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Schlepptau bis Schlesinger (Bd. 6, Sp. 845 bis 851)
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Artikelverweis Schlepptau, s. Meyers Schleppen.
 
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Schleppverhau, s. Meyers Verhau.
 
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Schleppwagen, Fahrzeug zum Transport sehr schwerer Lasten (Geschützrohre) auf kurze Strecken.
 
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Schleppweiche, s. Meyers Weiche.
 
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Schlern, Bergstock in den Südtiroler Dolomiten, wird westlich vom Eisack-, nördlich vom Grödner Tal begrenzt und hängt südöstlich mit der Rosengartengruppe zusammen. Der S. erreicht im Hauptgipfel (Petz) 2561 m und wird wegen der großartigen Aussicht, insbes. vom Bad Meyers Ratzes (s. d.) über die Meyers Seiser Alpe (s. d.) und die Schlernhäuser (2451 m), bestiegen. Die Nordwestspitze heißt Junger S. (2386 m), die Nordspitze Burgstall (2512 m). Unter dem Gipfel befindet sich eine alte Kapelle St. Cassian.
 
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Schlerndolomit (Schlernkalk), besonders in Südtirol verbreiteter Dolomit, bez. Kalk der obern Meyers Triasformation (s. d.).
 
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Schlernwind, ein Wind, der vom Schlern bei Bozen herabkommt.
 
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Schlesien, ein im Mittelalter zum Königreich Böhmen gehöriges Land (Herzogtum), zerfiel nach uralter Einteilung in Ober- und Niederschlesien, von denen jenes gegen Ende des 18. Jahrh. 6 Fürstentümer (Teschen, Troppau, Jägerndorf, Oppeln, Ratibor u. Bielitz), die freien Standesherrschaften Pleß u. Beuthen und einige Minderherrschaften, dieses 13 Fürstentümer (Breslau, Brieg, Glogau, Jauer, Liegnitz, Münsterberg, Neiße, Öls, Sagan, Schweidnitz, Wohlau, Trachenberg und Karolath), die freien Standesherrschaften Wartenberg, Militsch und Goschütz und mehrere Minderherrschaften umfaßte. Gegenwärtig zerfällt das Land in Preußisch- u. Österreichisch-Schlesien (s. die folgenden Artikel).
   [Geschichte Schlesiens.] Die alten germanischen Bewohner Schlesiens zogen in den ersten nachchristlichen

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Jahrhunderten nach SW., und in S., dessen Name wohl von dem Flüßchen Sleza, der heutigen Lohe, einem Nebenfluß der Oder, abzuleiten ist, ließen sich neben den im Gebirge zurückgebliebenen Germanen im 6. Jahrh. auch slawische Stämme nieder. Um 900 kam der auf dem rechten Ufer der Oder gelegene Teil von S. an Polen, das Land zwischen Oder und Bober 973 an Böhmen, aber 999 gleichfalls an Polen, während das Gebiet westlich des Bober zur Mark Meißen gehörte. Von Posen her, wo Herzog Mieczyslaw I. 968 ein Bistum gründete, breitete sich das Christentum allmählich in S. aus; doch fällt die Errichtung des Bistums Breslau erst in das Jahr 1051. Ein Feldzug Kaiser Heinrichs V. 1109 gegen Boleslaw III. von Polen scheiterte an den festen Burgen Schlesiens, unter denen Beuthen und Glogau genannt werden. Als im 12. Jahrh. ein Erbfolgestreit im piastischen Fürstenhaus ausbrach, erwirkte Friedrich Barbarossa 1163 für die Söhne des entthronten Wladislaw einen großen Teil Schlesiens als Entschädigung. Sie wurden die Stifter der schlesischen Piastendynastie, die durch Heranziehung deutscher Siedler (vgl. Germanisieren) S. zu einem deutschen Lande machte, und zwar gründete Boleslaw I. (s. Meyers Boleslaw 9) das Herzogtum Breslau (Niederschlesien), Mieczyslaw Ratibor (Oberschlesien) und Konrad Glogau. Als Konrad 1178 ohne Leibeserben starb, fiel sein Land an die Linie Breslau; in beiden Herzogtümern waren Teilungen sehr häufig. Unter den Herzogen Niederschlesiens sind hervorzuheben: Heinrich I., der Bärtige (gest. 1238), Gemahl der heil. Hedwig, der nach siegreichem Kriege 1233 die vormundschaftliche Regierung in Polen und die Herrschaft Krakau erlangte, und sein Sohn Heinrich II. (s. Meyers Heinrich 56), der in der Mongolenschlacht bei Liegnitz 1241 fiel.
   Durch Teilung Niederschlesiens (1241) entstanden die drei Herzogtümer Breslau, Liegnitz und Glogau; durch Teilung Oberschlesiens die Herzogtümer Teschen, Oppeln, Ratibor, das um 1340 mit dem böhmischen Lehen Troppau vereinigt wurde, während sich von diesem 1366 das Herzogtum Jägerndorf abtrennte. Bald ward jede nur irgend bedeutendere Stadt der Sitz eines Fürsten. Zu Anfang des 14. Jahrh. bestanden in S. 18 regierende Fürstenhäuser, nämlich: in Niederschlesien Brieg, Breslau, Liegnitz, Schweidnitz, Jauer, Münsterberg, Glogau, Steinau, Sagan, Öls; in Oberschlesien Kosel, Teschen, Beuthen, Falkenberg, Oppeln, Strehlitz, Ratibor und Troppau; daneben noch ein bischöfliches Fürstentum, Neiße. König Johann von Böhmen (s. Meyers Johann 4) wurde 1327 von sämtlichen Herzogen Oberschlesiens und von Breslau, 1329 von den meisten Herzogen Niederschlesiens als Lehnsherr anerkannt, und König Kasimir d. Gr. von Polen verzichtete 1335 auf die für ihn bedeutungslos gewordene Oberhoheit über S. Kaiser Karl IV. (s. Meyers Karl 5) erwarb durch seine Gemahlin Anna das Erbfolgerecht in den beiden bisher nicht lehnsrührigen Fürstentümern Jauer und Schweidnitz und brachte so ganz S. unter die Krone Böhmen und aus Deutsche Reich. Doch ward S. als ein Ganzes angesehen, dessen allgemeine Angelegenheiten auf den sogen. Fürstentagen besorgt wurden. Den hussitischen Lehren und dem Tschechentum feindlich, hatte S. von den Hussiten schwer zu leiden. Den Herzogen von Liegnitz, Teschen, Oppeln und Ratibor erteilte Wladislaw 1498 und 1511 die lehnsherrliche Genehmigung, in Ermangelung männlicher Nachkommen ihre Länder testamentarisch auf andre zu übertragen. Deshalb konnte Herzog Friedrich II. von Liegnitz, Brieg und Wohlau (s. Meyers Friedrich 31) mit Joachim II. von Brandenburg 1537 eine Erbverbrüderung abschließen; König Ferdinand I. aus dem Hause Habsburg, an den 1526 Böhmen übergegangen war, erklärte jedoch 1546 diese Abmachung für nichtig. Der Reformation setzten die schlesischen Herzoge kein Hindernis entgegen, wohl aber die böhmischen Könige, für die in den heimgefallenen Gebietsteilen ein Oberlandeshauptmann regierte. Besonders Ferdinand II. suchte die Schlesier zum alten Glauben zurückzuführen, und das überwiegend protestantische Land hatte deshalb während des Dreißigjährigen Krieges unsäglich zu leiden. Damals verlor ein Hohenzoller, Johann Georg, sein Fürstentum Meyers Jägerndorf (s. d.), weil er Friedrich V. von der Pfalz anhing. Die Jesuiten wurden 1648 förmlich aufgenommen, die evangelischen Kirchen, mit Ausnahme einiger kleiner Friedenskirchen in Jauer, Schweidnitz und Glogau, geschlossen und ihr Vermögen eingezogen. Die Fürstentümer Münsterberg, Sagan, Oppeln und Ratibor wurden teils verkauft, teils verpfändet. Kaiser Leopold I. verfuhr gerade so in den Herzogtümern Liegnitz, Wohlau und Brieg, die nach dem 1675 erfolgten Ableben des letzten piastischen Herzogs, Georg Wilhelm, an die Krone Böhmen fielen. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der gemäß dem Erbvertrag von 1537 Ansprüche erhob, erhielt 1686 nur den Kreis Schwiebus, den Kurfürst Friedrich III. einer als Kurprinz eingegangenen Verpflichtung gemäß 1694 für 250,000 Gulden wieder an den Kaiser zurückgab. Infolge des Einschreitens Karls XII. von Schweden erhielten die Protestanten in S. durch die Altranstädter Konvention von 1707 und den kaiserlichen Rezeß von 1709 neben dem Recht, öffentliche Ämter zu bekleiden, 128 Kirchen zurück und die Erlaubnis, sechs neue Kirchen (Gnadenkirchen) in Freistadt, Hirschberg, Landeshut, Militsch, Sagan und Teschen zu errichten.
   Obwohl die Lage der Protestanten sich unter Kaiser Karl VI. wieder verschlechterte, erkannten die schlesischen Stände doch 1720 die Pragmatische Sanktion und damit Maria Theresia als ihre künftige Landesherrin an. Doch erhob Friedrich II. von Preußen bei ihrem Regierungsantritt 1740 Ansprüche auf die Fürstentümer Liegnitz, Brieg, Wohlau und Jägerndorf und bot ihr ein Bündnis gegen alle ihre Feinde an, wenn sie einen Teil Schlesiens abtrete. Die ablehnende Haltung der Kaiserin veranlaßte Friedrich 16. Dez. 1740 zu einem Einfall in S., mit dem der erste Meyers Schlesische Krieg (s. d.) begann. Durch den Frieden in Breslau 11. Juni 1742 ging ganz S., mit Ausnahme der Fürstentümer Teschen, Troppau, Jägerndorf und des kleinen Gebietes jenseit der Oppa, an Preußen über. Friedrich II. nahm durchgreifende Veränderungen in Verfassung, Verwaltung und Rechtspflege des Landes vor, stellte einen eignen Minister für S. an die Spitze der Verwaltung, errichtete zwei Kriegs- und Domänenkammern in Breslau und Glogau und teilte das Land in 48 Kreise. Allen Religionsparteien ward völlige Religionsfreiheit gewährt. Neue und tiefe Wunden wurden S. durch den zweiten Schlesischen sowie durch den Siebenjährigen Krieg geschlagen, doch wußte Friedrich auch diese zu heilen. 1806 wurde S. von Rheinbundstruppen besetzt; nur wenige Festungen, wie Silberberg, Glatz und Kosel, behaupteten sich. Im Tilsiter Frieden blieb S. bei Preußen, wenn auch 1810 die Gefahr bestand, es könnte an Napoleon verloren gehen, und

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1813 hatte es einen hervorragenden Anteil an der Erhebung. In den ersten Monaten war Breslau Mittelpunkt der Vorbereitungen zum Kriege; Ende Mai drangen die Franzosen in S. ein und wurden erst durch Blüchers Sieg an der Katzbach zum Rückzug gezwungen. Seit der Neuorganisation Preußens 1807 bildet S. eine Provinz des preußischen Staates, die 1815 durch den von Sachsen abgetretenen Teil der Oberlausitz und einige andre Gebiete vergrößert wurde. Im 19. Jahrh. suchten wiederholt große Überschwemmungen das Land heim, namentlich 1903 (vgl. Preußen, S. 333) wurde erheblicher Schaden dadurch angerichtet. Deshalb wurde die Regulierung der Oder 1905 beschlossen.
   Vgl. Sommersberg, Scriptores rerum silesicarum (Leipz. 172932, 3 Bde.; dazu »Berichtigungen und Ergänzungen«, Bresl. 1790, 3 Bde.); »Scriptores rerum silesicarum« (das. 18351902, Bd. 117); »Codex diplomaticus Silesiae« (das. 18591903, Bd. 122; die Bde. 7, 16, 18 und 22 enthalten die »Regesten zur schlesischen Geschichte« bis 1333, bearbeitet von Grünhagen und Wutke); »Acta publica, Verhandlungen und Korrespondenzen der schlesischen Fürsten u. Stände«, 16181628 (Bresl. 18651905, 7 Bde.); Stenzel und Tzschoppe, Urkundensammlung zur Geschichte des Ursprungs der Städte etc. in S. (Hamb. 1832); Stenzel, Geschichte Schlesiens (Bresl. 1853, Bd. 1); Grünhagen, Geschichte Schlesiens (Gotha 188486, 2 Bde.), Wegweiser durch die schlesischen Geschichtsquellen bis 1550 (Bresl. 1876) und S. unter Meyers Friedrich d. Gr. (das. 1890 bis 1892, 2 Bde.); Grotefend, Stammtafeln der schlesischen Fürsten bis 1740 (das. 1876); »Lehns- und Besitzurkunden Schlesiens und seiner Fürstentümer im Mittelalter« (hrsg. von Grünhagen und Markgraf, Leipz. 188183, Bd. 1 u. 2); Friedensburg, Schlesiens Münzgeschichte im Mittelalter (Bd. 12 u. 13 des »Codex diplom.«, Bresl. 188788, Nachträge 1900); Friedensburg und Seger, Schlesiens Münzen und Medaillen der neuern Zeit (das. 1901); Ziegler, Die Gegenreformation in S. (Halle 1888); Rachfahl, Die Organisation der Gesamtstaatsverwaltung Schlesiens vor dem Dreißigjährigen Kriege (Leipz. 1894); Fechner, Geschichte des schlesischen Berg- und Hüttenwesens 17411806 (Berl. 1903); Deßmann, Geschichte der schlesischen Agrarverfassung (Straßb. 1904); »Schlesische Kriegstagebücher aus der Franzosenzeit 18061815« (hrsg. von Granier, Bresl. 1904); Knötel, Geschichte Oberschlesiens (Kattowitz 1906); »Darstellungen und Quellen zur schlesischen Geschichte« (hrsg. vom Verein für Geschichte Schlesiens, Bresl. 1906 ff.); Zimmermann, Vorgeschichtliche Karte von S. (das. 1879); Mertins, Wegweiser durch die Urgeschichte Schlesiens (das. 1906); »Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Altertum Schlesiens« (Bresl., seit 1855); »Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift«, Zeitschrift des Vereins für das Museum schlesischer Altertümer (seit 1864); »Oberschlesische Heimat, Zeitschrift des oberschlesischen Geschichtsvereins« (Oppeln 1905 ff.). Bibliographie: Partsch, Literatur der Landes- und Volkskunde der Provinz S. (Ergänzungshefte zu den »Jahresberichten der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur«, Bresl. 18921900, 7 Hefte; seit 1904 fortgesetzt von Rentwig).
 
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Schlesien (Preußisch-S., hierzu die Karte Meyers »Schlesien«), Provinz des preuß. Staates, wird nördlich und nordöstlich von den Provinzen Branden burg und Polen, östlich von Polen und Galizien, südlich von Österreichisch-S., Mähren und Böhmen, westlich von dem Königreich Sachsen und der preußischen Provinz Sachsen begrenzt, umfaßt das alte Oberschlesien (mit Ausnahme der Fürstentümer Troppau, Jägerndorf, Teschen, Bielitz etc.), das gesamte Niederschlesien nebst der Grafschaft Glatz (mit Ausschluß des Kreises Schwiebus), den durch Vertrag vom 18. Mai 1815 von Sachsen abgetretenen Teil der Markgrafschaft Oberlausitz, die am 9. Juni 1815 abgetretenen böhmischen Enklaven und die Stadt Rothenburg vom Kreis Krossen der Neumark und hat einen Flächeninhalt von 40,323 qkm (732,35 QM.).
   [Bodenbeschaffenheit, Klima.] Die Provinz besteht zur größern Hälfte aus Tiefland, zur kleinern aus Berg- und Gebirgsland. Durch dieselbe erstreckt sich eine Talsenkung, das Schlesische Längental, das zuerst längs der Malapane bis zur Oder hinunterzieht, alsdann dieser bis zur Mündung der Katzbach folgt und sich in westlicher Richtung bis zur Schwarzen Elster erstreckt. Der Boden der Talsenkung ist längs der Oder fruchtbar, an der Malapane und Elster sumpfig, zwischen Oder und Elster sandig und teilweise auch sumpfig. Nördlich von diesem Längental zieht durch die Provinz der Meyers Märkisch-schlesische Landrücken (s. d.), der im Oberschlesischen Jura bis zu 357 m ansteigt. Im Süden jener Talsenkung tritt zunächst östlich von der Oder das Plateau von Tarnowitz mit dem Oberschlesischen Steinkohlengebirge, einem Ausläufer der Karpathen, hervor; der höchste Punkt daselbst ist der Annaberg (385 m) unweit der Oder. Auf der linken Seite der Oder steigt das Land langsam an bis zur Gebirgsmauer der Sudeten, welche die Grenzen der Provinz in Oberschlesien nur mit der Bischofskoppe (890 m) erreicht, dagegen durch Mittelschlesien sich von Reichenstein bis Jauer erstreckt. Vor dieser Gebirgsmauer erheben sich vereinzelt in der Ebene der Zobten (718 m), die Geiersberge (573 m), die Striegauer Berge u. a. Die Gebirge der Provinz werden durch den Paß von Liebau am Bober in zwei Teile geschieden. Östlich erstreckt sich zunächst das Glatzer Gebirgssystem (s. Meyers Glatz) mit seinen vielfachen Verzweigungen, in denen der Große oder Spieglitzer Schneeberg (1422 m) der höchste Gipfel ist, sodann das Sandsteingebirge der Heuscheuer (920 m), ferner das Niederschlesische Steinkohlengebirge mit dem Hochwald (850 m) und endlich das Katzbachgebirge (724 m), von dem der Gröditzberg (389 m) ein vorgeschobener Posten gegen das Tiefland ist Im W. jenes Passes erhebt sich auf der Grenze gegen Böhmen das Meyers Riesengebirge (s. d.) mit der Schneekoppe (1603 m), dem höchsten Gipfel der Provinz und des deutschen Berglandes, und als Fortsetzung das Isergebirge. Vereinzelte Vorposten des Berglandes gegen das Tiefland sind weiter westlich noch die Landeskrone (427 m) bei Görlitz und die Königshainer Berge (424 m). Innerhalb des Gebirges bilden das Landeshuter und das Hirschberger Tal, beide am Bober, und der Glatzer Gebirgskessel innerhalb der Glatzer Gebirge ansehnliche Vertiefungen. S. gehört mit geringen Ausnahmen zum Gebiet der Oder; nur im SO. berührt die Weichsel die Grenze, und aus dem Westen fließen Iser, Spree und Schwarze Elster zur Elbe. Die Oder, die bei Ratibor schiffbar wird, durchströmt die Provinz in ihrer ganzen Länge von SO. nach NW.; ihr fließen auf der rechten Seite zu: die Olsa, Klodnitz, Malapane, Weida und Bartsch; auf der linken: die Oppa, Zinna, Hotzenplotz, Glatzer Neiße, Ohlau, Weistritz und Katzbach; der Bober, der den Queiß aufnimmt, und die Lausitzer Neiße münden

