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Schlachteneinheit bis Schlachthaustierarzt (Bd. 6, Sp. 817 bis 819)
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Artikelverweis Schlachteneinheit, Heereskörper, stark genug, um in der Schlacht selbständig aufzutreten. Während früher die niederste aus allen drei Waffen (Infanterie, Kavallerie und Feldartillerie) zusammengesetzte Einheit, die Infanteriedivision, als S. galt, begreift man jetzt infolge des Anwachsens der Heere darunter das Meyers Armeekorps (s. d.). Über strategische Einheit vgl. Einheit.
 
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Schlachtenmalerei, eine Gattung der Geschichts- oder Genremalerei, die Massenkämpfe zur Anschauung zu bringen sucht. Insofern die frühern Schlachten weniger in geregelten Massen, die den malerischen Darstellungen widerstreben, als vielmehr in lauter Einzelkämpfen, wo persönlicher Mut den Ausschlag gab, sich bewegten, eigneten sie sich mehr für die künstlerische Darstellung als die modernen Schlachten, weshalb sich die neuern Schlachtenmaler mehr auf Hervorhebung von Episoden beschränkt haben. Doch ist es einigen von ihnen auch gelungen, Massenangriffe mit großer Lebendigkeit zu schildern (Franz Adam, Bleibtreu). Mannigfaltigkeit gewinnen dergleichen Gemälde namentlich durch das Hinzukommen der Pferde. Aus dem Altertum ist die in Pompeji gefundene Alexanderschlacht in Mosaik erhalten. Als Schlachtenmaler waren auch Euphranor, Nikias und Nealkes berühmt. Das bedeutendste Schlachtenbild der Renaissancezeit ist die wohl auf einen Entwurf Raffaels zurückgehende Konstantinsschlacht, während von Leonardos und Michelangelos Schlachtenkartons nur Vorstudien, Zeichnungen und Stiche nach einzelnen Gruppen auf uns gekommen sind. In heroischem Stile wie diese sind auch Lebruns Alexanderschlachten und Rubens' Amazonenschlacht gehalten. Schlachten in kleinerm Format, Überfälle etc. malten und stachen unter andern: A. Tempesta, E. van de Velde, I. Asselyn, P. Snayers, R. van Hoeck, I. Callot, Ph. Wouwerman, Bourguignon, A. F. van der Meulen, G. Ph. Rugendas, Casanova. In der ersten Hälfte des 19. Jahrh. sind die Deutschen W. v. Kobell, P. Krafft, P. Heß, A. Adam, Steffeck, die Franzosen H. Vernet, Steuben, Pils, Bellangé zu nennen. Die hervorragendsten modernen Schlachtenmaler sind: F. Adam, Bleibtreu, Camphausen, Hünten, Emelé, H. Lang, I. Brandt, O. v. Faber du Faur, Th. Rocholl, C. Röchling, R. Haug in Deutschland, S. L'Allemand in Österreich, Meissonier, de Neuville, Detaille in Frankreich. Eine Abart der modernen S. ist die Panoramadarstellung (s. Panorama).
 
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Schlachtenreiterei, Reiterei, die auf dem Schlachtfeld in großer Zahl angriffsweise auftreten soll. Über die Frage, ob in der Gegenwart bei der so hoch gesteigerten Feuerkraft der Infanterie und Artillerie die Kavallerie noch die Möglichkeit hat, als S. aufzutreten, vgl. Reiterei, S. 773.
 
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Schlachtensee, Villenkolonie bei Meyers Zehlendorf (s. d.), am Südende des Grunewaldes, am Schlachtensee und an der Wannseebahn. S. Karte »Umgebung von Berlin«.
 
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Schlächter, s. Meyers Fleischer.
 
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Schlächterwerke, s. Meyers Zaun.
 
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Schlachtfeld. Das Gelände, auf dem eine Schlacht stattgefunden hat (s. Meyers Schlacht), ist nach der Schlacht auszuräumen. Aus Gründen der Pietät und mit Rücksicht auf die Verwundeten und die anwesende Bevölkerung sind die Gefallenen möglichst schnell zu bestatten. Es ist aber erst eine Errungenschaft der neuesten Zeit, daß die Heere über genügendes Material und Personal zur Versorgung der Verwundeten verfügen, und die Hygiene der Schlachtfelder ließ daher selbst im Kriege von 1870 noch so viel zu wünschen übrig, daß im Frühjahr 1871 eine gewaltige Tätigkeit entfaltet werden mußte. Dabei handelte es sich nicht nur um die Gräber, sondern fast mehr noch um die Reinigung der Dorfstraßen von Düngerhaufen und Jaucheherden, von faulenden Uniform- und Ausrüstungsgegenständen, die Desinfizierung der Feldschlächtereien, die Zerstörung der an Lagerstellen faulenden Lebensmittel und Strohmassen etc. Gräber sollen durch Militärkommandos, denen Ärzte beigegeben sind, an geeigneten Orten (nicht in Ortschaften, an Straßen, auf Wiesen, an Gewässern) 2 m tief angelegt und die Erdschüttungen mit Rasen (Gras und Klee) besät werden. In der Regel soll jedes Grab nur sechs Leichen aufnehmen. Bei Massengräbern ist.

