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Schleiereulen bis Schleifen (Bd. 6, Sp. 838 bis 840)
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Artikelverweis Schleiereulen, s. Meyers Eulen, S. 159.
 
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Schleierkarpfen, s. Meyers Schlei.
 
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Schleierlehen, soviel wie Weiberlehen, s. Meyers Lehnswesen, S. 337.
 
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Schleiermacher, Friedrich Ernst Daniel, Bahnbrecher der neuern protestantischen Theologie, geb. 21. Nov. 1768 in Breslau, wo sein Vater reformierter Feldprediger war, gest. 12. Febr. 1834 in Berlin, besuchte seit 1783 das Gymnasium der Brüdergemeinde in Niesky, seit 1785 deren Seminar in Barby und studierte seit 1787 in Halle Theologie. 1794 ward er als Hilfsprediger in Landsberg an der Warthe, 1796 als Prediger an dem Charitékrankenhaus in Berlin, 1802 als Hofprediger in Stolpe, 1804 als außerordentlicher Professor der Theologie in Halle angestellt. Schon in Berlin war er, durch die Brüder Schlegel und Henriette Herz in die romantischen Kreise hereingezogen, als Schriftsteller aufgetreten in den berühmten »Reden über die Religion an die Gebildeten unter ihren Verächtern« (Berl. 1799 u. ö.; neueste Ausg. von Otto; 2. Aufl., Götting. 1906) und den »Monologen« (Leipz. 1800 u. ö.; neueste Ausg. von Schiele, das. 1902; beides auch in Meyers Volksbüchern). Seine Freundschaft mit Friedrich Schlegel verschuldete die »Vertrauten Briefe über Schlegels Lucinde« (Berl. 1801; mit einem Vorwort von Gutzkow herausgegeben, Hamb. 1835; von J. Fränkel, Jena 1907; zusammen mit dem Roman hrsg. von R. Frank, Leipz. 1907). Auch vereinigte er sich mit Schlegel zur Übersetzung des Platon, die er dann allein unternahm (Berl. 180410, 5 Bde.; 3. Aufl. 185561; Bd. 6, 1828; 2. Aufl. 185562), und die besonders durch

