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Schild bis Schilder (Bd. 6, Sp. 789)
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Artikelverweis Schild, in der Zoologie als Panzer die meist harte Decke der Schildkröten und Schildkrebse, auch die rundliche Hülle der Schildläuse, ferner (clypeus) ein Teil des Kopfes der Insekten. Schildchen (scutellum), ein Stück des Mesothorax der Käfer, Wanzen etc., besonders groß bei den Schildwanzen. In der Botanik s. Tafel Meyers »Samenformen«, S. II. In der Jägersprache heißen Schilde die vom Suhlen und Maalen auf den Blättern der starken Schweine (gepanzerten Sauen) mit Harz und Schlamm überzogene Schwarte; auch der braune Fleck auf der Brust der Rebhühner; ferner der mit einer Kuh bemalte Leinwandschirm, hinter dem sich der Jäger beim Fang der Rebhühner im Treibzeug verbirgt.
 
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Schild (Gewölbeschild, Gewölbestirn, Schildmauer, Stirnmauer), im Bauwesen die ein nach zwei oder mehr Seiten offenes Gewölbe (z. B. Tonnengewölbe, Kreuzgewölbe) oder den mit einem solchen überspannten Raum abschließende, also nicht zum Widerlager gehörende Wand (s. Meyers Gewölbe).
 
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Schildamsel (Ringdrossel), s. Meyers Drossel.
 
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Schildau (Schilda), Stadt im preuß. Regbez. Merseburg, Kreis Torgau, am Fluß S., hat eine evang. Kirche, ein Denkmal des hier gebornen Generals v. Gneisenau, Ziegelbrennerei, Steinbrüche und (1905) 1330 meist evang. Einwohner. Den Bewohnern von S. (Schildbürger) schrieb der Volkswitz früher allerlei lächerliche Streiche (s. Meyers Lalenbuch) zu, die sich aber in dem mährischen S. zugetragen haben sollen.
 
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Schildberg, 1) (Ostrzeszow) Kreisstadt im preuß. Regbez. Posen, an der Staatsbahnlinie Posen-Kreuzburg, hat eine evangelische und 3 kath. Kirchen, Synagoge, Burgruine, Bierbrauerei, Ziegelbrennerei, Dampfsägemühle und (1905) 4946 meist kath. Einwohner. 2) (Mährisch-S.) Stadt in Mähren, Bezirksh. Hohenstadt, nahe der böhmischen Grenze, an der Staatsbahnlinie Grulich-S. gelegen, Sitz eines Bezirksgerichts, hat Flachsbau, Baumwollweberei und (1900) 1858 deutsche Einwohner.
 
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Schildblume, s. Chelone.
 
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Schildbogen, s. Meyers Bogen, S. 137, und Gewölbe, S. 811.
 
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Schildbürger, s. Meyers Lalenbuch.
 
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Schildchen (Scutellum), s. Meyers Schild, S. 789.
 
