Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Schiltberger bis Schimmel (Bd. 6, Sp. 804 bis 805)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Schiltberger, Hans, aus München, kam 1395 als Kriegsgefangener nach Persien und Turkistan und ward nach seiner Rückkehr Kämmerer des Herzogs Albrecht von Bayern. Die Beschreibung seiner Reisen und Abenteuer, 13941527, (Ulm 1473; neue Ausg. von Neumann, Münch. 1859; von Langmantel, Stuttg. 1885, Literarischer Verein) war im 15. und 16. Jahrh. ein sehr beliebtes Buch.
 
Artikelverweis 
Schiltigheim (Schilken), Dorf und Kantonshauptort im deutschen Bezirk Unterelsaß, Landkreis Straßburg, an der Ill und einer Verbindung derselben mit dem Rhein-Marnekanal, Knotenpunkt der Eisenbahn Straßburg-S. und der Schiltigheimer Industriebahn, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Amtsgericht, eine Gänsebörse, Fabrikation von Schaumwein, Konserven, Wachsleinwand, Ornamenten, Kalksandstein, Maschinen, Seife, Posamenten, Bürsten, Papierwaren, Dachpappe, Möbeln, Zigarren, Schuhwaren, Parkettböden, Bierbrauerei, Küferei und Mälzerei, Ziegel- und Gipsbrennerei, Gänsemästerei, Holz- und Weinhandel und (1905) 14,310 meist evang. Einwohner. S. kam 1501 an Straßburg und hängt mit den großen Dörfern Meyers Bischheim (s. d.) und Meyers Hönheim (s. d.) zusammen.
 
Artikelverweis 
Schilwa (Kilwa), See, s. Meyers Schirwa.
 
Artikelverweis 
Schilzburg, Schloß, s. Meyers Hayingen 1).
 
Artikelverweis 
Schimabara, Stadt an der Westküste der japan. Insel Kiushiu, am Golf von S., auf der Ostküste einer durch einen schmalen Isthmus mit dem Hauptland verbundenen Halbinsel, halbwegs zwischen Nagasaki und Kumamotu, mit 20,000 Einw. S. ist bekannt durch den letzten Kampf der japanischen Christen im 17. Jahrh. Etwas südwestlich erhebt sich der tätige Vulkan Unzentake (1483 m)
 
Artikelverweis 
Schimäre (franz. chimère), Hirngespinst, Phantasiegebilde, Idee, deren Verwirklichung unmöglich ist, nach der mythischen Chimära (s. d.) gebildet. Daher schimärisch, abenteuerlich, unausführbar; schimärisieren, Luftschlösser bauen.
 
Artikelverweis 
Schimitz, Industrieort bei Meyers Brünn (s. d., S. 500).
 
Artikelverweis 
Schimla, Gesundheitsstation im Himalaja, s. Meyers Simla.
 