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außerhalb der Provinz. Der Klodnitzkanal ist der einzige schiffbare Kanal Schlesiens, und abgesehen von zahlreichen Teichen ist auch unter den Landseen allein der Schlawasee von einiger Bedeutung. Das Klima ist am mildesten bei Grünberg, rauher in den Gebirgen und in Oberschlesien. Die jährliche Durchschnittswärme beträgt in Ratibor 8,0, Oppeln 8,76, Neiße 8,41, Landeck 6,75, Kirche Wang im Riesengebirge 4,8, Eichberg bei Hirschberg 7,0, Görlitz und Breslau 8,0°. Die jährliche Regenmenge beträgt in der Ebene 5060, im Gebirge bis 116 cm.
   [Bevölkerung. Bodenerzeugnisse.] Die Zahl der Einwohner betrug 1905: 4,942,611 Seelen (123 auf 1 qkm), worunter 2,120,361 Evangelische, 2,765,394 Katholiken und 46,845 Juden. Unter der Bevölkerung zählte man 1900: 1,100,831 Personen mit polnischer, 60,517 mit mährischer, 24,567 mit wendischer und 15,396 mit tschechischer Muttersprache. Die Zahl der Reichsausländer betrug 1905: 78,252 (die meisten aus Österreich, dann aus Rußland).
   Von der Bodenfläche der Provinz entfallen 55,6 Proz. auf Ackerland und Gärten, 8,8 Proz. auf Wiesen, 1,4 Proz. auf Weiden und 28,8 Proz. auf Waldungen. Der Boden ist längs des Gebirges sehr fruchtbar, besonders aber in der Landschaft zwischen Liegnitz und Ratibor, woselbst 7080 Proz. der Gesamtfläche dem Ackerland angehören. Am wenigsten fruchtbar sind die Gebirgskreise, sodann der auf der rechten Oderseite gelegene Teil des Regierungsbezirks Oppeln, die Kreise an der Bartsch im N. und, mit Ausnahme eines Teiles des Landkreises Görlitz, die westlichen Kreise der Provinz; in allen diesen Teilen sind die Ackerländereien nur von geringem Umfang, die Waldungen hingegen bedeutend. Der Getreidebau deckt vollständig den Bedarf der Provinz; der Flachsbau ist besonders in den Berg- und Hügellandschaften von Wichtigkeit. Die Ernte von 1906 erbrachte: 911,095 Ton. Roggen, 417,091 T. Weizen, 312,001 T. Gerste, 4,626,683 T. Kartoffeln, 754,889 T. Hafer und 1,463,112 T. Wiesenheu. Der Zuckerrübenbau findet auf großen Landstrichen zwischen Breslau und Schweidnitz statt; die Kartoffel wird mehr in den weniger fruchtbaren Landesteilen gebaut. Andre Produkte des Pflanzenreichs sind: Zichorie zwischen Breslau und Ohlau, Hopfen bei Münsterberg, Tabak, Ölgewächse, Wein bei Grünberg, viel Obst in Mittelschlesien (der Obstbau wird unterstützt durch ein pomologisches Institut in Proskau), allerlei Gartengewächse etc. Die Gartenkunst, in Verbindung mit Treibhauszucht (Ananas) und großen Parkanlagen, wird durch den Großgrundbesitz, dem über 51 Proz. der Fläche angehören, sehr gefördert. In keiner Provinz des preußischen Staates befindet sich überhaupt ein so bedeutender Grundbesitz meiner Hand wie in S.; Besitzungen von 2544,000 Hektar haben der König von Sachsen (Öls), der Herzog von Ujest (Schlawenzitz), der Reichsgraf von Schaffgotsch (Warmbrunn), Graf Tschirschky-Renard (Groß-Strehlitz), der Herzog von Ratibor (Rauden), der Graf Arnim (Muskau) und der Fürst von Pleß. Nach der Viehzählung von 1906 gab es 327,120 Pferde, 1,599,623 Stück Rindvieh, 289,699 Schafe, 1,230,477 Schweine und (1904) 231,893 Ziegen. Für die Hebung der Pferdezucht bestehen Landgestüte in Leubus und Kosel. Die Rindviehzucht blüht in der fruchtbaren Landschaft zwischen Liegnitz und Ratibor; sie ist aber auch in den Gebirgskreisen bedeutend, weniger in den sandigen Gegenden auf der rechten Oderseite und an der Schwarzen Elster. Für die Zucht von edlen Schafen bildet S. mit seinen großen Gütern den Ausgangspunkt für die andern preußischen Provinzen (Eckersdorf, Rogau, Kuchelna); doch ist die Schafzucht sehr zurückgegangen, während sich die Schweinezucht gehoben hat. Wildbret ist zahlreich vorhanden, namentlich besitzt S. noch einen Reichtum an Hirschen, Rehen, Wildschweinen und Hafen; selten kommt im SO. noch der Wolf von den Karpathen herüber. Das Geflügel ist stark vertreten. Die Fischerei ist nicht unbedeutend: es gibt Karpfen in den zahlreichen Teichen, Weise und Lachse in der Oder, Forellen in den Gebirgsbächen. Die Bienenzucht ist erheblich, und das neuere Züchterverfahren ging durch den Pfarrer Meyers Dzierzon (s. d.) gerade von S. aus.
   Sehr beträchtlich ist die Ausbeute des Mineralreich s. S. enthält die größte Steinkohlenablagerung des europäischen Festlandes, nämlich auf der rechten Oderseite in Oberschlesien, woselbst die Steinkohlenformation mit reichhaltigen Flözen, teilweise zutage tretend, teilweise von Buntsandstein, Muschelkalk oder Diluvialschichten bedeckt, einen Raum von wenigstens 1375 qkm (25 QM.) einnimmt. Das Hauptgebiet des zutage tretenden Teiles liegt zwischen Zabrze und Myslowitz und entsendet nach SW. einen Flügel über Nikolai hinaus bis Belk. Kleinere Steinkohlenpartien finden sich noch bei Czernitz, Pschow und selbst auf der Westseite der Oder an der Landecke unterhalb der Oppamündung. Eine zweite Ablagerung von Steinkohlen ist bei Waldenburg zwischen den ältern Schichten der Kohlenformation von Freiburg und den Porphyren und Melaphyren des Niederschlesischen Steinkohlengebirges eingebettet. Endlich gibt es Steinkohlen auch im Sandstein der obern Kreide am Queiß. Die Braunkohle ist in den Hügellandschaften stark verbreitet, wird aber nicht in großer Menge abgebaut. Wichtig ist dagegen die Ausbeute an Eisen- und Zinkerzen, diese bei Beuthen in Oberschlesien in unmittelbarer Nachbarschaft des Steinkohlengebirges, jene in den verschiedensten Teilen des Regierungsbezirks Oppeln auf der rechten Seite der Oder, aber auch in den Gebirgen. Ferner werden gewonnen: Bleierze in Oberschlesien, Kupfer-, Nickel- und Kobalterze, Schwefelkies, Arsenik, Alaun, einige Edelsteine von geringem Wert (Chrysolith, Amethyst, Chalcedon, Achat, Chrysopras, Jaspis etc.), vortrefflicher Ton, Marmor, Serpentin, Schleif- und Mühlsteine, Kalksteine (Gogolin in Oberschlesien), Gips, Walkererde, Feld- und Schwerspat, Magnesit, Torf etc. Die vorhandenen Salzquellen haben nur eine schwache Sole; dagegen haben andre Mineralquellen besuchte Badeanstalten entstehen lassen, so in Warmbrunn, Salzbrunn, Reinerz, Landeck, Flinsberg, Kudowa, Charlottenbrunn, Langenau etc. 1905 wurden in der Provinz gefördert: 32,319,188 Ton. Steinkohlen im Werte von 245,4 Mill. Mk., 1,155,183 T. Braunkohlen im Werte von 4,5 Mill. Mk., 340,647 T. Eisenerze im Werte von 2,2 Mill. Mk., 609,479 T. Zinkerze im Werte von 32,5 Mill. Mk., 47,675 T. Bleierze im Werte von 4,5 Mill. Mk. etc. Die Hüttenproduktion ergab 1905: 862,037 T. Roheisen aller Art im Werte von 49,2 Mill. Mk., 129,907 T. Zink im Werte von 63 Mill. Mk., 50,973 T. Blei im Werte von 13,9 Mill. Mk., 12,475 kg Silber im Werte von 1 Mill. Mk., 128,981 T. Schwefelsäure im Werte von 3 Mill. Mk. etc.
   [Industrie und Handel.] Die Industrie bildet einen wichtigen Erwerbszweig der Bevölkerung. In den Kreisen von Leobschütz bis Löwenberg, meist im und am Gebirge und anschließend an den großen Bezirk

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der Flachsindustrie in Böhmen, ist die Leinwandfabrikation, in Verbindung mit Baumwollweberei, Färberei und Bleicherei, die Hauptbeschäftigung der Bewohner; große Flachsspinnereien sind in Liebau, Landeshut, Erdmannsdorf, Freiburg, Waldenburg und entfernt vom Gebirge in Neusalz a. O., Baumwollspinnereien in Langenbielau etc., großartige Webereien namentlich in den Kreisen Reichenbach, Waldenburg, Landeshut und Hirschberg. Die Tuchfabrikation ist in Görlitz, Sagan, Grünberg und Goldberg von Bedeutung. Handschuhe liefert Haynau, Teppichknüpferei wird in Neustadt, im Hirschberger Tal (hier auch Spitzenklöppelei), in Sprottau und Schmiedeberg betrieben. Die Hüttenindustrie sowie die Verarbeitung der Metalle haben ihren Hauptsitz in den Steinkohlengebieten. Die Zinkproduktion ist fast ausschließlich im Oberschlesischen Steinkohlengebirge mit zahlreichen Werken vertreten, dagegen ist die Eisenindustrie viel weiter verbreitet. Die großartigsten Eisenwerke liegen zwischen Gleiwitz, wo auf der Gleiwitzer Hütte 1796 der erste Kokshochofen in Preußen ins Leben trat, Tarnowitz, wo auf dem Bleiwerk Friedrichsgrube 1788 die erste Dampfmaschine in Deutschland aufgestellt ward, Beuthen, Königshütte und Myslowitz, ferner an der Malapane im Landkreis Oppeln und bei Waldenburg, sodann auch in Niederschlesien im Bereich der Waldungen des Schlesischen Längentals zwischen Bunzlau und Sprottau. Wichtige Eisengießereien und Maschinenfabriken gibt es in Breslau, Ratibor, Görlitz, Lauban etc. Andre Industriezweige Schlesiens sind: die Fabrikation von Rübenzucker zwischen Breslau und Schweidnitz (1905/06: 52 Fabriken), von Stärke, Papier, Leder, Dachpappe, Seilerwaren (Oppeln), Seife, Lichten, Schuhwaren, Tabak und Zigarren (Breslau, Ohlau), Schnupftabak (Ratibor), Chemikalien, Pulver, Dynamit, Zündhölzern, Uhren (Freiburg, Silberberg), Turmuhren (Glogau), Hüten (Liegnitz), Strohgeflechten, Glacéhandschuhen (Breslau), Billards (Breslau), Schrot-, Blei- und Zinnwaren (Breslau), Nägeln, Wagen, Eisenbahnwagen, Kalk (Gogolin und Oppeln), Zement (Oppeln), Glas (im Landkreis Oppeln, bei Waldenburg, am Queiß und an der Lausitzer Neiße), von seinen Glaswaren (Josephinenhütte im Riesengebirge), von Schamottesteinen, Töpferwaren (Bunzlau), Porzellan- und Steingutwaren (in den Kreisen Waldenburg und Schweidnitz), von Schaumwein (Grünberg), von eingemachten Früchten (Grünberg und Hirschberg). Nennenswert sind noch: die Bierbrauereien, die Brennereien und Likörfabriken, große Mahlmühlen, Gerbereien etc. Der Handel Schlesiens leidet durch die russischen Grenzverhältnisse, hat sich jedoch in der neuesten Zeit infolge des bedeutend erweiterten Eisenbahnnetzes sehr gehoben; er wird durch neun Handelskammern unterstützt. Die Eisenbahnen (1904: 4087 km an Haupt- und Nebenbahnen) sind fast nur Staatsbahnen. Besonders stark entwickelt ist das Eisenbahnnetz im oberschlesischen Industrierevier, wo zahlreiche Nebenbahnen sich an die Hauptlinien anschließen. An Straßenbahnen und Kleinbahnen waren in der Provinz 625 km vorhanden. Dagegen ist die Oder, mit Ausnahme ganz kurzer Strecken andrer Flüsse, der einzige schiffbare Fluß der Provinz, dessen Schiffbarkeit im Hochsommer durch geringen Wasserstand noch oft fraglich, in neuerer Zeit aber durch umfangreiche Strombauten und Korrektionen verbessert worden ist (s. Meyers Oder 1, S. 901). Auch der Klodnitzkanal (s. Meyers Klodnitz) ist als Wasserstraße nicht bedeutend.