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Schilddrüse (Glandula thyreoidea), bei allen erwachsenen Wirbeltieren, mit Ausnahme der Leptokardier, eine geschlossene Drüse in der Halsgegend. Beim Menschen (s. Tafel Meyers »Eingeweide des Menschen I«, Fig. 2) liegt sie dicht vor dem Bogen des Ringknorpels und dem obern Ende der Luftröhre, mit der sie durch straffes Zellgewebe verbunden ist. Sie ist rötlichbraun, sehr reich an Blutgefäßen, hat beim Erwachsenen ungefähr den Umfang eines Hühnereies, ein Gewicht von reichlich 30 g und die Gestalt eines mit seinen Hörnern nach oben gerichteten Halbmondes. Aus vergleichend-anatomischen Untersuchungen ergibt sich, daß sie ein rudimentäres Organ vorstellt. Im Embryo entsteht sie als ein Fortsatz der Schlundhöhle, der indessen sich rasch davon abschließt und zur Drüse ausbildet. Diese ist unpaar oder paar; im letztern Fall werden die beiden Massen oft durch eine Querbrücke (isthmus) miteinander verbunden, so beim Menschen. Die physiologische Bedeutung der S. ist noch nicht klargestellt. Das Absonderungsprodukt der S. ist eine sehr eiweißreiche Substanz (Kolloid), die in die Lymphgefäße ergossen wird und aus ihnen in das Blut zu gelangen scheint. Fortnahme der Drüse hat bei Tieren schwere Krankheitserscheinungen zur Folge, die mit den Symptomen einer Vergiftung Ähnlichkeit haben: Störungen in der Empfindung, Muskelsteifigkeit, abnorme Herz- und Atemtätigkeit, Krämpfe, schließlich Tod. Beim Menschen treten nach völliger Ausrottung der S. (bei der Kropfoperation) ähnliche Erscheinungen, hauptsächlich auch psychische Störungen (Verblödung) ein (kachexia strumipriva). Bleibt ein, wenn auch nur kleiner Teil der Drüse erhalten, so fehlen diese Symptome. Sie ähneln auffallend dem Kretinismus und dem Myxödem (s. d.), Krankheitszuständen, bei denen Ausbildung und Funktion der S. mangelhaft ist. Eine abnorm starke oder krankhaft veränderte Funktion der S. liegt wohl der Basedowschen Krankheit zugrunde. Hierbei besteht die Funktion der Drüse in der Absonderung einer Substanz, die, in das Blut aufgenommen, dem Körper unentbehrlich ist. Baumann hat als solche eine Jodverbindung entdeckt, das Thyreojodin (Jodothyrin). Gibt man Kranken mit entarteter S. oder nach ihrer operativen Entfernung frische Schilddrüsensubstanz von Tieren oder aus solcher hergestelltes Thyreojodin, so erzielt man überraschende Heilwirkungen. Bei an Basedowscher Krankheit Leidenden hat man durch operative Entfernung eines Teiles der vergrößerten S. gute Resultate erzielt. Da das Thyreojodin eine Steigerung des Stoffwechsels erzeugt, so hat man es auch gegen Fettsucht angewendet, doch ist hierbei große Vorsicht ratsam. Die Kenntnis der Wirkungen der S. war der Ausgangspunkt für die Entwickelung der neuern Meyers Organtherapie (s. d.). Vgl. Oswald, Über die chemische Beschaffenheit und die Funktionen der S. (Straßb. 1901); Lindstädt, Neuere Forschungen über die Verrichtung der S. (2. Aufl., Berl. 1904).
 
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Schilder, Nikolaj Karlowitsch, russ. Militärschriftsteller und Historiker, geb. 21. Mai 1842, gest. 19. April 1902 in Petersburg, war 1857 und 18631879 Gefährte Totlebens, im Türkenkriege 1877/78 erhielt er den goldenen Degen für Tapferkeit. 1879 bis 1886 war er Direktor des Nikolai-Waisenhauses in Gatschina, 188699 Direktor der Nikolai-Ingenieurschule und wurde 1899 zum Direktor der kaiserlichen öffentlichen Bibliothek in St. Petersburg ernannt. Seine Arbeiten umfassen besonders die Periode

[Bd. 6, Sp. 790]


von Katharina II. bis Nikolaus I. Seine Hauptwerke sind: »Das Leben und die Tätigkeit des Grafen Totleben« (Petersb. 188586, 2 Bde.), die »Materialien zur Geschichte Alexanders I.« (das. 189698, 3 Bde.) und die Biographien Pauls I. (das. 1901) und Nikolaus' I. (1. Bd., 1903). Er hinterließ außer einer vierbändigen handschriftlichen Biographie Nikolaus' I. wertvolle Manuskripte, die er zum Teil wegen Zensurschwierigkeiten nicht veröffentlichen konnte.

 

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