Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Schlegelnuß bis Schleichkatze (Bd. 6, Sp. 836 bis 837)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Schlegelnuß, s. Meyers Walnußbaum.
 
Artikelverweis 
Schlehe (Schlehendorn), soviel wie Haferschlehe, s. Meyers Pflaumenbaum.
 
Artikelverweis 
Schlei (Schleie, Schleihe, Schleiche, Tinca Cuv.), Gattung der Edelfische aus der Familie der Karpfen (Cyprinidae), kleinschuppige Fische mit sehr dicker, durchsichtiger Oberhautschicht, endständigem Maul, zwei Bärteln an den Mundwinkeln, keulenförmigen Schlundzähnen in einfacher Reihe und kurzbasiger Rücken- und Afterflosse. Die gemeine S. (Schleierkarpfen, T. vulgaris Cur., s. Tafel Meyers »Teichfischerei«, Fig. 2), bis 50, meist 2030 cm lang und bis 6 kg schwer, dunkel ölgrün, an den Seiten hell- oder rötlichgrau mit violettem Schimmer, variiert sehr in der Färbung (Goldschlei, eine schwarzfleckige, orangegelbe oder rote Varietät mit großen, dünnen, durchsichtigen Schuppen und zarten Flossen, in Oberschlesien), findet sich in fast allen europäischen Flußgebieten von Süditalien bis Schweden, namentlich auch in vielen Seen, und bevorzugt Gewässer mit schlammigem, lehmigem Grund. Sie gedeiht auch noch in Wasser, in dem Karpfen abstehen, verweilt stets am Boden, verbringt den Winter in halb erstarrtem Zustand im Schlamm und wurde auch im Sommer in solcher Lage angetroffen. Sie nährt sich von Gewürm, vermoderten Pflanzenstoffen und Schlamm, laicht vom Mai bis August im Röhricht, wobei beide Geschlechter alle Scheu verlieren, und vermehrt sich sehr stark. Die Jungen wachsen sehr schnell, erreichen schon im ersten Jahr etwa 200 g, werden aber erst im vierten Jahre fortpflanzungsfähig. Das Fleisch ist wohlschmeckend. Vgl. Walter, Die Schleienzucht (Neudamm 1904); Vogel, Die Schleienzucht als Nebennutzung in Karpfenteichen (Bautzen 1905); Stropahl, Die Schleienzucht (Stettin 1906).
 
Artikelverweis 
Schlei, schmale Meeresbucht an der Ostküste von Schleswig-Holstein, schneidet in südwestlicher Richtung 42 km weit in das Land ein und erweitert sich jenseit Missunde seeartig zu der sogen. Großen Breite, die westlich bis zur Stadt Schleswig reicht. Bei einer mittlern Tiefe von 3,8 m kann sie nur von kleinen Seeschiffen befahren werden, da an der Mündung bei

[Bd. 6, Sp. 837]


Schleimünde, die 1416 von den Holsteinern verschüttet wurde, nur ein 2,2 m tiefer Kanal aus der See in dieselbe führt.
 
Artikelverweis 
Schleich, 1) Eduard, Maler, geb. 12. Okt. 1812 in Harbach bei Landshut, gest. 8. Jan. 1874 in München, kam 1823 nach München, wo er die Kunstakademie besuchen wollte, aber als talentlos zurückgewiesen ward. Nun begann er ohne Anleitung Landschaften zu malen, wobei ihm Etzdorf, Morgenstern und Rottmann Vorbilder waren. Dann bildete er sich nach den niederländischen Meistern, die einen entscheidenden Einfluß auf die Ausbildung seines auf poetische Stimmung ausgehenden malerischen Stiles gewannen. Reisen durch Deutschland, Frankreich, Italien und Holland erweiterten seinen Gesichtskreis. In seinen ersten Bildern behandelte er Motive aus den bayrischen Bergen. Später entnahm er sie ausschließlich der Ebene und stellte sich die Aufgabe, das unendlich wechselnde Spiel des von atmosphärischen Vorgängen über die Landschaft ausgegossenen Lichtes darzustellen und das landschaftliche Motiv als Träger von Licht- und Farbenmassen zu behandeln. Dabei genügten ihm die einfachsten Vorwürfe. S. war Professor und Mitglied der Akademien in München, Wien und Stockholm. Eine Anzahl seiner Landschaften, die meist einen elegischen oder melancholischen Charakter haben, besitzt die Neue Pinakothek in München. Auf die Richtung der neuern Münchener Landschaftsmaler hat er einen bestimmenden Einfluß geübt. Seine Hauptwerke sind: Mondnacht in der Normandie (1858), Isaraue bei München (1860), Nebelmorgen am Starnberger See (1860) u. Herrenchiemsee (1871).
   2) Martin, humoristischer und dramatischer Schriftsteller, geb. 12. Febr. 1827 in München, gest. daselbst 13. Okt. 1881, studierte Philologie in seiner Vaterstadt, widmete sich aber bald ganz der publizistischen Tätigkeit und gründete 1848 den »Münchener Punsch«, ein humoristisches Blatt, das er bis 1871 herausgab und 1875 von neuem ins Leben rief, aber nach einem Jahrgang wieder eingehen lassen mußte. Als Politiker gehörte er zu den entschiedensten Vorkämpfern des bayrischen Partikularismus, stimmte aber beim Ausbruch des Krieges 1870 für den Anschluß Bayerns an Preußen. Mit dem anonymen »Büchlein von der Unfehlbarkeit« (Münch. 1872) trat er auf die Seite der Altkatholiken und gründete in der Kammer, der er 186975 angehörte, die Gemäßigte Partei. Unter seinen »Lustspielen und Volksstücken« (Münch. 1862, 2 Bde.; 2. Aufl. 1874; neue Sammlung, das. 1874) gehören das altertümliche Charakterbild »Bürger und Junker«, »Der Bürgermeister von Füssen«, »Die Haushälterin« und »Ansässig« (worin das ehemalige Zunftwesen ergötzlich dargestellt wird) zu den besten. Außerdem veröffentlichte er: »Renaissance. Ausgewählte Dichtungen von Jakob Balde« (mit Joh. Schrott übertragen, Münch. 1870) und die humoristischen Reisestudien »Italische April tage. Erinnerungen aus einer konfessionslosen Romfahrt« (das. 1880). Aus seinem Nachlaß veröffentlichte M. G. Conrad den humoristischen Roman »Der Einsiedler« (Jude von Cäsarea, Münch. 1886).
   3) Karl, Mediziner, geb. 19. Juli 1859 in Stettin, studierte in Zürich, Greifswald und Berlin, war Assistent bei Virchow, Helferich, Senator und Olshausen, errichtete 1889 in Berlin eine chirurgische Klinik und Poliklinik und wurde 1899 zum Professor ernannt. 1900 war er Leiter der chirurgischen Abteilung des Kreiskrankenhauses in Großlichterfelde. S. entdeckte die Infiltrationsanästhesie und tat sich auch auf dem Gebiete der Wundheilung mit weitgreifenden Reformen hervor. Er erfand das Glutol und andre Heilmittel und die atoxische Wundbehandlung mit Chloroform und Alkohol. Bemerkenswert sind seine mehr philosophischen Studien und Beiträge zur Mechanik seelischer Vorgänge. Er schrieb: »Schmerzlose Operationen. Örtliche Betäubung mit indifferenten Flüssigkeiten. Psychophysik des natürlichen und künstlichen Schlafes« (Berl. 1894, 5. Aufl. 1906); »Neue Methoden der Wundheilung« (2. Aufl., das. 1900); »Die Selbstnarkose der Verwundeten« (das. 1906).
 
Artikelverweis 
Schleiche, soviel wie Blindschleiche; Fisch, s. Meyers Schlei.
 
Artikelverweis 
Schleichenlurche, s. Meyers Blindwühler.
 
Artikelverweis 
Schleicher, August, Sprachforscher, geb. 19. Febr. 1821 in Meiningen, gest. 6. Dez. 1868 in Jena, studierte in Leipzig, Tübingen und Bonn zuerst Theologie, dann die orientalischen und altklassischen Sprachen, habilitierte sich 1846 in Bonn als Privatdozent für vergleichende Sprachforschung und wurde 1850 Professor in Prag, von wo aus er 1852 eine ergebnisreiche Reise nach Litauen zur Erforschung der litauischen Sprache unternahm. Vielfache Anfeindungen von seiten tschechischer Agitatoren bewogen ihn 1857, seine Stelle in Prag niederzulegen, worauf er als Honorarprofessor nach Jena ging. Seine wichtigsten Werke sind: »Sprachvergleichende Untersuchungen«, Bd. 1: »Zur Sprachengeschichte« (Bonn 1848), Bd. 2: »Die Sprachen Europas in systematischer Übersicht« (das. 1850); »Formenlehre der kirchenslawischen Sprache« (das. 1852); »Handbuch der litauischen Sprache« (Prag 185657, 2 Tle.); »Die deutsche Sprache« (Stuttg. 1860, 5. Aufl. 1888); »Kompendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen« (Weim. 1861, 4. Aufl. 1876); »Die Darwinsche Theorie und die Sprachwissenschaft« (das. 1863, 3. Aufl. 1873), worin S. Darwins Stammbaum der Arten einen Stammbaum der Sprachen zur Seite stellte. Mit Ad. Kuhn begründete er die »Beiträge zur vergleichenden Sprachforschung etc.« (Berl. 1858 ff., 8 Bde.). Vgl. Lefmann, August S. (Leipz. 1870).
 
Artikelverweis 
Schleichera Willd., Gattung der Sapindazeen mit der einzigen Art S. trijuga Willd. (Khusumbaum), einem großen Baum mit meist dreijochig gefiederten Blättern, elliptischen Blättchen, sehr kleinen Blüten, kugeliger oder eiförmiger, über kirschgroßer, dicklich krustenartiger Frucht und vom Samenmantel umhülltem Samen. Der Baum wächst im tropischen Asien samt den Inseln, er liefert gutes, rotbraunes Nutzholz, die gerbstoffreiche Rinde wird arzneilich benutzt, der fleischige Samenmantel ist genießbar, und aus dem Samen gewinnt man das fette Meyers Makassaröl (s. d.). Auch soll der Baum Gummilack, ja die besten Sorten Stocklack liefern.
 
Artikelverweis 
Schleichhandel, s. Meyers Schmuggelhandel.
 
Artikelverweis 
Schleichkatze, s. Meyers Zibetkatze.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: