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Schickhardt bis Schiebebrücke (Bd. 6, Sp. 750 bis 751)
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Artikelverweis Schickhardt, Heinrich, Architekt, geb. 5. Febr. 1558 in Herrenberg bei Stuttgart, gest. daselbst 31. Dez. 1634, lernte 1578 bei dem herzoglichen Baumeister Georg Behr in Stuttgart, erbaute 1579 das Schloß zu Stammheim, baute seit 1590 mit Behr die abgebrannte Stadt Schiltach wieder auf und ging 1598 nach Italien, von wo er ein Tagebuch mit zahlreichen Zeichnungen italienischer Bauwerke mitbrachte. Seine Hauptwerke sind der im 18. Jahrh. abgerissene Neue Bau in Stuttgart und die Kirche in dem 1599 gegründeten Ort Freudenstadt, der ganz nach seinen Plänen erbaut wurde. Seine Tätigkeit auf dem Gebiete des Nutzbaues war außerordentlich fruchtbar und bis nach dem Elsaß (Mömpelgard) ausgedehnt. Er starb an einer von einem kaiserlichen Soldaten erhaltenen Wunde. Seine »Handschriften und Handzeichnungen« wurden von Heyd herausgegeben (Stuttg. 1902). Vgl. den Artikel von Wintterlin in der »Allgemeinen deutschen Biographie«, Bd. 31 (Leipz. 1890).
 
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Schicklich (von »Schick«, gute Ordnung, gefällige Lebensart) ist, was sich schickt, d. h. den gegebenen Verhältnissen, insbes. den eben herrschenden Anstands- und Sitten-, aber auch Geschmacks- und Kunstregeln gemäß ist, ohne unbedingt geboten zu sein. Wer es mit Leichtigkeit zu finden, d. h. sich zu schicken, weiß, heißt geschickt. Meyers Clarke (s. d. 1) hat das Schickliche (the fitting) seiner Moral zugrunde gelegt. Vgl. Takt.
 
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Schicksal (Geschick), sowohl das Geschickte, d. h. ein einzelnes Ereignis oder eine ganze Reihe solcher, von denen angenommen wird, daß sie durch eine übermenschliche Macht bestimmt sind, als auch das Schickende, d. h. das (im Gegensatz zur Gottheit) unpersönlich gedachte Wesen, von dem die Begebenheiten und Verhältnisse ausgehen, die wir Schicksale nennen. Im erstern Sinn unterscheidet man verdientes (selbstverschuldetes) und unverdientes (unverschuldetes), im letztern gerechtes (Nemesis) und ungerechtes S. (Fatum). Dem S. im ersten Sinne steht einerseits der (grundlose) Zufall, anderseits die natürliche Abhängigkeit der Erfolge von unsern vorausgegangenen Handlungen, dem S. im zweiten Sinne die (persönliche) Vorsehung gegenüber. Vgl. auch die Artikel »Moiren« und »Fatum«.
 
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Schicksalsbaum, s. Meyers Clerodendron.
 
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Schicksalsdramen nennt man eine Gruppe dramatischer Werke, besonders aus dem zweiten und dritten Jahrzehnt des 19. Jahrh., in denen eine spukhaftgrauenvolle Auffassung des Schicksals hervortritt. Dieses Schicksal wird als unentrinnbar, als vorherbestimmt und durch geheimnisvolle Anzeichen vorausverkündet gedacht, und es übt eine solch überragende Gewalt aus, daß ihm gegenüber die in vernunftgemäßer Entscheidung des Menschen liegenden Ursachen der Lebensvorgänge ganz ausgeschaltet werden, ja es drängt den Willen des Menschen mit unwiderstehlichem Zwang in eine ihm verhängnisvoll werdende Richtung. Abgesehen von unwichtigern Vorläufern, wie K. Ph. Moritz' »Blunt, oder der Gast« (1781, nach dem Englischen des Lillo), war Schillers »Braut von Messina« von entscheidendem Einfluß für das Aufkommen der S.: auch hier Unentrinnbarkeit, Vorherbestimmung und Vorausverkündung des durch einen Fluch veranlaßten Geschicks; aber noch nicht (und das ist von entscheidender Bedeutung) Aufhebung und Erdrückung des sittlichen Verantwortlichkeitsgefühls. Hauptverfasser von S. sind Zacharias Werner und Müllner; als das bedeutendste Werk des erstern ist »Der vierundzwanzigste Februar«, als das des letztern »Die Schuld« und daneben »Der neunundzwanzigste Februar« zu nennen. Etwas abseits steht Houwald, der in seinen Dramen »Das Bild«, »Der Leuchtturm« u. a. sich zwar an die spukhaften Äußerlichkeiten der S. anlehnt, wonach das verhängnisvolle

[Bd. 6, Sp. 751]


Geschick mit einem ererbten Gegenstand (Messer, Sense), einem bestimmten Tag oder Ort verknüpft ist, der sich aber von der extremen Auffassung des Schicksals selbst freihält. Auch Franz Grillparzer schloß sich in seiner immerhin phantasiereichen und lebensvollen Jugendtragödie »Die Ahnfrau« der falschen Richtung an, ließ sie aber schon in seinen nächsten Dramen völlig hinter sich. Dazu kam eine Menge längst vergessener Nachahmer, wie W. Smets, Heinrich Smidt, Anton Richter, A. v. Seckendorff, die mit den alten Mitteln die vielbewährten Wirkungen hervorzurufen versuchten. Das Schicksalsdrama verfiel beizeiten der Parodie, Jeitteles-Castellis »Schicksalsstrumpf« (Leipz. 1818) eröffnete den Reigen, und Platens satirische Komödie »Die verhängnisvolle Gabel« beschloß ihn. Vgl. Minor, Die Schicksalstragödie in ihren Hauptvertretern (Frankf. 1883), und dessen Ausgabe von S. in Bd. 151 von Kürschners »Deutscher Nationalliteratur«.
 
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Schicksalsglaube, s. Meyers Fatalismus.
 
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Schidduch (hebr.), im Vulgär-Jüdischen soviel wie Heiratsvermittelung.
 
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Schidlitz, Vorstadt von Meyers Danzig (s. d., S. 507).
 
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Schĭdlowetz (Szydlowiec), Stadt im russisch-poln. Gouv. Radom, Kreis Konsk, an der Linie Iwangorod-Golonog der Weichselbahnen, mit (1897) 7202 Einw. (viele Juden). In der Nähe Eisenerzgruben.
 
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Schidōne (spr. ßki-, Schedoni), Bartolommeo, ital. Maler, geb. um 1580 in Modena, gest. 1615 in Parma, war Schüler der Carracci, bildete sich aber mehr nach Correggio, dessen Eigenart er mit der naturalistischen Richtung verschmolz. Anfangs in Modena tätig, wurde er später Hofmaler in Parma. Um 1604 malte er die Fresken im Rathaus zu Modena: Coriolan und sieben allegorische Frauen, die Harmonie darstellend. Von seinen Ölbildern sind hervorzuheben: das Gastmahl beim Pharisäer (in der Galerie zu Modena), eine Grablegung Christi (Parma), Christus zu Emmaus (Hofmuseum in Wien), der heil. Sebastian (Neapel), eine heilige Familie mit dem kleinen Johannes (Dresden).
 
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Schiebebrücke, s. Meyers Brücke, S. 481.

 

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