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Schiff bis Schiffahrtsordnungen (Bd. 6, Sp. 768 bis 769)
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Artikelverweis Schiff, in der Baukunst ursprünglich der für die Laien bestimmte mittlere, größere Teil einer christlichen Kirche, der sich von den Turmbauten an der Westseite bis zu dem an der Ostseite gelegenen Altar erstreckt und meist die Kanzel nebst der Orgel enthält (Mittelschiff). Danach wurden die Nebenabteilungen Seitenschiffe genannt. Auch unterscheidet man Quer- und Langschiffe; s. Meyers Kirchenbaukunst. In der Buchdruckerei heißt S. ein Hilfswerkzeug des Setzers (s. Meyers Buchdruckerkunst, S. 529).
 
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Schiff, Moritz, Physiolog, geb. 1823 in Frankfurt a. M., gest. 6. Okt. 1896 in Genf, studierte in Heidelberg, Berlin und Göttingen, wurde Kustos bei den zoologischen Sammlungen seiner Vaterstadt, 1854 Professor der vergleichenden Anatomie in Bern, 1863 Professor der Physiologie in Florenz und 1876 in Genf. Er arbeitete besonders über Veränderung der Nerven bei Degeneration und Regeneration und namentlich über den Einfluß der Nerven auf die einzelnen Funktionen im Tierkörper, über die Funktion des Rückenmarkes, die Erregbarkeit des Kleinhirns und die Übertragung von Sinnesreizen auf das Gehirn. Auch untersuchte er die Zuckerbildung in der Leber, die Gallenbildung, die Funktion der Milz und lieferte ornithologische Arbeiten und mikroskopische Untersuchungen der Diatomeen. Er schrieb: »Untersuchungen zur Physiologie des Nervensystems« (Bd. 1, Frankf. 1855); »Lehrbuch der Physiologie des Menschen« (Bd. 1: Muskel- und Nervenphysiologie, Lahr 1858); »Lezioni di fisiologia sperimentale sul sistema nervoso encefalico« (Mail. 1867; 2. Aufl., hrsg. von Marchi, Flor. 1873); »Leçons sur la physiologie de la digestion« (hrsg. von Levier, Turin u. Berl. 1868, 2 Bde.).
 
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Schiffahrt, s. Meyers Seeschiffahrt und Meyers Binnenschiffahrt, auch Küstenfrachtfahrt.
 
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Schiffahrtsabgaben, Abgaben, die in den Häfen und auf Wasserstraßen von Schiffen oder von deren Ladungen für die Benutzung der Schiffahrtsanstalten erhoben werden. Dahin gehören namentlich die sogen. Tonnen-, Leuchtfeuer-, Quarantäne-, Schleusen-, Anker- und Hafengelder; die öffentlichen Gelder dieser Art gewähren nach dem deutschen Handelsgesetzbuch, § 754 dem Forderungsberechtigten die Rechte eines Schiffsgläubigers. Nach Art. 54 der deutschen Reichsverfassung von 1871 soll auf natürlichen Wasserstraßen, dann auf solchen künstlichen, die Staatseigentum sind, der Betrag der S. die zur Unterhaltung und gewöhnlichen Herstellung dieser Anstalten erforderlichen Kosten nicht übersteigen. Dabei sind die Kauffahrteischiffe sämtlicher Bundesstaaten gleichmäßig zu behandeln; auch steht nur dem Reiche, nicht den Einzelstaaten das Recht zu, auf fremde Schiffe

[Bd. 6, Sp. 769]


oder deren Ladungen andre oder höhere S. (Differential-S.) zu legen, als von den Schiffen der Bundesstaaten oder deren Ladungen zu entrichten sind. Für die Binnenschiffahrt kommen hauptsächlich die S. bei den Kanälen in Betracht. Sie sind in Deutschland verschieden hoch; einheitlich geregelt unter Zugrundelegung der Zahl der Gütertonnen und der Wegelänge sind sie in Belgien durch Gesetz vom 1. Juni 1866 und in Frankreich durch Gesetze vom 21. Dez. 1879 und 19. Febr. 1880 (wo übrigens auf den staatlichen Wasserwegen [13 Proz. aller Wasserwege] die S. ganz aufgehoben sind). Die neuerliche Absicht Preußens, auf den natürlichen Wasserstraßen (Rhein, Elbe etc.) zur Deckung der für ihre Verbesserung gemachten Ausgaben Abgaben zu erheben, hat in der letzten Zeit einen lebhaften Streit hervorgerufen. Jedenfalls ist sie nur durchführbar nach Änderung des Artikels 54 der Reichsverfassung (worüber zurzeit mit den Bundesstaaten unterhandelt wird) und nach Neuregelung der Rheinschiffahrtsakte und des Elbzollvertrags. Vgl. Walther, S. auf den deutschen Strömen (Leipz. 1906); Peters, Schifffahrtsabgaben (Bd. 115 der Schriften des Vereins für Sozialpolitik, das. 1906, 1. Teil); Best, Die Zulässigkeit von Fahrwassergeldern auf natürlichen Wasserstraßen (in der Zeitschrift »Das Recht«, 1906, S. 873 ff. u. S. 1241 ff.); Peters, Das Recht der Schiffahrtsabgaben (ebenda, S. 1033 ff. u. S. 1307 ff.); Meyer, Schiffahrtsabgaben (Tübing. 1907); Arndt, Schifffahrtsabgaben (Berl. 1907).
 
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Schiffahrts-Berufsgenossenschaften. Es gibt deren drei im Deutschen Reich: 1) Westdeutsche Binnenschiffahrts-Berufsgenossenschaft für das Gebiet des Rheins und seiner Nebenflüsse sowie der übrigen westlich und südlich von der Elbe und ihren Nebenflüssen gelegenen Flüsse (Donau, Ems, Weser etc.) mit dem Sitz in Duisburg und vier Sektionen, deren Sitze sich in Mannheim, Mainz, Ruhrort und Bremen befinden. An politischen Bezirken umfaßt sie folgende: preußische Regbez. Hannover, Hildesheim, Osnabrück, Aurich, Lüneburg, Winsen, Bleckede, Ülzen, Lüchow, Stade (ohne die Kreise Stade, Kehdingen, Jork, Neuhaus a. d. Oste, Bremervörde), Provinzen Westfalen, Hessen-Nassau, Rheinland, die hohenzollerischen Lande, Regbez. Erfurt (Kreis Schleusingen), ferner für Bayern, Württemberg, Baden, Hessen, Sachsen-Weimar (Verwaltungsbezirk Eisenach), Oldenburg (ohne Fürstentum Lübeck), Braunschweig, Sachsen-Meiningen (ohne Kreis Saalfeld), Sachsen-Koburg-Gotha, Waldeck, Lippe, Schaumburg-Lippe, Bremen und Elsaß-Lothringen. 2) Elbschiffahrts-Berufsgenossenschaft für das Königreich Sachsen, die Provinz Sachsen (ohne Kreis Schleusingen), Sachsen-Weimar (ohne Verwaltungsbezirk Eisenach), Sachsen-Meiningen (Kreis Saalfeld), Sachsen-Altenburg, Anhalt, Schwarzburg-Sondershausen und -Rudolstadt, Reuß ältere und jüngere Linie, Regbez. Potsdam (Kreise: Stadtkreis Potsdam, Ost- und Westhavelland, Ost- und Westprignitz, Zang-Belzig), die Provinz Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz, Hamburg, Lübeck und Fürstentum Lübeck, Regbez. Lüneburg (Kreise: Dannenberg, Harburg, Lüneburg, Winsen, Bleckede, Ülzen, Lüchow), Regbez. Stade (Kreise: Stade, Kehdingen, Jork, Neuhaus a. d. O., Bremervörde). Sitz ist Magdeburg; ohne Sektionsbildung. 3) Ostdeutsche Binnenschiffahrts-Berufsgenossenschaft für die preußischen Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg mit Berlin (ohne die Kreise Stadtkreis Potsdam, Ost- und Westprignitz, Zauch-Belzig), Pommern, Posen, Schlesien. Sitz ist Bromberg; ohne Sektionsbildung. Vgl. Berufsgenossenschaften. Die Tätigkeit der genannten drei S. ergab für Ende 1904 folgende Zahlen:


 
Artikelverweis Schiffahrtsdelikte, die strafbaren Übertretungen seerechtlicher Vorschriften.
 
Artikelverweis 
Schiffahrtsgesetze, die auf die Schiffahrt bezüglichen gesetzlichen Bestimmungen, die mit den Schifffahrtsverträgen zusammen, soweit sie sich auf das Verkehrswesen zur See beziehen, das Meyers Seerecht (s. d.) bilden.
 
Artikelverweis 
Schiffahrtshindernisse, s. Meyers Seezeichen.
 
Artikelverweis 
Schiffahrtskanäle, s. Meyers Kanäle und Binnenschifffahrt.
 
Artikelverweis 
Schiffahrtskunde (Nautik), s. Meyers Navigation.
 
Artikelverweis 
Schiffahrtsordnungen, soviel wie Hafenordnungen, s. Meyers Hafenpolizei.

 

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