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Schlächte bis Schlachtgewicht (Bd. 6, Sp. 815 bis 818)
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Artikelverweis Schlächte (Schlechte), soviel wie Ablösungsfläche, erzleere Gesteinskluft (vgl. Lithoklasen); Schmerschlächte, mit schlüpfrigem Letten erfüllte Kluft.

[Bd. 6, Sp. 816]



 
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Schlachten (Metzgen), das gewerbsmäßige Töten der Schlachttiere, soll so ausgeführt werden, daß der Tod sicher, schnell und schmerzlos erfolgt, und daß das Fleisch gesundes Aussehen und möglichst große Haltbarkeit besitzt. Letztere ist wesentlich abhängig vom Blutgehalt des Fleisches, und die Tiere sind daher so zu schlachten, daß das Blut unter starkem Druck schnell und vollkommen aus den geöffneten Adern ausfließt. Werden gewisse Nervenzentren, die besonders im verlängerten Mark ihren Sitz haben, zerstört, so erschlaffen die Gefäßwandungen, und das Blut fließt nur noch schwach und unvollständig ab. So stürzt das Tier beim Genickstich zwischen Hinterhauptsbein und Atlas, weil er die Leitung zwischen verlängertem Mark und Rückenmark unterbricht, sofort zusammen und verblutet nach der Öffnung der großen Blutgefäße am Hals ohne die heftigen Krämpfe, welche die Verblutung sonst begleiten. Aber diese Krämpfe begünstigen das Ausbluten, und das Fleisch der durch Genickstich getöteten Tiere ist wenig haltbar. Beim Genickschlag wird statt des Stiches ein heftiger Schlag auf die bezeichnete Stelle geführt. Die Hackenbouterolle ist eine Hacke, die in einen runden, scharf geschliffenen Hohlmeißel ausläuft. Ein damit geführter kräftiger Schlag durchbohrt die Schädeldecke des Tieres, das sofort bewußtlos zusammenstürzt. Eine durch die Öffnung eingeführte Sonde zerquetscht das verlängerte Mark, und nun werden die Halsgefäße geöffnet. Die Blutung ist sehr unvollständig. Bei der Maskenbouterolle wird ein Leder, das auch die Augen verdeckt, derartig am Kopfe des Tieres befestigt, daß eine in das Leder eingenähte Metallplatte mit runder Öffnung mitten auf der Stirn ruht. Durch diese Öffnung wird ein Hohlmeißel in das Gehirn getrieben. In der ähnlichen Schußmaske steckt ein Pistolenlauf, und eine Kugel wird in das Gehirn geschossen. Diese Methode schafft wie die vorige sofortige Bewußtlosigkeit, sie erfordert keine besondere Geschicklichkeit und keine Zerstörung des verlängerten Marks durch eine Sonde, sie hat aber auch erhebliche Mängel, namentlich bei Kleinvieh, und beunruhigt die übrigen Tiere. Am häufigsten benutzt man wohl den Stirnschlag, wobei der Kopf des Tieres so befestigt wird, daß der Schlag mit genügender Kraft und Sicherheit geführt werden kann, um das Tier sofort besinnungslos niederzustrecken. Hierbei wird das verlängerte Mark nicht alteriert, und der Tod erfolgt bei der Verblutung unter heftigen Krämpfen. Bei der rituellen Methode der Juden und Mohammedaner, dem Schächten, wird am nicht bewußtlos gemachten Tier mit einem langen Messer ein Schnitt durch Luftröhre, Schlund u. Gefäße geführt; der Tod erfolgt langsam und unter heftigen Krämpfen. Bei der englischen Patentmethode, die vollständige Zurückhaltung des Blutes anstrebt, wird das betäubte Tier durch Einblasen von Luft in den Brustkorb erstickt.
   Zur Vermeidung unnötiger Tierquälerei sind mehrfach Verordnungen erlassen worden. Die Berliner Polizeiverordnung schreibt z. B. vor, daß behufs Ausführung des Stirn- oder Genickschlags der Kopf des Rindes durch Niederbinden an den zu diesem Zweck in dem Fußboden des Schlachthauses befindlichen Ring so zu befestigen ist, daß eine Bewegung des Kopfes möglichst verhindert wird. Der Tötung der Schweine durch Abstechen muß die Betäubung durch Stirnschlag vorausgehen; Kälber und Schafe sollen nicht aufgehängt oder an den Hinterfüßen in die Höhe gebunden werden, die Tötung soll vielmehr auf dem Schragen erfolgen, und dabei sollen die Tiere nicht eher auf dem Schragen befestigt werden, als bis die mit der Tötung beauftragte Person anwesend ist. Das Meyers Schächten (s. d.) macht auf den Laien einen abschreckenden

[Bd. 6, Sp. 817]


