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Schlingbaum bis Schlingfarn (Bd. 6, Sp. 868 bis 869)
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Artikelverweis Schlingbaum, s. Meyers Viburnum.
 
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Schlingbeschwerden (Dysphagie), die Folge sehr mannigfaltiger Krankheitszustände der Rachengebilde und des Schlundkopfes, auch der Speiseröhre bis zum Magenmund hinab. Am häufigsten werden S. veranlaßt durch die entzündliche Anschwellung der in der Rachenhöhle gelegenen Gebilde, besonders der Mandeln und des Gaumensegels mit dem Zäpfchen, sowie auch durch die Entzündung und Geschwürbildung im Bereich des Kehlkopfes und der Luftröhre (bei Schwindsüchtigen). Alle Geschwülste und entzündlichen Zustände der Speiseröhre, wie solche z. B. durch Verschlingen zu heißer Speisen, ätzender Substanzen (Schwefelsäure, Ätzkalilauge etc.) erzeugt werden, sind mit S. verbunden. Zuweilen beruhen die S. auf einem Krampf der Rachenmuskeln, z. B. bei der Hundswut. Auch Lähmung der Muskulatur des Rachens (s. Meyers Schlingen) ist notwendigerweise mit Unvermögen zum Schlingen verbunden. Die Bedeutung der S. ist nach den Ursachen sehr verschieden. S., die auf entzündlichen Zuständen der Rachengebilde und der Speiseröhre beruhen, hören mit dem Ablauf der Entzündung von selbst auf, während die auf narbiger Verengerung, auf krebsiger Entartung der Speiseröhre oder auf Lähmung des Schlundes beruhenden mit großen Beschwerden verbunden sind und wenig oder keine Hoffnung auf Heilung oder erhebliche Besserung geben. Ost sind die Kranken zum Hungertod verurteilt, wenn es nicht gelingt, durch Schlundröhren nährende Flüssigkeiten oder durch Einführung von Dauerkanülen feste Nahrungsmittel einzuführen. Verengerungen, die durch Hinabschlucken ätzender Flüssigkeiten, z. B. von Schwefelsäure, entstanden sind, lassen durch Einlegen von Schlundsonden allmähliche Erweiterung der Speiseröhre (z. B. durch Einführung allmählich größer werdender eiförmiger Elfenbeinkörper) Hoffnung auf Wiederherstellung.

[Bd. 6, Sp. 869]



 
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Schlinge, Pflanze, s. Meyers Viburnum.
 
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Schlingen (Schlucken), der Vorgang, durch die der Mundinhalt in den Magen befördert wird. Der Bissen oder Schluck gelangt zunächst auf die obere Fläche der Zunge. Diese drückt sich dann sukzessive von vorn nach hinten, d. h. zuerst mit der Spitze, dann mit dem Rücken, an den harten Gaumen an und schiebt auf diese Weise den Bissen in die Rachenhöhle. Hat der Bissen die Mundhöhle verlassen, so legen sich die beiden Schenkel des vordern Gaumenbogens aneinander und bilden einen Verschluß nach der Mundhöhle hin, das Gaumensegel wird nach oben gezogen und verhindert den Eintritt des Bissens in die Nasenhöhle; der Kehlkopf wird gehoben und sein Eingang durch den niedergedrückten Kehldeckel verschlossen. Bei Flüssigkeiten und sehr weichen Bissen genügt der in der Mundhöhle entwickelte Druck, um deren Inhalt gleich bis an den Mageneingang zu befördern. Festere Bissen nehmen noch die Muskeltätigkeit des Rachens und die Speiseröhre in Anspruch. Erst treten dabei die Schlundschnürer und dann von oben nach unten fortschreitend die Speiseröhrenmuskeln in Tätigkeit. Sobald diese peristaltische Bewegung den Magenmund erreicht hat, wird der Bissen durch ihn hindurch in den Magen gedrückt. Der Anfang der Schlingbewegungen erfolgt willkürlich, die Fortbewegung des Bissens durch Schlund und Speiseröhre ist reflektorisch und kann willkürlich nicht gehemmt werden. Wird beim S. durch Sprechen, Niesen, Lachen etc. der Verschluß des Kehlkopfes aufgehoben, so gelangt ein Teil des Bissens in den letztern (»in die falsche Kehle«), und als Folge dieses »Verschluckens« tritt reflektorischer Husten ein, durch den der gereizte Kehlkopf sich des Fremdkörpers zu entledigen sucht. Bei Gaumenlähmung nach Diphtherie oder bei gewissen Erkrankungen des verlängerten Markes (Bulbärparalyse) läuft beim Versuch zu schlucken die Flüssigkeit durch die Nase ab. Sind die Schließmuskeln des Kehlkopfes gelähmt, z. B. bei Gehirnkrankheit oder nach Verletzung der betreffenden Nerven, so schließt sich weder der Kehlkopf noch reagiert er gegen in ihn hineingeratende Speiseteilchen, da mit der Muskellähmung auch Unempfindlichkeit seiner Wandung verbunden ist. Diese Teilchen geraten daher in die Lunge und erzeugen dort eine schnell tödlich endende Schluckpneumonie. S. auch Meyers Schlingbeschwerden. Vgl. Schreiber, Über den Schluckmechanismus (Berl. 1904).
 
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Schlingen, s. Meyers Dohnen und Meyers Vogelsang.
 
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Schlingenbretter, s. Meyers Vogelsang.
 
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Schlinger, Schlangengattung Python, s. Meyers Tigerschlangen.
 
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Schlingerbremse, gyroskopische, s. Meyers Schiffskreisel.
 
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Schlingerkiel (Seitenkiel), s. Meyers Kimmkiele.
 
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Schlingern, die Bewegung des Schiffes oder der Lokomotive von einer Seite zur andern.
 
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Schlingfarn, s. Lygodium.

 

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