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Schiller bis Schilling (Bd. 6, Sp. 795 bis 802)
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Artikelverweis Schiller, Johann Christoph Friedrich von (hierzu Tafel Meyers »Schiller-Bildnisse«), der populärste und gefeiertste deutsche Dichter, geb. 10. Nov. 1759 in Marbach am Neckar, gest. 9. Mai 1805 in Weimar. Sein Großvater Johannes S. lebte in dem bei Waiblingen gelegenen Dorfe Bittenfeld als Bäcker und Schultheiß, sein Vater, Johann Kaspar (17231796), nahm, noch Jüngling, als Feldscher in bayrischen Diensten am Österreichischen Erbfolgekrieg teil und ließ sich dann 1749, nach dem Frieden heimgekehrt, in Marbach als Wundarzt nieder. Hier heiratete er im Juli d. J. die Tochter des Bäckers und Löwenwirts Kodweis, Elisabeth Dorothea (17321802; vgl. E. Müller, Schillers Mutter, Leipz. 1894). Schillers Vater (vgl. Brosin, Schillers Vater, Leipz. 1879) war eine aufstrebende Willensnatur, tief religiös, von unantastbarem Charakter, rastlos tätig. Die Dürftigkeit seines Einkommens ließ den Chirurgus S. 1757 wieder Kriegsdienste nehmen und als württembergischer Fähnrich gegen den großen Preußenkönig nach Schlesien mitziehen. Während er, nach der Heimkehr 1759 zum Leutnant befördert, nahe bei Kannstatt im Übungslager stand, schenkte ihm seine Gattin im Hause ihrer Eltern zu Marbach den ersten und einzigen Sohn, unsern Dichter. Der Militärdienst des Vaters führte die Familie während der nächsten Jahre an verschiedene Orte, endlich 1763 nach

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Lorch. Hier erhielt der Knabe bei dem Ortspfarrer Moser (dem ein Erinnerungszeichen in den »Räubern« gilt) den ersten regelmäßigen Unterricht. Ende 1766 wurde der Vater zur Garnison nach Ludwigsburg berufen, wo unser Dichter die Lateinschule besuchte, bis ihn der Herzog zu Anfang 1773 als Zögling in seine mit einer Abteilung für künftige Zivildiener verbundene militärische Pflanzschule auf der Solitüde kommandierte, die, noch 1773 zu einer herzoglichen Militärakademie erweitert, 1775 nach Stuttgart verlegt und Ende 1781, nach Schillers Austritt, als »Hohe Karlsschule« (s. Meyers Karlsschule) zu einer Art Universität erhoben wurde. S. hegte ursprünglich den Plan, Theologie zu studieren, mußte ihn aber nach seinem Eintritt in die Akademie aufgeben und entschied sich für die Rechtswissenschaft, später für die Medizin. Daß der in beschränkten Verhältnissen geborne Knabe eine freie Weltbildung erwarb, war wesentlich der halb militärischen, halb wissenschaftlichen Lieblingsanstalt des Herzogs zu danken. Unter den Lehrern befanden sich mehrere begabte und anregende, in die Gedankenwelt der Jugend liebevoll eingehende Männer, wie z. B. der von S. hochverehrte J. F. v. Abel (vgl. Aders, J. F. Abel als Philosoph, Berl. 1893); daß an der Anstalt die philosophischen Disziplinen gegenüber den klassisch-philologischen entschieden bevorzugt wurden, war ein Umstand, dessen Folgen in der weitern Entwickelung Schillers noch lange nachwirkten. Die kasernenartige Disziplin mit allen ihren Kleinlichkeiten konnte freilich bei Naturen wie S. nur den ungestümen Freiheitsdrang fördern. Schillers Neigung zur Poesie war zunächst durch Klopstocks »Messias« genährt worden. Tiefer und unmittelbarer wirkten die dramatischen Produkte der Sturm- und Drangperiode auf ihn ein; Leisewitz' »Julius von Tarent«, Klingers Erstlingsdramen und Goethes »Götz« regten ihn zur Nacheiferung an. Den stärksten Einfluß auf Schillers Richtung und Bildung gewannen aber Plutarch und J. J. Rousseau: ob er schon damals Schriften Rousseaus gelesen hat, ist ungewiß; aber mit dessen Grundanschauungen wurde er vertraut, und sie erweckten seinen ungestümen Freiheitsdrang (vgl. Johannes Schmidt, S. und Rousseau, Berl. 1876). Seit 1776 erschienen im »Schwäbischen Magazin« einzelne Proben seiner Lyrik. 177778 begann die Ausarbeitung seines Trauerspiels: » Die Räuber«. Um den literarischen Bestrebungen freier huldigen zu können, ersehnte S. seine alsbaldige Entlassung aus der Militärakademie. Aber die 1779 eingereichte Abhandlung »Philosophie der Physiologie« wurde um ihres »zu vielen Feuers« willen vom Herzog abgelehnt; erst im Dezember 1780 erreichte S. auf Grund seiner Abhandlung »Versuch über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen« (Stuttg. 1780) das ersehnte Ziel. Er wurde zum Medikus ohne Portepee beim Grenadierregiment des Generals Auge mit 18 Gulden Monatsgage ernannt und erfuhr damit, da Herzog Karl eine gute Versorgung in Aussicht gestellt hatte, eine neue Enttäuschung. Von Dichtungen entstanden in dieser Zeit hauptsächlich noch die überschwenglichen Oden »An Laura«, zu denen eine Stuttgarter Hauptmannswitwe, Frau Vischer, den ersten Anlaß gegeben haben mag. Es herrscht in ihnen wie in fast allen Jugenddichtungen Schillers jene ungeläuterte Kraftgenialität, die am gewaltigsten in den »Räubern« zum Ausbruch kam. Seit Goethes »Götz« und »Werther« hatte kein dichterisches Erzeugnis solchen Eindruck auf die Zeitgenossen gemacht. Ganz von Rousseauschen Ideen erfüllt, hinreißend durch die Wucht dramatischen Lebens, erzielte das Werk bei der ersten Aufführung, die im Januar 1782 auf der Mannheimer Hof- und Nationalbühne mit Iffland in der Rolle des Franz Moor stattfand, auch in der von dem Intendanten H. v. Dalberg beeinflußten, manche Verschlechterung aufweisenden Bühnenbearbeitung Schillers einen großartigen Erfolg. Beglückt hierdurch, widmete sich der Dichter bald der Vollendung seiner zweiten Tragödie: »Die Verschwörung des Fiesco zu Genua«. Gleichzeitig gab er aus Opposition gegen F. G. Stäudlins »Schwäbischen Musenalmanach« eine »Anthologie auf das Jahr 1782« heraus, die zum größten Teil Dichtungen von ihm selbst darbot.
   Aber während seine literarische Tätigkeit in diesem Aufschwung begriffen war, zogen schwere Wetter über S. heraus. Im Mai hatte er einer Wiederholung der »Räuber« mit Frau v. Wolzogen, der Mutter zweier ihm befreundeten Karlsschüler, beigewohnt und war deshalb heimlich nach Mannheim gereist. Diese Reise und der Umstand, daß eine Stelle in den »Räubern« in Graubünden Anstoß erregt hatte, zogen ihm außer einer Arreststrafe (während deren Abbüßung er »Kabale und Liebe« konzipierte) das Verbot des Herzogs zu, fernerhin »Komödien« oder sonst dergleichen zu schreiben. Das gab den Anstoß zu dem Plan Schillers, sich durch die Flucht dem Druck des heimischen Despotismus zu entziehen. In der Nacht vom 22. zum 23. Sept. 1782, während die ganze Bevölkerung durch ein glänzendes Hoffest in Anspruch genommen war, verließ der Dichter in Begleitung seines treuen Freundes, des Musikers Andreas Streicher, Stuttgart, am 24. traf er in Mannheim ein (vgl. A. Streicher), Schillers Flucht von Stuttgart und Aufenthalt in Mannheim von 17821785, Stuttg. 1836; Neudrucke von Hans Hofmann, Berl. 1905, in Landsbergs »Museum«, das. 1905, und in Reclams Universal-Bibliothek). Er brachte den »Fiesco« fast vollendet mit, der aber bei den Mannheimer Theaterleitern zunächst wenig Beifall fand. Auch fühlte sich S. in Mannheim nicht sicher genug; Ende September wanderte er daher mit Streicher weiter nach Frankfurt, dann nahmen die Freunde im Dorf Oggersheim bei Mannheim in armseliger Wirtsstube Wohnung und hausten dort sieben entbehrungsreiche Wochen hindurch, während deren größere Bruchstücke des bürgerlichen Trauerspiels »Luise Millerin« (später »Kabale und Liebe« betitelt) ausgeführt und der »Fiesco« umgearbeitet wurde, ohne aber auch jetzt zur Ausführung angenommen zu werden. Anfang Dezember öffnete sich dem Dichter ein besserer Zufluchtsort. Einer schon in Stuttgart an ihn ergangenen Einladung der Frau v. Wolzogen folgend, begab er sich auf deren Gut Bauerbach bei Meiningen. »Fiesco« war inzwischen von dem Mannheimer Buchhändler Schwan in Verlag genommen worden und erschien alsbald (1783). Der Plan dieses Werkes, dessen Stoff dem Dichter durch eine Empfehlung Rousseaus anziehend geworden war, hatte während der Ausarbeitung erhebliche Veränderungen erfahren: aus einem republikanischen Freiheitsdrama war ein »Gemälde des wirkenden und gestürzten Ehrgeizes« geworden, eine Schöpfung ungleichen Wertes, in der Charakterzeichnung teils sehr gelungen (Fiesco, Mohr), teils verfehlt, im Aufbau anfechtbar, in der Sprache oft kraftvoll, oft bombastisch. In der winterlichen Stille des Bauerbacher Aufenthalts, wo S. von Liebe zu Charlotte v. Wolzogen, der Tochter seiner Gönnerin, ergriffen wurde, gelang ihm die Vollendung der »Luise Millerin«, und im März

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1783 entwarf er den »Don Carlos«. Der freundschaftliche Verkehr mit dem Meininger Bibliothekar Reinwald, der später Schillers Schwester Christophine heiratete, brachte dem Dichter Unterhaltung und Förderung in seine oft beklemmende Einsamkeit. Im Juli 1783 kehrte er nach Mannheim zurück, wo er im August von dem Intendanten Dalberg, der sich jetzt wieder entgegenkommend zeigte, zum Theaterdichter für die dortige Bühne engagiert wurde. Im April 1784 ging »Kabale und Liebe« zuerst über die Mannheimer Bretter und fand begeisterten Beifall. In diesem Stück hatte S. die vollendetste seiner Jugendtragödien, das höchste Meisterwerk in der neuen Gattung des bürgerlichen Trauerspiels geschaffen. Es stellte Zustände der traurigsten damaligen Wirklichkeit dar mit gelegentlich greller Zeichnung, aber doch mit echt poetischer Leidenschaft und Kraft der Charakteristik. Der Erfolg hob Schillers Lebensmut, ohne den materiellen Bedrängnissen des auch von Krankheit oft heimgesuchten Dichters ein Ende zu bereiten. Erfreulich war ihm die Aufnahme in die vom Kurfürsten protegierte Kurpfälzische Deutsche Gesellschaft (Februar 1784), in der er sich (26. Juni) durch den Vortrag seiner noch ganz in moralisierenden Anschauungen befangenen Abhandlung: »Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet«, einführte. Inzwischen war S. an die Ausarbeitung des »Don Carlos« gegangen, wobei er sich zum erstenmal im Drama des fünffüßigen Jambus bediente (vgl. Zarncke, Über den fünffüßigen Jambus etc., in den »Goethe-Schriften«, Leipz. 1897). Den ersten Akt des Werkes, von dem S. größere Bruchstücke in seiner Zeitschrift »Rheinische Thalia« (später einfach »Thalia«, zuletzt »Neue Thalia«) veröffentlichte, las er Weihnachten 1784 am Darmstädter Hof in Gegenwart des Herzogs Karl August von Weimar vor, der ihm darauf den Titel eines herzoglichen Rates verlieh. Nur langsam gedieh die Fortsetzung des Dramas, besonders auch infolge der leidenschaftlichen Wirren, in die S. durch die Liebe zu Charlotte v. Kalb geriet; hiervon legen die Gedichte »Freigeisterei der Leidenschaft« und »Resignation« interessantes Zeugnis ab. Dazu kam drückende Geldnot. Aber auch Unannehmlichkeiten mit den Schauspielern und dem Intendanten verleideten ihm den Aufenthalt in Mannheim, so daß S. gern der Einladung mehrerer Verehrer (die ihm schon im Juni 1784 Beweise ihrer hingebenden Bewunderung gegeben hatten), nach Leipzig zu kommen, folgte. Ende April traf S. dort ein, wo die Schwestern Minna und Dora Stock sowie deren Verlobte Ferd. Huber und später Gottfried Körner, die Seele dieses ideal gesinnten Kreises, ihm mit feinsinnigem Verständnis entgegenkamen und Körner ihm Befreiung von seiner materiellen Not bereitete. Nach Monaten voll enthusiastischen Glückes, während deren S. in dem nahe bei Leipzig gelegenen Dorfe Gohlis wohnte, folgte er dem neuvermählten Freunde Körner im September nach Dresden, wo er das Lied »An die Freude« schrieb und den »Don Carlos« langsam zum Abschluß brachte. Diese Dichtung, deren Plan während der Ausarbeitung wesentliche Veränderungen erfahren hatte (vgl. Elster, Zur Entstehungsgeschichte des »Don Carlos«, Halle 1889), offenbarte des Dichters pathetisches Freiheitsgefühl in hinreißender Vollendung und enthielt in der Schilderung von Liebe und Freundschaft eine Reihe ergreifender Szenen, die das früher von S. Geleistete wesentlich übertrafen; doch die Einheit der Handlung war während der langen Entstehung verloren gegangen. In den Erzählungen »Der Verbrecher aus Infamie« (später »Der Verbrecher aus verlorner Ehre«) und »Der Geisterseher« (gedruckt 1789; vgl. A. v. Hanstein, Wie entstand Schillers »Geisterseher«?, Berl. 1903) bewies S., daß ihm auch die Gabe des Erzählers keineswegs abging, und in den durch die Gespräche mit Körner angeregten »Briefen des Julius an Raphael« setzte er die philosophischen Erörterungen seiner akademischen Jahre mit größerm Erfolg fort. Während des Dresdener Aufenthalts wurde der Dichter abermals in ein leidenschaftliches Herzensverhältnis gezogen, aus dem er sich nur unter schweren Kämpfen befreite. Ein Fräulein Henriette v. Arnim hatte ihn in ihre Fesseln geschlagen. Im Juli 1787 riß S. sich von Dresden los. Eine Aufforderung Schröders, sein Talent für dessen Bühne zu verwerten und nach Hamburg zu kommen, lehnte er ab; Frau v. Kalb wünschte ihn in Weimar zu sehen, wohin ihn noch andre Interessen zogen.
   So langte S. im Juli 1787 in der Musenstadt an, wo er achtungsvolle Aufnahme fand und die herzlichen Beziehungen zu Charlotte v. Kalb erneuerte. Ende 1787 besuchte er in Rudolstadt die Witwe des Oberjägermeisters v. Lengefeld, die er nebst ihren geistvollen und liebenswürdigen Töchtern Karoline und Lotte bereits 1784 in Mannheim flüchtig gesprochen hatte. Im Mai 1788 siedelte er in das nahe bei Rudolstadt gelegene Dorf Volkstedt über; am 9. Sept. lernte er im Lengefeldschen Hause Goethe kennen, zu dem sich aber einstweilen noch kein näheres Verhältnis herausbildete. Inzwischen hatte S. die »Geschichte des Abfalls der Niederlande« auszuarbeiten begonnen, deren erster und einziger Teil 1788 erschien, eine Schrift, die bei unzulänglicher Quellenkritik doch überall die geistvolle Auffassung und Darstellung des Dichters verrät. Daneben entstanden mehrere Gedichte, so im März 1788 »Die Götter Griechenlands«, jene berühmte Klage um die heimgegangene »Religion der Schönheit«, deren elegische Wahrheit die Polemik F. Leop. v. Stolbergs nicht aufzuheben vermochte; und durch die Lektüre Homers und die Übertragung Euripideischer Stücke versuchte S., das Griechentum sich trotz mangelnder Sprachkenntnis näherzubringen. Im November kehrte er nach Weimar zurück. Sein Herz jedoch blieb in Rudolstadt, wo er den Schwestern Karoline v. Beulwitz (die in ihrer Ehe nicht glücklich war) und Lotte v. Lengefeld gleich lebhafte Neigung widmete.
   Im Dezember erhielt er durch Goethes Vermittelung einen Ruf als außerordentlicher (zunächst unbesoldeter) Professor der Geschichte nach Jena, dem er trotz einiger Bedenken gern folgte. Nachdem er im Winter sein inhaltreiches Gedicht »Die Künstler« unter Wielands Anteil und nach mannigfaltigen Änderungsvorschlägen Wielands langsam abgeschlossen hatte, trat er sein Lehramt im Mai mit der Vorlesung »Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?« an und wurde von der Studentenschaft mit Jubel begrüßt. S., der im ganzen nur fünf Semester Vorlesungen gehalten hat, übte auch als Dozent auf einen engern Kreis von Zuhörern, unter denen Friedrich v. Hardenberg (Novalis) besonders genannt sei, einen starken Eindruck aus. Seit 1790 gab er eine Sammlung historischer Memoiren heraus und bald, 179193, trat er in Göschens »Historischem Damenkalender« mit einer neuen, umfangreichen Arbeit, der »Geschichte des Dreißigjährigen Krieges«, hervor, in der namentlich die ausgezeichneten Charakterbilder Wallensteins und Gustav Adolfs neben der durchweg fesselnden Darstellung zu rühmen sind.

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Im Juli 1789 hatte sich das Verhältnis des Dichters zu Lotte v. Lengefeld zum völligen Herzensbund gestaltet, und nachdem der Herzog Karl August zu Ende des Jahres einen kleinen Jahresgehalt (von 200 Tlr.) bewilligt hatte, schritten die beiden 22. Febr. 1790 in dem Dorfe Wenigenjena bei Jena vor den Altar. Das reiche, wenn auch durch fast erdrückende Arbeitslasten etwas beeinträchtigte Glück, das S. an Lottens Seite fand, erfuhr aber schon nach wenigen Monaten durch die schwere Erkrankung Schillers eine tiefgreifende Störung. Ein Brustleiden, von dem sich S. niemals wieder ganz erholen sollte, kam Anfang Januar im Hause des Koadjutors Karl v. Dalberg in Erfurt in einem Besorgnis erregenden Anfall zum Ausbruch, ein Rückfall im Mai ließ das Schlimmste befürchten, auch eine Erholungsreise nach Karlsbad, die S. im Sommer antrat, brachte keine Genesung; und besonders bedrückend für den leidenden Dichter war es, daß er, aller Erwerbsmittel beraubt, dem grauen Gespenst der Not entgegensah. In dieser Lage kam unerwartete Hilfe aus weiter Ferne. Ein eifriger Verehrer Schillers, der dänische Dichter Jens Baggesen, hatte auf die falsche Nachricht von Schillers Tod in Hellebeck auf Seeland eine empfindsame Gedächtnisfeier veranstaltet; als er erfuhr, daß S. noch lebe, aber unter materieller Bedrängnis schwer leide, veranlaßte er zwei hochgestellte Teilnehmer jener Feier, den Grafen Ernst Heinrich v. Schimmelmann (geb. 1747, seit 1784 dänischer Finanzminister) und den Prinzen Friedrich Christian von Schleswig-Holstein-Augustenburg (geb. 1765, Schwiegersohn des Königs, seit 1790 Leiter des Unterrichtswesens in Dänemark), den gefühlvollen Worten die edle Tat folgen zu lassen und dem großen Dichter über seine Not hinwegzuhelfen. Sie taten es, indem sie S. in der denkbar zartesten Form, ohne irgendeine Gegenforderung und allein von reinster Menschenliebe getrieben, für drei Jahre eine jährliche Unterstützung von 1000 Tlr. (3600 Mk.) anzunehmen baten. S. griff bewegten Herzens zu, und unabsehbar reich war der Segen jener Gabe. Denn sie setzte den Dichter instand, seinem Genius in stiller Sammlung die Klärung und Bereicherung zuteil werden zu lassen, an der ihn die Hast des Gelderwerbes behindert hätte: er vertiefte sich in die Kantsche Philosophie, durch die seine Weltanschauung und seine Kunstübung eine wesentliche Umgestaltung erfuhr und erst zu jener Höhe emporstieg, die wir in den nun bald folgenden Meisterwerken Schillers bewundern. Vor allem den ästhetischen Problemen zugewandt, legte er die Ergebnisse seines Nachdenkens in einer Reihe gehaltvoller Abhandlungen nieder, die einen dauernden Gewinn der Kunstlehre bedeuten. Auf die noch sehr anfechtbaren Aufsätze »Über den Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen« und »Über die tragische Kunst«, die er 1792 in der »Thalia« veröffentlichte, folgten interessante, aber in der Hauptsache gleichfalls noch mißlungene Versuche, die von Kant gegebene subjektive Grundlegung des Schönen durch eine Charakteristik des ästhetischen Objekts zu ergänzen; sie sollten in einer unvollendet gebliebenen Schrift »Kallias« genauere Erörterung finden, für die uns die ausführlichen Briefe an Körner vom Februar 1793 Ersatz bieten dürften. Schön sind nach S. die Objekte des Lebens dann, wenn sie, in Analogie zu dem transzendentalen Freiheitsbegriff der Kantschen Lehre, auf freier Selbstbestimmung zu beruhen scheinen, wenn sie also, obwohl der Erscheinungswelt angehörend, an jener transzendentalen Freiheit teilnehmen, kurz: schön ist nach S. die Freiheit in der Erscheinung. Über diese keineswegs einwandfreie Formel hinaus gelangte S. in der Abhandlung »Über Anmut und Würde« (1793), in der er eine wertvolle Kennzeichnung zweier ästhetischer Lebensbegriffe gibt: er erblickt die Anmut dort, wo sich Neigung und Pflichtgebot in der Seele zu vollkommener Harmonie zusammengefunden haben, Würde dagegen in dem Sieg der Vernunft über die sinnliche Regung. Sein Bestes bot er aber in der Schrift »Über die ästhetische Erziehung des Menschen«, die aus Briefen, die S. an den Herzog von Augustenburg richtete, hervorgegangen sind (die Originale sind durch eine Feuersbrunst verloren gegangen, eine Abschrift wurde von Michelsen, Berl. 1876, veröffentlicht; vgl. Breul, Die ursprüngliche und die umgearbeitete Fassung der Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen, in der »Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur«, Bd. 28, das. 1884). Eine vollständige Wiedergeburt der in politischen Wirrnissen verkommenen Menschheit (S., anfangs ein Freund der französischen Revolution, hatte sich seit der Hinrichtung Ludwigs XVI. mit Abscheu von ihr abgewandt) erwartet er hier allein durch eine ästhetische Veredelung der Gefühle und Triebe; er findet, zu Kants subjektivistischer Auffassung zurückkehrend, den ästhetischen Zustand dort, wo der Mensch die Eindrücke der den Lebensstoff uns darbietenden Sinnlichkeit frei auf sich wirken läßt, ohne ihn durch die Eingriffe seines Begehrens und seiner Vernunft zu verändern, wo er sich an ihnen wie an einem freien Spiel ergötzt; S. erblickt in dem von ihm genauer charakterisierten Spieltrieb das Bezeichnende des ästhetischen Verhaltens. Von gleichgroßer Bedeutung wie diese Schrift ist die Abhandlung »Über naive und sentimentalische Dichtung«, die er in den »Horen« 1795 und 1796 veröffentlichte: in ihr sucht er namentlich in der Beschreibung der subjektiven (sentimentalischen) Auffassungsweise eine Reihe charakteristischer Grundstimmungen (das Pathetische, Satirische, Elegische und Idyllische) in sehr fruchtbringender Weise zu unterscheiden.
   Schillers Gesundheit besserte sich langsam; eine mit der Gattin unternommene Reise in die schwäbische Heimat (vom August 1793 bis Mai 1794) tat ihm wohl, erfreute ihn durch das Wiedersehen mit den geliebten Eltern und brachte ihm die für die Folge wertvolle geschäftliche Verbindung mit dem Buchhändler Cotta. Mit ihm einigte er sich über die Herausgabe der Monatsschrift »Die Horen« (179597) und des »Musenalmanachs« (17951800), und die Sorge für jene Zeitschrift veranlaßte ihn, auch Goethe als Mitarbeiter zu werben und damit eine Verbindung anzuknüpfen, die für seine geistige Entwickelung noch bedeutsamer wurde als das Studium der Kantschen Philosophie. Goethe sagte seine Beteiligung zu, und S. gewann den größten Mann der Zeit durch den an ihn gerichteten, von tiefstem Verständnis zeugenden Brief vom 23. Aug. 1794 sowie durch die bei einem längern Besuch in Goethes Haus im September ausgetauschten Gespräche zum innigst teilnehmenden Freunde. Es stellte sich bei der jetzigen Entwickelung von Schillers Geistesleben eine weitgehende Übereinstimmung der Grundanschauungen der beiden Dichter heraus. Der Segen dieses Bundes war unermeßbar: Goethes stockende Produktion wurde durch Schillers anfeuernde Teilnahme zu reichster Betätigung angeregt, S. fand in dem anschaulichen Denken und der rastlosen Vielseitigkeit des neuen Freundes ein immer aufs neue tief von ihm bewundertes Vorbild.

