Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Schertlin von Burtenbach bis Scheschonk (Bd. 6, Sp. 744 bis 745)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Schertlin von Burtenbach (Schärtlin), Sebastian, Landsknechthauptmann, geb. 12. Febr. 1496 zu Schorndorf in Württemberg, gest. 18. Nov. 1577, studierte in Tübingen, widmete sich dann dem Kriegshandwerk, machte im Heere des Schwäbischen Bundes 1519 den Feldzug gegen Ulrich von Württemberg und 1525 gegen die Bauern mit, kämpfte im kaiserlichen Heer gegen die Türken in Ungarn und die Franzosen in Italien und Frankreich und trat 1530 als Feldhauptmann in den Dienst der Stadt Augsburg. Er kaufte 1532 die benachbarte Herrschaft Burtenbach und ward Protestant, führte 1546 das Heer der oberdeutschen Städte im Schmalkaldischen Krieg, besetzte 10. Juli Füssen und die Ehrenberger Klause und wollte sich Tirols bemächtigen, mußte aber auf Befehl des Bundes davon abstehen und sich mit dem Hauptheer bei Donauwörth vereinigen. Nach der Auflösung desselben und der Unterwerfung Augsburgs von der Amnestie ausgeschlossen, trat S. 1548 in die Dienste Frankreichs, wurde geächtet und verlor seine Güter. 1551 ging er an den französischen Hof, vermittelte 2. Febr. 1552 den im Schloß Chambord zwischen dem französischen König Heinrich II. und dem Kurfürsten Moritz von Sachsen abgeschlossenen Vertrag, wurde 1553 begnadigt und verbrachte den Rest seiner Tage auf seinem Gut Burtenbach. Seine Denkwürdigkeiten wurden herausgegeben von Schönhuth als »Leben und Taten S. Schertlins, durch ihn selbst deutsch beschrieben. Nach der eignen Handschrift des Ritters« (Münster 1858). Vgl. Holzschuher und Hummel, Lebensbeschreibung des

[Bd. 6, Sp. 745]


berühmten Ritters S. (Frankf. u. Nürnb. 177782, 2 Bde.); Herberger, S. und seine an die Stadt Augsburg geschriebenen Briefe (Augsb. 1852).
 
Artikelverweis 
Scherung, s. Meyers Elastizität, S. 590.
 
Artikelverweis 
Scherweiler, Dorf im deutschen Bezirk Unterelsaß, Kreis und Kanton Schlettstadt, an der Eisenbahn Schlettstadt-Zabern, hat eine kath. Kirche, Synagoge, Woll- und Baumwollspinnerei und -Weberei, vorzüglichen Weinbau und (1905) 2442 Einw. Dabei die Burgruinen Ramstein und Ortenburg.
 
Artikelverweis 
Scherwenzeln (scharwenzeln, v. franz. servant, Diener), sich mit Kratzfüßen drehen und wenden.
 
Artikelverweis 
Scherwolle, die beim Scheren des Tuches abfallenden Flocken, dient zur Darstellung von Samttapeten und Samtpapier.
 
Artikelverweis 
Scherz (von scherzen [s. d.] abgeleitet, das ursprünglich »mutwillig springen, tändeln, kosen« bedeutet) ist sowohl der Gegensatz zum Ernst als zur Wahrheit; der Scherzende stellt die Dinge mutwillig auf den Kopf. In älterer Sprache war statt S. das Wort Schimpf in Gebrauch (Paulis »Schimpff und Ernst«).
 
Artikelverweis 
Scherzando (Scherzōso, ital., spr. ßker-), musikal. Vortragsbezeichnung, soviel wie scherzend.
 
Artikelverweis 
Scherzen, das Spielen des Wildes untereinander, auch das Umherwerfen von Moos und Erde, das die Hirsche aus Mutwillen bisweilen vollführen.
 
Artikelverweis 
Scherzer, Karl von, Reisender und geographischstatistischer Schriftsteller, geb. 1. Mai 1821 in Wien, gest. 20. Febr. 1903 in Görz, wurde Buchdrucker, machte ausgedehnte Wanderfahrten in Europa, trieb 184346 in Wien nationalökonomische und linguistische Studien, bereiste 185255 mit Moritz Wagner die Vereinigten Staaten, Mittelamerika und Westindien, leitete dann die nationalökonomischen und linguistischen Untersuchungen bei der Erdumsegelung der Novara (185759). Nach seiner Rückkehr wurde er in den Ritterstand erhoben und 1866 zum Ministerialrat im Handelsministerium ernannt, wo er der Abteilung für Handelsstatistik und volkswirtschaftliche Publizistik vorstand. 1869 begleitete er die österreichische Expedition nach Ostasien, 187275 war er Generalkonsul in Smyrna, 187578 in London, 187884 in Leipzig und dann in Genua. 1896 trat er in den Ruhestand, unternahm aber noch 1899 eine Studienreise nach Buenos Aires. Außer zahlreichen Aufsätzen in Zeitschriften veröffentlichte er: »Reisen in Nordamerika« (mit Wagner, Leipz., 1854, 3 Bde.; 2. Aufl. 1857); »Die Republik Costarica« (mit Wagner, das. 1856); »Wanderungen durch die mittelamerikanischen Freistaaten« (Braunschw. 1857); »Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde, beschreibender Teil (Wien 186162, 3 Bde.; Volksausg. 1864, 2 Bde.; 5. Aufl. 1876) und statistisch-kommerzieller Teil« (das. 1864, 2 Bde.; Volksausg. in 1 Bd., Leipz. 1867); »Aus dem Natur- und Völkerleben im tropischen Amerika« (Leipz. 1864); »Fachmännische Berichte über die österreichisch-ungarische Expedition nach Siam, China und Japan« (Stuttg. 1872); »Smyrna« (Wien 1873, 2. Aufl. in franz. Sprache, Leipz. 1880); »Das wirtschaftliche Leben der Völker« (Leipz. 1885) u. a.
 
Artikelverweis 
Scherzo (spr. ßkérzo, ital., »Scherz«), Bezeichnung eines launigen, meist schnell bewegten, rhythmisch und harmonisch pikanten, sein phrasierten, daher delikat vorzutragenden Satzes, der seit Beethoven meist zwischen den langsamen Satz und das Finale (Rondo) oder (neuerdings häufig) zwischen den ersten und den langsamen Satz der Sonate, Symphonie etc. eingeschoben ist, an Stelle des früher (bei Haydn und Mozart) üblichen Menuetts. Der Name S. ist indes viel älter und kommt wie Capriccio sowohl für weltliche Lieder (schon im 16. Jahrh.) als auch für Instrumentalstücke (im 17. Jahrh.) vor.
 
Artikelverweis 
Scheschonk (Sesonchis, Sisak), König von Ägypten, aus einem libyschen Söldnergeschlecht, kam um 940 v. Chr. auf den Thron, suchte nach Salomos Tod und dem Verfall des Reiches Israel Palästina für Ägypten zu erobern und nahm um 920 v. Chr. Jerusalem ein (1. Kön. 14, 21 ff.), dessen Tempel und Königspalast er ihrer Schätze beraubte.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: