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Schlesinger bis Schleswig (Bd. 6, Sp. 851 bis 853)
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Artikelverweis Schlesinger, 1) Siegmund, Journalist u. Lustspieldichter, geb. 15. Juni 1832 zu Waag-Neustadl in Ungarn, studierte in Wien und begann hier frühzeitig schriftstellerisch zu wirken. 185567 war er bei der »Morgenpost«, 186787 beim »Neuen Wiener Tagblatt« als Theaterkritiker und Feuilletonist tätig. Für die Bühne schrieb er anfänglich Possen und Schwänke, teils allein, teils mit andern, und sah sie mit Erfolg über die Vorstadtbühnen gehen, wendete sich aber 1863 mit den Stücken: »In den Rauchwolken« und »Mit der Feder« dem feinern einaktigen Lustspiel zu, das ihm rasch einen guten Ruf eintrug. Von seinen weitern Stücken sind hervorzuheben: »Gustel von Blasewitz«, »Wenn man nicht tanzt«, »Ein Opfer der Wissenschaft«, »Die Schraube des Glücks« u. a., die als anmutige Causerien mit Erfolg ausgeführt wurden, ferner die mehraktigen Schauspiele: »Der Hausspion« (1864), »Die Schwestern von Rudolstadt« (1864), »Das Trauerspiel des Kindes« (1876), »Zahlen beweisen« (1883) u. a.
   2) Ludwig, Historiker und Politiker, geb. 13. Okt. 1838 zu Oberleutensdorf in Böhmen, gest. 24. Dez. 1899 in Prag, studierte daselbst, wurde 1868 Lehrer an der ersten deutschen Staatsoberrealschule in Prag, 1869 Direktor der Oberrealschule in Leitmeritz und 1876 Direktor des deutschen Mädchenlyzeums in Prag. Er war seit 1870 Mitglied des böhmischen Landtags, Mitbegründer (1861) des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen und seit 1878 Vizepräsident desselben. 1885 wurde er in den böhmischen Landesausschuß gewählt, nach Meyers Schmeykals (s. d.) Tode galt er von 1894 bis zu seinem Tod als Obmann und Führer der freisinnigen Deutschen in Böhmen. Sein Hauptwerk ist die »Geschichte Böhmens« (2. Aufl., Prag 1870); außerdem gab er das »Stadtbuch von Brüx« (das. 1875), »Deutsche Chroniken aus Böhmen« (Bd. 13: Elbogen, Trautenau und Eger, das. 187984), »Urkundenbuch der Stadt Saaz« (das. 1891), »Die Nationalitätsverhältnisse Böhmens« (Stuttg. 1887) und andre Schriften über die Stellung der Deutschen in der böhmischen Geschichte heraus.
 
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Schlesische Dichterschulen, s. Meyers Deutsche Literatur, S. 700.
 
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Schlesische Eisen- und Stahl-Berufsgenossenschaft, s. Meyers Eisen- u. Staht-Berufsgenossenschaften.
 
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Schlesische Kriege. 1) Erster Schlesischer Krieg (174042). Als Kaiser Karl VI. 20. Okt. 1740 starb, war König Friedrich II. von Preußen entschlossen, den bevorstehenden Streit über die Erbfolge zur Mehrung seiner Macht zu benutzen. Die Ansprüche (s. oben, S. 846) seines Hauses auf einen Teil Schlesiens (die Herzogtümer Liegnitz, Brieg, Wohlau und Jägerndorf) boten ihm zum Eingreifen den Anlaß, und als Gegenleistung für die gewünschte Abtretung Niederschlesiens bot er Maria Theresia an: die Garantie der Pragmatischen Sanktion, die Kaiserkrone für ihren Gemahl, 2 Mill. Tlr. und im Fall eines Krieges Beistand mit seiner ganzen Macht. In Wien hochmütig abgewiesen, überschritt Friedrich 16. Dez. mit 21,000 Mann die schlesische Grenze und besetzte ohne Widerstand bis Ende Januar 1741 die ganze Provinz bis zum Jablunkaupaß, mit Ausnahme der Festungen Glogau, Brieg und Neiße, auf die sich die wenigen österreichischen Truppen zurückzogen, und Breslau, dessen Neutralität er vorläufig anerkannte. Die Bevölkerung verhielt sich vollkommen ruhig; die bisher unterdrückten Protestanten begrüßten den König als Befreier, aber selbst die Katholiken sahen die Beseitigung der österreichischen Regierung nicht ungern. Friedrich legte seine Truppen in die Winterquartiere und ließ im März Glogau durch den Prinzen Leopold von Dessau stürmen, während er selbst sich zur Einschließung von Brieg und Neiße rüstete. Währenddessen fielen die Österreicher unter Neipperg von Mähren aus in Oberschlesien ein, überraschten die Preußen in ihren zerstreuten Quartieren, so daß sie bis in die Nähe von Brieg zurückweichen mußten, aber in der Schlacht von Mollwitz am 10. April trug trotz anfänglichen Mißgeschicks die ausgezeichnete Kriegsschulung der preußischen Infanterie den Sieg davon. Dieser sicherte Friedrich den Besitz Schlesiens, das er durch Eroberung von Brieg und Neiße sowie durch Besetzung von Breslau (10. Aug.) völlig in seine Gewalt brachte, während die geheimen Feinde Österreichs, Frankreich und Bayern, mit dem Nymphenburger Bündnis (Mai 1741) den Österreichischen Erbfolgekrieg begannen. Friedrich schloß sich zwar 4. Juni diesem Bündnis an, nahm aber an dem allgemeinen Angriff auf Österreich nicht teil, hielt sich ruhig im Lager zu Strehlen und schloß 9. Okt. 1741 unter englischer Vermittelung mit Maria Theresia den geheimen Vertrag von Kleinschnellendorf, in dem er gegen Abtretung von Niederschlesien mit Neiße neutral zu bleiben versprach; doch bedang er sich aus, daß der Vertrag streng geheimgehalten und vor Ablauf des Jahres in einen definitiven Frieden verwandelt werde. Da diese Bedingungen nicht erfüllt wurden, ließ er im Dezember seine Truppen in Böhmen und Mähren einrücken, wo Schwerin Olmütz einnahm. Im Januar 1742 begab sich Friedrich selbst nach Mähren, um im Verein mit sächsischen Truppen dies Land für den Kurfürsten von Sachsen zu erobern. Preußische Husaren streiften bereits bis an die Tore Wiens; indes zwang die Untätigkeit der Sachsen den König zur Rückkehr nach Böhmen, wo er 17. Mai bei Chotusitz von den Österreichern unter Prinz Karl von Lothringen angegriffen wurde; nach heftigem Kampfe siegten die Preußen. Auf Ermahnung Englands bot nun Maria Theresia die Hand zum Frieden. Die Präliminarien wurden 11. Juni 1742 in Breslau abgeschlossen, der definitive Friede kam 28. Juli in Berlin zustande. Österreich trat ganz Schlesien bis zur Oppa (außer den Herzogtümern Troppau, Teschen und Jägerndorf) und die Grafschaft Glatz, 38,000 qkm (680 QM.) mit 1,400,000 Einw., an Preußen ab; dieses verpflichtete sich, im Österreichischen Erbfolgekrieg neutral zu bleiben und 4 Mill. Tlr. Schulden auf Schlesien zu übernehmen. Vgl. Grünhagen, Geschichte des ersten Schlesischen Kriegs (Gotha 1881, 2 Bde.); »Die Kriege Friedrichs d. Gr., herausgegeben vom Großen Generalstab«, 1. Abt. (Berl. 189093, 3 Bde.); Chr. Meyer, Briefe aus der Zeit des ersten Schlesischen Krieges (Leipz. 1902).
   2) Zweiter Schlesischer Krieg (174145). Die Siege der Österreicher und ihrer Verbündeten in Deutschland und Italien 174243 über die Bayern und Franzosen, verdächtige Äußerungen Maria Theresias über Schlesien, der Wormser Vertrag vom 13. Sept. 1743 zwischen Österreich, England und Sardinien, in dem bei der Garantie der Pragmatischen Sanktion Schlesien nicht ausgenommen wurde, u. a. erweckten in Friedrich II. die Besorgnis, daß man ihm nach Beendigung des Erbfolgekriegs Schlesien wieder entreißen werde. Er beschloß, dem zuvorzukommen,

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schloß 15. April 1744 mit Frankreich und 22. Mai mit Kaiser Karl VII., Kurpfalz und Hessen-Kassel ein Bündnis und rückte Ende August als »Beschützer des deutschen Kaisers und der deutschen Freiheit«) in der Spitze von 80,000 Mann »kaiserlicher Hilfsvölker« in Böhmen ein, eroberte 16. Sept. Prag und besetzte ganz Böhmen, während General v. d. Marwitz in Mähren einfiel. Die matte Kriegführung der Franzosen gestattete jedoch dem Prinzen Karl von Lothringen, mit einem Heer vom Rhein nach Böhmen zu ziehen, und 20,000 Sachsen fielen Friedrich von Norden her in den Rücken. Prinz Karl, vom General Traun beraten, wich jeder Schlacht aus, nahm stets starke, unangreifbare Stellungen ein und belästigte Friedrich durch Angriffe seiner leichten Reiterei, die Proviantkolonnen abfing, Magazine zerstörte und den Gegner durch den kleinen Krieg erschöpfte. Das preußische Heer wurde hierdurch, durch Krankheiten infolge des Mangels an Lebensmitteln und des schlechten Wetters sowie durch Desertionen so geschwächt, daß es im Dezember Böhmen räumte und sich nach Schlesien zurückzog, in das die Österreicher zu gleicher Zeit nach Vertreibung von Marwitz aus Mähren eindrangen. Friedrichs Mißgeschick, das einer Niederlage gleichkam, der Friede mit Bayern nach Karls VII. Tode (20. Jan. 1745), das Warschauer Bündnis (8. Jan.) mit den Seemächten und Sachsen, endlich die durch England vermittelte Annäherung Rußlands ermutigten Maria Theresia zu der Hoffnung auf Wiedererwerbung Schlesiens, wo ihre Truppen bereits die preußischen Wappen wegrissen und die Huldigung für ihre Königin verlangten; der Vertrag mit Sachsen vom 18. Mai sicherte ihr Schlesien, diesem Magdeburg, Krossen und Schwiebus zu. Das österreichisch-sächsische Hauptheer unter dem Prinzen Karl von Lothringen, 75,000 Mann, sollte, Ende Mai über das Riesengebirge in Schlesien einbrechend, die Eroberung dieses Landes vollenden. Der Sieg Friedrichs bei Hohenfriedeberg (4. Juni) vereitelte dies zwar, vernichtete aber den Gegner, der sich in eine feste Stellung an der obern Elbe zwischen Josephstadt und Königgrätz zurückgezogen hatte, nicht. Im Lager bei Chlum erlitt Friedrichs Heer durch Krankheiten Verluste; der König ging deshalb bei Annäherung des Winters nach Schlesien zurück und sicherte sich den Rückzug durch den Sieg bei Soor (30. Sept.). Die Österreicher faßten jetzt einen kühnen Plan: während Friedrich durch das Vordringen der Österreicher in Schlesien, Leopold von Dessau mit der Reservearmee bei Halle durch die Sachsen festgehalten wurde, sollte das Hauptheer durch die Lausitz direkt in die Mark und auf Berlin losgehen. Friedrich ließ sich jedoch in Schlesien nicht festhalten, sondern rückte in Eilmärschen nach der Lausitz, fiel dem Hauptheer unerwartet in die Flanke, zersprengte durch das Gefecht bei Katholisch-Hennersdorf (23. Nov.) das Korps des Grafen Grünne und zwang den Prinzen Karl zum Rückzug nach Böhmen. Leopold von Dessau, durch einen tadelnden Befehl des Königs gereizt, griff 15. Dez. die Sachsen unter Rutowski bei Kesselsdorf an und schlug sie so entscheidend, daß ganz Sachsen in Friedrichs Gewalt fiel und er 18. Dez. in Dresden einziehen konnte. Sachsen bat um Frieden, Maria Theresia ließ sich durch England ebenfalls zu Verhandlungen herbei, und 25. Dez. bereits ward der Friede von Dresden abgeschlossen, der den Berliner Frieden von 1742 bestätigte. Maria Theresia verzichtete nochmals auf Schlesien und Glatz, wogegen Friedrich ihren Gemahl Franz I. als Kaiser anerkannte, und Sachsen zahlte 1 Mill. Tlr. Kriegskosten. Vgl. v. Orlich, Geschichte der Schlesischen Kriege (Berl. 1841, 2 Bde.); »Die Kriege Friedrichs d. Gr., hrsg. vom Großen Generalstab«, 2 Abt. (das. 1895, 3 Bde.); Becker, Der Dresdener Friede und die Politik Brühls (Leipz. 1902).
   3) Dritter Schlesischer Krieg, s. Meyers Siebenjähriger Krieg.
 
