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Schlieffen bis Schliersee (Bd. 6, Sp. 866 bis 867)
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Artikelverweis Schlieffen, Alfred, Graf von, preuß. General, geb. 28. Febr. 1833 in Berlin, besuchte das Joachimsthalsche Gymnasium und die Universität in Berlin, trat 1853 in das 2. Garde-Ulanenregiment, ward 1854 Leutnant, besuchte seit 1859 die Kriegsakademie, wurde 1861 Adjutant der Gardekavalleriebrigade, war 186364 als Oberleutnant zum Topographischen Bureau des Großen Generalstabs kommandiert und machte den Feldzug von 1866 als Rittmeister und Generalstabsoffizier des Kavalleriekorps der ersten Armee mit. Als Hauptmann im Generalstab zunächst der Botschaft zu Paris, dann dem Generalkommando des 10. Armeekorps zugeteilt, war er im Kriege von 1870/71 Generalstabsoffizier des Großherzogs von Mecklenburg, wurde Major und erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse. 1871 dem Generalstab des 15. Armeekorps, 1872 dem des Gardekorps zugeteilt, führte S. 1876 als Oberstleutnant das 1. Garde-Ulanenregiment, ward 1881 Oberst, 1884 Abteilungschef im Großen Generalstab, 1885 Generalmajor, 1889 Oberquartiermeister, 1891 als Nachfolger des Grafen Waldersee Chef des Generalstabs der Armee, 1892 Generaladjutant des Kaisers, 1893 General der Kavallerie, 1903 Generaloberst und trat Ende 1905 von seinem Amte als Chef des Generalstabs zurück. 1904 ward S. durch Präsentation des Brandenburger Domkapitels Mitglied des preußischen Herrenhauses.
 
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Schlieg (Schliech, Schlich), s. Meyers Aufbereitung.
 
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Schliemann, Heinrich, Altertumsforscher, geb. 6. Jan. 1822 zu Neubuckow in Mecklenburg-Schwerin als der Sohn eines Predigers, gest. 27. Dez. 1890 in Neapel, erhielt seine erste Bildung in Neustrelitz, war fünf Jahre lang Kaufmannslehrling in Fürstenberg, ließ sich dann auf ein nach Venezuela bestimmtes Schiff anwerben, litt aber an der holländischen Insel Terel Schiffbruch und sah sich unter den größten Entbehrungen genötigt, in Amsterdam eine kleine Bureaustelle anzunehmen. Hier gelang es seinem Wissensdurst, sich nach und nach die Kenntnis der modernen europäischen Sprachen anzueignen; Anfang 1846 konnten ihn seine Prinzipale schon als Agenten nach Petersburg schicken, und hier gründete er das Jahr darauf ein Haus auf eigne Rechnung. Nachdem er trotz eines umfangreichen Geschäftsbetriebs seine Sprachenkunde erweitert und sich auch das Altgriechische angeeignet hatte, bereiste er den europäischen Kontinent, Syrien und Ägypten und kam 1859 zum erstenmal nach Griechenland. In den Besitz eines großen Vermögens gelangt, unternahm er 1864 eine Reise um die Erde und ließ sich 1866 in Paris nieder, wo er mit Begeisterung archäologischen Studien oblag. So ausgerüstet, führte er endlich seinen lange gehegten Lieblingsplan aus: er suchte zunächst den Boden des alten Ithaka auf und wandte sich dann nach der kleinasiatischen Küste, wo er in dem Hügel von Hissarlyk die Stätte des alten Troja vermutete und im April 1870 auf eigne Kosten die ersten Nachgrabungen veranstaltete, die in den beiden folgenden Jahren in größerm Maßstab und, mit Unterbrechungen, bis 1. Aug. 1890 fortgesetzt wurden. Die Ausbeute, die nur durch seine und seiner Gattin, einer gebornen Griechin, Ausdauer möglich wurde, war höchst bedeutend, obgleich seine Methode nicht einwandfrei war und der Gedanke an das Homersche Troja von zahlreichen Forschern bekämpft wurde. Der Prozeß, den die türkische Regierung bei den griechischen Gerichten gegen S. wegen seiner Nachgrabungen anstrengte, wurde dadurch beendigt, daß S. eine Entschädigungssumme von 50,000 Frank zahlte, wogegen er als alleiniger Besitzer seiner Sammlungen anerkannt wurde. Die bis 1882 gefundenen Stücke schenkte er dem Deutschen Reich (bisher

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im Museum für Völkerkunde, künftig im Neuen Museum zu Berlin). Noch großartiger gestaltete sich das Resultat der Ausgrabungen in Mykenä, die er 1876 begann, zunächst in der dortigen Akropolis beim berühmten Löwentor und dem sogen. Schatzhaus des Atreus. S. entdeckte auf der Burg von Mykenä unter anderm (1877) in tiefen Schächten, die zu einer Anzahl von Gräbern führten, eine Menge von kostbaren Schmuckgegenständen, Waffen und selbst noch Skelette (jetzt im Polytechnikum zu Athen). In Ithaka nahm S. im Herbst 1878 seine frühern Nachforschungen wieder auf und entdeckte auf dem steilen Berg Aktos die Überreste einer uralten Stadt kyklopischer Bauart. Im Herbst 1881 und im Frühjahr 1882 grub S. das sogen. Schatzhaus des Minyas in Orchomenos aus, in den Jahren 1884 und 1885 deckte er die großartige Anlage des Palastes der Könige von Tiryns auf der Akropolis daselbst auf, und 1888 setzte er die Ausgrabungen in Mykenä fort. 1879 wurde S. von der Universität Rostock zum Ehrendoktor und 1881 von der Stadt Berlin zum Ehrenbürger ernannt. Er erbaute sich in Athen ein Haus zu seinem ständigen Wohnsitz. Über die Ergebnisse seiner Forschungen berichtete er in folgenden Werken, die größtenteils auch in französischen und englischen Bearbeitungen erschienen: »Ithaka, der Peloponnes und Troja« (Leipz. 1869, mit Autobiographie); »Trojanische Altertümer« (das. 1874, mit Atlas); »Mykenä« (mit Vorwort von Gladstone und Atlas, das. 1877); »Ilios, Stadt und Land der Trojaner« (das. 1881); »Orchomenos« (das. 1881); »Reise in der Troas im Mai 1881« (das. 1881); »Troja« (das. 1883); »Tiryns« (das. 1886). In den letzten Jahren wurde S. bei seinen Ausgrabungen in Troja von dem Architekten W. Meyers Dörpfeld (s. d. 2) unterstützt, der die Ausgrabungen auch nach Schliemanns Tode bis 1895 fortsetzte; Weiteres darüber im »Bericht über die Ausgrabungen in Troja im Jahre 1890« (Leipz. 1891) und im Artikel »Troja«. Vgl. Schuchhardt, Schliemanns Ausgrabungen in Troja, Tiryns, Mykenä, Orchomenos, Ithaka (2. Aufl., Leipz. 1891); »Heinr. Schliemanns Selbstbiographie« (vervollständigt von Sophie Schliemann, das. 1892); H. Schmidt, H. Schliemanns Sammlung trojanischer Altertümer, beschrieben (Berl. 1903).
 
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Schliemann, Methode, s. Meyers Sprachunterricht.
 
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Schliengen, Flecken im bad. Kreis Lörrach, Amt Müllheim, an der Staatsbahnlinie Mannheim-Konstanz, hat eine kath. Kirche, Weinbau (Markgräfler), Weinhandel und (1905) 1033 Einw. Hier siegten 24. Okt. 1796 die Österreicher unter Erzherzog Karl über die Franzosen unter Moreau.
 
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Schlier, ein etwas sandiger und glimmerhaltiger Ton oder Mergel (Tegel) im Wiener Becken, s. Meyers Tertiärformation.
 
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Schlierbach, Max, Pseudonym, s. Meyers Seydel 2).
 
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Schlieren, fadenförmige oder streifige Partien im Glas, die in der Dichtigkeit von der übrigen Glasmasse abweichen und dadurch, ohne zugleich eine verschiedene Farbe zu besitzen, sichtbar werden. Sie sind besonders in optischen Gläsern sehr störend, weil schlierenhaltige Linsen wegen der unregelmäßigen Strahlenbrechung unklare optische Bilder geben, die starke Vergrößerungen nicht vertragen. Zu ihrer Entdeckung im Glas hat Töpler einen besondern Apparat konstruiert (»Beobachtungen nach einer neuen optischen Methode«, Bonn 1864; Neudruck in Ostwalds »Klassikern der exakten Wissenschaften«, Nr. 157, Leipz. 1906, dort auch als Nr. 158 »Beobachtungen nach der Schlierenmethode« aus Poggendorffs Annalen). Derselbe gestattet auch optische Ungleichförmigkeiten (Dichtigkeitsunterschiede) in der Luft wahrzunehmen, und bei Momentbeleuchtung durch den elektrischen Funken lassen sich die Explosionswellen einer elektrischen Entladung und die durch ein fliegendes Geschoß in der Luft erzeugten Wellen nachweisen und photographisch fixieren. Bei Anwendung Nikolscher Prismen eignet sich der Apparat zur Untersuchung der Doppelbrechung. In der Petrographie nennt man S. die in Struktur, Mineralbestand und in der chemischen Zusammensetzung von der Hauptmasse eines Eruptivgesteins abweichend ausgebildeten Partien, die lager- oder gang förmige Gestalt besitzen, jedoch meist nicht scharf begrenzt, sondern durch Übergänge mit dem Hauptgestein verknüpft sind.
 
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Schlieren, seemännisch soviel wie rutschen, gleiten.
 
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Schlierig, von Gesteinen, soviel wie Meyers Schlieren (s. d.) enthaltend.
 
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Schliersee, See in Oberbayern, am Nordfuß der Bayrischen Alpen, 778 m ü. M., ist 3 km lang, 1 km breit und 54 m tief. An seinem Nordende in freundlicher Lage das Dorf S., an der Staatsbahnlinie München-S., mit kath. Kirche, Forstamt, Bauerntheater, Glasfabrikation, Dampfsägewerk und (1905) 1156 Einw. S. wird besonders von Münchenern stark als Sommerfrische und Luftkurort besucht. Vgl. Dreselly, S. und Umgebung (5. Aufl., Münch. 1905).

 

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