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Schleswig-holsteinische Missionsgesellschaft bis Schleudermühle (Bd. 6, Sp. 862 bis 863)
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Artikelverweis Schleswig-holsteinische Missionsgesellschaft, evangelisch-lutherische, gewöhnlich von ihrem Sitze in Breklum bei Husum Breklumer Mission genannt, missioniert, 1877 durch Pastor Jensen begründet, vor allem in Sumatra. Ihr Organ ist das »Schleswig-Holsteinsche Missionsblatt«.
 
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Schlettau, Stadt in der sächs. Kreish. Chemnitz, Amtsh. Annaberg, an der Zschopau und dem 805 m hohen Scheibenberg, an der Staatsbahnlinie Buchholz-Aue, 563 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein Schloß mit Park, Fabrikation von Posamenten, Maschinen, Eisenwaren, Kisten, Pappe, Leim, Knochenpräparaten, Holz- und Korbwaren, Holzschleiferei, eine lithographische Anstalt und (1905) 3437 meist evang. Einwohner. 1432 erscheint S. zuerst als Stadt.
 
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Schletterer, Hans Michel, Musikschriftsteller, geb. 29. Mai 1824 in Ansbach, gest. 4. Juni 1893 in Augsburg, besuchte das Lehrerseminar in Kaiserslautern, studierte dann Musik bei Spohr und Kraushaar in Kassel, bei Richter und David in Leipzig, wirkte 184547 als Seminarlehrer in Finstingen (Lothringen), sodann bis 1853 als Musikdirektor in Zweibrücken, wurde 1854 Universitätsmusikdirektor in Heidelberg und 1858 Kapellmeister der protestantischen Kirche in Augsburg, wo er 1865 einen Oratorienverein, 1873 eine Musikschule gründete. 1878 erhielt er von der Universität Tübingen den philosophischen Doktorgrad. Die zahlreichen historischen Arbeiten Schletterers mangeln der Methode und Selbständigkeit. Wir erwähnen: »Das deutsche Singspiel« (Augsb. 1863); »Geschichte der geistlichen Dichtung und kirchlichen Tonkunst« (Hannov. 1869, Bd. 1); die Biographie Joh. Friedr. Reichardts (nur Bd. 1, Augsb. 1865); »Studien zur Geschichte der französischen Musik« (Berl. 188485, 3 Bde., nach Castit-Blaze u. a.). Als Komponist trat er hauptsächlich mit Chorgesängen und Liedern sowie einer Violinschule und Chorgesangschule hervor.
 
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Schlettstadt, Kreis- und Kantonshauptstadt im deutschen Bezirk Unterelsaß, an der Ill, Knotenpunkt der Eisenbahnen Straßburg-Basel, S.-Markirch und S.-Zabern, 180 m ü. M., hat 2 schöne kath. Kirchen (Münster oder St. Georgskirche und Fideskirche), eine evang. Kirche, Synagoge, Gymnasium, Lehrerinnenseminar, landwirtschaftliche Winterschule, Mädchenwaisenhaus, mehrere ehemalige Klöster, Theater, Amtsgericht, Hauptzollamt, Oberförsterei. berühmte Metallweberei (toiles métalliques), Gerberei, Ziegeleien, Säge- und Lohmühlen, starken Obst- und Weinbau und (1905) mit der Garnison (ein Jägerbataillon Nr. 8 und eine Maschinengewehrabteilung Nr. 10) 9700 meist kath. Einwohner. Westlich auf einem Berg die umfangreichen Ruinen der Meyers Hohkönigsburg (s. d.). S., in merowingischer Zeit ein königlicher Meierhof, späterhin eine königliche Pfalz, kam im 11. Jahrh. an das dortige

[Bd. 6, Sp. 863]


