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Schläfer bis Schläfrigkeit (Bd. 6, Sp. 821 bis 822)
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Artikelverweis Schläfer, s. Meyers Siebenschläfer und Meyers Schlafmäuse.
 
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Schlaffsucht der Seidenraupe (Flacherie), s. Meyers Seidenspinner.
 
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Schlafgänger, s. Meyers Schlafstelle.
 
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Schlafkoller, s. Meyers Dummkoller.
 
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Schlafkrankheit, eine Krankheit, die sich in einem schlafsüchtigen Zustand äußert und fast immer zum Tode führt. Besonders verbreitet ist sie bei den Negern an der westafrikanischen Küste vom Senegal bis Angola und in dem dazugehörigen Hinterland, ferner am Kongo, in Uganda; vereinzelt bei aus Westafrika eingewanderten Negern in Brasilien, auf den Bahamainseln und den französischen Antillen. Die Krankheit dauert 2 Monate bis 2 Jahre, beide Geschlechter und alle Lebensalter werden in gleichem Maße befallen. Europäer bleiben nahezu verschont, da sie sich offenbar vermöge ihrer Lebensweise und Bekleidungsart den krankmachenden Einflüssen weniger aussetzen als die Eingebornen. Die S. beginnt schleichend und wird eingeleitet durch Mattigkeit, Unlust, Kopfschmerzen, Neigung zu Schläfrigkeit. Auch Fieber, Unregelmäßigkeit des Pulses, Zittern der Zunge und taumelnder Gang kommen schon im Beginn der Krankheit vor. Weiterhin nimmt die Schlafsucht immer mehr zu, so daß der Kranke nur mit Mühe aufgerüttelt werden kann. Fast immer sind Drüsenschwellungen vorhanden, an der Haut zeigen sich Ausschläge und heftiges Jucken. Auffallend ist die große Müdigkeit und Muskelschwäche, die besonders die Beine befällt. Auch epileptische Anfälle, Melancholie, Manie, Demenz und Aufregungszustände werden in diesem zweiten Stadium beobachtet. Nicht selten erfährt die Krankheit im ersten und zweiten Stadium langdauernde Stillstände. Das Leben erlischt meist im Zustande tiefster Benommenheit, oft führen andre dazutretende Krankheiten zum Tode. Die anatomische Grundlage der Krankheit ist eine chronische Entzündung der Hirnhäute und der Gehirnsubstanz, namentlich an der Gehirnbasis und am verlängerten Mark. Als Ursache ist eine Infektion mit Trypanosomen anzusehen. Namentlich das an der westafrikanischen Küste, im Kongostaat und in Uganda gefundene Trypanosoma gambiense (ugandense) ist als Erreger der S. von größter Bedeutung und wahrscheinlich identisch mit dem bei Säugetieren die Tsetsekrankheit (Afrika) oder Surra (Indien, Java, Philippinen, Persien) verursachenden Protozoon. Es gelangt in den menschlichen Körper in der Regel durch Stich einer Stechfliege (Glossina palpalis), die sich wahrscheinlich an tsetsekranken Tieren und an Trypanosomen beherbergenden Menschen infizieren. Wo diese Stechfliege, vielleicht auch Culex-Arten, nicht vorkommen, scheint die S. zu fehlen. Nicht jede Trypanosomeninfektion scheint zu S. zu führen, auch kann bei infizierten Menschen jahrelang Wohlbefinden beitehen, bis endlich die Krankheit ausbricht. In Uganda hatten 28,7 Proz. der Bevölkerung Trypanosomen im Blut, am Viktoriasee wurden streckenweise 80 und mehr Pro;ent der eingebornen Bevölkerung mit Trypanosomen infiziert gefunden; ganze Dörfer und Volksstämme sind unter der Einwirkung der S. ausgestorben. Bei an S. leidenden Individuen si uden sich Trypanosomen in der das Gehirn und Rückenmark umgebenden Zerebrospinalflüssigkeit. Zur Verhütung der S. dient die Bekämpfung der Stechfliegen, die sich besonders an Gewässern und an buschbewachsenen Stellen aufhalten. Durch ausgedehnte Ausrottung des Busches gelang es, verseuchte Landstrecken von der Krankheit zu befreien. Aufenthalt in der Nähe des Wassers ist möglichst zu vermeiden. Eine weitere Verringerung der Infektionsgefahr ist zu erwarten, wenn die Trypanosomenkrankheit der den Fliegen zur Infektionsquelle dienenden Tiere eingeschränkt werden kann. Zur Behandlung dienen Einspritzungen von Methylenblau, Trypanrot und namentlich von Atoxyl, einer Arsenikverbindung. Abschließende Ergebnisse sind noch nicht erzielt, doch konnte R. Koch mittels Atoxyleinspritzungen sehr bedeutende Besserungen. vielleicht auch endgültige Heilungen der S. des Menschen herbeiführen. Vgl. Hirsch, Handbuch der historisch-geographischen Pathologie (2. Aufl., Stuttg. 1886); Scheube, Die Krankheiten der warmen Länder (3. Aufl., Jena 1903); Mense, Handbuch der Tropenkrankheiten (Leipz. 190506, 3 Bde.); Bettencourt, Kopke u. a., La maladie du sommeil (Lissab. 1903); Dutton, Todd und Christy, Report of the Trypanosomiasis Expedition to the Congo. 19031904 (Lond. 1904); »Royal Society Reports of the Sleeping Sickness Commission« (das. 1903); Koch, Über die Trypanosomenkrankheiten (»Deutsche medizinische Wochenschrift«, 1904, Nr. 47, Berl.).
 