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für Entwässerung zum Abzug der Fäulnisjauche zu sorgen; Gruben und Löcher in der Nähe der Gräber sind zu vermeiden, weil der Regen Leichenjauche in dieselben preßt. Schon 1814 hat man vor Paris 4000 Pferdekadaver verbrannt, und nach der Einnahme von Tarragona wurden mehrere tausend Leichen auf Scheiterhaufen verbrannt. Auch vor Sedan hat man Versuche zur Verbrennung von Kadavern und Leichen mit Hilfe von Teer gemacht, aber das Ergebnis war wenig befriedigend. Die deutsche Kriegssanitätsordnung (vom 10. Jan. 1878) läßt die Verbrennung von Tierleichen zu, das österreichische Reglement gestattet auch die Verbrennung von Menschenleichen. Von der Nutzlosigkeit der Anwendung der Desinfektionsmittel unter Verhältnissen, wie sie das S. bietet, hat man sich in neuerer Zeit vollkommen überzeugt, man muß alles dem Boden überlassen und nur Sorge tragen, daß überall eine genügend starke Bodenschicht zur Wirkung kommt. Anderseits ist auch betont worden, daß viele Befürchtungen wegen der Erzeugung von Seuchen übertrieben sind. Auch wo Nase und Auge auf das empfindlichste betroffen werden, entstehen noch keine Seuchen, wenn nicht die spezifischen Krankheitserreger zugegen sind, denen freilich die Wege geebnet werden, wenn durch die Verpestung der Luft der Gesundheitszustand der Bevölkerung erschüttert wird. Ist das S. in oben angedeuteter Weise aufgeräumt, was nach der Kriegssanitätsordnung durch Besichtigungen festgestellt werden soll, so ist die weitere Sorge für die Gräber den Anwohnern zu überlassen und diesen Besäen und Bepflanzen der Begräbnisstätten zu empfehlen. Nur wenn in der Nähe von Truppen gesundheitsschädliche Einflüsse der Gräber sich geltend machen, sollen die erforderlichen Arbeiten unter Mitwirkung von Ärzten durch militärische Kommandos ausgeführt werden. Vgl. Kriegssanitätsordnung (Berl. 1907).
 
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Schlachtflotte, in der deutschen Marine seit März 1907 amtlich Hochseeflotte genannt, die zur Verteidigung der deutschen Seeinteressen bestimmten Schiffsverbände; man unterscheidet die Hochseeflotte, unter dem Befehl eines Admirals oder Großadmirals, bestehend aus (1907) einem Flottenflaggschiff (Linienschiff), dem ersten Geschwader mit 7, dem zweiten mit 8 Linienschiffen; ferner als Aufklärungsschiffe 3 große und 6 kleine Kreuzer sowie 2 kleine Kreuzer als Tender; außerdem 4 Torpedobootsdivisionen mit 22 großen Hochseetorpedobooten. Eine Reserveflotte ist in der Bildung begriffen.
 
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Schlachtgewicht, s. Meyers Mast, S. 417.
 