Benediktinerkloster der heil. Fides, dessen Propst auch in der spätern Stadt S. Schultheiß und Rat ernannte, bis der Bischof von Straßburg im 13. Jahrh. das Kloster erwarb. 1216 erhielt S. Mauern und unter Friedrich II. Stadtrecht, war seit Rudolf von Habsburg Reichsstadt und bewahrte später das Archiv des Zehn-Städtebundes. Im 15. Jahrh. begründete hier Agricola eine Gelehrtenschule, die auch Erasmus von Rotterdam besuchte. Die Reformation fand zahlreiche Anhänger, wurde aber gewaltsam unterdrückt. 1632 eroberten die Schweden S. und übergaben es 1634 an Frankreich. Die 1673 geschleiften Festungswerke wurden durch Vauban 1676 wiederhergestellt. 1814 und 1815 belagerten es die Verbündeten vergeblich, dagegen gewannen es 24. Okt. 1870 die Deutschen durch Kapitulation. Seitdem sind die Festungswerke abgetragen worden. Die Stadt ist Geburtsort J. Wimphelings, des Reformators M. Butzer und des Humanisten Beatus Rhenanus (dessen Büchersammlung sich in der Stadtbibliothek befindet). Vgl. Dorlan, Notices historiques sur l'Alsace et principalement sur la ville de Schlestadt (Kolm. 1843); Gény, Die Reichsstadt S. und ihr Anteil an den sozialpolitischen und religiösen Bewegungen 1490 bis 1536 (Freib. i. Br. 1900) und Schlettstadter Stadtrecht (Heidelb. 1902, 2 Hefte); Wolff, Geschichte des Bombardements von S. und Neubreisach im J. 1870 (Berl. 1874); Gény und Knod, Die Bibliothek zu S. (Leipz. 1889).
 
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Schleuder, eine Waffe, bei welcher der das Geschoß schleudernde Arm durch ein System von Stricken oder Schnüren (Bandschleuder, griech. sphendone, lat. funda, Fig. 1) oder aber durch einen Stab mit daran befestigtem Geschoßlager (Stabschleuder, fustibalus, Fig. 2) verlängert wird. Bei der Band schleuder lagert das Geschoß (meist oval oder spitzoval geschliffene Steine oder schwere Metallkörper) in einem die beiden Schnüre verbindenden taschenartigen Lager. Der Schütze schleudert das Werkzeug einigemal um das Haupt und läßt dann den einen Riemen mit plötzlichem Ruck los; dabei öffnet sich das Geschoßlager und der Stein saust dahin. Schleudern dieser Art wurden im Altertum verwendet bei den Ägyptern, nachweisbar vom 3. Jahrh. v. Chr. an, bei den Israeliten, den Assyrern, besonders bei den Persern. Bei den Griechen wurde die S. erst nach den Perserkriegen geschätzt. Die Achaier machten als Schleuderschützen selbst den Bewohnern der Balearen den Ruhm der besten Werfer streitig. In Rom kommt die S. erst während der punischen Kriege in Gebrauch (die Schleuderschützen hießen funditores), in Nordwesteuropa hat sich die Bandschleuder bis zur Einführung der Feuerwaffen gehalten, war neben Bogen und Armbrust in Gebrauch und diente zuletzt zum Werfen von Handgranaten. So zeigt der Teppich von Bayeux einen gerade abwerfenden Schleuderer, und noch lange darauf ist in der Literatur von der S. die Rede. Bei den Naturvölkern ist die Bandschleuder verbreitet: ganz allgemein bei den Ozeaniern (anscheinend mit Ausnahme Neuseelands, der Salomonen und der Neuen Hebriden), vereinzelt auf Java, bei allen südamerikanischen Andenvölkern, in Afrika: bei den Somal, den Wambugwe, den Wakambe, den Papel, in Moba, in Togo etc. Die Stabschleuder wurde mit beiden Händen gehandhabt; sie hat lange im Gebrauch gestanden. Im Mittelalter warf man Brandkugeln mit ihr, noch später Granaten, besonders im Laufgrabenkampfe. Vgl. Jähns, Entwickelungsgeschichte der alten Trutzwaffen (Berl. 1899).
 
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Schleuderband (Ligamentum fundiforme), eine Bandvorrichtung zum Festhalten der Sehnen in Verbindung mit dem Ligamentum cruciatum am Fußrücken.
 
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Schleudergebläse, s. Meyers Gebläse.
 
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Schleuderhonig, mit Zentrifugen gewonnener Honig.
 
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Schleuderkrankheit, s. Meyers Bremen, S. 376.
 
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Schleudermaschine (Getreide-Zentrifuge), s. Meyers Getreidereinigungsmaschinen, S. 769.
 
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Schleudermühle, s. Desintegrator, S. 670.

 

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