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die Einleitungen zu den Platonischen Dialogen für das Studium dieser Philosophie epochemachend geworden ist. An seine »Grundlinien einer Kritik der bisherigen Sittenlehre« (Berl. 1803, 2. Aufl. 1834) schlossen sich später die in den Denkschriften der Berliner Akademie erschienenen Abhandlungen über die wissenschaftliche Behandlung des Tugendbegriffs, des Pflichtbegriffs, über den Begriff des Erlaubten, über den Unterschied zwischen Natur- und Sittengesetz und den Begriff des höchsten Gutes an. Nachdem die Katastrophe von 1806 den zeitweiligen Schluß der Universität Halle herbeigeführt, hatte sich S. nach Berlin begeben, wo er, von Stein und Humboldt herangezogen, vorzüglich bei Gründung der neuen Friedrich Wilhelms-Universität tätig war, an der er auch 1810 als ordentlicher Professor der Theologie angestellt wurde, nachdem er 1809 Prediger an der Trinitatiskirche geworden war. Damals veröffentlichte er: »Die Weihnachtsfeier, ein Gespräch« (Halle 1806; 4. Aufl., Berl. 1850; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«); die kritische Schrift »Über den sogen. ersten Brief des Paulus an den Timotheus« (Berl. 1807); »Gelegentliche Gedanken über Universitäten im deutschen Sinn« (das. 1808). In der bewunderungswürdigen Vielseitigkeit seiner nach den verschiedensten Richtungen eingreifenden Tätigkeiten war er eine der bedeutendsten geistigen Größen während der ersten glänzenden Periode der Berliner Universität. Die Fülle der Gedanken, die Form, die in schönster Vollendung ihm zu Gebote stand, und vor allem die seltenste Vereinigung der zartesten Religiosität mit der schärfsten Dialektik und der freiesten, an kein Herkommen gebundenen Kritik führten ihm begeisterte Schüler zu. Seine Vorlesungen umfaßten nicht bloß fast den ganzen Kreis des theologischen Wissens, sondern er trug auch seit 1811 Dialektik vor, die er als Einheit der Logik und Metaphysik faßte. Damals erschien seine »Kurze Darstellung des theologischen Studiums« (Berl. 1811, 2. Aufl. 1830). Aber der reifste Ausdruck seiner religiösen Überzeugungen ist: »Der christliche Glaube nach den Grundsätzen der evangelischen Kirche im Zusammenhang dargestellt« (Berl. 182122, 2 Bde.; 6. Aufl. 1884; neu gedruckt Gotha 1889, und in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«), der erste Versuch, den überlieferten Inhalt mit der Innerlichkeit und Freiheit des Subjekts auszusöhnen und zu erfüllen. Nachdem schon seine »Reden« die Religion vor jeder Verwechselung mit Metaphysik oder Ethik sichergestellt und ihre originell sprudelnde Quelle im menschlichen Gefühlsleben, wo nach romantischer Voraussetzung der absolute sich mit dem endlichen Geist berührt, nachgewiesen hatten, führte die »Glaubenslehre« die Religion auf das Gefühl absoluter (»schlechthinniger«) Abhängigkeit zurück. Da nämlich der Welt gegenüber selbst im äußersten Falle noch ein Minimum von Freiheitsgefühl wirksam sein soll, baute S. auf Grund der freilich selbst wieder fraglichen Tatsache eines Abhängigkeitsgefühls, das, weil totale Abhängigkeit bedeutend, seinen Gegenstand nicht in der Welt haben kann, ein Gottesbewußtsein auf, mit dessen Beschreibung und Analysierung seine Glaubenslehre es zu tun hat. Von der weitern Voraussetzung aus, daß in dem geschichtlichen Christus dieses Gottesgefühl in absoluter Kräftigkeit gelebt und durch ihn in der Christenheit angeregt worden sei, werden dann die einzelnen Dogmen kritisch beleuchtet und auf ihren religiösen Gehalt zurückgeführt. Das ergänzende Seitenstück zu dieser Dogmatik ist das aus seinem Nachlaß von Jonas herausgegebene Werk »Die christliche Sitte« (Berl. 1843, 2. Aufl. 1884). Als die Akademie der Wissenschaften, deren Mitglied S. seit 1811 war, ihn 1814 zum Sekretär der philosophischen Abteilung erwählte, ließ er sich von seiner Beschäftigung im Ministerium entbinden, wie er denn überhaupt wachsende Ungunst seitens der Regierung zu erfahren hatte und eine Zeitlang in Gefahr stand, wegen angeblicher Demagogie in Untersuchung gezogen oder abgesetzt zu werden. Die Schriften der königlichen Akademie bereicherte er durch eine große Anzahl von Reden und Abhandlungen, namentlich über einzelne schwierige Punkte der Geschichte der alten Philosophie. Seine Teilnahme an dem allgemein-kirchlichen Leben und eine klare Einsicht in die Bedürfnisse desselben hatte er schon bekundet durch die 1804 anonym erschienenen »Zwei unvorgreiflichen Gutachten in. Sachen des protestantischen Kirchenwesens in Beziehung auf den preußischen Staat«, worin er namentlich auf die Nachteile der Trennung der protestantischen Kirchen hinwies. Als nun 1817 die Union auf einer von ihm präsidierten Synode zustande gebracht wurde und die Ausschreiben zur Bildung einer Presbyterial- und Synodalverfassung erschienen waren, suchte er das Werk mit Rat und Tat, wenngleich ohne Erfolg, zu fördern. Ebensowenig richtete er aus im Kampf gegen die lediglich im königlichen Kabinett entstandene Agende. Unter dem Namen »Pacificus Sincerus« schrieb er 1824 ein »Theologisches Bedenken über das liturgische Recht evangelischer Landesherren«, das den alten Streit über die Rechtsprinzipien in dem Verhältnis zwischen Kirche und Staat wieder anregte. Als Prediger übte S. fortgehend, namentlich auf den gebildeten Teil des Publikums, einen bedeutenden Einfluß aus. Nach seinem Tode vereinigten sich seine Freunde und Anhänger zur Herausgabe seiner Werke, die in drei Abteilungen (Berl. 183665) erschienen. Die erste Abteilung: »Zur Theologie« (11 Bde.), enthält außer den oben erwähnten: »Die christliche Sitte« und »Der christliche Glaube«, folgende Werke: »Einleitung in das Neue Testament« (hrsg. von Lücke, 1845); »Hermeneutik und Kritik mit besonderer Beziehung auf das Neue Testament« (von demselben, 1838); »Geschichte der christlichen Kirche« (von Bonnell, 1840); »Das Leben Jesu« (von Rütenik, 1864); »Die praktische Theologie« (von Frerichs, 1850) und drei Bände kleiner Schriften; die zweite Abteilung enthält »Predigten« (meist hrsg. von Sydow, 1836 bis 1856, 10 Bde; neue Ausg. 187374, 5 Bde.); aus der dritten Abteilung: »Zur Philosophie« (9 Bde.), erwähnen wir: »Dialektik« (von Jonas 1839; in neuer Bearbeitung von Halpern, Berl. 1903); »Entwurf eines Systems der Sittenlehre« (von Schweizer, 1835); »Die Lehre vom Staat« (von Brandis, 1845); »Die Erziehungslehre« (von Platz, 1849); »Geschichte der Philosophie« (von Ritter, 1839). Schleiermachers »Pädagogische Schriften« wurden besonders herausgegeben von Platz (3. Aufl., Langens. 1902); seine »Rätsel und Charaden« (3. Aufl., Berl. 1883). Briefe erschienen in Auswahl von Rade (Leipz. 1906); vgl. außerdem »Schleiermachers Briefwechsel mit J. Chr. Gaß« (Berl. 1852), »Schleiermachers Briefe an die Grafen Dohna« (hrsg. von Jacobi, Halle 1887), »Aus Schleiermachers Leben, in Briefen« (hrsg. von Dilthey, Berl. 185863, 4 Bde.; 1. u. 2. Bd. in 2. Aufl. 1860) und den Briefwechsel mit Twesten (in Heinrici, »Dr. A. Twesten nach Tagebüchern und Briefen«, das. 1889); Schenkel, Friedrich S. Ein Lebens- und Charakterbild (Elberf. 1868); Dilthey, Leben Schleiermachers (1. Bd., Berl. 1870); Bende r,