   [Bildung, Verwaltung etc.] Für die geistige Bildung bestehen: eine Universität in Breslau, eine Kadettenanstalt in Wahlstatt, 2 Kriegsschulen (Glogau und Neiße), 40 Gymnasien, 9 Realgymnasien, 5 Oberrealschulen, 4 Progymnasien, 7 Realschulen, ein Pomologisches Institut, 2 Landwirtschaftsschulen, eine Handelsschule, 22 Schullehrerseminare, 3 Taubstummenanstalten, eine Blindenanstalt etc. Zur Unterstützung der schlesischen Gutsbesitzer besteht eine Kreditanstalt. Ein großer Teil der Fürstentümer, Standes- und Minderherrschaften in S. ist im Besitz von mittelbaren Fürsten, Standes- und Minderherren. Eingeteilt wird die Provinz in drei Regierungsbezirke: Breslau mit 25, Oppeln mit 25 und Liegnitz mit 21 Kreisen; unter den 71 Kreisen sind 10 Stadtkreise (Breslau, Schweidnitz, Liegnitz, Görlitz, Oppeln, Gleiwitz, Beuthen, Königshütte, Kattowitz und Ratibor). Militärisch bilden die Regierungsbezirke Breslau und Oppeln den Bezirk des 6. Armeekorps, der Regierungsbezirk Liegnitz gehört zu dem des 5. Armeekorps (vgl. die »Garnisonkarte« mit Textblatt in Bd. 4, S. 792). Für das Gerichtswesen bildet die Provinz den Bezirk des Oberlandesgerichts in Breslau mit den 14 Landgerichten in Beuthen, Breslau, Brieg, Glatz, Gleiwitz, Glogau, Görlitz, Hirschberg, Liegnitz, Neiße, Öls, Oppeln, Ratibor und Schweidnitz, zusammen mit 130 Amtsgerichten (vgl. die Textbeilage »Gerichtsorganisation des Deutschen Reiches«). In den deutschen Reichstag entsendet S. 35 (s. Karte »Reichstagswahlen«), in das preußische Abgeordnetenhaus 65 Vertreter. Das Konsistorium und ein Generalsuperintendent in Breslau stehen an der Spitze der protestantischen Bevölkerung, während die Katholiken in Kirchensachen dem Fürstbischof von Breslau untergeordnet sind. Hiervon ausgenommen sind jedoch die Kreise Neurode, Glatz und Habelschwerdt, die zum Erzstift Prag, und der Kreis Leobschütz nebst einem Teil des Kreises Ratibor, der zum Erzstift Olmütz gehört. Hauptstadt der Provinz ist Breslau, der Sitz des Provinziallandtags sowie der Provinzialsteuerdirektion, einer Generalkommission, des Provinzialschulkollegiums und eines Oberbergamts (zugleich für Ost- und Westpreußen und Posen). Die Staatsbahnen stehen unter den Eisenbahndirektionen in Breslau und Kattowitz. Oberpostdirektionen sind in Breslau, Liegnitz und Oppeln. Das Wappen Schlesiens ist im goldenen Feld ein mit einem Fürstenhut bedeckter, goldbewehrter schwarzer Adler mit bekreuztem silbernen Brustmond (s. Tafel Meyers »Preußische Provinzwappen«, Fig. 4). Die Landesfarben sind Weiß und Gelb
   Vgl. Adamy, S. nach seinen physikalischen, topographischen und statistischen Verhältnissen (7. Aufl., Bresl. 1893); Partsch, S., eine Landeskunde (1. Bd., das. 1895; 2. Bd., 1. Heft, 1903); »Schlesisches Ortschaftsverzeichnis« (5. Aufl., das. 1901); Schroller, S., eine Schilderung etc. (Glog. 188588, 3 Bde.); Römer, Geologie von Oberschlesien (Bresl. 1870); Kosmann, Oberschlesien, sein Land und seine Industrie (das. 1888); Festenberg-Packisch, Der metallische Bergbau Niederschlesiens (Wien 1881); Deutsch, Schlesiens Heilquellen und Kurorte (Bresl. 1873); Traube, Die Minerale Schlesiens (das. 1888); Weinhold, Verbreitung und Herkunft der Deutschen in S. (Stuttg. 1887); Drechsler, Sitte, Brauch und Volksglaube in S. (Leipz. 190306, 2 Tle.); Renaud, Der Bergbau und die Hüttenindustrie von Oberschlesien 18841897 (Stuttg. 1900); Schube, Flora von S. (Bresl. 1904); Frahne, Die Textilindustrie im Wirtschaftsleben Schlesiens (Tübing.

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1905); Sachs, Die Bodenschätze Schlesiens (Leipz. 1904); Lutsch, Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Provinz S. (Stuttg. 18861903, 5 Bde.); Volger, Handbuch des Grundbesitzes der Provinz S. (2. Aufl., Berl. 1892); »Handbuch für die Provinz S.« (Behörden, Gewerbe etc., zuletzt Bresl. 1904); »Handbuch der Verfassung und Verwaltung des Provinzialverbandes von S.« (das. 1896); »Gemeindelexikon von S. auf Grund der Volkszählung vom 2. Dezember 1895« (hrsg. vom königl. Statistischen Bureau, Berl. 1898); Gürich, Geologische Übersichtskarte von S., 1: 400,000 (Bresl. 1900); Langhans, Nationalitätenkarte der Provinz S. (Gotha 1906). Geschichte s. oben, S. 845 f.
 
Artikelverweis 
Schlesien (Österreichisch- Schlesien, s. Karte »Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien«), Herzogtum und österreich. Kronland, umfaßt denjenigen Teil Schlesiens, der im Breslauer Frieden von 1742 Österreich verblieben ist, grenzt im N. und W. an Preußisch-S., im Süden an Mähren und Ungarn und im O. an Galizien, hat eine Fläche von 5147 qkm (93,49 QM.) und besteht aus zwei durch mährisches Gebiet getrennten Teilen (dem ehemaligen Troppauer und Teschener Kreis). Das Land ist an der Grenze gegen Mähren und Ungarn gebirgig; es enthält im W. das Reichensteiner Gebirge, das Altvatergebirge (1490 m) und das Gesenke, Teile der Sudeten, im O. die zu den Karpathen gehörigen Beskiden (Lissa Hora 1325 m). Bewässert wird es hauptsächlich von der Oder und deren Zuflüssen Oppa (mit der Mohra), Ostrawitza und Olsa, im O. von der Weichsel und ihren kleinen Zuflüssen. Der gegen NO. offenen Lage entspricht ein etwas rauhes Klima (mittlere Temperatur 8°). Der Niederschlag hält sich im jährlichen Durchschnitt von 60 cm (Troppau) bis 71 cm (Teschen). Von den Mineralquellen ist der Säuerling in Karlsbrunn der bedeutendste. Bekannt ist auch die Wasserheilanstalt in Gräfenberg. Die Bevölkerung betrug 1900: 680,422 Seelen und hat seit 1890 um 74,773 Bewohner oder 12,35 Proz. zugenommen. S. ist mit 132 Einw. auf 1 qkm nächst Niederösterreich das am dichtesten bevölkerte Land Österreichs. Die Einwohner sind mit 44,7 Proz. Deutsche, mit 55,3 Proz. Slawen (Polen 33,2 Proz., Tschechen 22,1 Proz.) und bekennen sich, bis auf 91,741 Protestanten (lutherischer Konfession) und 11,988 Juden, zur katholischen Kirche, die hier (abgesehen von dem zur Erzdiözese von Olmütz gehörigen Troppauer Archipresbyterat) unter Leitung eines vom Fürstbischof von Breslau ernannten und vom Kaiser von Österreich bestätigten Generalvikars steht.
   Die Landwirtschaft steht auf guter Entwickelungsstufe, bietet aber infolge des rauhen Klimas geringern Ertrag. Von der Bodenfläche kommen 49,4 Proz. auf Ackerland, 7,1 auf Wiesen und Gärten, 6,2 auf Hutweiden und 34,2 Proz. auf Waldungen. Hauptfrüchte sind: Getreide (1905: 133,243 metr. Ztr. Weizen, 654,608 metr. Ztr. Roggen, 295,980 metr. Ztr. Gerste und 572,324 metr. Ztr. Hafer), ferner Hülsenfrüchte (49,964 hl), Kartoffeln (4,974,170 metr. Ztr.), Zuckerrüben (459,470 metr. Ztr.), Futterrüben (600,300 metr. Ztr.), Flachs (9989 metr. Ztr.), Kraut (41,625 metr. Ztr.) und Klee (1,515,407 metr. Ztr.). Die Viehzucht steht auf befriedigender Stufe; 1900 wurden 29,609 Pferde, 203,788 Rinder, 9640 Schafe, 25,539 Ziegen, 107,420 Schweine sowie 19,929 Bienenstöcke gezählt. An Käse und Butter werden jährlich ca. 52,000 metr. Ztr. erzeugt. Der Bergbau liefert vor allem ausgezeichnete Steinkohlen (1905 im Ostrau-Karwiner Becken 52,05 Mill. metr. Ztr. Produktion), außerdem Braunkohlen (11,758 metr. Ztr.) und Eisenerz (1981 metr. Ztr.); der Hüttenbetrieb ergab 749,703 metr. Ztr. Roheisen. Die Zahl der Berg- und Hüttenarbeiter belief sich auf 29,158, der Gesamtwert der Bergbau- und Hüttenproduktion auf 50,4 Mill. Kronen. Von hoher Bedeutung ist die Industrie, die sich durch Umfang und Vielseitigkeit auszeichnet. Nach der gewerblichen Betriebszählung von 1902 gibt es in S. 1444 Motorenbetriebe mit 77,276 beschäftigten Personen und 92,625 Pferdestärken, die sich nach Hauptgruppen folgendermaßen verteilen:

Dem Verkehr dienen 3806 km Landstraßen, 27 km Wasserstraßen und 592 km Eisenbahnen.
   Bildungsanstalten sind: 7 Obergymnasien, 4 Oberrealschulen, 3 Lehrer- und 2 Lehrerinnenbildungsanstalten, 10 Handelsschulen, eine Staatsgewerbeschule, 6 gewerbliche Fach- und 26 Fortbildungsschulen, 6 landwirtschaftliche Lehranstalten, eine theologische Lehranstalt, 21 Bürgerschulen, 538 öffentliche und 48 private Volksschulen. Der schlesische Landtag ist zusammengesetzt aus dem Fürstbischof von Breslau, 9 Abgeordneten des Großgrundbesitzes, 2 der Handelskammer, 10 der Städte und Industrieorte und 9 Abgeordneten der Landgemeinden. Für die Rechtspflege bestehen das Landesgericht in Troppau, das Kreisgericht in Teschen und 25 Bezirksgerichte; das Oberlandesgericht in Brünn ist Oberinstanz. Hauptstadt, Sitz der Landesregierung, des Landtags und Landesausschusses ist Troppau. Das Wappen zeigt in Gold einen gekrönten, goldbewehrten schwarzen Adler mit einem silbernen bekreuzten Kleeblattmond auf der Brust (s. Tafel Meyers »Österreichisch-Ungarische Länderwappen«, Fig. 13). Die Landesfarben sind Gelb und Schwarz. Politische Einteilung des Landes:

Vgl. Peter, Das Herzogtum S. (Teschen 1884); Sláma u. a., Österreichisch-S., Landschafts-, Geschichts- und Kulturbilder (Prag 1887); »Gemeindelexikon von S.« (Volkszählung vom 31. Dez. 1900, hrsg. von der statistischen Zentralkommission, Wien 1906); »Statistisches Handbuch für die Selbstverwaltung in S.« (Troppau, zuletzt für 1905); Biermann,

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Geschichte des Protestantismus in Österreichisch-S. (Prag 1897); »Zeitschrift für Geschichte und Kulturgeschichte Österreichisch-Schlesiens« (das. 1905 ff.). Geschichte s. oben, S. 845 f.
 
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Schlesinger, 1) Siegmund, Journalist u. Lustspieldichter, geb. 15. Juni 1832 zu Waag-Neustadl in Ungarn, studierte in Wien und begann hier frühzeitig schriftstellerisch zu wirken. 185567 war er bei der »Morgenpost«, 186787 beim »Neuen Wiener Tagblatt« als Theaterkritiker und Feuilletonist tätig. Für die Bühne schrieb er anfänglich Possen und Schwänke, teils allein, teils mit andern, und sah sie mit Erfolg über die Vorstadtbühnen gehen, wendete sich aber 1863 mit den Stücken: »In den Rauchwolken« und »Mit der Feder« dem feinern einaktigen Lustspiel zu, das ihm rasch einen guten Ruf eintrug. Von seinen weitern Stücken sind hervorzuheben: »Gustel von Blasewitz«, »Wenn man nicht tanzt«, »Ein Opfer der Wissenschaft«, »Die Schraube des Glücks« u. a., die als anmutige Causerien mit Erfolg ausgeführt wurden, ferner die mehraktigen Schauspiele: »Der Hausspion« (1864), »Die Schwestern von Rudolstadt« (1864), »Das Trauerspiel des Kindes« (1876), »Zahlen beweisen« (1883) u. a.
   2) Ludwig, Historiker und Politiker, geb. 13. Okt. 1838 zu Oberleutensdorf in Böhmen, gest. 24. Dez. 1899 in Prag, studierte daselbst, wurde 1868 Lehrer an der ersten deutschen Staatsoberrealschule in Prag, 1869 Direktor der Oberrealschule in Leitmeritz und 1876 Direktor des deutschen Mädchenlyzeums in Prag. Er war seit 1870 Mitglied des böhmischen Landtags, Mitbegründer (1861) des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen und seit 1878 Vizepräsident desselben. 1885 wurde er in den böhmischen Landesausschuß gewählt, nach Meyers Schmeykals (s. d.) Tode galt er von 1894 bis zu seinem Tod als Obmann und Führer der freisinnigen Deutschen in Böhmen. Sein Hauptwerk ist die »Geschichte Böhmens« (2. Aufl., Prag 1870); außerdem gab er das »Stadtbuch von Brüx« (das. 1875), »Deutsche Chroniken aus Böhmen« (Bd. 13: Elbogen, Trautenau und Eger, das. 187984), »Urkundenbuch der Stadt Saaz« (das. 1891), »Die Nationalitätsverhältnisse Böhmens« (Stuttg. 1887) und andre Schriften über die Stellung der Deutschen in der böhmischen Geschichte heraus.

 

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