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Schinderhannes bis Schinnen (Bd. 6, Sp. 807 bis 809)
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Artikelverweis Schinderhannes, s. Meyers Bückler.
 
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Schindler, 1) Anton, Musiker, geb. 1796 zu Medl bei Neustadt in Mähren, gest. 16. Jan. 1864 in Bockenheim bei Frankfurt a. M., bildete sich zum Violinisten aus, war einige Zeit Kapellmeister an der Deutschen Oper in Wien, wo er zehn Jahre lang Hausgenosse Beethovens war, mit dem er in regem Verkehr stand, wurde 1831 Domkapellmeister in Münster, 1835 in Aachen und kehrte 1842 nach Münster zurück. Er schrieb: »Biographie von Ludwig van Beethoven« (Münst. 1840, 3. Aufl. 1860; engl., Lond. 1841; franz., Par. 1864) und »Beethoven in Paris« (Münst. 1842). Die früher vielfach angezweifelte Glaubwürdigkeit Schindlers ist in neuester Zeit durch die gründlichen Forschungen Thayers wesentlich befestigt worden.
   2) Julius Alexander, unter dem Pseudonym Julius von der Traun bekannter Schriftsteller, geb. 26. Sept. 1818 in Wien, gest. daselbst 16. Mai 1885, widmete sich dem Rechtsstudium, wurde 1845 Justitiar des fürstlich Lambergschen Herrschaftsamts in Steyr und schrieb: »Beiträge zum Verständnis der ständischen Bewegung in Österreich« (Leipz. 1848). Nach dessen Aufhebung trat er als Staatsanwaltssubstitut in kaiserliche Dienste (1850), wurde jedoch wegen früherer Veröffentlichungen 1854 entlassen und bekleidete darauf eine Stelle bei der Verwaltung des Grafen Henckel von Donnersmark, später bei der Staatsbahngesellschaft, bis er 1861 bei der neuen politischen Wendung der Dinge in den niederösterreichischen Landtag und später auch als Vertreter Wiens in den Reichsrat gelangte. 1862 erhielt er ein Notariat in Wien, das er viele Jahre versah. Als Parlamentsredner machte er sich besonders durch eine schlagfertige Satire gegen die Ultramontanen bemerkbar. Bei den Wahlen von 1870 unterlag er und lebte seitdem seiner literarischen Beschäftigung teils auf seiner Besitzung in Leopoldskron bei Salzburg, teils in Wien. Von seinen Schriften sind zu nennen: »Oberösterreich. Ein Skizzenbuch« (Leipz. 1848); »Südfrüchte«, Novellen (das. 1848, 2 Bde.), und das Trauerspiel »Eines Bürgers Recht« (Steyr 1849); »Die Rosenegger Romanzen« (Wien 1852 [3. Aufl. 1889]; später erschienen als »Gedichte«, das. 1871, 2 Bde.; 3. Aufl., Stuttg. 1876); »Die Geschichte vom Scharfrichter Rosenfeld«, Novelle (Wien 1852); »Unter den Zelten«, Soldatenlieder (das. 1853); »Die Gründung von Kloster Neuburg«, Gedicht (Leipz. 1854); »Theophrastus Paracelsus«, Volksdrama (Berl. 1858); »Carte blanche«, politische Sinngedichte (Leipz. 1862); »Salomon, König von Ungarn«, Epos (Wien 1873; 2. Aufl., Stuttg. 1876); »Toledaner Klingen«, Gedicht (Wien 1876); »Die Äbtissin von Buchau«, Erzählung (Berl. 1877; Wien 1889); »Der Schelm von Bergen«, Erzählung (Wien 1879, 5. Aufl. 1893); »Goldschmiedkinder«, Roman (das. 1880); »Exkursionen eines Österreichers 1840 bis 1879« (Leipz. 1881, 2 Bde.); »Der Liebe Müh' umsonst«, drei Novellen (Teschen 1884) und der nachgelassene Roman »Oberst Lumpus« (Wien 1888). Seine spätern Schriften verbinden mit schöner, gewandter Form auch eine polemisch-liberale Tendenz.
   3) Jakob Emil, Maler, geb. 27. April 1842 in Wien, gest. 9. Aug. 1892 während eines Badeaufenthalts auf Westerland-Sylt, trat in Wien in das Atelier von Albert Zimmermann, dem er sich jedoch nur hinsichtlich der Technik anschloß, und bildete sich dann weiter nach niederländischen Meistern, wie Hobbema und Ruisdael. Seine poetische Veranlagung, die ihn frühzeitig und ganz unabhängig von den gleichstrebenden Franzosen auf die Stimmungslandschaft führte, offenbarte sich zuerst 1864 in einem Zyklus von Illustrationen zu dem v. Zedlitzschen Idyll »Das Waldfräulein«. In seinen spätern Bildern ist dagegen der Einfluß von Rousseau, Daubigny etc. unverkennbar. Seine Motive wählte er zunächst mit besonderer Vorliebe aus dem Prater, später aus Mähren, Ungarn und Holland, wobei es ihm vorzüglich auf die Verbindung von Busch, Wiese und Wasser ankam, weil er die Kraft seiner poetischen Stimmung in diesen drei Erscheinungsformen am besten zum Ausdruck bringen konnte. Seine Hauptbilder sind neben

