Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Scheu vor dem Leeren bis Schiavōne (Bd. 6, Sp. 747 bis 748)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Scheu vor dem Leeren (Horror vacui), s. Meyers Barometer.
 
Artikelverweis 
Scheveningen (spr. ß-cheveningen, Schevelingen), Fischerdorf und berühmter Seebadeort in der niederländ. Provinz Südholland, 2 km nordwestlich vom Haag, mit diesem durch eine schöne Doppelallee, einen Kanal, 2 Dampfstraßenbahnen und 3 elektrische Bahnen verbunden, dicht an der Nordsee, in der ersten Reihe der Dünen liegend, hat eine deutsche prot. Kirche, ein prächtiges Kurhaus (1887 erbaut), elegante Hotels (Palace Hotel, Seinpost, Zeerust, Oranien Hotel u. a.), einen 1,5 km langen Promenadendamm, einen Fischerhafen, Leuchtturm und ein Seehospiz (Sophien-Stiftung). S. bildet mit dem Haag Eine Gemeinde und ist Sitz eines deutschen Konsuls. Unweit davon sind die sehr besuchten und eleganten Seebäder, die wegen einer davorliegenden Bank, die einen starken Wellenschlag verursacht, im Rufe besonders kräftiger Wirkung stehen. Seit 1853 ist S. durch einen unterseeischen Telegraphen mit der englischen Küste verbunden.
 
Artikelverweis 
Schewtschénko (Szewczenko), Taras Grigorjewitsch, kleinruss. Dichter, geb. 9. März (25. Februar) 1814 als Sohn eines Leibeignen im Dorf Morinzy im Gouv. Kiew, gest. 10. März (26. Febr.) 1861 in St. Petersburg, kam 1832 zu einem Zimmermaler in St. Petersburg in die Lehre und erlangte durch Vermittelung des Dichters Shukowskij und des Malers Brülow 1838 Freilassung und Aufnahme in die Akademie der Künste. Neben der Malerei gab er sich seinen poetischen Neigungen hin und verfaßte seine schwermütigen, von einem tiefen Pessimismus erfüllten Gedichte in der Mundart seiner Heimat, der Ukraine, für deren nationales Leben und historische Erinnerungen er ein tiefes poetisches Gefühl bekundete. Eins dieser Gedichte: »Kavkaz«, worin er das Schicksal eines Freundes besang, der seiner Freisinnigkeit wegen in den Kaukasus verbannt worden war, zog ihm ein gleiches Schicksal zu: er wurde 1847 nach dem Gouv. Orenburg verwiesen, später in der Festung Nowo-Petrowsk interniert und erlangte erst 1857, dank den Bemühungen seiner Petersburger Freunde (besonders der Gräfin Tolstoi), seine Freiheit wieder. 1858 kehrte er, körperlich leidend, nach St. Petersburg zurück. S. ist als der kräftigste und nationalste Dichter der Kleinrussen anerkannt. Sein Hauptwerk ist die Sammlung »Kobzaŕ« (»Der Kobzaspieler«, 1840 u. ö.). Seine Gedichte (in Auswahl deutsch von Szpoynarowski, Czernowitz 190406,2 Hefte), Novellen und Erzählungen in großrussischer Sprache wurden 1888 in Kiew von der Redaktion des »Kiewer Altertums« herausgegeben. Vgl. Obrist, T. G. Szewczenko (Czernowitz 1870).
 
Artikelverweis 
Schewwâl (arab.), der zehnte Monat des mohammedanischen Jahres.
 
Artikelverweis 
Scheyern, Dorf im bayr. Regbez. Oberbayern, Bezirksamt Pfaffenhofen, hat eine kath. Kirche, eine Benediktinerabtei mit Lateinschule und Knabenseminar (ursprünglich Stammburg der Grafen von S.) und (1905) 673 Einw. Die Stammburg S., 940 von Arnulf II. erbaut, ward 1124 in ein Kloster verwandelt und den Mönchen des aufgehobenen Klosters Ufenhofen überwiesen, der Sitz des Geschlechts aber nach Wittelsbach verlegt. Seit Arnulf II. (937954) befinden sich die Grafen von S. im Besitz des Pfalzgrafenamts in Bayern. Der Hauptort dieser Pfalzgrafschaft war Neuburg, ein Reichslehen, das dann mit den Scheyernschen Erbgütern in Rain, Aichach und Hohenwart zu Einem Territorium verschmolz. Ein Seitenzweig des obigen Hauses sind die Grafen von Dachau. Ein Nachkomme Arnulfs II. war Otto von Wittelsbach, der 1180 das Herzogtum Bayern erhielt und der Stammvater des jetzigen bayrischen Königshauses ist. Das Kloster ward 1803 aufgehoben und verkauft, 1838 aber von König Ludwig I. wieder angekauft, neu eingerichtet und zur Gruft des königlichen Hauses bestimmt. Vgl. Knitl, S. als Burg und Kloster (Freising 1880).
 
Artikelverweis 
Schh., s. Schönh.
 
Artikelverweis 
Schiaffīno (spr. ßkja-), Placido Maria, Kardinal, geb. 5. Sept. 1829 in Genua, gest. 23. Sept. 1889 in Subiaco, trat in den Benediktinerorden, wurde 1870 Generalvikar der Olivetaner, vom Papst Leo XIII. zu wichtigen Ämtern verwendet und 27. Juli 1885 als Vertreter seines Ordens Kardinal.
 
Artikelverweis 
Schiaparelli (spr. ßkja-), Giovanni Virginio, Astronom, geb. 14. März 1835 in Savigliano (Piemont), studierte in Turin, Berlin und Pulkowa, wurde 1860 zweiter Astronom und 1862 Direktor der Sternwarte in Mailand, 1889 wurde er Senator, 1900 trat er in den Ruhestand. Er entdeckte den Planetoiden (69) Hesperia, machte sich aber besonders bekannt durch seine Untersuchungen über den Zusammenhang der Kometen mit den Meyers Sternschnuppen (s. d.), die er in den »Note e riflessioni sulla teoria delle stelle cadenti« (Flor. 1867; deutsch von G. v. Boguslawski: »Entwurf einer astronomischen Theorie der Sternschnuppen«, Stett. 1871) veröffentlichte. Außerdem lieferte S. eine große Reihe vorzüglicher Doppelsternmessungen und namentlich bahnbrechende Beobachtungen über die Gebilde auf der Oberfläche des Mars (vgl. Artikel und Tafel Meyers »Mars«) und berichtete darüber in den »Osservazioni astronomiche e fisiche sull' asse di rotazione e sulla topografia del pianeta Marte« (Rom 187899, 6 Tle.). Aus mehrjährigen Beobachtungen wies er nach, daß die Rotationsdauer beim Planeten Merkur und wahrscheinlich auch bei der Venus gleich der Umlaufszeit ist, ebenso wie dies beim Monde der Fall ist, so daß diese Planeten der Sonne immer dieselbe Seite zukehren. Er schrieb ferner: »I precursori di Copernico nell' antichità« (Mail. 1873; deutsch von Curtze, Leipz. 1876); »Le s fere omocentriche di Eudosso, di Callippo e di Aristotele« (Mail. 1875; deutsch, Leipz. 1877); »De la rotation de la terre sous l'influence des actions géologiques« (St. Petersb. 1889); »Rubra Canicola« (Rovereto 189697, 2 Tle.); »Origine del sistema planetario eliocentrico presso i Greci« (Mail. 1898); »L'Astronomia nell' Antico Testamento« (das. 1903; deutsch von Lüdtke, Gieß. 1904).
 
Artikelverweis 
Schiava (ital., spr. ßkjāwa, »Sklavin«), Tanz, soviel wie Forlana (s. d.).
 
Artikelverweis 
Schiavōna (spr. ßkja-), Schwert, bez. Haudegen mit Korb und breiter, gerader Klinge im 16. und 17. Jahrh. Der Name stammt aus Venedig, dessen slawonische Reiter damit bewaffnet waren. S. die Abbildung.

[Bd. 6, Sp. 748]



 
Artikelverweis 
Schiavōne (spr. ßkjaw-), eigentlich Andrea Meldolla (Medola), ital. Maler, geb. 1522 (?) in Sebenico in Dalmatien, gest. 1582 in Venedig, kam früh nach Venedig und arbeitete hier bei Tizian, dessen Kolorit er mit der Zeichnungsart des Parmeggianino verband. Um seinen Unterhalt zu verdienen, mußte er anfangs Truhen und Möbel bemalen. S. hat biblische Gemälde (unter andern ein Pietà in der Dresdener Galerie) und Porträte gemalt, doch liegt seine Bedeutung darin, daß er einer der ersten Italiener war, welche die Landschaft als selbständige Gattung der Malerei kultivierten (eine Berg- und eine Waldlandschaft im Berliner Museum). Er hat auch eine Anzahl von Blättern (darunter Landschaften) radiert.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: