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Schifftrüb bis Schikarpur (Bd. 6, Sp. 785 bis 786)
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Artikelverweis Schifftrüb, soviel wie Kühlgeläger, s. Meyers Bier, S. 844.
 
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Schiff und Geschirr, in oberdeutschen Mundarten formelhafte Wendung, die das nötige Gerät für einen Betrieb, besonders das zum Betriebe der Landwirtschaft Nötige, das gesamte Inventar für Ackerbau und Viehzucht, umfaßt.
 
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Schiffweiler, Dorf im preuß. Regbez. Trier, Kreis Ottweiler, an der Staatsbahnlinie Saarbrücken-Neunkirchen, hat eine kath. Kirche, Steinbrüche, Steinkohlen- und Eisenerzbau und (1905) 8668 Einw. Dazu die Kolonie Meyers Klein-Heiligenwald (s. d.).
 
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Schiften (Anschiften, Schmiegen), zwei Hölzer z. B. Dachsparren, ohne besondere Verbindung, nur durch Nägel in schräger Richtung aneinander befestigen; seemännisch heißt S. (aus dem engl. »shift«) soviel wie ändern, umwechseln.
 
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Schigatse (Dschigatsi, Digasdschi), Hauptort und wichtiger Marktplatz des südwestlichen Tibet, am Sangpofluß, 3600 m ü. M., 126 km westlich von Lhassa, amphitheatralisch gebaut, mit meist zweistöckigen, braunroten Häusern, enthält das Kloster Gedur Grab, eine Stiftung des ersten Dalai Lama (1445). In der Nähe das berühmte Kloster Meyers Taschi Lhunpo (s. d.).

[Bd. 6, Sp. 786]



 
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Schiiten, mohammedan. Sekte, die im Gegensatz zu den Sunniten Ali, den Schwiegersohn des Propheten, als den rechtmäßigen Nachfolger Mohammeds anerkennt. Ursprünglich ist die schî'at'Ali, »die Gefolgschaft Alis«, nichts als die Gesamtheit der Anhänger Alis im Bürgerkriege gegen Moâwija I.; nach Alis Tod ist es die legitimistische Partei, welche die herrschende Dynastie der Omaijaden verwirft und den Nachkommen Alis das Recht auf das Kalifat zuspricht. Trotz aller Verfolgung seitens der Herrschenden wuchs die Schi'a, zu der sich insbes. zahlreiche Perser hielten, denen das ihnen widerwärtige Arabertum in der Omaijadendynastie verkörpert war. Daher wirkten die S. mit den Abbasiden zum Sturze der Omaijaden zusammen; als aber das Ziel erreicht war, sahen die Aliden sich von den Abbasiden, wie früher von den Omaijaden, auf die Seite gedrängt. Unter neuen Verfolgungen wuchsen die Gegensätze; es bildeten sich unter dem Einfluß ostpersisch-buddhistischer Strömungen immer extremere Gruppen, welche die Verehrung Alis dahin steigerten, daß sie in ihm, wie in den zu seiner Nachfolge berechtigten Abkömmlingen, nicht bloß die wahren Imâme (Religions- und Gemeindehäupter), sondern geradezu Inkarnationen der Gottheit sahen (s. Meyers Ismaëliten, Meyers Karmaten, Drusen, Nossairier). Andre blieben gemäßigter, ließen aber doch auch die Verehrung Alis und der Aliden gegenüber der des Propheten Mohammed immer mehr in den Vordergrund treten. Die hauptsächlichste dieser gemäßigten Parteien ist die der sogen. Zwölfer, die von Ali an gerechnet zwölf Imâme annahmen, deren letzter die Abbasiden stürzen sollte. Da dies um die entsprechende Zeit (etwa 870) nicht geschah, so entstand der Glaube, der zwölfte Imâm Mohammed sei auf übernatürliche Weise verschwunden, werde aber wiederkommen, das Reich auszurichten (s. Meyers Mahdi). Im ganzen weichen die Zwölfer vom sunnitischen Dogma hauptsächlich ab durch die Verwerfung der ersten Kalifen Abu Bekr, Omar und Othmân, durch die übertriebene Verehrung, die sie Ali und seinen Nachkommen, besonders seinen Söhnen Hassan und Hussein, widmen, durch das geringe Gewicht, das sie auf die Lehren von der Prädestination, den Eigenschaften Gottes u. a. legen, und durch eine Reihe von Besonderheiten im Ritual; dazu verwerfen sie die ganze Tradition der Sunniten, an deren Stelle sie eine überall angeblich durch Ali vermittelte, aber in Wahrheit gröblich verfälschte gesetzt haben. Tatsächlich ist die Lehre des Islams bei ihnen durch mystische, vielfach pantheistische Auffassung ihres ursprünglichen Sinnes beraubt, ja vielfach in ihr Gegenteil verkehrt, so wenig das offiziell aus Licht treten darf. Diese Umbiegung des Islams erklärt sich daraus, daß die S. meist Perser, weiterhin auch Inder sind, denen der semitische Gottesbegriff zu starr und trocken war. In Persien ist der Schiismus in der Form des Zwölfertums Staatsreligion seit dem ersten Sefewidenschah Ismaïl (1502, s. Persien), der von dem siebenten alidischen Imâm abzustammen behauptete. Eigentlich sind seit dem Sturze der Sefewiden durch Nâdir Schah (1736) die persischen Schahs in den Augen der schiitischen Theologen auch nicht legitim, sondern werden nur als vorläufige Vertreter der Imâme betrachtet. Außerhalb Persiens gibt es zahlreiche S. nur in Indien, doch finden sie sich auch in andern Ländern mehr vereinzelt vor, im ganzen etwa 10 Millionen, gegen das etwa Vierundzwanzigfache der Sunniten. Vgl. Querry, Recueil de lois concernant les Musulmans schyites (Par. 187172, 2 Bde.).
 
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Schikane (franz. chicane), eine in böser Absicht veranlaßte Schwierigkeit, durch die namentlich die von einem andern bezweckte Ausführung einer Sache verzögert oder verhindert werden soll (calumnia). Das Bürgerliche Gesetzbuch gewährt Schutz gegen ein solches Vergehen durch § 226 (sogen. Schikaneparagraph), nach dem die Ausübung eines Rechtes unzulässig ist, wenn sie nur den Zweck haben kann, also jeder andre Zweck ausgeschlossen ist, einem andern Schaden zuzufügen. Weitern Schutz bietet § 826, nach dem zum Ersatz des Schadens verpflichtet ist, wer in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise einem andern vorsätzlich Schaden zufügt. Außerdem enthält das Bürgerliche Gesetzbuch noch eine Reihe von Einzelbestimmungen, die den Mißbrauch eines Rechtes hintanhalten wollen. Zur Sicherung gegen S. im Prozeß diente nach älterm Rechte der sogen. Meyers Gefährdeeid (s. d.). Gegen S. bei der Prozeßführung schützen die Vorschriften der Zivilprozeßordnung, daß die Prozeßkosten derjenige zu zahlen hat, der den Prozeß unnötigerweise verschleppt hat, und daß in frivoler Weise erst spät vorgebrachte Verteidigungsmittel zurückgewiesen werden konnten. Gegen S. bildet einen starken Schutz endlich auch die Verpflichtung, Sicherheit zu leisten (s. Meyers Sicherheitsleistung). Daher Schikaneur, einer, der darauf ausgeht, die Rechtsansprüche eines andern nicht zur Geltung kommen zu lassen, Ränkemacher. S. auch Meyers Schikaneverbot. Vgl. Steinbach, Die Moral als Schranke des Rechtserwerbs und der Rechtsausübung (Wien 1898); Blümner, Zur Lehre vom böswilligen Rechtsmißbrauch (Berl. 1900).
 
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Schikanēder, Emanuel, Opern- und Lustspieldichter, geb. 1751 in Regensburg, gest. 21. Sept. 1812 in Wien, gewann in mehreren österreichischen Städten als Komiker den Beifall der Menge, lebte sodann eine Zeitlang als Theaterdirektor in Prag und später in Wien, wo er das sogen. Theater an der Wien gründete. Seine Opern und Singspiele, worunter die »Zauberflöte« (wobei er jedoch eine Arbeit des Schauspielers Karl Ludw. Giesecke [i. Giesecke 1] als Grundlage benutzte) durch Mozarts Musik am bekanntesten wurde, erschienen gesammelt als »Theatralische Werke« (Wien 1792, 2 Bde.). Vgl. E. v. Komorzynski, Emanuel S. (Berl. 1901).
 
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Schikaneverbot, Untersagung einer Rechtsausübung, die nach der ganzen Sachlage für den Berechtigten gar kein Interesse haben kann, sondern nur den Zweck hat, einem andern Schaden zuzufügen. Schon das Römische und später das Gemeine Recht hatten den Satz: wer sein Recht ausübt, ist so lange nicht verantwortlich für den Schaden, den er dem Nächsten zufügt, als die Rechtsausübung nicht lediglich deshalb geschieht, um diesem andern zu schaden. Diesen Grundsatz hat das Bürgerliche Gesetzbuch im § 226 übernommen, indem es sagt: Die Ausübung eines Rechtes ist unzulässig, wenn sie nur den Zweck haben kann, einem andern Schaden zuzufügen. S. auch Meyers Schikane und die dort angeführten Schriften.
 
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Schikanieren (franz.), schurigeln, zwiebeln; vgl. Schikane.
 
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Schikarpur, Distriktshauptstadt in der Provinz Sind der britisch-ind. Präsidentschaft Bombay, 15 km vom Indus, durch Eisenbahn mit Kandahar und mit der Industalbahn verbunden, mit (1901) 49,491 Einw. (31,589 Hindu und 17,804 Mohammedaner), die Teppiche und grobe baumwollene Zeuge fertigen. Der Handel nach Afghanistan ist nach Vollendung der Bahn zurückgegangen.

[Bd. 6, Sp. 787]


 

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