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Schlesische Mundarten, s. Meyers Deutsche Sprache, S. 745.
 
Artikelverweis 
Schlesische Textil-Berufsgenossenschaft, s. Meyers Textil-Berufsgenossenschaften.
 
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Schlesische Zeitung, dreimal täglich in Breslau erscheinende politische Zeitung gemäßigt-konservativer (freikonservativer) Richtung, das verbreitetste Organ der Provinz Schlesien. Sie erschien zuerst im Anfang 1742 dreimal wöchentlich als »Schlesische privilegierte Staats-, Kriegs- u. Friedenszeitung«, nachdem Friedrich d. Gr. bald nach der Besitznahme Schlesiens dem Buchhändler Johann Jakob Korn, dessen Nachkommen noch jetzt Eigentümer der Zeitung sind, am 22. Okt. 1741 das Privilegium dazu erteilt hatte. Friedrich II. veröffentlichte darin selbst Berichte über seine kriegerische Tätigkeit unter dem Titel »Relation eines vornehmen preußischen Offiziers«. Seit 1766 hieß sie »Schlesische privilegierte Zeitung«; 1851 nahm sie ihren jetzigen Namen an. Durch sie erfolgte 1813 die Veröffentlichung des Aufrufes »An Mein Volk« vom 17. März. Seit 1828 erscheint sie täglich. Von 1871 bis 1890 wurde sie von H. v. Meyers Blankenburg (s. d.) redigiert, der schon seit 1864 ihr militärischer Mitarbeiter war. Chefredakteur ist gegenwärtig Otto Röse. Vgl. die Jubiläumsschrift »150 Jahre Schlesische Zeitung 17421892« (Bresl. 1892).
 
Artikelverweis 
Schlesisch-Mährisches Gebirge, s. Sudeten.
 
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Schlesisch-Posensche Baugewerks-Berufsgenossenschaft, s. Meyers Baugewerks-Berufsgenossenschaften.
 
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Schleswig, 1) bis 1864 zu Dänemark gehöriges Herzogtum, umfaßt den nördlich von der Eider liegenden Teil der preuß. Provinz Schleswig- Meyers Holstein (s. d.). S. ist seit den ältesten Zeiten von Germanen bewohnt worden, im O. von Angeln, im Innern von Jüten, im W. von Friesen. Als seit dem 4. Jahrh. von Norden her Dänen eindrangen, ging ein Teil der Angeln nach Britannien. Die zurückbleibenden Völkerschaften verschmolzen mit den Dänen zu einem neuen germanischen Stamm. Unter den Dänen gab es anfangs mehrere Könige, und einer, der in Hethaby, dem an glischen Silaswic (Schleswig), gebot über Südjütland, d. h. S. Von jeher bildete die Eider die Südgrenze gegen die nordalbingischen Sachsen. Als diese von Karl d. Gr. unterworfen waren, erbaute der Dänenkönig Gottfried 808 im Norden jenes Flusses von Meer zu Meer einen Wall (vgl. Danewerk). Sein Sohn Hemming trat 810 das Land nördlich von der Eider bis in die Nähe der Schlei an den Kaiser ab; unter den spätern Karolingern ging das Gebiet aber wieder an die Dänen verloren. Unter König Gorm im 10. Jahrh. wurde Jütland nebst S. mit dem dänischen Inselreich vereinigt. Der deutsche König Heinrich I. entriß Gorm 934 das Gebiet zwischen Eider, Treene und Schlei wieder, das dann als deutsche Mark S. organisiert wurde. Das Christentum breitete sich in S. erst aus, als der deutsche König Otto I. den Dänen ganz Jütland entriß und 948 das Bistum S. anlegte. Die Herrschaft über S. blieb jedoch der Gegenstand fortwährender Fehden zwischen Deutschland und Dänemark, bis endlich 1027 Kaiser Konrad II. S. an den König Knut d. Gr. von Dänemark förmlich abtrat und die Eider als Grenze bestimmte. S. ward nun von dänischen Statthaltern, zuweilen jüngern

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Prinzen, als besonderes Land regiert. Unter dem König Niels erhielt Knut Lavard, Sohn des Königs Erich, 1115 S. und regierte es als erster Herzogin engem Anschluß an Deutschland. 1131 wurde Knut von seinem Vetter, dem Dänenkönig Magnus, ermordet, und es folgte nun eine Zeit blutiger Gewalttaten; um 1150 endlich wurde Waldemar I., Knuts Sohn, vom Dänenkönig Svend als Herzog von S. eingesetzt, erkannte 1152 die Lehnshoheit des deutschen Königs an und gewann 1157 durch den Sieg auf der Gratheheide den dänischen Thron. So kam S. wieder an Dänemark. Das Land wurde zunächst von einem Statthalter regiert, 1182 aber von Knut VI. seinem jüngsten Bruder, Waldemar II., als Herzogtum verliehen. Dieser nannte sich Herzog von Jütland, obgleich er den Norden der Halbinsel nicht besaß. Nachdem Waldemar 1202 den dänischen Thron bestiegen, erhielt 1218 sein dritter Sohn, Erich, das Herzogtum und nach dessen Erhebung zum Thronerben von Dänemark 1232 Waldemars jüngerer Sohn, Abel. Waldemar II. verlieh dem Gesetzbuch, das er 1241 für sein Königreich einführte, dem Jütschen Loo, auch für S. Geltung. Abel erkannte 1248 für sein Herzogtum die dänische Lehnshoheit an, ließ aber 1250 König Erich ermorden und vereinigte für kurze Zeit S. mit Dänemark. Er fand schon 1252 seinen Tod im Kampfe gegen die aufständischen Friesen der Westküste. In Dänemark folgte mit Abels Bruder Christoph die jüngere Linie in der Regierung; Abels Sohn Waldemar III. ward übergangen und erhielt erst 1254 das Herzogtum nebst der Insel Alfen. Nach Waldemars Tod (1257) folgte sein Bruder Erich I., der vergebens die Nachfolge in Dänemark beanspruchte, aber durch den Sieg auf der Loheide 1261 mit Hilfe Holsteins wenigstens sein Herzogtum rettete. Nach Erichs Tod (1272) übernahm König Erich Glipping die Vormundschaft über die jungen Herzoge und belehnte erst 1283 Waldemar IV. mit S.; 1287 hatte dieser nach Erich Glippings Ermordung Alsen, Aeroe und Fehmarn erworben, mußte sie aber 1295 wieder an Dänemark ausliefern. Als Herzog Erich II. (seit 1312) 1325 starb, nahm König Christoph II. die Vormundschaft über den minderjährigen Waldemar V. in Anspruch, wurde aber von Erichs Schwager, dem Grafen Gerhard III. von Holstein, selbst aus seinem Königreich vertrieben. Herzog Waldemar V. von S.,1326 zum König von Dänemark erhoben, trat das Herzogtum an Gerhard von Holstein (s. Meyers Gerhard 1) als dänisches Lehen ab. Durch die Constitutio Waldemariana ward zugleich ausgesprochen, daß in Zukunft S. mit Dänemark nicht vereinigt werden dürfe. Als 1330 Waldemar den dänischen Thron wieder verlor, gab Gerhard das Herzogtum an Waldemar zurück, ließ sich aber die Constitutio Waldemariana und die Nachfolge seines Hauses im Herzogtum bestätigen. Herzog Waldemar nahm 1360 seinen Sohn Heinrich zum Mitregenten an. Dieser, seit 1364 alleiniger Herzog, trat dem großen Bunde gegen Dänemark 1368 bei, weil er unter holsteinischem Einfluß stand. Als er 1375 ohne Leibeserben starb, erhoben die Grafen Heinrich und Klaus von Holstein Ansprüche auf das Herzogtum, konnten aber während der nach König Waldemars Tod eintretenden Thronstreitigkeiten die Anerkennung Dänemarks nicht erreichen; erst 15. Aug. 1386 wurde Graf Gerhard VI. von Holstein zu Nyborg mit dem Herzogtum belehnt und das Recht der Erbfolge seinem Hause zugesichert. Seitdem gab es ein Schleswig-Holstein. Vgl. die Geschichtskarten beim Artikel »Deutschland«. Die fernere Geschichte Schleswigs s. Meyers Schleswig-Holstein, S. 856 ff.
   2) Ehemals ein Bistum im Herzogtum S., wurde 948 von König Otto d. Gr. errichtet und gehörte zunächst zur Erzdiözese Hamburg-Bremen, seit 1104 zum Erzbistum Lund in Schweden. Nach dem Tode des letzten katholischen Bischofs Gottfried (1541) folgten noch fünf evangelische Bischöfe. 1643 wurde das Bistum aufgehoben, sein Gebiet war schon früher von Dänemark eingezogen worden. Vgl. Hansen und Jessen, Quellen zur Geschichte des Bistums S. (Kiel 1904).
 
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Schleswig, Hauptstadt der preuß. Provinz Schleswig-Holstein und des gleichnamigen Regierungsbezirks, in einem Halbkreis am Westende der Schlei gelegen, mit vier Bahnhöfen Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Neumünster-Wamdrup und S.-Friedrichsberg-S.-Altstadt sowie der Kleinbahnlinien S.-Süderbarup und S.-Satrup, ist 5 km lang und besteht aus den drei seit 1711 miteinander verbundenen Städten Friedrichsberg westlich, Lollfuß und Altstadt nördlich der Schlei. An letztere schließt sich südöstlich der Stadtteil Holm, meist von Fischern bewohnt, an. Unter den kirchlichen Gebäuden (3 evangelische und eine kath. Kirche und eine Baptistenkapelle) sind besonders der gotische Dom St. Peter (nach dem Brand von 1440 neu erbaut) mit 112 m hohem Turm, dem Marmordenkmal des Königs Friedrich I. von Dänemark (von 1555) und einem mit kunstvoller Holzschnitzerei (385 Hauptfiguren) versehenen Altarschrein (ein Werk Hans Brüggemanns, 1521) bemerkenswert (vgl. Tafel Meyers »Bildhauerkunst VIII«, Fig. 9, und »Beschreibung und Geschichte« von Schnittger, Schlesw. 1894). Von andern Gebäuden ist nur das auf einer Insel zwischen der Schlei und dem Burgsee liegende Schloß Gottorp (ursprünglich Bischofssitz, dann Residenz der Herzoge und dänischen Statthalter, seit 1850 Kaserne; vgl. R. Schmidt, »Schloß Gottorp, ein nordischer Fürstensitz«, 2. Aufl., Heidelb. 1903) hervorzuheben. An Denkmälern befinden sich dort ein Kriegerdenkmal, ein Denkmal Kaiser Wilhelms I., das von Peterich modellierte Chemnitz-Bellmanndenkmal des Dichters und des Komponisten des »Schleswig-Holstein-Liedes«, ein Denkmal für Graf Reventlow und W. Beseler, 1848 Leiter der provisorischen Regierung, ein Denkmal des dort gebornen Malers Carstens und ein Bismarckbrunnen. Die Bevölkerung belief sich 1905 mit der Garnison (2 Bataillone Infanterie Nr. 84 und ein Husarenregiment Nr. 16) auf 19,032 Seelen (darunter 674 Katholiken und 26 Juden), die Leder-, Dachpappen- und Maschinenfabrikation, Eisengießerei, Schiffbau, Fischerei, Bierbrauerei und Schiffahrt betreiben. Den Handel unterstützt ein Handelsverein, eine Reichsbanknebenstelle, die Schleswiger Bank etc., den Verkehr in der Stadt vermittelt eine Straßenbahn. Die dortige Reederei zählte 1903: 13 Dampfschiffe zu 16,757 Reg.-Ton. Raumgehalt. S. hat ein Gymnasium mit Realschule (königliche Domschule), ein Lehrerinnenseminar, eine Taubstummenanstalt, eine Provinzialirrenanstalt, eine Idiotenanstalt etc. sowie das Staatsarchiv und ist Sitz des Oberpräsidiums, des Provinzialschulkollegiums, eines Generalsuperintendenten, einer Kirchenpropstei, eines

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Landratsamtes für den Kreis S. und eines Amtsgerichts. In der Nähe der Stadt (im Süden) das sogen. Meyers Danewerk (s. d.), im NO. das Dorf St. Jürgen und an der Südostseite der Schlei der herzogliche Landsitz Luisenlund. S. war schon 808 ein wichtiger Handelsort. In dem nahen Haddeby erbaute Ansgar die erste christliche Kirche in Dänemark; 948 ward in S. ein Bistum errichtet, und um 1200 erhielt der Ort Stadtrechte. In den Kriegen zwischen den Deutschen und Dänen 184864 war S. ein wichtiger Platz, den die Dänen 5. Febr. 1864 nach dem Schleiübergang der Preußen räumten. Vgl. Sach, Geschichte der Stadt S. (Schlesw. 1875); Jensen, S. und Umgebung (2. Aufl., das. 1905). Der Regierungsbezirk S. umfaßt die ganze Provinz Schleswig- Meyers Holstein (s. d.).

 

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