Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Schlachtschitz bis Schlackenwolle (Bd. 6, Sp. 819 bis 820)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Schlachtschitz (poln. Slachcic), Adliger, Edelmann. ursprünglich jeder Pole, der ein Lehen hatte und zu Pferde diente, später besonders der kleine Landedelmann, der oft so arm war, daß er den Pflug selbst führte, und daß es z. B. von den Schlachtschitzen im Gebiet von Osymian, wo ihre Zahl größer war als in jeder andern polnischen Provinz, sprichwörtlich hieß: »Acht Schlachtschitzen aus dem Osymianschen Gebiet führen eine Ziege auf den Markt«. Gleichwohl hatte selbst der ärmste S. als Mitglied der Slachta zagonowa eine Stimme bei der Königswahl, konnte sogar selbst das Zepter erlangen und durch sein Veto die Verhandlungen des Reichstags unterbrechen (vgl. Liberum veto). Unter der russischen Herrschaft hat das Verlangen der Regierung, die Adelsbriefe nachzuweisen oder erneuern zu lassen, die Zahl der Schlachtschitzen in Russisch-Polen sehr vermindert.
 
Artikelverweis 
Schlachtsteuer, s. Meyers Fleischsteuer, auch Mahl- und Schlachtsteuer.
 
Artikelverweis 
Schlachtviehversicherung, Versicherung gegen den Schaden, der durch Beanstandung des Fleisches der Schlachttiere bei der Meyers Fleischbeschau (s. d.) entsteht. In einigen Staaten, wie im Königreich Sachsen. im Großherzogtum Hessen und in einigen thüringischen Staaten, besteht ein Versicherungszwang für Schlachtvieh bei öffentlichen, staatlich organisierten Anstalten. In den übrigen Staaten wird die S. fast ausschließlich durch Vereine auf Gegenseitigkeit (Fleischervereinigungen), durch genossenschaftliche Unternehmungen und durch Ortsviehversicherungsvereine betrieben. Einzelne Versicherungsgesellschaften, welche die Viehlebensversicherung betreiben, haben auch die S. in ihren Versicherungsbetrieb aufgenommen.
 
Artikelverweis 
Schlachtzwang, s. Meyers Schlachthaus.
 
Artikelverweis 
Schlacken, glas- oder emailartige Abfälle von Schmelzprozessen, entstehen durch Vereinigung der in den Schmelzmaterialien vorhandenen Basen mit Kieselsäure (Silikatschlacken) wie die Hochofenschlacken oder erzeugen sich erst bei Raffinations- und andern Prozessen, z. B. beim Kupfergarmachen, durch Oxydation der fremden Beimengungen, so daß sie wesentlich aus Oxyden bestehen und Kieselsäure nur zufällig aufnehmen (Oxydschlacken). Silikatschlacken bestehen meist aus Verbindungen der Kieselsäure mit Kalk, Magnesia, Tonerde und Metalloxyden, enthalten auch Fluor- und Schwefelverbindungen, Phosphorsäure, Schwefelsäure, Metallsäuren, Alkalien, Baryt etc. Bisweilen wird die Kieselsäure durch Tonerde vertreten (Aluminatschlacken). Man unterscheidet Tri-, Bi-, Sesqui-, Singulo- und Subsilikate, je nachdem der Sauerstoffgehalt der Kieselsäure dreimal, zweimal, gerade so groß oder geringer ist als der der Basen. Die Trisilikat- und Bisilikatschlacken sind seiger, d. h. sie fließen zäh, lassen sich zu Fäden ziehen, erstarren langsam und haben meist nach dem Erkalten ein glasiges Ansehen; die frischen Singulo- und Subsilikatschlacken fließen dünn, lassen keine Fäden ziehen, erstarren rasch, zerspringen nach dem Erkalten und zeigen meist eine steinige oder erdige Textur. Da jeder Schmelzprozeß eine Schlacke von bestimmtem Silizierungsgrad verlangt, so geben die erwähnten Eigenschaften der S., die auch der gewöhnliche Arbeiter leicht erkennen kann, ein Mittel zur Beurteilung des Schmelzganges ab. Die S. sollen die gehörige Absonderung und Vereinigung der metallischen Produkte befördern, auf diese weder zerlegend noch auflösend einwirken und sie als Decke vor der schädlichen Einwirkung der Gebläseluft schützen. Dazu ist eine bestimmte Zusammensetzung, der ein geeigneter Schmelzpunkt entspricht, erforderlich. Die S. sind amorph, glasig, emailartig. steinig, erdig, kristallinisch oder deutlich kristallisiert (Olivin-, Humboldtilith-, Augitschlacken); glasige S. gehen bei langsamer Abkühlung bisweilen in den kristallinischen Zustand über und werden steinig. Die Farben der S. rühren vorwaltend von Metalloxyden und Schwefelverbindungen her. Die Dichtigkeit der S. nimmt um so mehr zu, je rascher die Abkühlung erfolgt, während langsam abgekühlte S. härter sind als rasch erkaltete. Steinige S. sind im allgemeinen härter als glasige. Man benutzt S. als Zuschlag zu Schmelzprozessen, wobei sie häufig als Auflösungsmittel dienen, indem Bi- und Trisilikatschlacken noch Basen, Singulo- und Subsilikatschlacken Kieselsäure aufnehmen. Bei vielen Hüttenprozessen, namentlich auch beim Hochofenprozeß sind die S. lästige Nebenprodukte (auf 1 cbm Roheisen erhält man 3 cbm Schlacke) und man sucht sie daher in der Technik zu verwerten. Saure S. lassen sich zu Bausteinen (Schlackensteinen) formen, die durch Beimischung von Kokslösche an Dauerhaftigkeit gewinnen. Glasige, spröde S. gehen bei langsamer Abkühlung in größern Massen, z. B. unter einer Kohlenlöschdecke, in steinige, harte (getemperte, basaltierte S.) über und geben ein ausgezeichnetes Chausseebaumaterial, auch werden regelmäßig geformte Steine zur Pflasterung von Straßen benutzt. Granulierte S. dienen als Unterlage für Straßenpflaster und Eisenbahnen, als Sand zum Mörtel und zur Formerei, zu Schwefelbädern, zur Glasbereitung, auch formt man aus ihnen mit Kalk Bausteine, die in 68 Wochen erhärten. Den beim Brechen des Schlackenschotters für Straßenpflaster abfallenden Sand benutzt man mit Portlandzement gemischt in Form von Brei zum Belegen von Straßen in einer Schicht von 10 cm Dicke (Metallpflaster, Metallicpflaster) etc. Gewisse S. dienen auch zur Darstellung von Alaun, Mörtel, Glas, Zement, als Zusatz zu Zement (Eisenportlandzement) etc. Die an Phosphorsäure reichen Phosphatschlacken (Thomasschlacke) von der Verhüttung phosphorreicher Eisenerze werden als Dünger benutzt. In äußerst seine Fäden verteilte, nicht zu basische Schlacke bildet die Schlackenwolle (Ofenwolle), s. Meyers Mineralwolle.
 
Artikelverweis 
Schlackenabscheider, s. Meyers Eisengießerei, S. 556 f.
 
Artikelverweis 
Schlackenkegel, s. Vulkane.
 
Artikelverweis 
Schlackenwald, Stadt, s. Meyers Schlaggenwald.
 
Artikelverweis 
Schlackenwälle, s. Befestigungen, S. 554.
 
Artikelverweis 
Schlackenwerth, Stadt in Böhmen, Bezirksh. Karlsbad, an der Wistritz, der Linie Prag-Eger der Buschtêhrader Eisenbahn und der Staatsbahnlinie

[Bd. 6, Sp. 820]


S.-Joachimsthal, hat eine gotische Pfarrkirche, ein ehemaliges Piaristenkollegium (von 1666, jetzt Mädchenpensionat), ein Schloß des Großherzogs von Toskana mit schönem Park, 2 Bierbrauereien, Porzellan-, Holzstoff- und Lederfabrikation, Elektrizitätswerk und (1900) 2460 deutsche Einwohner.
 
Artikelverweis 
Schlackenwolle, s. Meyers Mineralwolle.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: