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Scheuklappen bis Schewwâl (Bd. 6, Sp. 745 bis 747)
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Artikelverweis Scheuklappen, am Zaum der Wagenpferde angebrachte Vorrichtung, um das Pferd zu verhindern, seitwärts und nach hinten zu sehen. Damit die S. keine schädliche Wirkung auf das Auge des Pferdes ausüben, müssen sie etwa im Winkel von 30° nach außen abstehen. S. haben geringen praktischen Nutzen und werden jetzt vielfach bei öffentlichen Fuhrwerken verboten. Die Berliner Feuerwehr fährt ohne S. Bei Luxusfuhrwerken hält sie die Mode.

[Bd. 6, Sp. 746]



 
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Scheune (Scheuer, Stadel), Gebäude, in dem Futter und Stroh oder Fruchtgarben aufbewahrt und letztere auch ausgedroschen werden. Früher spielten Scheunen eine große Rolle, heutzutage wird die Frucht vielfach schon auf dem Felde bei der Ernte mit Dampfdreschmaschinen ausgedroschen oder doch in große Haufen (Feimen, s. d.) gesetzt, um gelegentlich gedroschen zu werden. Nur in regenreichen Gegenden bewahrt man die ganze Ernte unter Dach und Fach. In Gebirgsgegenden bringt man auch Viehställe in den Scheunen an. Die S. besteht aus der Banse, Fach, Tasse als Aufbewahrungsraum und der Tenne, Flur, Diele, Schranne als Zufahrt für die Wagen beim Abladen sowie zum Ausdreschen. Oft richtet man auch die Tenne zum Durchfahren ein; in der Regel wird sie als Quer- (parallel mit dem Giebel), seltener als Langtenne (parallel mit der Front der S.) angeordnet und links und rechts mit Bretterwand eingefaßt (Fig. 1 u. 2). Früher wurden die Scheunen mit starkem Balkengerüst eingerichtet, neuerdings liebt man leichte Konstruktionen mit zuweilen eisernen Säulen und Trägern, so daß die Bansen fast freie Räume darstellen. Manche Scheunen versieht man mit gedielten Böden in den Etagen und läßt dann in diesen Öffnungen zum Herauf- und Herunternehmen der Garben. In massiven Umfassungswänden sind Luftzüge in Form von Schlitzöffnungen anzuordnen, in Fachwerkwänden genügt die Aussparung von Kreuzlöchern in den Fächern. Der Boden der Banse wird gestampft, seltener gepflastert oder mit gutem Lehmestrich überzogen. Die Tennen müssen mit festem Lehmestrich ausgekleidet oder gebohlt werden, wenn auf denselben gedroschen werden soll. Der Abschluß der Tennen nach außen erfolgt durch große Schiebtore, die auf Rollen hängen. In manchen Scheunen sind auch Dreschmaschinen, Häckselschneider etc. angebracht. Auf 100 Garben Wintergetreide sind durchschnittlich 12,4 cbm, auf 100 Garben Sommergetreide 10,8 cbm und auf eine vierspännige Fuhre Erbsen, Wicken 18,5 cbm zu rechnen. Auf 100 Gebunde glattes Stroh entfallen 12,4 cbm und auf 50 kg Heu 0,50 cbm Scheunenraum. Der Dachraum ist jedoch nur zu zwei Dritteln seines Kubikraums in Rechnung zu ziehen. Vgl. Schubert, Diemenschuppen und Feldscheunen (Leipz. 1900); Preuß, Wie baut der Landwirt praktisch und billig? (Berl. 1895) und Literatur bei Landwirtschaftliche Gebäude.
 
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Scheunenkauz, s. Meyers Eulen, S. 158.
 
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Scheuren, Kaspar, Maler, geb. 22. Aug. 1810 in Aachen, gest. 12. Juni 1887 in Düsseldorf, bildete sich erst im Atelier seines Vaters, eines Miniaturmalers und Gemälderestaurators, sodann von 1829 bis 1835 auf der Akademie in Düsseldorf zum Landschaftsmaler. Aus der Verschmelzung der Eindrücke, die seine Studienreisen auf ihn machten, mit den Einwirkungen, die Lessings und Schirmers Vorbilder und namentlich die Lektüre Walter Scotts auf ihn ausgeübt hatten, erwuchs seine eigentümliche romantisch-phantastische Kunstweise. In den meisten seiner Bilder behandelte er die durch Sagen und Geschichten berühmten Gegenden des Rheins. Schon zu Ende der 1830er Jahre gab er die Landschaftsmalerei in Öl auf und schuf ein neues Genre allegorisch geschmückter, sein gezeichneter und anmutig kolorierter Ansichten, Illustrationen, Widmungs- und Erinnerungsblätter, in denen Landschaft, Figuren und Ornamentik in phantasiereicher Weise vereinigt sind. Seine Hauptwerke dieser Gattung sind: das Album der Burg Stolzenfels, das Album von Venedig, 25 Aquarelle aus der Sage und Geschichte des Rheins (Museum in Köln). Viele seiner Werke wurden durch Farbendruck vervielfältigt. Er hat auch eine Anzahl Landschaften radiert.
 
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Scheurenberg, Joseph, Maler, geb. 7. Sept. 1846 in Düsseldorf, wo er von 186267 die Kunstakademie besuchte und später Privatschüler von Wilhelm Sohn wurde. Nachdem er sich durch Studienreisen nach Belgien, Holland und Italien weitergebildet, wurde er 1879 Lehrer an der Kunstakademie in Kassel und siedelte 1881 nach Berlin über, wo er 1891 Leiter einer figürlichen Malklasse und eines Schülerateliers an der Hochschule für die bildenden Künste wurde. Er hat zahlreiche Bildnisse (General v. Steinmetz und Professor Zeller, für die Nationalgalerie, Bildhauer Siemering, Baumeister Raschdorff, Anton v. Werner) und Genrebilder von zarter Empfindung, zum Teil religiösen Inhalts, gemalt, von denen ein Lied aus alter Zeit (1868), der fahrende Sänger (1873), der Tag des Herrn (1879, Nationalgalerie in Berlin), die Werbung (1882), Luthers Verlobung (1885), Treues Geleit (1888), Legende (Maria begegnet einem Hirtenknaben, 1892, Nationalgalerie), Rast am Wege (1893) und Maria mit den Engeln (1896) hervorzuheben sind. Im Justizpalast zu Kassel hat er die vier weltlichen Kardinaltugenden (188386), im Berliner Rathause die Niederwerfung einer Raubritterburg durch Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg, Bürgermeister Tilo von Wardenberg vor dem Rate von Berlin und Allegorien des Handels und der Schiffahrt gemalt. Er ist königlicher Professor.
 
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Scheurer-Kestner, Auguste, franz. Politiker, geb. 11. Febr. 1833 zu Mülhausen i. E., gest. 19. Sept. 1899 in Paris, übernahm die Direktion der Fabrik seines Schwiegervaters Kestner in Thann; wegen seiner republikanischen Gesinnung wurde er unter dem Kaiserreich zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Im Februar 1871 zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt, gehörte er der republikanischen Union an. 1875 zum lebenslänglichen Senator gewählt, war er eine Zeitlang Direktor der Gambettaschen Zeitung »La République française« und wurde auch Vizepräsident des Senats. Seit 1897 trat er mutig für die Revision des Prozesses des nach seiner Überzeugung unschuldig verurteilten Hauptmanns Dreyfus ein. Er schrieb: »Pouvoir calorifique des combustibles solides, liquides et gazeux« (Par. 1896) und »Souvenirs de jeunesse« (das. 1905).
 
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Scheurl, Christoph Gottlieb Adolf, Freiherr von, Rechtsgelehrter, geb. 7. Jan. 1811 in Nürnberg, gest. 24. Jan. 1893 in Erlangen, habilitierte sich 1836 an der Universität Erlangen, wurde 1840 außerordentlicher, 1845 ordentlicher Professor daselbst, 1856 von der dortigen theologischen Fakultät zum Doktor der Theologie ernannt und trat 1881 in den Ruhestand. In den Jahren 184559 war er wiederholt Mitglied der bayrischen Zweiten Kammer, und 1884 ward er in den bayrischen Freiherrenstand (S. von Defersdorf) erhoben. Er schrieb außer zahlreichen Flugschriften meist kirchenpolitischen Inhalts: »Lehrbuch der Institutionen« (Erlang. 1850, 8. Aufl. 1883); »Beiträge zur Bearbeitung des römischen Rechts« (das. 185171, 2 Bde.; »Weitere Beiträge«,

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188486,2 Hefte); »Zur Lehre vom Kirchenregiment« (das. 1862); »Bekenntniskirche und Landeskirche« (das. 1868); »Sammlung kirchenrechtlicher Abhandlungen« (das. 187274, 4 Tle.); »Die Entwicklung des kirchlichen Eheschließungsrechts« (das. 1877); »Das gemeine deutsche Eherecht« (das. 1882). Seit 1857 war er Mitherausgeber der »Zeitschrift für Protestantismus und Kirche«.
 
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Scheu vor dem Leeren (Horror vacui), s. Meyers Barometer.
 
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Scheveningen (spr. ß-cheveningen, Schevelingen), Fischerdorf und berühmter Seebadeort in der niederländ. Provinz Südholland, 2 km nordwestlich vom Haag, mit diesem durch eine schöne Doppelallee, einen Kanal, 2 Dampfstraßenbahnen und 3 elektrische Bahnen verbunden, dicht an der Nordsee, in der ersten Reihe der Dünen liegend, hat eine deutsche prot. Kirche, ein prächtiges Kurhaus (1887 erbaut), elegante Hotels (Palace Hotel, Seinpost, Zeerust, Oranien Hotel u. a.), einen 1,5 km langen Promenadendamm, einen Fischerhafen, Leuchtturm und ein Seehospiz (Sophien-Stiftung). S. bildet mit dem Haag Eine Gemeinde und ist Sitz eines deutschen Konsuls. Unweit davon sind die sehr besuchten und eleganten Seebäder, die wegen einer davorliegenden Bank, die einen starken Wellenschlag verursacht, im Rufe besonders kräftiger Wirkung stehen. Seit 1853 ist S. durch einen unterseeischen Telegraphen mit der englischen Küste verbunden.
 
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Schewtschénko (Szewczenko), Taras Grigorjewitsch, kleinruss. Dichter, geb. 9. März (25. Februar) 1814 als Sohn eines Leibeignen im Dorf Morinzy im Gouv. Kiew, gest. 10. März (26. Febr.) 1861 in St. Petersburg, kam 1832 zu einem Zimmermaler in St. Petersburg in die Lehre und erlangte durch Vermittelung des Dichters Shukowskij und des Malers Brülow 1838 Freilassung und Aufnahme in die Akademie der Künste. Neben der Malerei gab er sich seinen poetischen Neigungen hin und verfaßte seine schwermütigen, von einem tiefen Pessimismus erfüllten Gedichte in der Mundart seiner Heimat, der Ukraine, für deren nationales Leben und historische Erinnerungen er ein tiefes poetisches Gefühl bekundete. Eins dieser Gedichte: »Kavkaz«, worin er das Schicksal eines Freundes besang, der seiner Freisinnigkeit wegen in den Kaukasus verbannt worden war, zog ihm ein gleiches Schicksal zu: er wurde 1847 nach dem Gouv. Orenburg verwiesen, später in der Festung Nowo-Petrowsk interniert und erlangte erst 1857, dank den Bemühungen seiner Petersburger Freunde (besonders der Gräfin Tolstoi), seine Freiheit wieder. 1858 kehrte er, körperlich leidend, nach St. Petersburg zurück. S. ist als der kräftigste und nationalste Dichter der Kleinrussen anerkannt. Sein Hauptwerk ist die Sammlung »Kobzaŕ« (»Der Kobzaspieler«, 1840 u. ö.). Seine Gedichte (in Auswahl deutsch von Szpoynarowski, Czernowitz 190406,2 Hefte), Novellen und Erzählungen in großrussischer Sprache wurden 1888 in Kiew von der Redaktion des »Kiewer Altertums« herausgegeben. Vgl. Obrist, T. G. Szewczenko (Czernowitz 1870).
 
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Schewwâl (arab.), der zehnte Monat des mohammedanischen Jahres.

 

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