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Schimose bis Schindellegi (Bd. 6, Sp. 805 bis 807)
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Artikelverweis Schimose, das von den Japanern angewandte Sprengmittel für Geschosse, im wesentlichen eine Pikrinsäureverbindung.
 
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Schimp., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für W. Ph. Schimper (s. d. 3).
 
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Schimpanse (Chimpanze, Simia troglodytes Blumenb., Troglodytes niger Geoffr., s. Tafel Meyers »Affen I«, Fig. 2), anthropomorpher Affe, 1,31,7 m hoch, mit verhältnismäßig großem, rundem, glattem Kopf, ziemlich breitem, flachem Gesicht, wenig vorgezogener, breiter Schnauze, schmalen, weit vorstreckbaren Lippen, kleiner, flacher Nase, deutlich vorstehenden Augenbrauenbogen, kahlen Ohren, bis fast auf den Knöchel herabreichendem Arm und mittelgroßer, schmaler Hand mit sehr beweglicher Daumenzehe. Der Rumpf ist kürzer als beim Gorilla. Das schwarze Haar ist ziemlich dicht, am Hinterkopf, an Wangen, Schultern, am Rücken und an den Gliedmaßen verlängert. Sein Kinn ist dünn weiß behaart, das Gesicht nackt, graugelb, zwischen den Augen dunkler, Hände und Füße sind braun, die Weichengegend ist nur sehr dünn

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behaart. Der S. findet sich in Afrika zwischen 10 und 12° nördl. und südl. Br. und verbreitet sich weit in das Innere hinein; er lebt in Wäldern in Paaren oder Familien und baut für seine Jungen große Nester auf Bäumen. Er kann nicht ganz gerade stehen und fällt bei schneller Bewegung sofort auf alle viere, wobei der Leib auf den Knöcheln ruht. Er klettert und springt sehr gewandt, nährt sich von Früchten, Blattschößlingen, Wurzeln, frißt aber auch Insekten, Vögel, Eier, Ratten etc. Sind ihrer mehrere beisammen, so machen sie morgens und abends, auch in der Nacht, einen wüsten Lärm. Er greift den Menschen, wie es scheint, nicht an, weiß sich aber kräftig zu wehren. Die Schimpansen halten sich nur selten einige Jahre in der Gefangenschaft und sterben gewöhnlich an Lungenschwindsucht. Daß der S. den Alten bekannt gewesen sei, will man aus der Darstellung auf dem Mosaikbild aus dem Tempel der Fortuna in Präneste schließen. In der neuern Zeit wird er von vielen Schriftstellern erwähnt, und seit der ersten Hälfte des 17. Jahrh. kam er lebend nach Europa. Tulp gab 1641 die erste Beschreibung eines solchen und Tyson 1699 die erste anatomische Zergliederung. Sie erweisen sich der Erziehung sehr zugänglich, besonders jüngere Tiere lernen allerlei Verrichtungen, zeigen sich sanft, klug und liebenswürdig, dabei wißbegierig, aber auch listig und eigenwillig, stets rege und tätig, meist heiter, neckisch, zu allerlei Streichen und Unternehmungen bereit. In Westafrika wird der S. von den Eingebornen gegessen, obgleich sie ihn für ein verstoßenes und herabgekommenes Mitglied ihres eignen Stammes halten. Nach Färbung und Verschiedenheiten des Schädels hat man mehrere Arten oder Abarten unterschieden, deren Stellung aber noch keineswegs sicher ermittelt ist. Hierher gehört der Tschego (Troglodytes Tschego Duc.), der vielleicht die Größe des Gorillas erreicht. Der verhältnismäßig kleine Kopf mit starken Augenbrauenwülsten und großen, abstehenden Ohren ruht auf kurzem Hals zwischen sehr breiten Schultern, die Dimensionen des Rumpfes und der Extremitäten weichen eigentümlich ab, die Hände sind schlank und schmal. Das Haar ist schwarz. Ein Tschego kam von der Loangoküste 1874 nach Dresden, zeigte in seinem Wesen viel Ähnlichkeit mit dem Schimpansen, wuchs aber viel schneller als dieser. Vgl. Sperino, Anatomia del Cimpanzè (Turin 1898).
 