Artikelverweis 
Schimmel, gewöhnliche Bezeichnung einer Anzahl Pilze (Schimmelpilze, Hyphomyzeten), die als faseriger, flockiger oder staubiger, weißer, grauer, bläulichgrüner, gelblicher, rötlicher, bräunlicher oder schwärzlicher Überzug auf abgestorbenen, tierischen oder pflanzlichen Körpern oder organischen Stoffen der verschiedensten Art sich bilden und den Beginn einer Fäulnis der betreffenden Substanzen anzeigen. Die Schimmelpilze gehören sehr verschiedenen Gattungen, Familien und selbst Ordnungen an; sie werden vorzugsweise nach ihren Fruktifikationsorganen unterschieden; auch findet man auf gewissen Substraten fast immer nur bestimmte Arten, während andre auf allen möglichen Körpern sich ansiedeln. Nur die Mukorazeen und ähnliche Zygomyzeten stellen in der Form des Schimmels den vollständigen Pilz dar; alle übrigen Schimmelpilze sind nur die Entwickelungszustände andrer Pilze, besonders aus der Klasse der Askomyzeten. Zumal sind es die mit sogen. Konidien ausgestatteten Formzustände, die als S. aufzutreten pflegen, und nur unter gewissen Umständen entstehen erst nach der Konidienbildung auf den Mycelien die höhern Fruchtformen, die übrigens noch nicht von allen Schimmelpilzen vollkommen bekannt sind. Zu den verbreitetsten Schimmelarten gehört der Kopfschimmel (Mucor Mucedo, s. Tafel Meyers »Pilze III«, Fig. 1), dessen Sporen auf geeigneter Unterlage zunächst ein flach ausgebreitetes, stark verästeltes Fadengeflecht (Mycelium, Fig. 1 B bei m) hervorbringen; dessen an der Spitze weiterwachsende Fäden breiten sich horizontal nach allen Seiten aus und erzeugen alsbald zahlreiche vertikal von der Oberfläche sich erhebende Fruchthyphen (Fig. 1 B bei g), die bei schwacher Vergrößerung wie ein kleiner Wald erscheinen. An der Spitze der Fruchthyphen entstehen in kugeligen Behältern (Sporangien, Fig. 1 A) zahlreiche rundliche Sporen, die zuletzt frei werden und in dieser Periode die staubige Beschaffenheit des Schimmels bedingen; sie vermögen durch Keimung auf geeignetem Nährboden sofort neue Mycelien zu bilden und stellen also die leichtbeweglichen, als mikroskopisch seiner Staub durch die Luft verbreiteten Keime des Schimmels dar. Von andern Schimmelpilzen wachsen der dem vorigen ähnliche Mucor stolonifer (s. Mucor): der graugrüne Pinselschimmel (Penicillium glaucum, s. Tafel Meyers »Pilze IV«, Fig. 2), auf allen möglichen organischen Substanzen; letzterer stellt die Konidienform einer Perisporiazee dar, der Kolbenschimmel (Aspergillus s. d.) wächst auf eingemachten Früchten und andern faulenden Pflanzenteilen, der Milch-Eischimmel (Oidium lactis), besonders auf verdorbener Milch, auch auf andern Nahrungsstoffen (s. Meyers Oïdium). Häufig begegnet man auch dem Cephalothecium roseum, das auf faulenden Pflanzenteilen weißen oder blaßroten S. darstellt, desgleichen dem Acrostalagmus cinnabarinus, der einen ziegelroten S. an faulenden Vegetabilien bildet. Zu den Schimmelpilzen wird ferner eine Reihe von Pilzen gestellt, die wahrscheinlich zu den Pyrenomyzeten gehören, wie Cercospora beticola, die eine verderbliche Blattkrankheit auf Zuckerrüben hervorruft, Dactylium oogenum, das im Innern von Hühnereiern auf dem Dotter schwarze Flecke erzeugt, u. a. Schimmelpilze wirken manchmal als Krankheitserreger, indem sie sich namentlich in den obern Luftwegen (Nase und deren Nebenhöhlen, Luftröhre), in den Gehörgängen und am Trommelfell, auch im Magen und Darm und in Zerfallshöhlen der Lunge (Pneumonomykose) ansiedeln. Sie erzeugen hier durch starke Wucherung oft umfangreiche Pilzrasen und durch den auf die Umgebung ausgeübten Reiz Entzündung und Eiterung. Seltener dringen sie in die Gewebe selbst

[Bd. 6, Sp. 805]


unter Eiterentwickelung ein. Am häufigsten handelt es sich dabei um Aspergillurarten. Vgl. Sticker, Pneumonomykosis aspergillina (in Nothnagels »Pathologie und Therapie«, Wien 1900). Auch Haut-, Haar- und Nagelerkrankungen werden durch S. hervorgebracht. Über Erkrankungen von Tieren durch Schimmelpilze s. Meyers Gift (Vergiftungen bei Haustieren). Als S. bezeichnet man endlich auch gewisse üppig entwickelte, aber steril vorkommende Myceliumformen, die sich an dumpfen, der Luft und dem Licht entzogenen Orten entwickeln, wie das Kellertuch (Rhacodium cellare), das in Kellern an alten Fässern und sonstigem Holzwerk oft mehrere Fuß ausgebreitete, dicke, samtartig weiche, schwarze, grün schillernde, aus verfilzten Myceliumfäden gebildete Überzüge darstellt, oder wie die Wetterzotte (Schwindfaser, Hypha floccosa), die sich wie baumwollartige, an der Luft zusammenfallende schneeweiße Fäden in Bergwerken zeigt. Diese Bildungen sind den Rhizomorphen (s. Rhizomórpha) ähnlich und stellen wie diese sterile Mycelzustände vermutlich von Hymenomyzeten dar.
 
Artikelverweis 
Schimmel, ein Pferd mit weißer Haarfarbe.
 
Artikelverweis 
Schimmel, Hendrik Jan, niederländ. Dichter und Schriftsteller, geb. 30. Juni 1824 in's Graveland, war erst in Handelsgeschäften tätig, später Direktor des Niederländischen Kreditvereins und lebt jetzt im Ruhestand zu Bussum. Er trat zuerst als Bühnendichter auf; sein erstes Drama war »Twee Tudors« (1847), dem 1847 »Joan Woutersz«, 1848 »Goudebald«, 1849 »Giovanni di Procida«, 1851 »Napoleon Buonaparte, eerste konsul«, 1868 »Struensee«, 1878 »Juffrouw Bos« folgten. Alle diese Dramen wurden mit Beifall aufgenommen und erschienen gesammelt mit andern u. d. T.: »Dramatische poezij« (1885, 3 Bde.). Ferner gab S. »Verspreide gedichten« (1852, 2. Aufl. 1874) heraus. 1855 erschienen von ihm »Sprokenen Vertellingen«; dann folgte eine Reihe meist historischer Romane: »Een Haagsche Joffer« (1856), »Mary Hollis« (1860), »Mylady Carlisle« (1864), »Sinjeur Semeyns« (1873), »Verzoend« (1882), »De Kaptein van de Lijfgarde« (1888). Janten Brink schrieb seine Biographie.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: