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Schlingpflanzen bis Schlittenapparat, elektrischer (Bd. 6, Sp. 869 bis 870)
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Artikelverweis Schlingpflanzen (hierzu Tafel Meyers »Schlingpflanzen«), Gewächse, deren Stengel sich spiralig um Stützen herumwindet; s. Meyers Pflanzenbewegungen und Meyers Lianen. In der Gartenkunst finden S., zu denen man hier auch die Kletterpflanzen rechnet, vielfache Verwendung zur Bekleidung von Mauern, Geländern, Gittern, Säulen, Baumstämmen, zur Bildung selbständiger Pyramiden auf einem hölzernen oder eisernen Gestell etc. Man benutzt einjährige und ausdauernde Gewächse und hat die Wahl zwischen solchen, die wesentlich nur durch ihr Laub wirken, wie Wilder Wein (Ampelopsis), Hopfen (Humulus), Wein (Vitis), Pfeifenstrauch (Aristolochia), Efeu (Hedera), Actinidia, Sommerefeu (Micania) etc., und solchen, die reichlich und schön blühen, wie Kletterrosen, Cobaea, mehrere Arten von Clematis, namentlich die großblumigen Sorten, Ipomoea, Lathyrus-Arten, Winde (Convolvulus), Mina lobata, Spanische Kresse (Tropaeolum), Geißblatt (Caprifolium), Wistaria (Glycine) chinensis, Passifloren etc. Mit Hilfe der S. können Gebäude unter Wahrung ihrer architektonischen Schönheit geschmückt, aber auch unschöne Gebäude verdeckt werden. Im ersten Falle muß man die S. aufbinden, ihre Entwickelung überwachen, im zweiten Falle läßt man sie besser verwildern. Besonders malerische Effekte, die unsre Gartenkunst im allgemeinen zu wenig ausnutzt, werden durch Anpflanzen von S. an Baumstämmen erreicht. Hierzu eignen sich besonders Geißblatt, Wein, Wilder Wein, Efeu, auch Ipomoea. Eine Auswahl schöner S. zeigt beifolgende Tafel.
 
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Schlipf (Schlupf), s. Meyers Elektromotoren.
 
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Schlipp (Ausschlepphelling, Schleppe), schiefe Ebene in der Wasserlinie einer Werft, mit Rollen und Winden zum Aufschleppen kleinerer Schiffe und Fahrzeuge auf Land, um diese auszubessern; also ein billiger Ersatz für ein Dock.
 
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Schlippe, s. Meyers Brandgasse.
 
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Schlippen, seemännisch soviel wie lösen, loslassen.
 
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Schlippesches Salz, s. Meyers Antimonsulfide.
 
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Schlippstek, s. Meyers Kneifstek.
 
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Schlips (v. engl. slip, Schlinge, Schleife), eigentl.: lange. schmale Halsbinde; jetzt allgemein: Krawatte.
 
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Schlitten, Fuhrwerk mit zwei parallelen, durch Querleisten verbundenen, am vordern Ende oft aufgebogenen und meist hölzernen Gleitschienen (Läufer, Kufen), die auf der Unterseite glatt, mit Eisen beschlagen, auch wohl ganz aus Eisen hergestellt sind. Im allgemeinen dient der S. (oft in einfachster Form als Schleife) zum Transport von Lasten und Personen im Winter, wenn durch Schneefall eine glatte Bahn geschaffen ist, oder auf Eisflächen. Der S. ist vielleicht das ursprüngliche Fuhrwerk der Menschen und wurde und wird noch heute durch Menschen (siamesische Bauern bei der Reiskultur), Pferden, Hunden, Renntieren gezogen. Die alten Ägypter benutzten Schleifen zum Transport von Steinkolossen. Seit dem 17. Jahrh. kamen prunkvolle S. (Galaschlitten) in Gebrauch, deren hochgebogenes Vorderteil mit kunstvollem Schnitzwerk verziert war und deren Zugtiere mit Schellen (Geschell, Geläut) behängt wurden. Solche S. werden noch jetzt auf dem Lande benutzt, während die Droschkenschlitten der Städte infolge der schnellern Straßenreinigung verschwunden sind. In Alpenländern, in Skandinavien, Rußland, Kanada spielt der Postschlitten (Bergschlitten) eine große Rolle, die Bremsung erfolgt durch Eindrücken scharfer Eisen in die Fahrbahn. Der sibirische Postschlitten (Narte) wird von sechs Hunden gezogen. Zwölf Hunde vor einer Narte befördern drei Personen und 500 kg Gepäck in 24 Stunden 180 km weit. Peekschlitten mit oft so kleinem Gestell, daß nur die Füße des Fahrenden darauf Platz finden, werden durch eine lange Stange mit eiserner Spitze (Pike), die der auf dem S. Stehende in den Boden oder das Eis einstößt, fortbewegt. S. mit hörnerartig ausgebogenen Schlittenkufen (Hörnerschlitten, Fig. 1, S. 870) sind im Riesengebirge üblich und zu Sportzwecken in neuerer Zeit auch in andern deutschen Gebirgen eingebürgert. Der Schlittensport im engern Sinne stammt aus Skandinavien

[Bd. 6, Sp. 870]


und Nordamerika und ist erst in neuester Zeit nach Deutschland und der Schweiz verpflanzt worden. Bei den Rutschschlitten bedingt die Höhe die Art der Steuerung. Bei hohen S. steuert der Fahrer und bremst mit den nach vorn gerichteten Füßen. Dieser Rodel (Rodl, Fig. 2) ist in Tirol besonders im Gebrauch. Den Riesengebirgssportschlitten zeigt Fig. 3. Bei mittelhohem Sitz (Norweger Fischerschlitten, Kjälke, Schweizer Schlittel) steuert man mit Stöcken. Bei ganz niedrigen S. liegt der Fahrer auf dem Bauch und steuert mit den nach hinten gestreckten Füßen (Skeleton). Für künstliche Rutschbahnen wird ein S. benutzt, der nicht auf Kufen, sondern auf der ganzen Bodenfläche läuft (Kanadischer Toboggan). Für das Wettschlitten im Engadin sind große Mannschaftsschlitten (48 Personen) im Gebrauch (Bobfleigh), die aus zwei S. bestehen, die durch ein starkes Sitzbrett miteinander verbunden sind. Der vordere S. ist um eine Achse drehbar u. wird von dem vorn sitzenden Steuermann vermittelst zweier über Rollen laufende Stränge gesteuert. Der Tretschlitten (Rennwolf, Fig. 4) besteht aus zwei langen Kufen, die mit einem Strebegerüst versehen sind. Der Fahrer steht mit dem einen Fuß auf der einen Kufe und stößt mit dem andern Fuß zwischen den Kufen nach rückwärts ab, dabei nach Belieben das Standbein wechselnd. Zu besserm Abstoßen sind die Füße mit Sporen versehen. Diese S. finden auf der Schnee- und auf der Eisbahn Verwendung und lassen Strecken von 20 km in der Stunde zurücklegen. Über Segelschlitten s. Meyers Eisjacht. Gute Rutsch- (Rodel-) Bahnen, die im Winter von vielen Tausenden benutzt werden, gibt es im Riesengebirge (die Abfahrten von den Banden, z. B. Peterbaude-Agnetendorf, Neue Schlesischbaude-Schreiberhau), in Tirol: Salzbergstraße, Ampezzotal, Berchtesgaden, Brünnstein, Wallberg, Hirschberg etc. Es finden hier alljährlich Wettrodeln statt. Vgl. Behncke, Schlittenzeichnungen (Hamb. 1896); Max Schneider, Katechismus des Wintersports (Leipz. 1894) und Schneeschuh und Schlitten (Berl. 1905); Ferry, Das Rodeln, ein Wintersport (Graz 1906).
 
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Schlitten, im Maschinenwesen ein Maschinenteil, der sich, in Nuten geführt, in einer Horizontal- oder Vertikalebene bewegt wie bei der Hobelmaschine, dem Support einer Drehbank etc. Über S. beim Schiffbau s. Meyers Ablauf.
 
Artikelverweis 
Schlittenapparat, elektrischer, s. Meyers Elektrische Induktion, S. 623.

 

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