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So erblühte denn beiden ein neuer Lenz des Lebens und der Dichtung. Bald sich abwendend von den abstrakten Begriffsgespinsten der Philosophie, eröffnete S. gemeinschaftlich mit Goethe in den scharfgeschliffenen Epigrammen der »Xenien«, die im »Musenalmanach« für 1797 erschienen (beste Ausg. von Erich Schmidt und Suphan, Weim. 1893), ein glänzendes Strafgericht gegen die charakterlose Minderjährigkeit der meisten Führer der zeitgenössischen Poesie und Wissenschaft, und im nächsten Bande des Almanachs bot S. (ebenso wie Goethe) einen großen Teil jener eindrucksvollen Balladen dar, die seine Beliebtheit beim Publikum steigerten und befestigten (vgl. Elster im »Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts«, 1904): durch geistvolle Behandlung des Schicksalsproblems, sittliche Hoheit, bewegt dramatisches Leben und eine weitgehende Deutlichkeit der Darstellung schuf S. hier einen ganz neuen Typus dieser poetischen Gattung. Vor allem aber betrat er nach jahrelangem Zögern jetzt als ein völlig Veränderter wiederum das Gebiet der dramatischen Dichtung: nachdem er den schon 1791 entworfenen Plan des »Wallenstein« 1796 gänzlich umgearbeitet hatte, führte er das Werk 1799 zu glorreichem Abschluß. Bereichert durch die Ideen von Realismus und Idealismus, die er in der Abhandlung »Über naive und sentimentalische Dichtung« ausgeführt hatte, seine geistvollen Gedanken über das Problem des Schicksals mannigfach verwertend und allein mit der reinen Liebe des Künstlers, ohne einseitige Parteinahme für die Gestalten seiner Dichtung schaffend, entwarf er ein dramatisches Charaktergemälde von tiefgreifender tragischer Gewalt, das alle seine bisherigen Leistungen in den Schatten stellte (vgl. Kühnemann, Die Kantischen Studien Schillers und die Komposition des »Wallenstein«, Marb. 1889). In dem nächsten Drama, »Maria Stuart« (1800), erweiterte er die historische Überlieferung durch glückliche Erfindungen, wählte unter Anlehnung an den »König Ödipus« des Sophokles einen eigenartigen, an die analytische Technik sich anlehnenden Bau und zeichnete namentlich in dem packenden dritten und dem hoheitsvollen fünften Akte das zu Herzen greifende Bild einer durch die Schläge des Schicksals geläuterten liebenswerten Sünderin. Auch in dem nächsten Werke, der »Jungfrau von Orleans« (1801), wich er in der Gestaltung der von vielen Dichtern behandelten Geschichte der Jeanne d'Arc in wesentlichen Zügen von der Überlieferung ab, hob aber den Kern der romantisch wunderreichen Vorgänge in stimmungsvollster Poesie eindrucksvoll heraus, wenn auch die Fülle der an sich sehr gelungenen lyrischen Einlagen, die Kampfszenen und der große Aufzug etwas opernhaft erscheinen und die tragische Schuld der plötzlich von Liebe zum Feinde des Vaterlandes ergriffenen Heldin nicht überzeugend herausgearbeitet ist. Vollends in der an Leisewitz' »Julius von Tarent« und an einzelne antike Motive (Herodot, Hygin) angelehnten »Braut von Messina« (1803) geht S. in kühner Neubelebung der antiken Schicksalsauffassung und des Chors der griechischen Tragödie in der Nichtachtung der Norm des zeitgemäßen Lebensgehaltes recht weit und verstößt auch öfters gegen die Gesetze der Wahrscheinlichkeit; aber die Tragik dieses Werkes ist erschütternd, und die Sprache, namentlich in den Chorgesängen, von hinreißendem Zauber. Von allen ästhetischen Experimenten frei hielt er sich bei der Behandlung des von Goethe ihm überlassenen Stoffes des »Wilhelm Tell« (1804). Unter engem Anschluß an die poetisch brauchbare Überlieferung (namentlich Tschudi), erschloß er in dem durch köstliche Milieuschilderung ausgezeichneten Werke die gewaltige Freiheitsbewegung des nationalen Gesamtbewußtseins, machte, pedantischen Regeln zum Trotz, das ganze Volk der Eidgenossen zum Helden des Dramas, isolierte (Goethes Winken folgend) die Person des Tell in einer bedeutsamen Parallelhandlung und erfüllte das durch glänzende Einzelheiten hervorragende Drama mit dem hinreißenden Pathos seiner großen und liebenswerten Seele. Auch in den Fragmenten seines »Demetrius« (beste Ausg. von Kettner, Weim. 1894), in denen er einen dem lange gehegten Plan des »Warbeck« nahe verwandten Gegenstand behandelte, bewährte er in der psychologischen Vertiefung des Hauptproblems (Demetrius erfährt erst im Verlauf der Handlung, daß er nicht der berechtigte Erbe des Thrones ist, und spielt gleichwohl seine Rolle weiter), in der glänzenden Bühnenszene des polnischen Reichstags, dem Monolog der Marfa etc. die höchste Vollendung seiner Kunst.
   Neben diesen Meisterdramen verfaßte S. eine Reihe tiefsinniger Reflexionsgedichte (»Das Ideal und das Leben«, »Das Glück«, »Der Tanz«, »Nänie« etc.), großartige lyrische Kulturgemälde von zum Teil welthistorischen Perspektiven (»Das Eleusische Fest«, »Der Spaziergang«, »Das Lied von der Glocke« etc.), übersetzte und bearbeitete mehrere Dramen, wie Picards »Der Neffe als Onkel« und »Der Parasit«, Gozzis »Turandot«, Racines »Phädra«, Shakespeares »Macbeth« u. a., und schrieb das zierliche höfische Gelegenheitsstück »Die Huldigung der Künste«. Er war, nachdem er 1798 zum ordentlichen Honorarprofessor ernannt worden war, 1799 nach Weimar übergesiedelt, wo er an der idealistischen Bühnenreform Goethes tätigen Anteil nahm und die letzten Jahre seines Lebens sorgenfrei ganz ausschließlich seinen poetischen Arbeiten sich zuwenden konnte. 1802 wurde er auf Veranlassung des Herzogs Karl August vom Kaiser geadelt; der Jahresgehalt, den der Herzog 1799 auf 400 Tlr. erhöht hatte, wurde dem Dichter, als er 1804 eine Aufforderung, nach Berlin überzusiedeln, abgelehnt hatte, auf das Doppelte bemessen; von Jahr zu Jahr steigerte sich die Liebe und Verehrung, die S., soweit die deutsche Zunge klang, entgegengebracht wurde. Aber seine von früher Jugend an zarte Gesundheit erholte sich nicht wieder von den schweren Erschütterungen der 1790er Jahre; am 9. Mai 1805, zwischen 5 und 6 Uhr abends, endete ein sanfter Tod das Leben des Dichters, ehe er noch das 46. Jahr vollendet hatte. Der Trauer, die ganz Deutschland ergriff, wollte Goethe in einem Entwurf gebliebenen dramatischen Spiel Ausdruck geben; ausgeführt wurde von ihm der Epilog zu einer am 10. Aug. 1805 in Lauchstädt veranstalteten dramatischen Ausführung der »Glocke«; nach vielen Jahren, 1826, schrieb er noch das Terzinengedicht »Im ernsten Beinhaus war's, wo ich erschaute«, das der Erinnerung an den edlen Freund tiefsinnigen Ausdruck verleiht.
   Neben der Wucht der Affekte und der unbeirrbaren Klarheit des sittlichen Willens zeichnet sich S. von Jugend an durch die Kraft des abstrakt begrifflichen Denkens aus; der deduktive, nicht der induktive Verstand war bei ihm stark entwickelt; in seiner Phantasietätigkeit überwiegt die Kombinationsgabe: die Fülle neuer Einfälle zerstört ihm gelegentlich, namentlich in den Werken der Jugend, die Einheit der Komposition; die Anschaulichkeit seiner Phantasie ist geringer bei ihm entwickelt, nimmt aber in den Jahren seiner Reise unter bewußter Beherzigung von

