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Scherf bis Scherĭa (Bd. 6, Sp. 742 bis 743)
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Artikelverweis Scherf (Scherflein, Schärff, scharfer Pfennig, Hahnköpfchen, Helbing, Helblinger), kleiner Teil eines Ganzen und besonders alte deutsche Münze aus sehr dünnem Silber und deshalb fast

[Bd. 6, Sp. 743]


immer einseitig geprägt, 1/2 Pfennig = etwa 10 Pf. norddeutscher Währung. Später in Lübeck etc. aus Kupfer, zuletzt noch im Lüneburgischen = 1/8 Witten.
 
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Scherfestigkeit, s. Meyers Festigkeit, S. 466.
 
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Scherff, Wilhelm von, preuß. General, geb. 6. Febr. 1834 in Frankfurt a. M., trat 1852 in die preußische Armee, machte die Feldzüge 1866 und 1870/71 als Generalstabsoffizier mit, wurde Abteilungschef im Großen Generalstab, war 187378 Lehrer an der Kriegsakademie und 187879 Mitglied der Grenzregulierungskommission in Bulgarien. Nach seiner Rückkehr wurde er Kommandeur des 29. Infanterieregiments, 1882 Chef des Generalstabes des 11. Armeekorps, 1883 Brigadekommandeur, 1888 Generalleutnant und Kommandeur der 33. und 1889 der 18. Division. 1891 nahm er den Abschied und lebt als General der Infanterie z. D. in München. S. ist einer der bekanntesten zurzeit lebenden deutschen Militärschriftsteller. In der Taktik ist er der Hauptvertreter einer Richtung, die das deutsche Infanterie-Exerzierreglement von 1888 wegen der darin jedem Unterführer gelassenen großen Freiheit in der Gefechtsführung heftig angreift und im Interesse des Gesamterfolges ein mehr gebundenes Angriffsverfahren verlangt (Scherffscher Normal- oder Einheitsangriff) im Gegensatze zu dem vom Reglement vertretenen kampftaktisch freien, sogen. »Auftragsverfahren«. Die Erfolge des japanischen durchaus freien Angriffsverfahrens im russisch-japanischen Kriege geben jedoch S. nicht recht, und das neue deutsche Reglement von 1906 betont infolgedessen die Freiheit des Unterführers noch mehr, als es früher geschah. S. schrieb: »Gymnastik und Fechtkunst in der Armee« (mit Görne und Mertens, Berl. 1858); »Anleitung zum Betrieb der Gymnastik und der Fechtkunst in der Armee« (anonym, 1861); »Zur Taktik der Zündnadel-Infanterie« (1863); »Die Schlacht bei Beaune la Rolande« (1872); »Studien zur neuen Infanterietaktik« (187374,4 Hefte); »Zwei- oder dreigliederig?« (1874); »Die Infanterie auf dem Exerzierplatz« (1875); »Die Lehre von der Truppenverwendung als Vorschule für die Kunst der Truppenführung« (187679, 2 Bde.; 2. Aufl. u. d. T.: »Von der Kriegführung«, 1883); »Einige taktische Grundsätze als Anhalt für die Ausbildung der Infanterie« (1879); »Reglementarische Studien« (189192,2 Hefte); »Delbrück und Bernhardi« (1892); »Praktische Taktik und taktische Theorie« (1893); »Unsere heutige Infanterietaktik im Spiegel der Augustkämpfe 1870 um Metz« (1893); »Kriegslehren in kriegsgeschichtlichen Beispielen der Neuzeit« (189497,5 Hefte); »Die Lehre vom Kriege auf der Grundlage seiner neuzeitlichen Erscheinungsformen« (1897); »Der Schlachtenangriff« (18981900, 2 Tle.); »Die Division v. Beyer im Mainfeldzug 1866« (1899); »Einheitsangriff oder individualisierter Angriff nach den Erfahrungen des südafrikanischen Krieges« (1902); »Gewehr und Gelände im heutigen Angriffskämpfe« (1904); »Vergleichender Rückblick auf die neueste Tagesliteratur über den Infanterieangriff« (1906), sämtlich in Berlin erschien en; ferner zahlreiche Aufsätze im »Militär-Wochenblatt« und in den »Süddeutschen Monatsheften« 190405 die Studie »Einführung in das Studium des Krieges«. In der Sammlung »Militärische Klassiker des In- und Auslandes« hat S. Clausewitz' Werk »Vom Kriege« herausgegeben (Dresd. 1891).
 
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Scherflein, s. Meyers Scherf.
 
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Scherg, s. Meyers Stör.
 
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Schergang, s. Meyers Farbegang.
 
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Scherge (althochd. scario, »Ordner«), Polizei-, Gerichtsdiener, jetzt nur mit übler Nebenbedeutung: Büttel, Henkersknecht.
 
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Schergenbach (Schalkelbach), der Fluß des Val Samnaun in Graubünden, entspringt im Massiv des Piz Muttler (3298 m), liegt bei dem Talort Samnaun (Samagnum) 1832 m, bei Compatsch noch 1704 m ü. M. und mündet außerhalb der Schlucht von Finstermünz in den Inn. Auf 6 km ist er Grenzbach gegen Tirol. Sein Tal ist durch fünf kleine Dörfchen besiedelt, hat (1900) 355 katholische und seit dem 19. Jahrh. Deutsch sprechen de Einwohner. Mit Bundesunterstützung wird eine das abgeschlossene Tal mit Martinsbruck verbindende Straße erbaut.
 
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Schergi (arab.), soviel wie Osten.
 
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Scher'i (Scher', Scher'i-Scherîf, arab.-türk.), bei den Türken übliche Bezeichnung des religiösen Gesetzes (rein arabisch Scharî'a, s. d).
 
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Scherĭa, in der mythischen Geographie der Griechen eine gesegnete Insel, auf der die Meyers Phäaken (s. d.) unter König Nausithoos wohnten. Hierher kam Odysseus auf seinen Irrfahrten. Obschon die Schilderung der Insel vielfach dichterisch ausgeschmückt ist, wird sie doch von den Alten übereinstimmend und auch von heutigen Philologen für Kerkyra (Korfu) gehalten.

 

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