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Schlafkraut, s. Hyoscyamus.
 
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Schlaflosigkeit (Agrypnia, Asomnia), nervöser Zustand, der bei längerer Dauer überaus quälend und erschöpfend wirkt. S. verbindet sich oft mit allgemeinem Unbehagen, Kopfweh, Muskelzuckungen, ängstlichen Träumen und Aufschrecken; sie hinterläßt Abspannung, üble Laune, Nervenreizbarkeit, Appetitmangel etc.; ist sie andauernd vorhanden, so hat sie

[Bd. 6, Sp. 822]


Lebensüberdruß zur Folge und führt nicht selten zum Selbstmord. Die S. beruht immer auf einem nervösen Reizzustand, mag die Reizung nun eine mehr psychische (zentrale) sein, wie bei lebhaften Gemütsaffekten, geistiger Überanstrengung, lebhaftem Schmerz, oder mag sie körperlich bedingt sein durch Blutwallungen, Fieber, Rausch, übermäßigen Genuß von Tee und Kaffee, durch Tabakrauchen, Mißbrauch von narkotischen Arzneimitteln, oder (peripher) durch juckende Hautkrankheiten (Krätze, Prurigo), durch Husten, Herzklopfen, Atemnot u. dgl. S. ist ein sehr häufiges Symptom der Neurasthenie und fehlt nie bei der Manie. Die Behandlung der S., möge sie nun für sich bestehen, wo sie meist ein Vorbote schwerer Nerven- und Geisteskrankheiten ist, oder möge sie die Begleiterin andrer Krankheiten sein, richtet sich hauptsächlich auf Vermeidung der obengenannten Ursachen, daher auf geistige und körperliche Beruhigung, auf Zerstreuung des Geistes, auf zweckmäßige Regulierung der geistigen und körperlichen Tätigkeiten. Das Schlafzimmer sei kühl, die Luft daselbst rein, das Bett nicht zu warm. Ost ist es nötig, vor dem Zubettgehen ableitende Mittel (Fußbäder, Senfteige auf die Waden, Klistiere) anzuwenden. Bei geschwächten und ältern Personen tut bisweilen ein vor dem Schlafengehen genossenes Glas starken Bieres oder alten Weines gute Dienste, bei jüngern, zu Herzklopfen geneigten Personen eine kalte Waschung des Oberkörpers und ein Trunk kühlen Wassers mit Brausepulver. Als wirksame Mittel, die aber nur auf ärztliche Verordnung zu nehmen sind, gelten namentlich die Narkotika (Schlafmittel): Opium, Morphium, Bromkalium, Chloral, Sulfonal, Paraldehyd, Trional, Dormiol etc.
 
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Schlafmäuse (Schläfer, Myoxidae), eine Familie der Meyers Nagetiere (s. d.).
 
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Schlafmittel, s. Meyers Schlaflosigkeit.
 
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Schlafmohn, s. Papaver.
 
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Schläfrigkeit, s. Meyers Schlafsucht.

 

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