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Schilling-Canstadt bis Schiltigheim (Bd. 6, Sp. 803 bis 804)
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Artikelverweis Schilling-Canstadt, Paul von, einer der Erfinder des elektrischen Telegraphen, geb. 24. April 1786 in Reval, gest. 5. Aug. 1837 in St. Petersburg, arbeitete 180312 als Attaché bei der russischen Gesandtschaft in München, nahm 181214 als Rittmeister an den Feldzügen teil und lebte zuletzt in St. Petersburg. Er machte 1809 auf die Rückleitung des elektrischen Stromes durch den Erdboden aufmerksam, sprengte 1812 durch den galvanischen Strom quer durch die Newa Minen und benutzte den Elektromagnetismus zur Konstruktion eines Telegraphen mit willkürlich nach rechts und links ablenkbaren Magnetnadeln. Diesen Apparat ließ Muncke durch Albert in Frankfurt a. M. nachmachen, und dort sah ihn 1836 Cooke, der sich in England mit Wheatstone verband und sich mit letzterm 1837 den Telegraphen patentieren ließ, der noch in demselben Jahre auf dem Bahnhof der Nordwestbahn in London versuchsweise zur Ausführung gelangte.
 
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Schillings, 1) Karl Georg, Zoolog und Forschungsreisender, geb. 12. Dez. 1865 in Düren, studierte in Bonn und machte dann vier Reisen in Ostafrika, davon drei selbständige größere Expeditionen ins Gebiet der Massaisteppe. Als Ergebnis seiner Erforschung des äquatorialafrikanischen Großtierlebens brachte er große zoologische Sammlungen heim, die geschenkweise den naturkundlichen Museen von Wien, Karlsruhe, München, Stuttgart, Weimar etc., zum größten Teil aber (teilweise vom Staat erworben) dem königlichen Museum für Naturkunde in Berlin einverleibt wurden. Schillings' Hauptverdienst beruht in der neuen Anwendung der Photographie mittels Blitzlichtes zur Nachtzeit behufs Erforschung des afrikanischen Tierlebens, insbes. der Lebensweise der Großkatzen (Löwe, Leopard), des Elefanten, Nashorns, Flußpferdes etc. Für die Erhaltung des Tierlebens und der »Naturdenkmäler« der Wildnis begeistert, war S. als Sachverständiger der deutschen Regierung auf der Internationalen Konferenz zum Schutze des Tierlebens in Afrika tätig. Er wohnt jetzt in Weiherhof-Gürzenich bei Düren und schrieb: »Mit Blitzlicht und Büchse« (Leipz. 1904, 3. Abdruck 1907, mit ca. 300 photographischen Tag- und Nachtaufnahmen) und »Der Zauber des Eleléscho« (das. 1906), beide auch in England und Amerika übersetzt und verbreitet.
   2) Max, Komponist, Bruder des vorigen, geb. 19. April 1868 in Düren, studierte zuerst in München die Rechte, widmete sich aber schon nach einem Jahr ausschließlich der Musik und wurde Schüler von K. J. Brambach und O. v. Königslöw in Bonn. Er ließ sich in München nieder und war 1892 in Bayreuth als Repetitor tätig. 1903 erhielt er den Professortitel. In seinen Opern: »Ingwelde« (Karlsruhe 1894), Musiklustspiel »Der Pfeifentag« (Schwerin 1899), »Moloch«, Dichtung von Emil Gerhäuser nach einem Hebbelschen Fragment (Dresd. 1906) gehört S. zu den besten Vertretern der Wagnerschen Schule. Von seinen sonstigen Kompositionen seien genannt: Die sinfonischen Phantasien »Meergruß« und »Seemorgen«, das »Zwiegespräch« für kleines Orchester mit Solos für Violine und Cello, die Melodramen »Kassandra« und »Eleusisches Fest« von Schiller, »Das Hexenlied« von Wildenbruch, mit begleitendem Orchester, der sinfonische Prolog zu Sophokles' »König Ödipus«, die Musik zur »Orestia« von Äschylos, »Dem Verklärten« (Gesänge mit Orchester), Lieder etc.
 
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Schillingsee, See im preuß. Regbez. Königsberg, Kreis Osterode, ist 15 km lang, aber nur sehr schmal, empfängt die Taber und hat seinen Abfluß durch das Schillingsfließ, steht aber auch durch einen Arm des Elbing-Oberländischen Kanals, den Drewenz-Schillingseekanal, der eine Länge von 14,9 km und eine Tiefe von 1,4 m hat, mit dem Drewenzsee in schiffbarer Verbindung.
 
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Schillingsfürst, Flecken im bayr. Regbez. Mittelfranken, Bezirksamt Rothenburg a. T., auf einer Anhöhe der Frankenhöhe und am Ursprung der Wörnitz, 543 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine kath. Mädchenerziehungsanstalt, eine Korbflechtschule, ein evang. Mädchenrettungshaus, Amtsgericht, Seidenbandweberei, Korbflechterei, eine Pinselfabrik, Bierbrauerei, bedeutende Viehzucht und (1905) 1600 meist evang. Einwohner. Dabei das Bergschloß S. des Fürsten von Hohenlohe-S. mit Mausoleum.
 
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Schillingsgüter, s. Meyers Bauerngut, S. 462.
 
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Schillong, Ort in Britisch-Indien, s. Meyers Shillong.
 
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Schilluk (Singular: Schilkawi), Negervolk in Afrika, am Westufer des Weißen Nils, zwischen 11 und 9° nördl. Br. Von ihren ursprünglichen Sitzen am Sobat verdrängt, sind sie jetzt die nördlichsten Neger des Niltales. Im N. bis zum Bahr el Ghazal wohnen die eigentlichen S., am Bahr el Ghazal und Tondsch die Dschur und Dembo, eine Enklave im Dinkavolk, weiter südlich, von den Dinka durch die ganze Breite des Bongolandes getrennt und bereits an die Niam-Niam grenzend, die Belanda. In etwa 3000 Dörfern wohnend, sollen sie 1 Mill. stark sein. Von dunkler Hautfarbe und kraushaarig, erscheinen ihre Gesichtszüge nicht ausgeprägt negerhaft; sie reihen sich nach Schweinfurth den edlern Rassen Zentralafrikas an. Gegen ihre Nachbarn nur mäßig groß, bedecken sie ihren Körper mit einer Aschenschicht, frisieren ihr Haar in künstlicher Weise, brechen die untern Schneidezähne aus und stecken in Ober- und Unterlippe Quarzstücke. Schambedeckung fehlt den Männern, die Weiber tragen einen Lendenschurz von Fell. Beschneidung und Tättowierung kommen nicht vor. Ihre Sprache, nahe mit den andern Meyers Nilsprachen (s. d.) verwandt, kennt mit den hamitischen die Unterscheidung von zwei Geschlechtern. Die S., mit ihren Nachbarn beständig auf Kriegsfuß, treiben zugleich Ackerbau (Sesam, Durra,

[Bd. 6, Sp. 804]


Bohnen, Tabak) und Viehzucht, daneben Jagd und Fischfang (Einbäume). Doch leben sie vornehmlich vom Ertrag ihrer Herden. Sie bildeten ursprünglich einen selbständigen Staat, an dessen Spitze ein despotischer König (Bondu) stand, der zu Denab, später zu Faschoda residierte. Von den Ägyptern 1861 unterworfen und häufig bedrückt, erlangten sie durch den Aufstand des Mahdi ihre Unabhängigkeit; mit dessen Niederwerfung durch die englisch-ägyptische Armee 189899 (s. Meyers Ägypten, S. 200) ging ihr Gebiet in das zu Ägypten gehörige Territorium des Sudân über, und zwar gehört es zum Gouvernement (Mohafza) Obernil (früher Faschoda). Vgl. Schweinfurth, Im Herzen von Afrika (neue Ausg., Leipz. 1878).
 
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Schilparĭo (spr. ßkil-), ital. Dorf, s. Meyers Dezzo.
 
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Schiltach, Stadt im bad. Kreis Offenburg, Amt Wolfach, im Schwarzwald, an der Mündung des Flusses S. in die Kinzig, Knotenpunkt der badischen, bez. württembergischen Staatsbahnlinien Hausach-S., Hochdorf-S. und S.-Schramberg, 332 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Tuch- und Lodenfabrikation, Sägewerke, Imprägnieranstalt, Holzhandel, Flößerei und (1905) 1860 meist evang. Einwohner. S. kam 1810 von Württemberg an Baden.
 
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Schiltberger, Hans, aus München, kam 1395 als Kriegsgefangener nach Persien und Turkistan und ward nach seiner Rückkehr Kämmerer des Herzogs Albrecht von Bayern. Die Beschreibung seiner Reisen und Abenteuer, 13941527, (Ulm 1473; neue Ausg. von Neumann, Münch. 1859; von Langmantel, Stuttg. 1885, Literarischer Verein) war im 15. und 16. Jahrh. ein sehr beliebtes Buch.
 
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Schiltigheim (Schilken), Dorf und Kantonshauptort im deutschen Bezirk Unterelsaß, Landkreis Straßburg, an der Ill und einer Verbindung derselben mit dem Rhein-Marnekanal, Knotenpunkt der Eisenbahn Straßburg-S. und der Schiltigheimer Industriebahn, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Amtsgericht, eine Gänsebörse, Fabrikation von Schaumwein, Konserven, Wachsleinwand, Ornamenten, Kalksandstein, Maschinen, Seife, Posamenten, Bürsten, Papierwaren, Dachpappe, Möbeln, Zigarren, Schuhwaren, Parkettböden, Bierbrauerei, Küferei und Mälzerei, Ziegel- und Gipsbrennerei, Gänsemästerei, Holz- und Weinhandel und (1905) 14,310 meist evang. Einwohner. S. kam 1501 an Straßburg und hängt mit den großen Dörfern Meyers Bischheim (s. d.) und Meyers Hönheim (s. d.) zusammen.

 

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