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Schleiermachers Theologie (Nördl. 187678, 2 Bde.); A. Ritschl, Schleiermachers Reden über die Religion (Bonn 1874); O. Ritschl, Schleiermachers Stellung zum Christentum in seinen Reden über die Religion (Gotha 1888); Keferstein, S. als Pädagog (2. Aufl., Jena 1889); Kirn, S. und die Romantik (Basel 1895); Kalthoff, Schleiermachers Vermächtnis an unsre Zeit (Berl. 1896); Bleek, Die Grundlagen der Christologie Schleiermachers (Freiburg 1898); M. Fischer, S. (Berl. 1899); Lülmann, Das Bild des Christentums bei den großen deutschen Idealisten (das. 1901) und S., der Kirchenvater des 19. Jahrhunderts (Tübingen 1907); Fuchs, Schleiermachers Religionsbegriff und religiöse Stellung zur Zeit der ersten Ausgabe der Reden (Gießen 1901) und Vom Werden dreier Denker (Tübing. 1904); Stephan, Die Lehre Schleiermachers von der Erlösung (das. 1901); Theile, Schleiermachers Theologie und ihre Bedeutung für die Gegenwart (das. 1903); C. Clemen, Schleiermachers Glaubenslehre in ihrer Bedeutung für Vergangenheit und Zukunft (Gießen 1904); E. R. Meyer, Schleiermachers und C. G. v. Brinckmanns Gang durch die Brüdergemeinde (Leipz. 1905).
 
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Schleierschwanz, s. Meyers Goldfisch.
 
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Schleiertuch, sehr locker gewebter, seiner leinwandartiger, wenig oder nicht appretierter Baumwollenstoff, ähnlich dem Linon.
 
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Schleifbürsten (Bürsten), s. Meyers Elektrische Maschinen, S. 634.
 
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Schleifdiele, s. Meyers Brett.
 
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Schleife, soviel wie Meyers Ackerschleife (s. d.); auch soviel wie Schlitten; in Österreich-Ungarn die Mörserlaffete, und zwar die Wandschleife von Eisenblech für gezogene Hinterlademörser und die Blockschleife von Holz für glatte Mörser.
 
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Schleifen, das Wegnehmen seiner Teilchen von der Oberfläche eines Arbeitsstückes zur Erzielung einer glatten Fläche (die oft später poliert wird), zur Formgebung oder zur Herstellung scharfer Schneiden oder Spitzen an Werkzeugen (Schärfen). Man benutzt zum S. runde umlaufende Schleifsteine, Handschleifsteine (Ölsteine und Wassersteine), Bimsstein, der mit einer passenden Fläche versehen und mit Wasser befeuchtet wird (meist auf Silber, zuweilen auf Kupfer, Zink und Messing), Kohle und pulverförmige Körper (Schmirgel, Karborund, Feuerstein, Sand, Glas etc.), die, mit Baumöl oder Wasser zu einem dünnen Brei angemacht, mit hölzernen oder metallenen Werkzeugen auf den Arbeitsstücken herumgerieben werden oder auf Papier aufgetragen sind (Schmirgel- etc. Papier). Runde Gegenstände schleift man auf der Drehbank und Zylinder zwischen zwei mit bogenförmigen Ausschnitten versehenen und durch zwei Schrauben nach Bedürfnis zusammengeklemmten Hölzern (Schmirgelkluppen). Schmirgel trägt man auch auf die Stirnfläche oder die ebene Fläche einer rotierenden hölzernen, bisweilen mit Blei, Filz oder Leder belegten Holzscheibe auf oder fertigt daraus besondere Scheiben (Schmirgelscheiben, Schleifscheiben, s. d.). Gegenstände mit unregelmäßiger Oberfläche werden mit steifen Borsten- und Drahtbürsten, Öl und Schmirgel geschliffen. Häufig schleift man zum Zusammenpassen zwei zu schleifende Gegenstände auseinander (Platten, Hähne etc.). Immer ausgedehnter wird die Verwendung der Schleifmaschinen. Ein Schleifgerät der Uhrmacher mit einer kleinen horizontalen, in Drehung versetzten Scheibe heißt Lapidär. Vgl. auch die Einzelartikel und Siddon, Kunst des Schleifens etc. (5. Aufl. von Nöthling, Weim. 1896); Wahlburg, Schleif-, Polier- und Putzmittel (2 Aufl., Wien 1898). S. oder Wetzen heißt auch der letzte Satz beim Balzen des Auerhahns. In der Musik heißt s. aufeinander folgende Töne aneinander gezogen vortragen, ohne zwischen ihnen abzusetzen (vgl. Legato).
 
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Schleifen (Demolierung, Demolition), die Zerstörung der Verteidigungsanlagen einer Festung durch Abtragen der Anschüttungen und Abbrechen des Mauerwerkes oder durch Sprengung (Demolitionsminen).

 

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