Eindruck, doch ist geltend gemacht worden, daß nach der Durchschneidung der Blutgefäße am Hals die Blutzirkulation im Gehirn sofort aufhört, so daß fast momentan Bewußtlosigkeit eintritt. Gegen Tierquälerei beim Niederlegen der zu schächtenden Tiere sind 1889 vom preußischen und bayrischen Ministerium Verfügungen erlassen worden. In Sachsen (auf Grund eines Gutachtens der Kommission für das Veterinärwesen) und in der Schweiz ist das Schächten verboten. Die getöteten Tiere werden ausgeschlachtet, Rinder und Schafe werden abgehäutet, Schweine gesengt oder gebrüht. Dann werden die Tiere ausgeweidet (Lunge, Leber, Herz bilden das Geschlinge, die Baucheingeweide mit dem Fett das Gekröse mit Netz, Liesen, Nierentalg) und in ortsüblicher Weise zerlegt. Über das Schlachthaus und die Beschränkung des Schlachtens auf öffentliche Schlachthäuser (Schlachthauszwang, Schlachtzwang) s. Meyers Schlachthaus. Die Abbildungen auf S. 816 geben die in Berlin übliche Benennung der einzelnen Teile der Schlachttiere an.


 
Artikelverweis Schlachteneinheit, Heereskörper, stark genug, um in der Schlacht selbständig aufzutreten. Während früher die niederste aus allen drei Waffen (Infanterie, Kavallerie und Feldartillerie) zusammengesetzte Einheit, die Infanteriedivision, als S. galt, begreift man jetzt infolge des Anwachsens der Heere darunter das Meyers Armeekorps (s. d.). Über strategische Einheit vgl. Einheit.
 
Artikelverweis 
Schlachtenmalerei, eine Gattung der Geschichts- oder Genremalerei, die Massenkämpfe zur Anschauung zu bringen sucht. Insofern die frühern Schlachten weniger in geregelten Massen, die den malerischen Darstellungen widerstreben, als vielmehr in lauter Einzelkämpfen, wo persönlicher Mut den Ausschlag gab, sich bewegten, eigneten sie sich mehr für die künstlerische Darstellung als die modernen Schlachten, weshalb sich die neuern Schlachtenmaler mehr auf Hervorhebung von Episoden beschränkt haben. Doch ist es einigen von ihnen auch gelungen, Massenangriffe mit großer Lebendigkeit zu schildern (Franz Adam, Bleibtreu). Mannigfaltigkeit gewinnen dergleichen Gemälde namentlich durch das Hinzukommen der Pferde. Aus dem Altertum ist die in Pompeji gefundene Alexanderschlacht in Mosaik erhalten. Als Schlachtenmaler waren auch Euphranor, Nikias und Nealkes berühmt. Das bedeutendste Schlachtenbild der Renaissancezeit ist die wohl auf einen Entwurf Raffaels zurückgehende Konstantinsschlacht, während von Leonardos und Michelangelos Schlachtenkartons nur Vorstudien, Zeichnungen und Stiche nach einzelnen Gruppen auf uns gekommen sind. In heroischem Stile wie diese sind auch Lebruns Alexanderschlachten und Rubens' Amazonenschlacht gehalten. Schlachten in kleinerm Format, Überfälle etc. malten und stachen unter andern: A. Tempesta, E. van de Velde, I. Asselyn, P. Snayers, R. van Hoeck, I. Callot, Ph. Wouwerman, Bourguignon, A. F. van der Meulen, G. Ph. Rugendas, Casanova. In der ersten Hälfte des 19. Jahrh. sind die Deutschen W. v. Kobell, P. Krafft, P. Heß, A. Adam, Steffeck, die Franzosen H. Vernet, Steuben, Pils, Bellangé zu nennen. Die hervorragendsten modernen Schlachtenmaler sind: F. Adam, Bleibtreu, Camphausen, Hünten, Emelé, H. Lang, I. Brandt, O. v. Faber du Faur, Th. Rocholl, C. Röchling, R. Haug in Deutschland, S. L'Allemand in Österreich, Meissonier, de Neuville, Detaille in Frankreich. Eine Abart der modernen S. ist die Panoramadarstellung (s. Panorama).
 
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Schlachtenreiterei, Reiterei, die auf dem Schlachtfeld in großer Zahl angriffsweise auftreten soll. Über die Frage, ob in der Gegenwart bei der so hoch gesteigerten Feuerkraft der Infanterie und Artillerie die Kavallerie noch die Möglichkeit hat, als S. aufzutreten, vgl. Reiterei, S. 773.
 
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Schlachtensee, Villenkolonie bei Meyers Zehlendorf (s. d.), am Südende des Grunewaldes, am Schlachtensee und an der Wannseebahn. S. Karte »Umgebung von Berlin«.
 
Artikelverweis 
Schlächter, s. Meyers Fleischer.
 
Artikelverweis 
Schlächterwerke, s. Meyers Zaun.
 
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Schlachtfeld. Das Gelände, auf dem eine Schlacht stattgefunden hat (s. Meyers Schlacht), ist nach der Schlacht auszuräumen. Aus Gründen der Pietät und mit Rücksicht auf die Verwundeten und die anwesende Bevölkerung sind die Gefallenen möglichst schnell zu bestatten. Es ist aber erst eine Errungenschaft der neuesten Zeit, daß die Heere über genügendes Material und Personal zur Versorgung der Verwundeten verfügen, und die Hygiene der Schlachtfelder ließ daher selbst im Kriege von 1870 noch so viel zu wünschen übrig, daß im Frühjahr 1871 eine gewaltige Tätigkeit entfaltet werden mußte. Dabei handelte es sich nicht nur um die Gräber, sondern fast mehr noch um die Reinigung der Dorfstraßen von Düngerhaufen und Jaucheherden, von faulenden Uniform- und Ausrüstungsgegenständen, die Desinfizierung der Feldschlächtereien, die Zerstörung der an Lagerstellen faulenden Lebensmittel und Strohmassen etc. Gräber sollen durch Militärkommandos, denen Ärzte beigegeben sind, an geeigneten Orten (nicht in Ortschaften, an Straßen, auf Wiesen, an Gewässern) 2 m tief angelegt und die Erdschüttungen mit Rasen (Gras und Klee) besät werden. In der Regel soll jedes Grab nur sechs Leichen aufnehmen. Bei Massengräbern ist.

[Bd. 6, Sp. 818]


für Entwässerung zum Abzug der Fäulnisjauche zu sorgen; Gruben und Löcher in der Nähe der Gräber sind zu vermeiden, weil der Regen Leichenjauche in dieselben preßt. Schon 1814 hat man vor Paris 4000 Pferdekadaver verbrannt, und nach der Einnahme von Tarragona wurden mehrere tausend Leichen auf Scheiterhaufen verbrannt. Auch vor Sedan hat man Versuche zur Verbrennung von Kadavern und Leichen mit Hilfe von Teer gemacht, aber das Ergebnis war wenig befriedigend. Die deutsche Kriegssanitätsordnung (vom 10. Jan. 1878) läßt die Verbrennung von Tierleichen zu, das österreichische Reglement gestattet auch die Verbrennung von Menschenleichen. Von der Nutzlosigkeit der Anwendung der Desinfektionsmittel unter Verhältnissen, wie sie das S. bietet, hat man sich in neuerer Zeit vollkommen überzeugt, man muß alles dem Boden überlassen und nur Sorge tragen, daß überall eine genügend starke Bodenschicht zur Wirkung kommt. Anderseits ist auch betont worden, daß viele Befürchtungen wegen der Erzeugung von Seuchen übertrieben sind. Auch wo Nase und Auge auf das empfindlichste betroffen werden, entstehen noch keine Seuchen, wenn nicht die spezifischen Krankheitserreger zugegen sind, denen freilich die Wege geebnet werden, wenn durch die Verpestung der Luft der Gesundheitszustand der Bevölkerung erschüttert wird. Ist das S. in oben angedeuteter Weise aufgeräumt, was nach der Kriegssanitätsordnung durch Besichtigungen festgestellt werden soll, so ist die weitere Sorge für die Gräber den Anwohnern zu überlassen und diesen Besäen und Bepflanzen der Begräbnisstätten zu empfehlen. Nur wenn in der Nähe von Truppen gesundheitsschädliche Einflüsse der Gräber sich geltend machen, sollen die erforderlichen Arbeiten unter Mitwirkung von Ärzten durch militärische Kommandos ausgeführt werden. Vgl. Kriegssanitätsordnung (Berl. 1907).
 
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Schlachtflotte, in der deutschen Marine seit März 1907 amtlich Hochseeflotte genannt, die zur Verteidigung der deutschen Seeinteressen bestimmten Schiffsverbände; man unterscheidet die Hochseeflotte, unter dem Befehl eines Admirals oder Großadmirals, bestehend aus (1907) einem Flottenflaggschiff (Linienschiff), dem ersten Geschwader mit 7, dem zweiten mit 8 Linienschiffen; ferner als Aufklärungsschiffe 3 große und 6 kleine Kreuzer sowie 2 kleine Kreuzer als Tender; außerdem 4 Torpedobootsdivisionen mit 22 großen Hochseetorpedobooten. Eine Reserveflotte ist in der Bildung begriffen.
 
Artikelverweis 
Schlachtgewicht, s. Meyers Mast, S. 417.

 

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