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Schiffahrt bis Schiffahrtsprämien (Bd. 6, Sp. 768 bis 769)
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Artikelverweis Schiffahrt, s. Meyers Seeschiffahrt und Meyers Binnenschiffahrt, auch Küstenfrachtfahrt.
 
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Schiffahrtsabgaben, Abgaben, die in den Häfen und auf Wasserstraßen von Schiffen oder von deren Ladungen für die Benutzung der Schiffahrtsanstalten erhoben werden. Dahin gehören namentlich die sogen. Tonnen-, Leuchtfeuer-, Quarantäne-, Schleusen-, Anker- und Hafengelder; die öffentlichen Gelder dieser Art gewähren nach dem deutschen Handelsgesetzbuch, § 754 dem Forderungsberechtigten die Rechte eines Schiffsgläubigers. Nach Art. 54 der deutschen Reichsverfassung von 1871 soll auf natürlichen Wasserstraßen, dann auf solchen künstlichen, die Staatseigentum sind, der Betrag der S. die zur Unterhaltung und gewöhnlichen Herstellung dieser Anstalten erforderlichen Kosten nicht übersteigen. Dabei sind die Kauffahrteischiffe sämtlicher Bundesstaaten gleichmäßig zu behandeln; auch steht nur dem Reiche, nicht den Einzelstaaten das Recht zu, auf fremde Schiffe

[Bd. 6, Sp. 769]


oder deren Ladungen andre oder höhere S. (Differential-S.) zu legen, als von den Schiffen der Bundesstaaten oder deren Ladungen zu entrichten sind. Für die Binnenschiffahrt kommen hauptsächlich die S. bei den Kanälen in Betracht. Sie sind in Deutschland verschieden hoch; einheitlich geregelt unter Zugrundelegung der Zahl der Gütertonnen und der Wegelänge sind sie in Belgien durch Gesetz vom 1. Juni 1866 und in Frankreich durch Gesetze vom 21. Dez. 1879 und 19. Febr. 1880 (wo übrigens auf den staatlichen Wasserwegen [13 Proz. aller Wasserwege] die S. ganz aufgehoben sind). Die neuerliche Absicht Preußens, auf den natürlichen Wasserstraßen (Rhein, Elbe etc.) zur Deckung der für ihre Verbesserung gemachten Ausgaben Abgaben zu erheben, hat in der letzten Zeit einen lebhaften Streit hervorgerufen. Jedenfalls ist sie nur durchführbar nach Änderung des Artikels 54 der Reichsverfassung (worüber zurzeit mit den Bundesstaaten unterhandelt wird) und nach Neuregelung der Rheinschiffahrtsakte und des Elbzollvertrags. Vgl. Walther, S. auf den deutschen Strömen (Leipz. 1906); Peters, Schifffahrtsabgaben (Bd. 115 der Schriften des Vereins für Sozialpolitik, das. 1906, 1. Teil); Best, Die Zulässigkeit von Fahrwassergeldern auf natürlichen Wasserstraßen (in der Zeitschrift »Das Recht«, 1906, S. 873 ff. u. S. 1241 ff.); Peters, Das Recht der Schiffahrtsabgaben (ebenda, S. 1033 ff. u. S. 1307 ff.); Meyer, Schiffahrtsabgaben (Tübing. 1907); Arndt, Schifffahrtsabgaben (Berl. 1907).
 
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Schiffahrts-Berufsgenossenschaften. Es gibt deren drei im Deutschen Reich: 1) Westdeutsche Binnenschiffahrts-Berufsgenossenschaft für das Gebiet des Rheins und seiner Nebenflüsse sowie der übrigen westlich und südlich von der Elbe und ihren Nebenflüssen gelegenen Flüsse (Donau, Ems, Weser etc.) mit dem Sitz in Duisburg und vier Sektionen, deren Sitze sich in Mannheim, Mainz, Ruhrort und Bremen befinden. An politischen Bezirken umfaßt sie folgende: preußische Regbez. Hannover, Hildesheim, Osnabrück, Aurich, Lüneburg, Winsen, Bleckede, Ülzen, Lüchow, Stade (ohne die Kreise Stade, Kehdingen, Jork, Neuhaus a. d. Oste, Bremervörde), Provinzen Westfalen, Hessen-Nassau, Rheinland, die hohenzollerischen Lande, Regbez. Erfurt (Kreis Schleusingen), ferner für Bayern, Württemberg, Baden, Hessen, Sachsen-Weimar (Verwaltungsbezirk Eisenach), Oldenburg (ohne Fürstentum Lübeck), Braunschweig, Sachsen-Meiningen (ohne Kreis Saalfeld), Sachsen-Koburg-Gotha, Waldeck, Lippe, Schaumburg-Lippe, Bremen und Elsaß-Lothringen. 2) Elbschiffahrts-Berufsgenossenschaft für das Königreich Sachsen, die Provinz Sachsen (ohne Kreis Schleusingen), Sachsen-Weimar (ohne Verwaltungsbezirk Eisenach), Sachsen-Meiningen (Kreis Saalfeld), Sachsen-Altenburg, Anhalt, Schwarzburg-Sondershausen und -Rudolstadt, Reuß ältere und jüngere Linie, Regbez. Potsdam (Kreise: Stadtkreis Potsdam, Ost- und Westhavelland, Ost- und Westprignitz, Zang-Belzig), die Provinz Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz, Hamburg, Lübeck und Fürstentum Lübeck, Regbez. Lüneburg (Kreise: Dannenberg, Harburg, Lüneburg, Winsen, Bleckede, Ülzen, Lüchow), Regbez. Stade (Kreise: Stade, Kehdingen, Jork, Neuhaus a. d. O., Bremervörde). Sitz ist Magdeburg; ohne Sektionsbildung. 3) Ostdeutsche Binnenschiffahrts-Berufsgenossenschaft für die preußischen Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg mit Berlin (ohne die Kreise Stadtkreis Potsdam, Ost- und Westprignitz, Zauch-Belzig), Pommern, Posen, Schlesien. Sitz ist Bromberg; ohne Sektionsbildung. Vgl. Berufsgenossenschaften. Die Tätigkeit der genannten drei S. ergab für Ende 1904 folgende Zahlen:


 
Artikelverweis Schiffahrtsdelikte, die strafbaren Übertretungen seerechtlicher Vorschriften.
 
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Schiffahrtsgesetze, die auf die Schiffahrt bezüglichen gesetzlichen Bestimmungen, die mit den Schifffahrtsverträgen zusammen, soweit sie sich auf das Verkehrswesen zur See beziehen, das Meyers Seerecht (s. d.) bilden.
 
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Schiffahrtshindernisse, s. Meyers Seezeichen.
 
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Schiffahrtskanäle, s. Meyers Kanäle und Binnenschifffahrt.
 
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Schiffahrtskunde (Nautik), s. Meyers Navigation.
 
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Schiffahrtsordnungen, soviel wie Hafenordnungen, s. Meyers Hafenpolizei.
 
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Schiffahrtspolizei, s. Meyers Seeschiffahrt.
 
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Schiffahrtsprämien, staatliche Prämien und Subventionen zur Förderung der Schiffahrt der eignen Flagge. Sie sind entweder Bauprämien für im Inland erbaute Schiffe, oder Ausrüstungsprämien nach der Zahl der Bemannung, Tonnengehalt, Gewicht der Maschinen, Geräte etc., oder Reiseprämien, wie die mit 1,5 Frank beginnenden und dann jährlich sich mindernden Prämien, die Frankreich für die Dauer von zehn Jahren bei im Inland erbauten Schiffen für je eine Tonne und 1000 durchlaufene Seemeilen gewährt. Oder sie sind Postprämien, die den Dampfern unter bestimmten Bedingungen für gewisse Postlinien gewährt werden. In Deutschland ist auf Grund des Reichsgesetzes vom 18. April 1898 auf 15 Jahre vom 1. Okt. 1899 ab vom Reichskanzler ein Vertrag mit dem Norddeutschen Lloyd abgeschlossen und 24. März 1899 und 8. Okt. 1900 ergänzt worden, wonach demselben für den Betrieb der Postdampferlinien mit in Deutschland erbauten Schiffen jährlich 5,590,000 Mk. ausbezahlt werden und zwar für fünf Linien: 1) eine Hauptlinie von Hamburg oder Bremen nach Schanghai; 2) von ebendort nach Hongkong; 3) eine Anschlußlinie von Hongkong nach Schanghai; 4) eine Anschlußlinie von Singapur nach Deutsch-Neuguinea; statt dessen können die Vertragschließenden eine oder mehrere Anschlußlinien von Anlaufhäfen der chinesisch-japanischen Hauptlinie nach dem Neuguinea-Schutzgebiet und den sonstigen Inselgruppen des deutschen Südsee-Schutzgebietes vereinbaren; 5) eine Hauptlinie von Bremerhaven nach dem Festlande von Australien, über einen niederländischen oder belgischen Hafen bis Sydney. Auf Grund des Reichsgesetzes vom 25. Mai 1900 hat der Reichskanzler mit der Deutschen Ostafrika-Linie in Hamburg 21. Juli 1900 vom 1. April 1901 ab auf 15 Jahre einen Vertrag abgeschlossen, wonach die Deutsche Ostafrika-Linie gegen eine jährliche

[Bd. 6, Sp. 770]


Subvention von 1,350,000 Mk. zu unterhalten hat: 1) eine Hauptlinie mit zweiwöchentlichen Rundfahrten um Afrika (einer westlichen und einer östlichen Rundfahrt) und 2) eine Zwischenlinie. Ein Nachtrag vom 17. Juni 1901 bestimmt, daß statt der zweiwöchentlichen Rundfahrten auf Grund der Vereinbarung auch zwei vierwöchentliche Fahrten, eine Ostlinie und eine Westlinie, eingerichtet werden können.

 

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