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Schildkröteninseln bis Schildwächter (Bd. 6, Sp. 793 bis 794)
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Artikelverweis Schildkröteninseln, s. Galapagos und Tortugas.
 
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Schildläuse (Scharlachläuse, Coccidae Burm.), Insektenfamilie aus der Ordnung der Halbflügler, parasitisch lebende Tiere, deren Männchen, die viel seltener als die Weibchen und von manchen Arten gar nicht bekannt sind, borsten- oder schnurförmige Fühler, einen verkümmerten Rüssel, meist verkümmerte Hinterflügel, nicht selten zwei lange Schwanzborsten und zwischen ihnen die Rute besitzen; sie saugen sich als kleine bewegliche Larven auf der Futterpflanze fest, bohren ihren langen Rüssel tief in deren Gewebe ein und nähren sich von dem Pflanzensaft; sie fertigen dann einen Kokon oder schwitzen einen schützenden Schild aus und verwandeln sich in eine ruhende Puppe, die sehr bald das geschlechtsreife Insekt liefert, das nur kurze Zeit lebt und keine Nahrung zu sich nimmt. Die Weibchen, deren Larven sich ebenfalls auf der Futterpflanze festsaugen, schwellen bei weiterer Entwickelung und besonders nach der Begattung, die bei einigen Arten fortfällt, stark an, die Gliederung schwindet, Fühler und Beine werden undeutlich, und nun bilden sie ein mit den Rändern an die Epidermis der Pflanze fest anschließendes Schild, unter dem, oft in einem Filz eingebettet, die Eier abgelegt werden. Die asselförmigen S. schwitzen auf dem Rücken keinen schützenden Schild aus, sondern sind nur bereist. Meist haftet der Schild auch nach dem Tode des Weibchens schützend auf den Eiern, und die Jungen verlassen es nach der ersten Häutung. Die meisten S. gehören wärmern Ländern an, mehrere Arten werden durch massenhaftes Auftreten auf Eichen, Rosen, Apfel- und Birnbäumen, Pfirsich-, Pflaumen-, Maulbeerbäumen, Oleander, Lorbeer, Ananas, Orangen, Palmen und andern Gewächshauspflanzen, am Weinstock etc. schädlich. Die San José-Schildlaus (Aspidiotus perniciosus Comst., s. Tafel Meyers »Gartenschädlinge III«, Fig. 5) ist in Japan heimisch, hat sich seit etwa 1870 von Kalifornien aus über ganz Nordamerika und Kanada verbreitet und findet sich auch in Britisch-Guayana und

[Bd. 6, Sp. 794]


in Australien. Sie lebt auf vielen Pflanzen und wird besonders dem Obst verderblich. Bei uns sind als Schädlinge des Obstes wichtig Aspidiotus ostreaeformis (Fig. 7), die Kommalaus Mytilaspis pomorum Bouché (Fig. 8), Diaspis fallax Costa (Fig. 6), in Tirol Lecanium rotundum Reaum. (Fig. 9) u. a. Zur Bekämpfung der S. hat man in Amerika Marienkäfer aus Australien eingeführt, und von diesen hat Vedalia cardinalis die S. von den Orangebäumen vertrieben (vgl. Marienkäfer). Sonst benutzt man Petroleum, das an warmen sonnigen Tagen sein zerstäubt auf die Bäume gebracht wird. Nützlich sind die Cochenille (Coccus cacti), die Kermesschildlaus (C. ilicis, s. Meyers Kermes), die als Farbware, wie ehemals auch die polnische Cochenille (Johannisblut, Porphyrophora polonica, s. Meyers Cochenille), benutzt wird, die Lackschildlaus (Coccus Lacca), die den Gummilack erzeugt, C. manniparus, die durch das Anstechen von Tamarix die Bildung von Manna veranlaßt, etc. Vgl. Howard, The San José scale (Washington 1898); Frank und Krüger, Schildlausbuch (Berl. 1900); L. Krüger, Insektenwanderungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten (das. 1899).
 
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Schildmädchen, soviel wie Meyers Walküren (s. d.).
 
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Schildmauer, s. Meyers Schild, S. 789. Bei Burgen ein besonderer Deckungs- und Verteidigungsbau, bestehend aus einer bis 25 m hohen, 2,5 bis mehr als 4 m starken Mauer mit Wehrplatte und öfter mit Türmen verbunden.
 
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Schildotter (Schildviper), s. Meyers Brillenschlange.
 
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Schildpatt (Schildpadd, Schildkrot), die hornartigen, aus verdickter Epidermis bestehenden obern Platten des Rückenschildes mehrerer Seeschildkröten, besonders der Chelonia imbricata, die durch Erhitzen von dem Rückenschild abgelöst werden. Das S. ist 36,5 mm dick; ein ausgewachsenes Tier liefert davon höchstens 4 kg und zwar 13 Blätter, von denen 8 ganz flach und die 4 größten etwa 48 cm lang sind. S. ist halbdurchsichtig, heller oder dunkler gelb, meist mit braunen Flecken und Zeichnungen, es ist in der Kälte spröde, aber biegsamer und dichter als Horn, auch dauerhafter und nicht abblätternd (wie Horn), es läßt sich in der Wärme erweichen und zusammenschmelzen und nimmt schönere Politur an als Horn; das blasse S. vom Bauchschild wird zwar auch benutzt, hat aber nur geringen Wert. Das beste, schwarzgelb geflammte S. kommt von den ostindischen Inseln, sehr viel liefert auch das Rote Meer, rotfleckiges Westindien und Südamerika. Man benutzt S. zu Kämmen, Haarnadeln, Dosen, allerhand Galanteriewaren, Furnierblättern, Fächerstäben, Knöpfen etc. Aus mehreren Stücken zusammengesetzte Gegenstände zerbrechen leicht, wenn sie auf die Erde fallen, aus nur einem Stück bestehende nicht. Durch Färben und Beizen von Hornplatten, Zelluloid und Gelatinefolien stellt man Surrogate des Schildpatts (künstliches S.) her. Vgl. Andés, Verarbeitung des Horns, Schildpatts etc. (Wien 1885).
 
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Schildpattinseln, Inselgruppe an der Ostküste von Celebes, s. Meyers Tukanginseln.
 
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Schild Sobieskis, Sternbild, s. Sobieskis Schild.
 
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Schildviper, s. Meyers Brillenschlange.
 
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Schildwache, soviel wie Wachtposten, d. h. Posten im Garnisonwachtdienst und in dem diesem gleichgestellten innern Wachtdienst bei der Unterkunft im Felde. Als Posten sind nur Mannschaften anzusehen, die im Garnisonwachtanzug mit der Verpflichtung, die Waffe nicht aus der Hand zu legen, auf einen begrenzten Posten (Postenbezirk) angewiesen sind; auf Stallwachen findet demnach der Begriff keine Anwendung. Verhalten, Pflichten und Rechte der Schildwachen regelt die Garnisondienstvorschrift vom 15. März 1902. Aus ihr ist insbes. zu entnehmen, daß die Wachtposten, gleich den Wachen und Patrouillen, befugt sind zum Einschreiten behufs Aufrechthalten der öffentlichen Ruhe und Ordnung. Die hierbei etwa erforderliche Festnahme einer Militär- oder Zivilperson erfolgt teils aus eigner Machtvollkommenheit des Postens, teils auf Befehl eines Wachtvorgesetzten, eines Gerichts oder auf Antrag der Polizeibehörde, Polizeibeamten, Gendarmen etc.; dem Ansuchen von Privatpersonen kann nur ausnahmsweise, z. B. wenn Polizei nicht zur Stelle oder nicht herbeizuholen ist, entsprochen werden. Unter bestimmten Voraussetzungen ist bei diesem Einschreiten der Waffengebrauch zulässig, bez. geboten; dabei darf die Schußwaffe erst dann angewendet werden, wenn die andern Waffen unzureichend erscheinen. Die jetzt nicht mehr sehr gebräuchliche Bezeichnung stammt aus früherer Zeit, als der vor jedem Wachtlokal im Freien befindliche Posten (jetzt »Posten vor dem Gewehr«) auch die dort aufgehängten Schilde zu bewachen hatte.
 
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Schildwächter, in der Heraldik, s. Meyers Schildhalter.

 

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