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mehreren Praterpartien: der Mondaufgang an der March, Herbstlandschaft an der Fischa, zwei Partien von Lacroma, Partie aus Zütphen in Holland, Partie aus Haslau an der Donau, eine Reihe von sein gestimmten Landschaften aus Weißenkirchen an der Donau, Goisern bei Ischl und Schloß Plankenberg bei Neubergbach. Sechs Bilder von ihm besitzt die Moderne Galerie in Wien, zwei das Hofmuseum, darunter die auf einen großen, historischen Stil gestimmte Landschaft: Pax (Klosterkirchhof im Felsental nach einem Motiv aus Ragusa). 1895 wurde ihm im Stadtpark zu Wien ein Denkmal (von E. Hellmer) errichtet (s. Tafel Meyers »Wiener Denkmäler I«, Fig. 6). Vgl. Fischel, Jakob Emil S. (Wien 1893).
 
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Schinghit (Schingeti), Stadt in der Oase Adrar (westliche Sahara), wichtiger Handelsplatz am Kreuzungspunkt von Karawanen, mit Ausfuhr von Salz nach dem Sudân und Senegambien; 3000 mohammedanische, etwas seßhaftere Berber.
 
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Schingking, Provinz der Mandschurei, s. Meyers Schöngking.
 
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Schingu, Nebenfluß des Amazonas, s. Meyers Xingu.
 
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Schinkel, Dorf im preuß. Regbez. und Landkreis Osnabrück, hat eine Fabrik für Herstellung von Eisenkonstruktionen, ein Hartstein- und ein Kalkwerk und (1905) 5796 Einw. In der Nähe die Teufelsheide mit Hünengräbern.
 
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Schinkel, Karl Friedrich, Architekt und Maler, geb. 13. März 1781 in Neuruppin, gest. 9. Okt. 1811 in Berlin, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und in Berlin und widmete sich sodann unter Gilly, Vater und Sohn, dem Studium der Architektur. Als Friedrich Gilly 1800 starb, ward S. mit Fortführung der von diesem begonnenen architektonischen Arbeiten beauftragt; doch setzte er daneben auch das theoretische Studium der Bauwissenschaft auf der Bauakademie fort. Nach einer Reise nach Italien (180305), wo er in Sizilien auch zu landschaftlichen Studien veranlaßt wurde, sah er sich wegen der Zeitverhältnisse veranlaßt, sich der Landschaftsmalerei zu widmen. 1810 ward er Assessor in der neuerrichteten Baudeputation, 1811 Mitglied der königlichen Akademie in Berlin und 1820 Professor und Mitglied des akademischen Senats. Im Mai 1815 in die Stelle eines Geheimen Oberbaurats ausgerückt, wurde er 1819 Mitglied der technischen Deputation im Ministerium für Handel, Gewerbe und Bauwesen und 1839 Oberlandesbaudirektor; doch ward er bald darauf von einer Geisteskrankheit befallen, die ihm den Tod brachte. Der König ließ sein marmornes Standbild in der Vorhalle des von ihm erbauten Museums aufstellen. In Berlin wurde nun auch ein Denkmal vor der Bauakademie von Drake, in seiner Vaterstadt ein Denkmal von Wiese errichtet. Schinkels künstlerische Richtung war eine klassische, und zwar nahm er sich insbes. die griechischen Werke aus dem Zeitalter des Perikles zum Muster. Doch finden sich unter seinen Entwürfen nur wenige, in denen der griechische Baustil ohne Modifikationen angewandt ist, so die Seitengebäude des Potsdamer Tores in Berlin, dorische Prostyle von höchster Reinheit, während schon bei der Neuen Wache (181718), dann beim Alten Museum (182229) und vor allem beim Schauspielhaus (181821) in Berlin die griechischen Bauformen in eigentümlich freier Weise behandelt sind. Diesen Hauptwerken reihen sich an: der Umbau des alten Johanniterordenspalais in Berlin zu einem Palais für den Prinzen Karl, die Anlagen der alten Packhofsgebäude in Berlin, die Sternwarte, dann das Kasinogebäude in Potsdam, das Schloß Krzeskowice für den Grafen Potocki, das Schlößchen zu Glienicke bei Potsdam, d. is Gesellschaftshaus im Friedrich-Wilhelmsgarten bei Magdeburg, das Schlößchen Tegel und Charlottenhof bei Potsdam. Einige seiner Entwürfe zeigen Verwandtschaft mit dem Baustil der toskanischen Paläste des 15. Jahrh., so das 1906 abgerissene Palais des Grafen Redern in Berlin. Unmittelbar dem Bedürfnis angepaßt und doch im einzelnen ganz dem Ebenmaß der griechischen Architektur entsprechend, ist das in Backsteinrohbau ausgeführte Gebäude der frühern Bauakademie in Berlin (183235). Die Formen der englischen Gotik zeigt Schloß Babelsberg. Unter den Kirchenbauten Schinkels sind die in einem klassisch-modifizierten gotischen Stil erbaute Werdersche Kirche (1829), die Kirche in Moabit und die von Persius vollendete Nikolaikirche in Potsdam die bedeutendsten. Für die Mehrzahl seiner Kirchenpläne hat er die alten Basiliken zum Muster genommen, die meisten seiner Entwürfe sind aber nicht zur Ausführung gekommen. Dasselbe Schicksal hatte sein Plan zur Umwandlung der Akropolis von Athen zu einem griechischen Königspalast, ebenso wie der klassische Entwurf zur Villa Orianda in der Krim. Am konsequentesten tritt Schinkels klassische Richtung in seinen Entwürfen für rein monumentale Zwecke hervor. Eine hervorragende Stelle unter ihnen nehmen die für das (später von Rauch ausgeführte) Denkmal Friedrichs d. Gr. für Berlin ein. Andre beziehen sich auf die Ereignisse der Befreiungskriege, so das in Eisen gegossene Denkmal auf dem Kreuzberg und das Grabdenkmal Scharnhorsts auf dem Invalidenkirchhof in Berlin. Als Maler hat er nicht nur eine Reihe von Staffeleibildern, von denen die Blüte Griechenlands das berühmteste ist, sondern auch Panoramen (Rundbild von Palermo, die sieben Wunder der Welt), Dio ramen, zahlreiche Theaterdekorationen (zur »Zauberflöte« etc.) und die phantasievollen, die Urgeschichte der Menschheit schildernden Entwürfe zu den in der Vorhalle des Berliner Museums ausgeführten Wandmalereien geschaffen. Auch bei seinen landschaftlichen Darstellungen liebte er es, großartige Baulichkeiten mm Hauptgegenstand zu machen. Endlich war er von entscheidendem Einfluß auf die Kunstindustrie. Für die Arbeiten des Malers und des Stuckators, für die Ausführung gewirkter Teppiche sowie von Mobilien und Gerätschaften der mannigfachsten Art hat er eine große Anzahl höchst reizvoller klassischer Muster geliefert. Er ist der Begründer der neuklassischen Richtung der Architektur, die in Berlin durch seine Schüler in ausschließlicher Geltung blieb, bis zu Ende der 1860er Jahre die Herrsch. ist der Renaissance begann. Die kargen Mittel seiner Zeit haben ihn nicht zur vollen Entfaltung seiner Phantasie gelangen lassen; doch hat sich sein Gefühl für edle Harmonie und monumentale Wirkung auch bei ärmlichen Darstellungsmitteln zu voller Blüte entwickelt. Am 13. März jedes Jahres feiert der Berliner Architektenverein ein »Schinkelfest«. Schit Cels künstlerischer Nachlaß wird im Beuth-Schinkelmuseum der Technischen Hochschule in Charlottenburg aufbewahrt. Seine Entwürfe und Schriften sind in folgenden Sammlungen veröffentlicht: »Sammlung architektonischer Entwürfe« (Berl. 182037,28 Hefte; neue vollständige Ausg. 18571858, 174 Tafeln mit Text; Auswahl in 60 Tafeln); »Werke der höhern Baukunst«: Akropolis in Athen, 10 Tafeln, und Palast Orianda in der Krim, 15 Tafeln (Potsd. 184649; neue Ausg., Berl. 1873); »Grundlagen der praktischen Baukunst« (das. 1834, 2. Aufl.

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1835, 2 Bde.). Schinkels »Sammlung von Möbelentwürfen« wurde herausgegeben von Lohde (Berl. 183537,16 Tafeln; neue Ausg. 1852). Vgl. »Aus Schinkels Nachlaß« (hrsg. von Wolzogen, Berl. 1862 bis 1864, 4 Bde.), die Charakteristiken Schinkels von Kugler (das. 1842), Bötticher (das. 1857), Quast (Neuruppin 1866), Waagen (in den »Kleinen Schriften«, Stuttg. 1875), Dohme (in »Kunst und Künstler des 19. Jahrh.«, Leipz. 1882); Ziller, Schinkel (Bielef. 1897); Tuckermann, Schinkels literarische Tätigkeit (Berl. 1879); Krätschel, S. in seinem Verhältnis zur gotischen Baukunst (das. 1892).
 
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Schinken, die gepökelten und dann geräucherten Keulen u. Schultern (Vorderschinken) der Schweine. Die besten deutschen S. liefern Westfalen, Braunschweig, Mainz (in Frankreich allgemeine Bezeichnung für deutschen S.: jambon de Mayence), Thüringen, Holstein, Ostfriesland, Mecklenburg und Pommern. In Frankreich sind berühmt die S. von Bayonne, Mezin, Longwy; in Österreich die Prager S.; in England die S. von Smithfield, Westmoreland und Irland; in Italien die Bologneser und Florentiner. Mit Lachsschinken bezeichnet man das wenig gepökelte und leichtgeräucherte Rückenfleisch. Schinkenwurst ist zusammengerolltes, in Därme gestopftes, leichtgepökeltes und geräuchertes Kammfleisch.
 
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Schinkenmilz, s. Meyers Milzkrankheiten.
 
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Schinkenmuschel (Perna Brug.), Gattung der Vogelmuscheln (Aviculidae), Muscheln mit fast gleichklappigen, zusammengedrückten, unregelmäßig rundlichen oder vierseitigen, außen blätterigen Schalen und breitem. geradlinigem Schloßrand. Die 18 lebenden Arten finden sich in den wärmern Meeren, 30 fossile Arten von der Trias an. Die Husarentasche (P. ephippium Stol.), etwa 12 cm hoch, mit scharfrandiger, weißer bis violetter Schale, lebt im Indischen Ozean. P. obliqua Lam., 8 cm hoch, an der Westküste von Südamerika, wird gegessen.
 
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Schinnen (Pityriasis furfuracea capillitii), lose Schüppchen auf der Kopfhaut, aus dem eingetrockneten Talg der Talgdrüsen der Kopfhaut bestehend (s. Meyers Haarkrankheiten). Auch soviel wie Meyers Kleienflechte (s. d.).

 

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