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Schleifmaschine bis Schleimalge (Bd. 6, Sp. 840 bis 842)
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Artikelverweis Schleifmaschine, mechanische Vorrichtung zum Schärfen (Schärfmaschine) der schneidenden Werkzeuge und zum Schleifen bei der Metall- und Holzbearbeitung, besitzt gewöhnlich als Werkzeug eine oder mehrere Schleifscheiben, die auf einer Achse sitzen und von dieser in schnelle Drehung versetzt werden. Mitunter bedient man sich auch endloser, mit Schleifmaterial belegter Riemen, die um rotierende Scheiben gespannt sind (Bandschleifen). Die Scheiben drehen sich in Vertikal- oder Horizontalebenen, für bestimmte Zwecke zugleich oft an hängenden oder liegenden Schwingrahmen, nach allen Seiten beweglich, und sind für besondere Zwecke (Sägeschärfen, Schleifen von Fräszähnen, Spiralbohrern etc.) eigens geformt, wodurch eine große Mannigfaltigkeit in der Ausführung der S. entsteht. Fig. 1 u. 2 zeigen eine S. von Mayer u. Schmidt (Offenbach a. M.) mit zwei Schleifscheiben S S, die durch eine Riemenstufenscheibe mit drei verschiedenen Geschwindigkeiten in Drehung versetzt werden können. Der großen Geschwindigkeit wegen erhalten die Schmirgelscheiben eine Wellblechhaube a zum Schutz

[Bd. 6, Sp. 841]


der Arbeiter. Zur Entfernung des Schleifstaubes ist mit dem Hohlraum H ein Ventilator V verbunden und die das Arbeitsstück stützenden Vorlagen b, b sind als Ausaugerohre ausgebildet und durch die Ansätze c, c ebenfalls an H angeschlossen, so daß der Staub unmittelbar am Entstehungsort abgesogen und in die Kammer H geschafft wird, die Filtriermaterial (gewöhnlich Koksstücke) aufnimmt, das allen Staub zurückhält und zugleich damit die Wiedergewinnung von wertvollem Metallschliff (Kupfer etc.) gestattet. Die S. ist vielfach für besondere Arbeiten ausgebildet; dazu gehört unter anderm die S. zum Rundschleifen von zylindrischen Körpern, z. B. Walzen, wobei das Arbeitsstück sich langsam unter der schnell drehenden Schmirgelscheibe umdreht, während letztere sich längs des Arbeitsstückes bewegt. Zum Schleifen von Holz, Glas und sonstigen plattenförmigen Körpern dient eine S. (Fig. 3) mit einer rotierenden Scheibe a, die eine mit Sand bekleidete Kautschukplatte trägt und nach und nach über die ganze Fläche T hinweggeführt wird. Zu diesem Zwecke befindet sich die Schleifscheibe an dem vordern Ende eines Armes b c, der sowohl bei o als bei u um vertikale Achsen drehbar, also wie ein Armgelenk konstruiert ist, um somit leicht nach allen Stellen des Tisches geführt werden zu können. Die sehr schnelle Drehung der Schleifscheibe erfolgt von der Riemenscheibe 1 aus durch die Transmissionen 2,2,3,4. Vgl. Steinbearbeitungsmaschinen; über die Glaslinsenschleifmaschine s. Meyers Linse, S. 585. Vgl. Pregél, Neuere Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung, Fräse- u. Schleifmaschinen (Stuttg. 1892).
 
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Schleifmühle, s. Meyers Schleifwerk.
 
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Schleifpapier, s. Meyers Schleifleinen.
 
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Schleifscheiben, schleifende Werkzeuge aus runden Holzscheiben, die an der Peripherie mit Schmirgel-, Bimsstein- etc. Pulver versehen werden oder zum Schärfen von Werkzeugen und zur Oberflächenbearbeitung von Metallgegenständen, namentlich Maschinenbestandteilen, an Stelle der Meißel, Feilen, Fräsen und der verschiedensten Werkzeuge an Drehbänken, Shapingmaschinen u. dgl., auf Schleifmaschinen zur Wirkung gebracht werden. Man benutzt auch aus Sandstein, Tonschiefer u. dgl. gearbeitete Scheiben, häufiger künstliche S. aus Schmirgel (Schmirgelscheiben), Karborundum, Quarzsand, Feuerstein, Glas, die viel größere Gleichmäßigkeit in der Masse besitzen. Der Schmirgel wird in Pochwerken zerkleinert und durch Sieben und Schlämmen in Sorten von gleichmäßiger Korngröße gebracht, die den einzelnen Arbeiten anzupassen sind. Als Bindemittel benutzt man feuerfesten Ton, mit dem man Schmirgel mischt, dann formt und brennt, Zement aus Magnesia und Chlormagnesiumlösung, Leim mit Tannin (Tanniteschmirgelscheiben), besonders aber Schellack, mit dem Schmirgel gemischt und genügend heiß in Formen gepreßt wird. Neuerdings verwendet man auch den beim Thermitverfahren gewonnenen künstlichen Korund (Korubin) wie Schmirgel zu S. Die S. erhalten sehr verschiedene Oberflächengeschwindigkeiten, je nach Material etc. von 345 m in der Sekunde, also eine um so größere Umdrehzahl, je kleiner ihr Durchmesser ist.
 
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Schleifsteine, Steine oder steinähnliche Massen zum Schleifen. Man unterscheidet Wetz- oder Handsteine, größere oder kleinere Steinstücke von meist länglicher Form, oft an einer Seite zugespitzt, um damit in Vertiefungen der Arbeitsstücke gelangen zu können, und Drehsteine, runde, scheibenförmige, mäßig harte Steine von seinem, möglichst gleichförmigem Korn (Sandstein), die auf einer Drehachse befestigt sind und in einen Trog eintauchen, in dem sich Wasser befindet, um den Stein beim Schleifen naß und rein zu halten. Ein trockener Stein arbeitet zwar schneller als ein nasser, aber er erzeugt gröbere Risse, nutzt sich schneller ab und erzeugt so große Hitze, daß z. B. gehärteter Stahl beim Trockenschleifen weich wird. Die seinen abgeriebenen Teilchen (Schliff) sind für die Gesundheit der Arbeiter sehr gefährlich, weshalb man die S. mit einem nur an der Schleifstelle offenen Gehäuse umgibt, aus dem ein Ventilator den Staub wegsaugt. Beim Gebrauch unrund gewordene Steine werden durch Behauen oder durch einen spitzen, unbeweglich gegen den in Bewegung befindlichen Umkreis gehaltenen Meißel, oder eine mit harten Spitzen besetzte rotierende Walze oder am vollkommensten durch zwei gegeneinander laufende Steine wieder rund gemacht. Die Drehsteine erhalten 15150 cm im Durchmesser, mitunter auch besondere Formen, z. B. konkave Oberflächen zum Anschleifen der Nadeln, und sodann vielfach

[Bd. 6, Sp. 842]


Nebenteile zum Festhalten der Arbeitsstücke, zum Drehen zylindrischer Stücke um ihre Achse etc. und sehr große Geschwindigkeiten. Dabei können durch Zentrifugalkraft die Steine zerspringen (explodieren) oder Stücke sich ablösen, welche die Arbeiter beschädigen. Zu deren Schutz werden die S. mit Blechmänteln (s. Meyers Schleifmaschine) versehen. Wetzsteine zum Abziehen feinerer Schneidwerkzeuge mit Wasser oder Öl (Ölsteine, Abziehsteine, Wetzschalen, Streichschalen) bestehen aus Wetzschiefer, aus graubraunem, von Kieselsäure durchdrungenem Dolomit (levantische Ölsteine) oder aus einer Art Chalcedon (Arkansasschalen, Kansassteine). Künstliche S. erzeugt man wie die Meyers Schleifscheiben (s. d.).
 
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Schleifwerk (Schleifmühle), Maschine oder maschinelle Anlagen zum Schleifen von Gegenständen aus Metall, Glas, Stein etc.
 
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Schleifzeug, s. Meyers Hemmschuh.
 
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Schleihe, Fisch, s. Meyers Schlei.
 
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Schleim (Mucus), die dickflüssige, klebrige, farblose, in der Regel alkalisch reagierende Masse, die normalerweise als dünne Schicht die Oberfläche aller Schleimhäute überzieht und schlüpfrig erhält. Der S. enthält 46 Proz. feste Bestandteile, das übrige ist Wasser. Hauptbestandteil ist der Schleimstoff (Mucin), der dem S. die Klebrigkeit verleiht. S. enthält die mikroskopischen Schleimkörperchen, runde Zellen vom Aussehen der farblosen Blutkörperchen und der Eiterkörperchen. Im normalen S. sind sie relativ sparsam vorhanden; beim Katarrh der Scheimhäute nehmen sie aber so stark zu, daß sie dem S. ein gelbliches, eiterartiges Aussehen erteilen. Die Quelle der Schleimabsonderung sind in der Hauptsache die Schleimdrüsen, doch trägt auch die freie Schleimhautoberfläche dazu bei. Das Mucin ist das Produkt einer chemischen Umwandlung (Schleimmetamorphose), der die Zellen der Schleimdrüsen und gewisse Epithelzellen der Schleimhautoberfläche unterliegen. Dem S. ähnlich ist die Synovia der Gelenkhöhlen, der Schleimbeutel und der Sehnenscheiden.
 
Artikelverweis 
Schleimaal (Schleimfisch), s. Meyers Inger.
 
Artikelverweis 
Schleimalge (Schleimling), s. Meyers Nostoc.

 

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