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Schimper, 1) Karl Friedrich, Botaniker, geb. 15. Febr. 1803 in Mannheim, gest. 21. Dez. 1867 in Schwetzingen, studierte Theologie in Heidelberg, unternahm 1824 eine botanische Reise nach Südfrankreich, studierte dann seit 1826 in Heidelberg Medizin und ging mit A. Braun und Agassiz nach München. Dort blieb er bis 1842, zeitweise als akademischer Dozent tätig, zeitweise auf wissenschaftlichen Reisen in den Alpen, Pyrenäen und der Rheinpfalz. Später lebte er abwechselnd in Mannheim und Heidelberg, seit 1849 als Pensionär des Großherzogs von Baden in Schwetzingen. S. begründete schon vor 1830 die Blattstellungstheorie und gilt als einer der Schöpfer der neuen botanischen Morphologie. Auch machte er Forschungen über die frühere Ausdehnung der Gletscher und die Periode der Eiszeit. Er schrieb: »Beschreibung des Symphytum Zeyheri und seiner zwei deutschen Verwandten« (Heidelb. 1835) und gab auch »Gedichte« (Erlang. 1840 u. Mannh. 1846) heraus. Vgl. O. Volger, Leben und Leistungen des Naturforschers Karl S. (3. Aufl., Frankf. a. M. 1889).
   2) Wilhelm, Reisender und Naturforscher, Bruder des vorigen, geb. 19. Aug. 1804 in Mannheim, gest. im Oktober 1878 in Adua (Abessinien), wurde Kunstdrechsler, studierte dann in München Naturwissenschaften und unternahm 1831 die botanische Erforschung von Algerien, 183436 von Ägypten und Arabien und 1837 von Abessinien, wo er sich mit einer Eingebornen verheiratete und von dem Fürsten von Tigré mit einer Statthalterschaft betraut wurde. Durch Kaiser Theodoros 1855 abgesetzt und an seinem Hofe festgehalten, kehrte er nach seiner Befreiung durch die Engländer 1868 nach Tigré zurück. Er veröffentlichte: »Reise nach Algier« (Stuttg. 1834).
   3) Wilhelm Philipp, Botaniker, geb. 12. Jan. 1808 in Dosenheim bei Elsaß-Zabern, Vetter der vorigen, gest. 20. März 1880 in Straßburg, studierte daselbst Theologie, ward 1835 Assistent am naturhistorischen Museum in Straßburg, 1838 Konservator, 1839 Direktor der Anstalt und lehrte auch als Professor der Geologie und Mineralogie an der Universität. Er schrieb: »Bryologia europaea« (mit Bruch und Gümbel, Stuttg. 183655, 6 Bde. mit 640 Tafeln), dazu ein Supplement: »Musci europaei novi« (das. 186466, mit 40 Tafeln); »Monographie des plantes fossiles du grès bigarré de la chaîne des Vosges« (mit Mougeot, Straßb. 1841; auch Leipz. 1844); »Stirpes normales bryologiae europaeae« (Straßb. 184454); »Recherches anatomiques et morphologiques sur les mousses« (das. 1849); »Icones morphologicae« (Stuttg. 1860); »Mémoire pour servir à l'histoire naturelle des Sphagnum« (Par. 1854; deutsch als »Versuch einer Entwickelungsgeschichte der Torfmoose«, Stuttg. 1858); »Palaeontologica alsatica« (Straßb. 1854 f.); »Synopsis muscorum europaeorum« (Stuttg. 1860, 2. Aufl. 1876); »Le terrain de transition des Vosges« (Straßb. 1862, mit Köchlin); »Traité de paléontologie végétale« (Par. 186974, 3 Bde.). Vgl. Grad, Guil. Phil. S. (Kolmar 1882).
   4) Wilhelm, Botaniker, Sohn des vorigen, geb. 12. Mai 1856, gest. 9. Sept. 1901, studierte 18741878 in Straßburg, wurde 1879 Assistent am städtischen Naturhistorischen Museum daselbst, 1880 Direktor der Anstalt, gab aber diese Stellung bald wieder auf und ging 1880 nach Baltimore, 1881 nach Florida und Westindien, kehrte 1882 nach Bonn zurück, ging aber alsbald wieder mit Johow nach Westindien, habilitierte sich 1883 in Bonn und wurde 1886 außerordentlicher Professor. In demselben Jahr ging er (mit Schenk) nach Brasilien, 1889 nach Ceylon und Java. 1898 wurde er ordentlicher Professor in Basel und schloß sich der Valdivia-Expedition an. Er arbeitete über Proteinkristalle der Pflanzen, über Entstehung und Wachstum der Stärkekörner, über Entwickelung und Gestalten der Chlorophyllkörner und Farbkörper, über Bildung und Wanderung der Kohlehydrate und über Kalkoxalatbildung in den Laubblättern, über die Assimilation der Mineralsalze, über Schutzmittel des Laubes gegen Transpiration etc. Er schrieb: »Taschenbuch der medizinischpharmazeutischen Botanik und pflanzlichen Drogenkunde« (Straßb. 1886); »Anleitung zur mikroskopischen Untersuchung der Nahrungs- und Genußmittel« (Jena 1886, 2. Aufl. 1900); »Syllabus der Vorlesungen über pflanzliche Pharmakognosie etc.« (Straßb. 1887, 3. Aufl. als »Repetitorium der pflanzlichen Pharmakognosie«, 1901); »Die epiphytische Vegetation Amerikas« (Jena 1888); »Die Wechselbeziehungen zwischen Pflanzen und Ameisen im tropischen Amerika« (das. 1888); »Die indomalaiische Strandflora« (das. 1891), letztere drei Arbeiten in den von ihm 188895 herausgegebenen

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»Botanischen Mitteilungen aus den Tropen«; »Pflanzengeographie auf physiologischer Grundlage« (das. 1898). Auch gab er mit Strasburger, Noll und Schenk ein »Lehrbuch der Botanik« heraus (Jena 1894, 7. Aufl. 1905) und bearbeitete für Zittels »Handbuch der Paläontologie« die Paläophytologie.
 
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Schimpf, s. Meyers Schande.
 
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Schimpff und Ernst, Sammlung von Erzählungen und Schwänken von Johannes Meyers Pauli (s. d. 1).
 
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Schimpfrennen, im Mittelalter Turnier mit stumpfen Lanzen (Schimpf bedeutete früher soviel wie Kurzweil).
 
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Schinagawa, südlicher Vorort von Tokio mit 20,000 Einw.
 
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Schinassi-Efendi, Ibrahim, der Begründer der jungtürkischen Bewegung (s. Meyers Jungtürken), geb. 1826 in Konstantinopel, gest. 13. Sept. 1871 in Paris, verlor 1828 den Vater durch die Kämpfe bei Schumen (Schumla), wurde in Konstantinopel erzogen und erlernte orientalische Sprachen und Französisch. Zur weitern Ausbildung von Fetih Pascha nach Paris geschickt, studierte S. Staats- und Finanzwissenschaften, Mathematik und Literatur. In der Heimat im Finanzministerium angestellt und zum Mitgliede der Akademie erwählt, arbeitete S. unermüdlich daran, die türkische Sprache zu reinigen. An die Stelle des bureaukratischen Stils setzte er eine allgemein verständliche Schreibweise; das bombastische Phrasenwesen, das, aus der arabischen und persischen Poesie in die türkische übergegangen, namentlich die Lyrik überwuchert hatte, merzte er aus. Seine scharfen und knappen kritischen Schriften wirkten vorbildlich, und die neue reinottomanische Literatursprache fand auch in weitern Kreisen Anerkennung. Auch auf politischem Gebiete trat er reformierend auf. Nachdem die Begründung seiner Zeitschriften »Terdsschüman-iahwal« (1859) und »Tasswir Elkhiar« (1861) seiner staatlichen Stellung Schwierigkeiten bereitet hatte, siedelte er 1864 zum zweitenmal nach Paris über; eine von Abd ul Asis veranlaßte Rückberufung (1867 als Vali von Smyrna) war nur von kurzer Dauer. 1869 verfiel S. in eine Gehirnkrankheit. Seine Hauptschüler sind Kemâl Bey und Zia Meyers Pascha (s. d.).
 
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Schindanger, soviel wie Abdeckerei.
 
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Schindellegi, einer der begangensten schweizer. Voralpenpässe (832 m), führt vom Zürichsee nach dem Schwyzer Sihltal. Von Richterswil steigt die Straße über Wollerau zur S. hinan, dann hinunter zum Sihlplateau (757 m) und auf diesem nach dem Wallfahrtsort Einsiedeln (909 m). Seit Eröffnung der Eisenbahn Wädenswil-Einsiedeln (1877) verläßt der Pilgerstrom schon in Wädenswil das Dampfboot oder die linksuferige Seebahn und erreicht über S. (Dorf mit 738 kath. Einwohnern, 767 m ü. M.) rascher und bequemer sein Ziel.

 

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