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Goethes Vorbild bedeutend zu. Der am meisten hervorragende Zug seines Wesens ist aber der unvergleichliche Idealismus seiner Weltanschauung, durch den er als die hehrste Lichtgestalt der deutschen Literatur der edelste Erzieher und der von hoch und niedrig gleich innig verehrte Liebling der Nation geworden ist.
   Denkmäler in Erz und Stein erinnern an ihn an zahlreichen Orten. Am 8. Mai 1839 wurde die erste Schillerstatue (von Thorwaldsen) in Stuttgart, 4. Sept. 1857 das Doppelstandbild Schillers und Goethes (von Rietschel) in Weimar enthüllt. Andre Statuen von ihm sind in Mannheim (von K. Cauer, 1862), Mainz (von Scholl, 1862), München (von Widnmann, 1863), Frankfurt a. M. (von Dielmann, 1864), Hannover (von Engelhard), Hamburg (von Lippelt, 1864), Berlin (von Reinh. Begas, 1871), Wien (von Schilling, 1876, s. Tafel Meyers »Wiener Denkmäler I«), Marbach (von Rau, 1876), Ludwigsburg (von v. Hofer, 1883) u. a. errichtet. Während Schillers Aufenthalt in Stuttgart 1794 modellierte sein Jugendfreund Meyers Dannecker (s. d.) seinen Kopf und führte danach später mehrere vortreffliche Büsten aus. Die besten Porträte Schillers sind die von Graff (1786) und von Ludovika Simanowitz (1793); s. beifolgende Tafel. Auch hat das dankbare Andenken an den Lieblingsdichter der Nation an mehreren Orten Schillervereine hervorgerufen, und der 1859 in Dresden entstandene Verein zur Unterstützung verdienter und hilfsbedürftiger deutscher Schriftsteller trägt seinen Namen (s. Meyers Schillerstiftung). S. veranstaltete zu seinen Lebzeiten eine Sammlung seiner kleinern prosaischen Schriften (Leipz. 1792 bis 1802, 4 Tle.) und eine Auswahl seiner »Gedichte« (das. 180003, 2 Tle.), bei der er, namentlich den Jugendwerken gegenüber, eine große Strenge gegen sich selbst bewies. Die Vollendung der Sammlung seines »Theaters« (180507, 5 Bde.) hat er nicht mehr erlebt. Die erste Gesamtausgabe von Schillers Werken besorgte sein Freund Körner (Stuttg. u. Tübing. 181215, 12 Bde.), die bis 1867, wo die Cottaschen Privilegien erloschen, in den verschiedensten Ausgaben wiederholt ward. Von den spätern Ausgaben sind als die vollständigsten und besten die streng chronologisch angeordnete, historisch-kritische von Goedeke u. a. (Stuttg. 186876, 15 Tle. in 17 Bdn.), die von L. Bellermann (Leipz. 1896 ff., 14 Bde.) und die Cottasche Säkularausgabe von E. v. d. Hellen u. a. (Stuttg. 190405, 16 Bde.) hervorzuheben.
   [Briefwechsel, biographische Literatur etc.] Eine hervorragende Bedeutung haben die folgenden Briefsammlungen: »Schillers Briefe an den Freiherrn von Dalberg« (Karlsr. 1819); »Schillers Briefwechsel mit Körner« (Berl. 1847, 4 Bde.; 2. Aufl., Leipz. 1874); »Briefwechsel zwischen S. und W. v. Humboldt« (Stuttg. 1830; 3., vermehrte Aufl., von Leitzmann, das. 1900); »Briefwechsel zwischen S. und Goethe« (das. 182829, 6 Bde.; 4. Aufl. 1881, 2 Bde.; mit Einführung von Chamberlein, Jena 1905, 2 Bde.); »S. und Lotte« (Briefwechsel Schillers mit seiner Braut und Gattin sowie mit deren Schwester Karoline, Stuttgart 1856; 5. Aufl., bearbeitet von Fielitz, 1905, 3 Bde.; wie die drei vorgenannten auch in der Cottaschen »Bibliothek der Weltliteratur« erschienen); »Schillers Briefwechsel mit seiner Schwester Christophine und seinem Schwager Reinwald« (hrsg. von Maltzahn, Leipz. 1875); die »Briefwechsel« zwischen S. und (J. F.) Cotta (hrsg. von Vollmer, Stuttg. 1876), mit dem Herzog Friedrich Christian von Schleswig-Holstein-Augustenburg (hrsg. von Max Müller, Berl. 1875; hrsg. von H. Schulz, Jena 1905); die von Goedeke herausgegebenen »Geschäftsbriefe« (Leipz. 1875). Unter diesen Briefen haben besonders die an Körner und an Goethe neben dem literarhistorischen einen selbständigen künstlerischen Wert. Die 185458 in Berlin erschienene Ausgabe von »Schillers Briefen« ist jetzt durch die vollständigere vortreffliche Sammlung von Ionas (Stuttg. 189296, 7 Bde.) überflüssig geworden. Briefe an S. veröffentlichten Urlichs (Stuttg. 1877), Speidel und Wittmann (»Bilder aus der Schillerzeit«, das. 1884). Hierher gehört auch die Publikation von Schillers Tochter, der Frau v. Gleichen-Rußwurm: »Schillers Calender vom 18. Juli 1795 bis 1805« (Stuttg. 1865; neue Ausg., ergänzt von E. Müller, 1893). Die bekanntesten Darstellungen von des Dichters Leben sind von Karoline v. Wolzogen (Stuttg. 1830, 2 Bde.; 6. Aufl. 1884; 1903), Carlyle (Lond. 1825; deutsch, Stuttg. 1883), Hoffmeister (»Schillers Leben, Geistesentwickelung und Werke im Zusammenhang«, Stuttg. 183842, 5 Bde.; neu bearbeitet von H. Viehoff, das. 1875, 2. Aufl. 1888), G. Schwab (das. 1840, 3. Ausg. 1859), J. W. Schäfer (Leipz. 1853), Palleske (Berl. 1858, 2 Bde.; 16. Aufl., Stuttg. 1906), Goedeke (»Goethe u. S.«, 2. Aufl., Hannov. 1859), Scherr (Leipz. 1859, 4. Aufl. 1865), Düntzer (das. 1881), Wychgram (das. 1895, 5. Aufl. 1906; mit zahlreichen authentischen Illustrationen); von neuern besonders hervorzuheben sind die von Weltrich (Stuttg. 1899, Bd. 1), O. Brahm (Berl. 188892, Bd. 1 u. 2, 1. Hälfte) und Minor (das. 1890, Bd. 1 u. 2), O. Harnack (2. Aufl., das. 1905), Karl Berger (Münch. 1905, Bd. 1), Kühnemann (das. 1905). Von den zahlreichen, einzelnen Partien seines Lebens gewidmeten Schriften führen wir an: Boas, Schillers Jugendjahre (hrsg. von Maltzahn, Hannov. 1856, 2 Bde.); Emilie v. Gleichen (anonym), Schillers Beziehungen zu Eltern, Geschwistern und der Familie v. Wolzogen (das. 1859); Schloßberger, Archivalische Nachlese zur Schillerliteratur (das. 1877); Brückner, S. in Bauerbach (Meining. 1856); Moschkau, S. in Gohlis (Leipz. 1877); B. Litzmann, S. in Jena (2. Aufl., Jena 1890); Hartmann, Schillers Jugendfreunde (Stuttg. 1904). Vgl. außerdem J. W. Braun, S. im Urteil der Zeitgenossen (Leipz. u. Berl. 1882, 3 Bde.).
   Aus der kritisch-ästhetischen Literatur: K. Tomaschek, S. in seinem Verhältnis zur Wissenschaft (Wien 1862); K. Fischer, S. als Philosoph (2. Aufl., Heidelb. 1892); Überweg, S. als Historiker und Philosoph (Leipz. 1884); Kühnemann, Kants und Schillers Begründung der Ästhetik (Münch. 1895); J. Janssen, S. als Historiker (2. Aufl., Freiburg 1879, einseitig ultramontan); O. Lorenz, Zum Gedächtnis von Schillers historischem Lehramt in Jena (Berl. 1889); L. Hirzel, Über Schillers Beziehungen zum Altertum (Aarau 1872); K. Fischer, Die poetischen Selbstbekenntnisse Schillers (2. Aufl., Heidelb. 1891); L. Belling, Die Metrik Schillers (Bresl. 1883); Bellermann, Schillers Dramen (3. Aufl., Berl. 1905, 3 Bde.); A. Köster, S. als Dramaturg (d. h. als Übersetzer und Bearbeiter fremder Stücke, das. 1891); K. Weitbrecht, S. in seinen Dramen (2. Aufl., Stuttg. 1907); Petersen, S. und die Bühne (Berl. 1904); Petsch, Freiheit und Notwendigkeit in Schillers Dramen (Münch. 1905); K. Fischer, S. als Komiker (2. Aufl, Heidelb. 1891); Düntzer, Schillers lyrische Gedichte (3. Aufl., Leipz. 1891, 4 Tle.); Viehoff, Schillers Gedichte erläutert

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(7. Aufl., Stuttg. 1895, 2 Bde.). Die Hauptdramen sind auch in Einzelbänden in Düntzers »Erläuterungen zu den deutschen Klassikern« erörtert. Bibliographische Beiträge lieferten Wurzbach (»Schillerbuch«, Wien 1859), Unflad (2. Aufl., Leipz. 1878) u. a.; ein reichhaltiges Verzeichnis der Schillerliteratur bis in die neueste Zeit bietet M. Koch in Band 5 der 2. Auflage von Goedekes »Grundriß«. Schillers Gattin Charlotte, geb. 22. Nov. 1766, überlebte den Dichter um volle 21 Jahre. Nach einem durch Augenkrankheit getrübten Alter starb sie 9. Juli 1826 in Bonn. Ihre Briefe an einen »vertrauten Freund« (v. Knebel) gab Düntzer (Leipz. 1856) heraus. Vgl. K. Fulda, Leben Charlottens v. S. (Berl. 1878); Ur lich s, Charlotte v. S. und ihre Freunde (Stuttgart 186065, 3 Bde.); Mosapp, Charlotte v. S. (3. Aufl., das. 1905); Wychgram, Charlotte S. (2. Aufl., Bielef. 1907). Schillers älteste Schwester, Elisabeth Christophine Friederike, geb. 4. Sept. 1757, seit 1786 an den meiningischen Bibliothekar Reinwald verheiratet, starb 31. Aug. 1847 in Meiningen (vgl. Frau J. W. Braun, Christophine, Schillers Lieblingsschwester, Berl. 1902). Eine jüngere Schwester, Dorothea Luise, geb. 1766, wurde die Gattin des Stadtpfarrers Frankh zu Möckmühl; starb 1836. Die reichbegabte jüngste Schwester, Nanette, geb. 1777, starb unverheiratet 23. März 1796. Schillers Kinder: Karl Friedrich Ludwig, geb. 14. Sept. 1793 in Ludwigsburg, ward 18. Febr. 1845 mit seiner Familie in den Freiherrenstand erhoben (sein Wappen s. Tafel Meyers »Heraldik«, Fig. 11, mit Erläuterung) und starb als württembergischer Oberförster a. D. 21. Juni 1857; Ernst Friedrich Wilhelm, geb. 11. Juli 1796, starb 19. Mai 1841 in Vilich bei Bonn als preußischer Appellationsgerichtsrat (vgl. K. Schmidt, Schillers Sohn Ernst, Paderb. 1893); Karoline Friederike Luise, geb. 11. Okt. 1799 in Jena, verheiratete sich 1838 mit dem schwarzburgischen Bergrat Junot in Rudolstadt und starb 19. Dez. 1850 in Würzburg (vgl. »Briefe von Karoline v. S.«, hrsg. von B. v. Maltzan, Berl. 1901); die jüngste Tochter, Emilie Friederike Henriette, geb. 25. Juli 1804, seit 1828 Gattin des Freiherrn von Gleichen-Rußwurm, starb 25. Nov. 1872. Ihr Sohn Ludwig van Gleichen-Rußwurm (18361901) machte sich als Maler, und dessen Sohn Karl Alexander (geb. 1865) als Schriftsteller bekannt (s. Meyers Gleichen-Rußwurm 1 u. 2). Der letzte männliche Nachkomme des Dichters, der österreichische Major a. D. Friedrich Ludwig Ernst von S. (geb. 28. Dez. 1826 auf dem Reichenberg im württembergischen Neckarkreis als Sohn von Schillers Erstgebornem), starb 8. Mai 1877. Das früher im Schloß Greifenstein aufbewahrte Schiller-Archiv der Familie v. Gleichen-Rußwurm wurde im Juni 1889 mit dem Goethe-Archiv in Weimar vereinigt (Näheres s. Meyers Goethe, S. 167, 2. Spalte). Vgl. Minor, Aus dem Schiller-Archiv. Ungedrucktes und Unbekanntes zu Schillers Leben und Schriften (Weim. 1890).
 
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Schiller, Hermann, Geschichtsforscher und Pädagog, geb. 7. Nov. 1839 in Wertheim a. M., gest. 11. Juni 1902 in Leipzig, studierte in Heidelberg und Erlangen, war Gymnasiallehrer in Wertheim und Karlsruhe, wurde 1872 Gymnasialdirektor in Konstanz, 1876 in Gießen, zugleich Professor an der Universität daselbst, 1888 Geheimer Oberschulrat, aber 1899 seines Amtes als Gymnasialdirektor und Universitätsprofessor in Gießen entsetzt, weil er in der Frankfurter Zeitung die hessische Schulverwaltung heftig angegriffen hatte. Er ließ sich darauf als Dozent der Pädagogik an der Universität Leipzig nieder. Er schrieb: »Die lyrischen Versmaße des Horaz« (Leipz. 1869, 3. Aufl. 1891; auch ins Italienische und Französische üdersetzt); »Geschichte des römischen Kaiserreichs unter der Regierung des Nero« (Berl. 1872); »Geschichte der römischen Kaiserzeit« (Gotha 18831887, 2 Bde.); »Die römischen Staats- und Kriegsaltertümer« (in J. Müllers »Handbuch der klassischen Altertumswissenschaft«, 4. Bd.; 2. Aufl., Mü uch. 1893); »Weltgeschichte« (Berl. 190001, 4 Bde.), dazu »Vergleichende Übersicht der Haupttatsachen der Weltgeschichte« (das. 1901). Auf pädagogischem Gebiet erwarb er sich durch das pädagogische Seminar in Gießen große Verdienste; er schrieb ferner außer Abhandlungen in Frick-Meiers »Lehrproben und Lehrgängen« und andern Zeitschriften, auch mehreren Programmen (»Pädagogische Zeitfragen«, Konstanz 1875, Gießen 1877): »Handbuch der praktischen Pädagogik« (Leipz. 1886, 4. Aufl. 1904); »Lehrbuch der Geschichte der Pädagogik« (das. 1887, 4. Aufl. 1904); »Pädagogische Seminarien für das höhere Lehramt« (das. 1890).
 
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Schillerfalter (Apatura Fabr.), Gattung der Tagschmetterlinge aus der Familie der Nymphaliden, von deren zwei Arten der Große S. (Iris, A. Iris L.), 67 cm breit, auf den Oberflügeln schwarzbraun, beim Männchen mit blauem Schiller, auf beiden Flügeln mit weißer Binde, im Innenwinkel der Hinterflügel mit Augenfleck, in Mitteleuropa weit verbreitet ist und besonders im Laubgehölz fliegt. Die Raupe ist grün mit gelben Streifen und roten Schwanzspitzen, an den Kopfhörnern bläulich, lebt auf der Salweide; die Puppe ist gelbgrün.
 
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Schillerfels, ein Enstatit-Anorthit-Gestein, s. Meyers Gabbro und Olivinfels.
 
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Schillerpreis, Ehrenpreis für literarische, insbesondere dramatische Werke, 1859 vom Prinz-Regenten von Preußen, späterm Kaiser Wilhelm I., gestiftet; er betrug ursprünglich 1000 Taler Gold (3400 Mk.) und wurde von dem jeweiligen Inhaber der preußischen Krone auf Grund der Vorschläge einer Kommission alle drei Jahre verteilt, sofern in dieser Frist des Preises würdige Leistungen hervorgetreten waren. Durch Patent Kaiser Wilhelms II. vom 10. Nov. 1901 wurden jedoch diese Bestimmungen dahin abgeändert, daß der Preis nur alle sechs Jahre, dafür aber in doppelter Höhe zu erteilen, und daß die dramatische Produktion der letzten zwölf Jahre zu berücksichtigen sei. Obwohl Dramen ernsten Charakters, die sich dem klassischen Stil Schillers annähern, in erster Linie zu berücksichtigen sind, so dürfen doch auch andre poetische Erzeugnisse von hervorragender Bedeutung gekrönt werden. Zuerst (1863) erhielt Hebbel für die »Nibelungen« den Preis, 1866 erhielt ihn A. Lindner für »Brutus und Collatinus«, 1869 Geibel für die »Sophonisbe« (und Kruse die goldene Denkmünze für die »Gräfin«); 1872 und 1875 wurde er nicht verteilt; 1878 waren daher drei Preise zu vergeben, die Franz Nissel, Anzengruber und Wilbrandt erhielten. Nachdem 1881 wiederum kein Werk preiswert befunden worden, fielen 1884 zwei Preise auf Wildenbruch und Heyse; 1890 kamen gleichfalls zwei zur Verteilung, und zwar an Dichter, die sich nicht auf dramatischem Gebiet hervorgetan hatten, an Th. Fontane und K. Groth; 1896 verlieh der Kaiser beide Preise (1893 war er wieder nicht verteilt worden) an Wildenbruch für dessen »Heinrich und

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Heinrichs Geschlecht«; 1902 wurde kein Preis verteilt. Die Kommission besteht aus Schriftstellern, Bühnenleitern und Professoren und wird für jede einzelne Preisverteilung berufen. Neben diesem S. wurde Ende 1904 von den deutschen Goethe-Bünden ein Volks-S. begründet, der alle drei Jahre für das beste in diesem Zeitraume durch den Druck oder durch Ausführung oder durch handschriftliche Einreichung bekannt gewordene Drama in der Höhe von 3000 Mk. vergeben wird. Die Stiftung hat ihren Sitz in Bremen; das Preisgericht setzt sich aus einer Sachverständigenkommission, elf Delegierten der Goethe-Bünde und aus den preisgekrönten Dichtern zusammen. Der Preis wird am 9. Mai, Schillers Todestag, verliehen, und war zum erstenmal 1905 fällig. Die Entscheidung ging dahin, daß er nicht an einen einzelnen Dichter zu erteilen, sondern in drei Teile zu zerlegen und Gerhart Hauptmann für seine »Rose Bernd«, Karl Hauptmann für seine »Bergschmiede« und Richard Beer-Hofmann für seinen »Grafen von Charolais« zuzuerkennen sei.
 
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Schillerquarz, soviel wie Avanturin oder Katzenauge, s. Meyers Quarz.
 
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Schillerspat (Bastit), Mineral, s. Augit, S. 113.
 
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Schillerstiftung (Deutsche S.), ein dem Andenken Schillers gewidmeter Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger Schriftsteller und Schriftstellerinnen (nebst deren Hinterbliebenen), die, nach den Worten des Statuts, »für die Nationalliteratur, mit Ausschluß der strengen Fachwissenschaften, verdienstlich gewirkt, vorzugsweise solcher, die sich dichterischer Formen bedient haben«, wurde 10. Nov. 1859 in Dresden gegründet und besteht gegenwärtig aus 24 Zweigstiftungen: in Berlin, Breslau, Brünn, Danzig, Darmstadt, Dresden, Frankfurt a. M., Graz, Hamburg, Heidelberg (vereint mit Mannheim und Karlsruhe), Köln, Königsberg, Leipzig, Linz, Lübeck, München, Nienburg, Offenbach, Prag, Salzburg, Stuttgart, Weimar, Wien u. Zürich. Die Sache wurde zuerst durch J. Meyers Hammer (s. d. 1) angeregt, der 1855 in Dresden einen Privatverein zu demselben Zweck ins Leben rief, und erfreute sich dann insbes. der Protektion des Großherzogs Karl Alexander von Weimar. Geleitet wird die Stiftung durch einen auf fünf Jahre zu wählenden Verwaltungsrat von sieben Mitgliedern; desgleichen bestimmen die Zweigvereine als Sitz desselben einen Vorort auf dieselbe Dauer (seit 1905 wiederum Weimar). Das Vermögen der S. erhielt 1859 infolge der vom Major Serre in Dresden veranstalteten Schillerlotterie einen namhaften Zuwachs (über 900,000 Mk.), einen weitern 1905 durch die Sammlungen des Schillerverbandes deutscher Frauen (280,000 Mk.), und betrug 1905: 1,937,327 Mk. und 239,551 Kronen. In demselben Jahre wurden insgesamt Unterstützungen im Betrage von 60,720 Mk. gewährt; davon entfielen 15,270 Mk. auf lebenslängliche, 27,500 Mk. auf vorübergehende Pensionen und 17,950 Mk. auf einmalige Bewilligungen. Mit den Zweigstiftungen belief sich die Gesamtleistung der S. 1905 auf 68,569 Mk. 14 Pf. Vgl. Ziegler, Zur Geschichte der Schillerlotterie (kl. Aufl., Dresd. 1864) und den »45. Jahresbericht der S.«, der eine genaue Darstellung ihrer Geschichte enthält.
 
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Schillerstoff (Äskulin), s. Roßkastanienbaum.
 
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Schillerverein. Unter diesem Namen wurde zuerst 1835 in Marbacha. N., Schillers Geburtsstadt, ein Verein zur Pflege von Schillers Andenken und zur Verbreitung des Studiums und der Verehrung seiner Werke gegründet. Der Verein legte 1835 die Schillerhöhe an, erwarb 1853 Schillers Geburtshaus und enthüllte 1876 Raus Schillerstandbild auf der Schillerhöhe. Ein neuer, größerer S., dessen Zweigverein der Marbacher S. ist, wurde 1895 unter dem Namen Schwäbischer Schillerverein, mit Sitz in Marbach a. N. und in Stuttgart, auf Anregung des Königs von Württemberg durch die konstituierende Versammlung vom 2. Nov. 1895 gegründet, und zwar als Erweiterung des Marbacher Schillervereins zu einem Landesverein. Dieser über bedeutende Mittel verfügende Verein, der seit dem Frühjahr 1903 seinen Sitz in einem stattlichen Spätrokokobau auf der Schillerhöhe in Marbach hat, verfolgt in erster Linie den Zweck, die gesamte an Schillers Namen geknüpfte Kultur zu fördern, hat sich aber darüber hinaus zu einem allgemeinen schwäbischen Literaturarchiv erweitert. Er verfügt über Nachlaßpapiere Uhlands, Gustav Schwabs, Friedrich Notters, Justinus Kerners, Karl Geroks, Bertold Auerbachs, Fr. Vischers, Joh. Georg Fischers, Hermann Hauffs, Wilhelm Hertz' u. a. Er hat sich literarisch außer durch die wissenschaftlichen Beilagen seiner Jahresberichte besonders durch das zu Schillers 100jährigem Todestag herausgegebene »Marbacher Schillerbuch« (Stuttg. 1905), dem 1907 ein zweiter Band (hrsg. von O. Güntter) folgte, bekannt gemacht. Protektor des Vereins ist der König von Württemberg; besondere Verdienste um sein Zustandekommen erwarb sich der Stadtschultheiß Haffner in Marbach; den Katalog der Sammlungen besorgte Ernst Müller in Tübingen; Leiter des Museums und geschäftsführendes Vorstandsmitglied ist Professor Otto Güntter in Stuttgart.
 
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Schilling (scillinc, got. skilligs), 1) als Währungsstufe des Mittelalters der Solidus = 1/20 Pfund oder Münzmark, insoweit die tatsächlich geprägten Münzen = 12 Denare oder Pfennige aus schillerndem Metall dem vorgeschriebenen Silbergewicht entsprachen. Aus dem seinen Römerpfunde von 327,453 g ließ Pippin 22 und aus dem rauhen 20 S. prägen; Karl d. Gr. teilte seine Mark in 20 S. 2) Eine niederdeutsche Silbermünze, zuerst wohl um 1400 von Lübeck vollwichtig geprägt, bald verschlechtert, zuletzt in Mecklenburg 184872 bei 8/24 Feinheit nur 4,87 deutsche Pfennig wert. In den Niederlanden bestand 16511803 neben der Guldenwährung die Rechnung nach S. zu 12 Groten, 20 im flämischen Pfund, und die 1/2 sein geprägte Münze war 51 deutsche Pfennig wert. Vgl. Shilling und Skilling. 3) S. war früher in Österreich Zählmaß für 30, anderswo zuweilen für 12 Stück.

 

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