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Schiefes Gesicht bis Schielen (Bd. 6, Sp. 756)
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Artikelverweis Schiefes Gesicht, s. Meyers Gesichtslähmung.
 
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Schiefe Türme, s. Meyers Turm.
 
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Schiefhals (Caput obstipum, Torticollis), fehlerhafte Stellung des Kopfes, bei der an der kranken Seite die Gegend des Ohrs dem Schlüsselbein genähert ist, während das Gesicht nach der gesunden Seite zugekehrt, das Kinn etwas nach oben gerichtet ist. Der S. beruht auf Funktionsstörung des Kopfnickers (s. Tafel Meyers »Muskeln des Menschen«), dervon dem Warzenfortsatz hinter der Ohrmuschel zum Schlüsselbein und zum Brustbein schräg nach abwärts verläuft. Die Ursache für den S. kann in angeborner Verkürzung des Muskels, entzündlicher Narbenschrumpfung, krampfhafter Zusammenziehung bei Reizungszuständen des Nervs (nervus accessorius Willisii), auch auf Lähmung eines der Kopfnicker beruhen. Bei angeborner oder durch narbige Schrumpfung entstandener abnormer Kopfhaltung muß zuweilen die Sehne des Kopfnickers durchschnitten werden. Vgl. Nickkrampf.
 
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Schiefheit (Skoliosis), s. Meyers Pottsches Übel.
 
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Schiefköpfigkeit, s. Plagiokephalie.
 
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Schiefner, Franz Anton von, hervorragender Sprachforscher und Orientalist, geb. 18. (6.) Juli 1817 in Reval, gest. 16. Nov. 1879 in Petersburg, studierte zuerst 183640 in Petersburg Rechtswissenschaft, dann in Berlin und seit 1846 wieder in Petersburg Philologie, besonders orientalische Sprachen, wirkte längere Zeit als Professor der alten Sprachen an einem Gymnasium in Petersburg, wurde 1852 Mitglied, 1863 auch Bibliothekar der dortigen Akademie und 1866 Wirklicher Staatsrat. Seine erste Spezialität bildete die Erforschung der tibetischen Sprache, für deren wissenschaftliche Erkenntnis seine in den »Bulletins« der Petersburger Akademie (Bd. 8 etc.) veröffentlichten Abhandlungen bahnbrechend waren. Seine kritischen Ausgaben tibetischer Texte (so namentlich Târanâthas »Geschichte des Buddhismus in Indien«, Petersb. 1868; deutsch, das. 1869) und seine deutschen Übersetzungen solcher (Übersetzung einer tibetischen Biographie des Buddha, das. 1849) waren außer für das Studium der Sprache auch für deren Literatur und dadurch für die Geschichte des Buddhismus von großer und dauernder Bedeutung. Einen zweiten Mittelpunkt seiner Studien bildeten die uralaltaischen und sibirischen Sprachen, namentlich das Finnische. Er übersetzte das finnische Epos Meyers »Kalewala« (s. d.) und veröffentlichte eine rhythmische Bearbeitung der »Heldensagen der Minussinischen Tataren« (Petersb. 1859); namentlich aber gab er im Auftrag der Akademie aus dem Nachlaß Meyers Castréns (s. d.) dessen »Nordische Reisen und Forschungen« (185362) heraus, für die er die von Castrén gesammelten sprachlichen Materialien selbst bearbeitete und mit wertvollen Zusätzen bereicherte. Ebenso wichtig sind seine Arbeiten auf einem dritten ganz isolierten Sprachgebiet, dem kaukasischen. Auch hier begnügte sich S. zumeist mit der Rolle eines Interpreten fremder Forschungen, indem er die von dem Generalmajor v. Uslar an Ort und Stelle gesammelten Materialien für die »Abhandlungen der Petersburger Akademie« verarbeitete. Über andre kaukasische Sprachen gab er ganz selbständige Arbeiten heraus, so über die Thuschsprache (Petersb. 1856), über das Awarische (1862, 1872 und 1873), über das Udische (1863); auch mit der zum indogermanischen Stamm gehörigen Sprache der Osseten beschäftigte er sich (»Ossetische Sprichwörter«, in den »Mélanges russes«, Petersb. 1862).
 
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Schiefzähnigkeit, soviel wie Prognathie.
 
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Schiefzeiger, s. Plagioskop.
 
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Schiel, Fisch, s. Meyers Sander.
 
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Schiele, Friedrich Michael, prot. Theolog, geb. 11. Nov. 1867 in Zeitz, war 18901900 Seminaroberlehrer in Schlüchtern und Ottweiler, lebte dann als Privatgelehrter in Ilfeld, seit 1901 in Marburg, seit 1906 in Tübingen. Er schrieb: »Religion und Schule« (Tübing. 1906), veröffentlichte eine kritische Ausgabe von »Schleiermachers Monologen« (Leipz. 1902) und gab 190007 die »Philosophische Bibliothek«, seit 1903 die »Chronik der christlichen Welt«, seit 1904 die »Religionsgeschichtlichen Volksbücher« heraus.
 
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Schielen (Strabismus), eine Störung in der Assoziation der Augenbewegungen, bei der nur das eine Auge sich auf einen zu fixierenden Punkt einstellt, während das andre an diesem Punkt vorbeisieht. Je nachdem die Blicklinie des schielenden Auges vor, hinter, über oder unter dem zu fixierenden, Punkte vorbeischießt, besteht S. nach innen (S. convergens) oder nach außen (S. divergens), nach oben (S. sursum vergens) oder nach unten (S. deorsum vergens). Wegen dieser Abweichung der Blicklinie des schielenden Auges von der Richtung des fixierenden Auges fallen die Bilder ein und desselben Gegenstandes nicht auf gleichwertige Netzhautstellen: es besteht deshalb sehr oft Doppeltsehen, namentlich beim erworbenen S. Bei angebornem S. oder bei S., das in frühester Kindheit aufgetreten ist, fehlt das Doppeltsehen fast immer. Ein Schielender, der doppelt sieht, ist sehr oft im Zweifel über die wahre Lage der Objekte, ebenso entgeht ihm der Vorteil des stereoskopischen Sehens und der Schätzung von Entfernungen. Man unterscheidet zwei Arten des Schielens: das unbewegliche S. (Lähmungsschielen, S. paralyticus) und das bewegliche S. (S. concomitans). Bei ersterm ist das schielende Auge infolge einer Lähmung der betreffenden Augenmuskeln ganz unbeweglich nach einer bestimmten Richtung gewandt, oder es kann nur noch einen Teil der normalen Bewegungen ausführen. Die Ursachen dieser Lähmungen sind sehr mannigfaltig: Krankheiten des Gehirns, der Nerven, aber auch Diphtherie, Diabetes, Rheumatismus, Vergiftungen, Verletzungen kommen in Betracht. Auch kommen Lähmungen der Augenmuskeln angeboren vor. Beim beweglichen (konkomittierenden) S. ist die Beweglichkeit des abgelenkten Auges nicht gestört, es kann vielmehr allen Bewegungen des gesunden Auges folgen, freilich immer dabei in seiner abgelenkten Stellung bleibend (S. monolateralis). Dabei kann bei

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gewissen Blickrichtungen das bisher schielende Auge die Fixation übernehmen, dafür tritt dann das bisher fixierende Auge in Schielstellung (S. alternans, Wechselschielen). Das konkomittierende S. ist zumeist Folge einer Refraktionsanomalie, von Übersichtigkeit oder Kurzsichtigkeit. Durch Korrektion dieser Anomalien durch geeignete Brillen kann, namentlich im Beginn des konkomittierenden Schielens, eine Beseitigung erzielt werden; andernfalls bleibt nur die Schieloperation übrig, ein gänzlich ungefährlicher Eingriff, der in kurzer Zeit das Leiden beseitigt. Bleibt ein Auge dauernd in Schielstellung, so wird es nach und nach immer schwachsichtiger (Amblyopsie aus Nichtgebrauch). Die Behandlung des Lähmungsschielens hat zunächst die Ursache der Lähmung zu berücksichtigen und zu beseitigen, eventuell kommt dann auch hier die Schieloperation in Frage. Vgl. Schweigger, Klinische Untersuchungen über das S. (Berl. 1881) und Die Erfolge der Schieloperation (Wiesb. 1895); Alfred Gräfe, Motilitätsstörungen des Auges (in Gräfe-Sämisch, Handbuch der gesamten Augenheilkunde, 2. Aufl., Leipz. 1898) und Snellen u. a., Operationslehre (ebenda 1902 f.); Worth, Das S. (deutsch, Berl. 1904); Schoen, Das S. (Münch. 1906).

 

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