleistungen s. auch Meyers Leibesübungen.
 
Artikelverweis 
Schlitz, Stadt in der hess. Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach, an der Schlitz (Nebenfluß der Fulda) und der Staatsbahnlinie Salzschlirf-S., 230 m ü. M., hat eine alte evang. Kirche (812 eingeweiht), eine kath. Kirche, Synagoge, 5 Burgen (darunter die Hallenburg mit schönem Park, Residenz des Grafen von Görtz, s. d.), Amtsgericht, Forstamt, Leinweberei, Bleicherei, Holzschneiderei, Ziegelbrennerei und (1905) 2620 meist evang. Einwohner.
 
Artikelverweis 
Schlitzarbeit (Schlitzen), s. Meyers Bergbau, S. 663, 2. Spalte.
 
Artikelverweis 
Schlitzaugen, schmale, schief von außen oben nach innen unten verlaufende Augenspalten, die meistens noch am innern Augenwinkel über dem Tränenwärzchen von einer Hautfalte verdeckt werden. S. sind eine charakteristische Eigentümlichkeit der Mongolen, im besondern der Chinesen und Japaner (doch nicht immer); sie kommen auch vor bei amerikanischen Stämmen, Hottentotten und selbst bei Angehörigen der kaukasischen Rasse, vorwiegend nur vorübergehend bei Kindern (nach Drews bei Münchener Knaben im 1. bis 6. Lebensmonat ausgeprägt in 4 Proz., Mädchen 7 Proz., nur angedeutet sogar in 33,1, resp. 32,6 Proz.). Diese Erscheinung beruht auf einer geringern Hautspannung, bedingt durch den Bau der Gesichtsknochen der mongolischen Rasse (eingedrückte Nasenwurzel, vorspringende Wangenbeine etc.). Die Augäpfel stehen hier geradeso wie beim Kaukasier, ihr Schiefstand ist nur ein scheinbarer.
 
Artikelverweis 
Schlitzbrenner, s. Meyers Leuchtgas, S. 464.
 
Artikelverweis 
Schlitzhasel, s. Meyers Haselstrauch, S. 859.
 
Artikelverweis 
Schlitzhaue, s. Meyers Keilhaue.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: