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Schichtung bis Schicksal (Bd. 6, Sp. 748 bis 750)
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Artikelverweis Schichtung, die Lagerungsform der unter dem Einfluß eines beweglichen Mediums (Wasser, Luft) und der Schwerkraft zum Absatz gelangten Sedimentgesteine; sie äußert sich in der Trennung der Gesteine

[Bd. 6, Sp. 749]


durch untereinander annähernd parallele Flächen (Schichtungsflächen, Schichtflächen), die bei verhältnismäßig geringem Abstand eine große Ausdehnung besitzen, in einzelne tafel- oder plattenförmige Lagen (Schichten, Strata). Vgl. Tafel Meyers »Gebirgsbildungen«, Fig. 1, und Tafel Meyers »Bergformen III« sowie II, Fig. 13. Die einzelnen Schichten werden entweder nur durch eine Schichtungskluft (Schichtungsfuge) oder durch eine dünne Lage verschiedenen Gesteinmaterials (Zwischenmittel, Besteg) voneinander getrennt, wie z. B. die Schichten des Muschelkalks durch dünne Tonlagen. Ost sind die Schichten selbst nach Material voneinander verschieden, sei es, daß eine einzelne abweichend beschaffene Schicht (Bank) einer Mehrzahl gleichartiger Schichten eingelagert ist (Steinkohle zwischen Schieferton- und Sandsteinschichten), sei es, daß verschiedenartig ausgebildete Schichten wiederholt miteinander wechseln. Mitunter wird die S. bei im ganzen gleichartigem Gesteinsmaterial durch Verschiedenheit der Farbe, des Korns etc. angedeutet (z. B. bei Buntsandstein). Auch erscheinen manche Gesteine nur durch die zonenartige Anordnung von Einschlüssen geschichtet (Feuersteine in der weißen Kreide). Die Schichten zeichnen sich in der Regel durch eine deutliche Meyers Schieferung (s. d.) oder sogen. plane Parallelstruktur aus; zuweilen haben sie, zumal bei sandigen, unter dem Einfluß von Wind oder bei starker Wellenbewegung abgesetzten, aber auch bei gewissen kalkigen Gesteinen, außerdem noch eine Querschichtung (Kreuzschichtung, Übergußschichtung, ungleichförmige und diskordante Parallelstruktur, Diagonalschichtung, s. d.), indem zwischen Teilen von untereinander paralleler S. wiederholt Lagen eingeschlossen sind, die eine quer oder schräg verlaufende S. zeigen. Die Schichtungsflächen unterscheidet man als Unter- (Sohl-) und als Ober- (Dach-) Fläche; ihr senkrechter Abstand voneinander gibt die Mächtigkeit, die Ausdehnung parallel zu den Begrenzungsflächen die Verbreitung der Schicht. Auf der Dachfläche einer Schicht sind oft Versteinerungen angehäuft, oder man beobachtet Wellenfurchen, netzförmige Leisten, Tierfährten, Pseudomorphosen nach Steinsalz. Sehr mächtige Schichten heißen Bänke (z. B. Buntsandstein); Schichten von technisch wichtigem Material (z. B. Steinkohle) nennt man Meyers Flöz (s. d.) oder Lager (Eisensteinlager etc.). Nähern sich bei der Verbreitung der Schicht Dach- und Sohlfläche immer mehr und mehr bis zur Berührung, so keilt sich die Schicht aus. Die Durchschnittsfläche einer Schicht mit der Erdoberfläche ist ihr Ausgehendes (ihr Ausstrich), das zum Schichtenkopf wird, wenn die Schicht mit der Erdoberfläche einen rechten oder doch annähernd rechten Winkel bildet. Stellt sich das Auskeilen schon nach verhältnismäßig geringer Verbreitung in allen Richtungen ein, so besitzt die Schicht eine andre Form der Lagerung, die der Linse (lentikulare Einlagerung, z. B. Steinsalz, Gips). Von mehreren übereinander liegenden Schichten ist diejenige, die unmittelbar über einer bestimmten Schicht liegt, deren Meyers Hangendes (s. d.), die unmittelbar unter derselben befindliche deren Liegendes; das letztere ist der Bildung nach älter, das Hangende jünger. Eine Mehrheit von Schichten wird als Schichtenreihe oder Schichtensystem bezeichnet (Weiteres s. Meyers Geologische Formation). Die einzelnen Schichten eines solchen Systems können dem Material nach gleich oder verschiedenartig sein. Bei Ungleichheit des Materials ändert sich die Beschaffenheit der einzelnen Schichten zuweilen ganz allmählich. Ist das Material der nächsten Schicht von dem der vorausgehenden durchaus verschieden, so kann der Fall eintreten, daß die dritte Schicht das der ersten, die vierte das der zweiten wiederholt: es zeigen dann die die Schichten bildenden Gesteine eine Wechsellagerung.
   Schichten und Schichtensysteme sind der Lage nach söhlig oder schwebend, wenn sie horizontal oder nahezu horizontal verlaufen. Abweichungen von dieser Richtung werden durch die Beobachtung des Streichens und Fallens (s. d.) der Schichten vermittelst Kompasses und Gradbogens bestimmt. Zeigen zwei aufeinander folgende Schichtensysteme untereinander parallele S., so sind sie konkordant (gleichförmig), im entgegengesetzten Falle diskordant (ungleichförmig). In der Bildung konkordanter Systeme hat keine größere zeitliche Unterbrechung stattgefunden, während zwischen der Ablagerung diskordanter Systeme ein Zeitraum liegen muß, in dem das ältere System aus seiner ursprünglichen, horizontalen Lagerung gebracht wurde (s. Meyers Artikel »Geologische Formation«, S. 597, und zugehörige Tafel II, Fig. 2 u. 4). Greift ein Schichtensystem über die Grenzfläche gegen ein älteres konkordant unterlagerndes Schichtensystem hinaus, indem es ein größeres Verbreitungsgebiet als das letztere besitzt, so spricht man von einer übergreifenden oder transgredierenden Auslagerung (Transgression). In der Richtung der Verbreitung der Schichten können Schichtensysteme dadurch ineinander übergehen, daß sich zwischen die Schichten des einen zuerst dünne, nach einer bestimmten Richtung aber immer mächtiger werdende Schichten eines verschiedenartigen Materials eindrängen, bis sie zuletzt das System allein zusammensetzen. Da die mittlern Partien unter solchen Verhältnissen Wechsellagerung zeigen und die abwechselnden Schichten nach entgegengesetzten Richtungen sich auskeilen, so spricht man von einem Übergang durch auskeilende Wechsellagerung.
   Die Schichten haben sich mehr oder weniger horizontal abgelagert, sind aber vielfach infolge späterer Bewegungen in der Erdrinde ausgerichtet und gefaltet worden (vgl. Tafel Meyers »Bergformen II« sowie Artikel »Geologische Formation«, S. 597, und zugehörige Profile, auch Tafel Meyers »Gebirgsbildungen«, Fig. 4, und Tafel Meyers »Metamorphismus«, Fig. 1 u. 6). Sind die Schichten bis zur senkrechten Stellung ausgerichtet, so sind sie saiger oder stehen auf dem Kopf; sind sie um mehr als 90° ausgerichtet, so bezeichnet man sie als überkippt. Fallen die Schichten von den Seiten (Flügeln, Schenkeln) aus einer Linie (Muldenlinie, Muldenachse) zu, so entsteht eine Mulde (Synklinale), fallen sie von allen Seiten einem Punkte (Muldentiefstes) zu, so entsteht ein Kessel (Becken, Bassin). In beiden Fällen sind die Schichten synklin, d. h. sie fallen einander zu. Sind umgekehrt die Schichten antiklin, zeigt ein Schichtensystem einen höchsten Punkt im Innern, von dem die Schichten allseitig abfallen, so ist es kuppelförmig und wird zum Sattel (Gewölbe, Antiklinale), wenn kein Punkt, sondern eine Linie (Sattellinie, Antiklinalachse) das Höchste der Schichten bildet. Fehlt dieses Höchste infolge späterer Erosion, so entsteht ein Luftsattel. Die Schichten einer Kuppel oder eines Beckens schneiden die Horizontalebene in einer in sich zurücklaufenden geschlossenen Linie, der Streichlinie, sie haben einen umlaufenden Bau. Schließen sich Sättel und Mulden aneinander, so spricht man von einer Faltung, von

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gefalteten und gebogenen Schichten und unterscheidet unter den Falten stehende, bei denen die Flügel symmetrisch zu der Mittellinie (Achse) des Sattels und der Mulde gestellt sind, schiefe, bei denen die Neigung der Flügel gegen die Mittellinie eine ungleiche ist, überkippte, wenn die Flügel nach derselben Seite einfallen, und liegende, bei denen die Flügel eine fast horizontale Lage besitzen. Isoklinalfalten sind solche, deren Schenkel mehr oder weniger parallel stehen. Waren die auf die Schichten einwirkenden seitlichen Kräfte nicht stark genug, um sie deutlich zu falten, so entstand oft nur eine Runzelung, Kräuselung, Fältelung, zickzackförmige Knickung oder Biegung der Schichten, oder gar nur eine Rippung oder Kräuselung der Schichtungsflächen. Eine eigentümliche, sogen. fächerförmige Schichtenstellung findet sich zuweilen im starkgefalteten Gebirge, z. B. in den Alpen (s. Tafel Meyers »Geologische Formationen I«, Fig. 1, und Tafel II, Fig. 3, sowie Artikel »Gebirge«, Textfigur 1, S. 409); hierbei lehnen sich an eine zentrale Zone von senkrecht gestellten Schichten nach rechts und links geneigte, der zentralen Partie zufallende Schichten an. Vgl. auch die Artikel »Dislokation, Hebung, Lagerung und Verwerfung«.
 
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Schichtung, s. Meyers Ehegüterrecht, S. 400.
 
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Schichtvulkane, soviel wie Stratovulkane, s. Vulkane.
 
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Schichtweberei (Schlitzwirkerei), eine Art der Kunstweberei, die gobelinartige Stoffe herstellt. Der Ausdruck hat seinen Ursprung nach den sich durch die Technik ergebenden geraden Schlitzen, deren äußere Wirkung dem »Schichtensystem« der Bauweise entspricht, wonach zwei sich parallel begrenzende Flächen »Schichtenflächen« genannt werden. Bekannt ist die S. seit dem frühesten Mittelalter, sie beruht auf einer Art von Handwirkerei, die der eigentlichen Weberei überall vorausging. Vgl. Gobelins und Kilim.
 
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Schichtwolke, s. Meyers Wolken.
 
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Schichzen, Stamm der Turkmenen (s. d.).
 
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Schick, s. Meyers Chic.
 
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Schick, 1) Margarete, geborne Hamel, berühmte Sängerin, geb. 26. April 1773 in Mainz, gest. 29. April 1809 in Berlin, verheiratete sich 1791 mit dem Violinvirtuosen Ernst S. (gest. 1813 in Berlin), debütierte ein Jahr später in Mainz als Sängerin, ging 1794 nach Hamburg und bald darauf nach Berlin, wo sie zugleich als Kammersängerin angestellt wurde. Sie starb infolge des Zerreißens einer Hals arterie nach kaum beendigter Mitwirkung bei der Ausführung von Righinis Tedeum im Berliner Dom. Frau S. wird von den Zeitgenossen sehr hoch gestellt und gleich nach der Mara genannt, namentlich als Interpretin Glucks. Vgl. Levezow, Leben und Kunst der Frau Margarete S. (Berl. 1809).
   2) Gottlieb, Maler, geb. 15. Aug. 1776 in Stuttgart, gest. daselbst 7. Mai 1812, bildete sich hier und in Paris in Davids Schule und schuf seit 1802 in Rom unter der Nachwirkung von Carstens, aber ohne die französische Schulung verleugnen zu können, antikisierende Gemälde: David, vor Saul die Harfe spielend (1803), das Opfer Noahs, Apollo unter den Hirten (1808, sämtlich in der Stuttgarter Galerie). Sein Bestes leistete er in Bildnissen, wie denen Danneckers und seiner Gattin (daselbst) und denen der Familie Humboldt (Schloß Tegel).
 
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Schickhardt, Heinrich, Architekt, geb. 5. Febr. 1558 in Herrenberg bei Stuttgart, gest. daselbst 31. Dez. 1634, lernte 1578 bei dem herzoglichen Baumeister Georg Behr in Stuttgart, erbaute 1579 das Schloß zu Stammheim, baute seit 1590 mit Behr die abgebrannte Stadt Schiltach wieder auf und ging 1598 nach Italien, von wo er ein Tagebuch mit zahlreichen Zeichnungen italienischer Bauwerke mitbrachte. Seine Hauptwerke sind der im 18. Jahrh. abgerissene Neue Bau in Stuttgart und die Kirche in dem 1599 gegründeten Ort Freudenstadt, der ganz nach seinen Plänen erbaut wurde. Seine Tätigkeit auf dem Gebiete des Nutzbaues war außerordentlich fruchtbar und bis nach dem Elsaß (Mömpelgard) ausgedehnt. Er starb an einer von einem kaiserlichen Soldaten erhaltenen Wunde. Seine »Handschriften und Handzeichnungen« wurden von Heyd herausgegeben (Stuttg. 1902). Vgl. den Artikel von Wintterlin in der »Allgemeinen deutschen Biographie«, Bd. 31 (Leipz. 1890).
 
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Schicklich (von »Schick«, gute Ordnung, gefällige Lebensart) ist, was sich schickt, d. h. den gegebenen Verhältnissen, insbes. den eben herrschenden Anstands- und Sitten-, aber auch Geschmacks- und Kunstregeln gemäß ist, ohne unbedingt geboten zu sein. Wer es mit Leichtigkeit zu finden, d. h. sich zu schicken, weiß, heißt geschickt. Meyers Clarke (s. d. 1) hat das Schickliche (the fitting) seiner Moral zugrunde gelegt. Vgl. Takt.
 
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Schicksal (Geschick), sowohl das Geschickte, d. h. ein einzelnes Ereignis oder eine ganze Reihe solcher, von denen angenommen wird, daß sie durch eine übermenschliche Macht bestimmt sind, als auch das Schickende, d. h. das (im Gegensatz zur Gottheit) unpersönlich gedachte Wesen, von dem die Begebenheiten und Verhältnisse ausgehen, die wir Schicksale nennen. Im erstern Sinn unterscheidet man verdientes (selbstverschuldetes) und unverdientes (unverschuldetes), im letztern gerechtes (Nemesis) und ungerechtes S. (Fatum). Dem S. im ersten Sinne steht einerseits der (grundlose) Zufall, anderseits die natürliche Abhängigkeit der Erfolge von unsern vorausgegangenen Handlungen, dem S. im zweiten Sinne die (persönliche) Vorsehung gegenüber. Vgl. auch die Artikel »Moiren« und »Fatum«.

 

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