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Schlachthaus (Metzg, hierzu Tafel Meyers »Schlacht- u. Viehhöfe« mit Text), die Räumlichkeit, in der Haustiere geschlachtet werden, findet sich auf dem Land und in kleinern Städten häufig noch mit dem Fleischverkaufslokal vereinigt im Wohnhaus des Schlächters. Solche Privatschlachthäuser entsprechen in den meisten Fällen berechtigten sanitären Anforderungen höchst ungenügend und tragen zur Verunreinigung der Luft und Belästigung der Umgebung, auch zur Imprägnierung des Untergrundes mit faulenden tierischen Stoffen und zur Verunreinigung der Brunnen etc. bei. Öffentliche oder gemeinschaftliche Schlachthäuser finden sich schon im Altertum, und die Römer statteten sie mit derselben Pracht aus wie andre öffentliche Gebäude. Im Mittelalter, bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges und bis zum Verlust der kommunalen Selbständigkeit besaßen die meisten, selbst recht kleine Städte Schlachthöfe (Kuttelhöfe), die immerhin die sanitären Nachteile der über eine Stadt in großer Zahl verstreuten Einzelschlachtstätten hintanzuhalten vermochten. Diese Anlagen verschwanden indessen bis zum Beginn des 19. Jahrh. fast gänzlich, und erst durch die Zwangsmaßregeln Napoleons I., der 180710 den Städten Frankreichs aufgab, öffentliche, ausschließlich zu benutzende Schlachthöfe zu bauen, begann eine neue Ära dieser volkswirtschaftlich wie sanitär gleich wichtigen Einrichtung. Auch in Italien und Belgien wurden derartige Anlagen zu großer Vollkommenheit durchgeführt und haben sich bis heute als Musteranstalten bewährt. In Preußen wurde durch das Gesetz vom 18. März 1868 und die zugehörigen Ergänzungen und Abänderungen vom 9. März 1881 den Kommunen das ausschließliche Recht zugestanden, öffentliche, unter Kommunalverwaltung stehende Schlachthöfe zu errichten und den Schlachtzwang einzuführen, nach dem nur in diesen öffentlichen Anlagen Vieh getötet und bis zur Zerteilung ausgeschlachtet werden durfte. In gleicher Weise günstig wirkten das Polizeistrafgesetzbuch von 1871 für Bayern und das Gesetz vom 22. Juni 1850 für Niederösterreich. Die über dem Gesetz vom 18. März 1868 stehende Reichsgewerbeordnung vom 21. Juni 1869 läßt in § 16 a. a. O. zu, daß nicht die Kommunen allein zur Errichtung öffentlicher Schlachthöfe berechtigt sind, sondern gestattet auch Privaten, Korporationen, insbes. den Fleischerinnungen, öffentliche Schlachthöfe zu bauen und zu verwalten, und so befinden sich derartige Anlagen auch in den Händen von Innungen (Hannover, Dresden, Chemnitz, Weimar etc.), ja selbst in Händen von Unternehmern (Gnesen, Leobschütz etc.). Schlachthäuser werden meist mit Viehmärkten oder Viehmarkthallen (Viehhöfen) verbunden, sie müssen eine lustige trockene Lage haben, an Eisenbahnen angeschlossen sein und gute Verbindungen mit der Stadt haben, ohne in zu großer Nähe derselben zu liegen. Sie bedürfen reichlicher Zufuhr von Wasser und ausgiebiger Kanalisation. Ein Schlachthof größern Umfanges umfaßt in der Regel folgende Sonderanlagen: Schlachthallen und Kutteleien oder Kaldaunenwäschen, ein Düngerhaus, Kesselhaus mit Maschinenhaus und Kühlhaus etc., einen Polizeischlachthof (Sanitätsanstalt, Vernichtungsanstalt), Bauanlagen für die Nebengewerbe des Schlachthofes, wie Talgschmelze, Fellsalzereien, Albuminfabrik, eine Pferdeschlächterei, Gebäude für Verwaltung und Geschäftsverkehr, Entladerampen und Stallungen. Die Stallungen müssen mindestens die Hälfte des an einem Hauptschlachttag abzuschlachtenden Viehes aufnehmen können. Über die nähere Einrichtung s. beifolgende Tafel mit Text. Vgl. Hennicke, Bericht über Schlachthäuser und Viehmärkte in Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, England und der Schweiz (Berl. 1881); Osthoff, Schlachthöfe und Viehmärkte (2. Aufl. von Fischer, Leipz. 1903) und Schlachthöfe für kleine und mittelgroße Städte (5. Aufl. von Fischer, das. 1902); Schwarz, Bau, Einrichtung und Betrieb von öffentlichen Schlachthöfen (3. Aufl., Berl. 1903) und Maschinenkunde für den Schlachthofbetrieb (das. 1901); Ostertag, Handbuch der Fleischbeschau (5. Aufl., Stuttg. 1904); Nörner, Schlachtvieh- und Fleischkunde für Landwirte (Neudamm 1906); für die einzelnen Anlagen die beschreibenden Werke über Berlin von Orth und Biebendt (das. 1872) und von Blankenstein und Lindemann (das. 1885), über Hannover von Hecht (Hannov. 1883), Breslau (Bresl. 1900), Köln von Schultze (Berl. 1897), München von Zenetti (Münch. 1880), Chemnitz von Hechler (Hannov.

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1885), Karlsruhe von Strieder (Karlsr. 1890), Hamburg von Boysen (Hamb. 1897). Eine »Deutsche Schlacht- und Viehhofzeitung« erscheint seit 1901 in Berlin.
 
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Schlachthaustierarzt, der als Leiter des Betriebes oder der Fleischbeschau am Schlachthaus angestellte Tierarzt.

 

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