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Scherenkrebse bis Scherge (Bd. 6, Sp. 741 bis 743)
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Artikelverweis Scherenkrebse (Hummern, Astacidae), Familie der Meyers Krebse (s. d.).
 
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Scherenschnabel (Rhynchops L.), Gattung der Möwen (Laridae), Vögel mit mehr als kopflangem, scherenblattartig komprimiertem Schnabel, an dem der Oberschnabel um ein Drittel kürzer ist als der Unterschnabel, sehr langen, spitzen Flügeln, gegabeltem Schwanz und eingeschnittenen Schwimmhäuten. Die drei Arten bewohnen die tropischen Küsten der Alten und der Neuen Welt, sind Nachtvögel und suchen ihre Nahrung im langsamen Flug über das Wasser, wobei sie den Unterschnabel minutenlang eintauchen. R. flavirostris L., 45 cm lang, 110 cm breit, schwarzbraun und weiß gefärbt, mit korallenrotem Schnabel

[Bd. 6, Sp. 742]


und Füßen, bewohnt Afrika, liegt am Tage bewegungslos auf Sandbänken, schwimmt nur im Notfall, hat eine eigentümlich klagende Stimme, nistet gesellig im Sand und legt 35 graugrünliche, dunkler gefleckte und gestrichelte, kleine Eier.
 
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Scherer, 1) Georg, Dichter, geb. 16. März 1828 in Dennenlohe bei Ansbach, studierte in München Philosophie und Philologie, wurde nach größern Studienreisen 1865 Dozent für Literatur- und Kunstgeschichte am Polytechnikum in Stuttgart und 1875 Professor an der Kunstschule daselbst. Seit 1881 lebt er als Schriftsteller wieder in München. Seine Gedichte zeichnen sich durch Gemütstiefe und Formvollendung aus; seine Sprache ist schlicht und volkstümlich. Um die Erforschung und Auszeichnung des deutschen Volksliedes hat S. sich besonders verdient gemacht. Er veröffentlichte: »Gedichte« (Leipz. 1864; 6. Aufl. mit Illustrationen von P. Thumann, Stuttg. 1897); »Deutscher Dichterwald«, lyrische Anthologie (22. Aufl., Stuttg. 1906); »Die schönsten deutschen Volkslieder«, mit Bildern und Singweisen (u. Aufl., Leipz. 1868; Prachtausgabe ohne Singweisen, 1875); »Jungbrunnen«, deutsche Volkslieder (3. Aufl., Berl. 1874); »Illustriertes deutsches Kinderbuch« (Bd. 1, 7. Aufl., Leipz. 1905; Bd. 2, 2. Aufl. 1877); »Rätselbuch« (3. Aufl., Münch. 1899); »Die Wacht am Rhein«, Monographie (Berl. 1871); »Liederborn«, 200 Volks- und volkstümliche Lieder mit Singweisen (das. 1880) und gab das »Birket Foster-Album« (Münch. 1881) mit deutschem Text heraus.
   2) Wilhelm, namhafter Germanist, geb. 26. April 1841 zu Schönborn in Niederösterreich, gest. 6. Aug. 1886 in Berlin, begann 1858 auf der Universität zu Wien seine sprachwissenschaftlichen Studien, die er seit 1860 in Berlin fortsetzte, habilitierte sich 1864 an der Wiener Hochschule und wurde hier 1868 nach Fr. Pfeiffers Tode zum ordentlichen Professor für deutsche Sprache und Literatur ernannt. 1872 in gleicher Eigenschaft nach Straßburg berufen, entfaltete er hier eine äußerst fruchtbare Lehrtätigkeit, bis er im Herbst 1877 einem Ruf als Professor der neuern deutschen Literaturgeschichte an der Universität Berlin folgte, wo er 1884 auch zum Mitglied der Akademie ernannt wurde. Von Scherers literarischen Publikationen, die im wesentlichen deutsche Sprachwissenschaft und Literaturgeschichte (letztere von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart) behandeln, sind hervorzuheben: »Denkmäler deutscher Poesie und Prosa« (mit Müllenhoff, Berl. 1864; 3. Aufl. 1892); seine Untersuchungen über die Literatur des 11. und 12. Jahrh.: »Deutsche Studien« (Wien 187078, 3 Tle.; 2. Aufl., Prag 1891), »Geistliche Poeten der deutschen Kaiserzeit« (Straßb. 187475,2 Hefte), »Geschichte der deutschen Dichtung im 11. und 12. Jahrhundert« (das. 1875); ferner die Monographie »Jakob Grimm« (Berl. 1865, 2. erweiterte Aufl. 1885); »Zur Geschichte der deutschen Sprache« (das. 1868, 3. Ausg. 1890); »Vorträge und Aufsätze zur Geschichte des geistigen Lebens in Deutschland und Österreich« (das. 1874); »Die Anfänge des deutschen Prosaromans« (Straßb. 1877); »Aus Goethes Frühzeit, Bruchstücke eines Kommentars zum jungen Goethe« (das. 1879) und seine »Geschichte der deutschen Literatur« (Berl. 1883, 10. Aufl. 1905), die sich als ein hochbedeutender Versuch zeigt, unter Berücksichtigung aller gewonnenen wissenschaftlichen Resultate, gleichsam aus der Mitte der Forschung heraus, eine allen Kreisen zugängliche, durch anmutig lebendige Darstellung ausgezeichnete Geschichte der Entwickelung der deutschen Nationalliteratur zu geben. Für O. Lorenz' »Geschichte des Elsasses« (3. Aufl., Berl. 1884) behandelte er die Literatur des Elsaß, mitten Brink begründete er 1874 in Straßburg die »Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker«. Aus seinem Nachlaß erschienen die »Aufsätze über Goethe« (Berl. 1886, 2. Aufl. 1900), die »Poetik« (das. 1888), die »Kleinen Schriften« (hrsg. von Burdach und Erich Schmidt, das. 1893, 2 Bde.) und »Karl Müllenhoff, ein Lebensbild« (das. 1896). Als akademischer Lehrer entwickelte S. eine überaus anregende Tätigkeit und begründete eine lange Zeit vorherrschende literarhistorische Schule von ausgeprägter Eigenart.
 
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Schérer (spr. -rǟr), 1) Barthélemy Louis Joseph, franz. General, geb. 18. Dez. 1747 in Delle bei Belfort, gest. 19. Aug. 1804, trat in österreichische, dann in holländische Kriegsdienste und wurde 1791, nach Frankreich zurückgekehrt, Kapitän in einem Linienregiment. 1793 machte er den Feldzug am Rhein mit und erhielt 1794 den Befehl über eine Division der Sambre- und Maasarmee. Da er mehrere Vorteile über die Österreicher erfocht, ward er 1795 mit dem Oberkommando der Alpen- und dann der Ostpyrenäenarmee betraut. Nach dem Baseler Friedensschluß übernahm er den Oberbefehl in Italien, gab ihn aber, da ihm seine Untätigkeit nach dem Siege bei Loano (23. und 24. Nov.) zum Vorwurf gemacht wurde, 23. Febr. 1796 an Bonaparte ab. 179799 Kriegsminister, wurde er 1799 an Jouberts Stelle abermals nach Italien geschickt. Aber 26. März bei Pastrengo, am 30. bei Verona und 5. April bei Magnano von den Österreichern unter Kray geschlagen und hinter den Mincio und Oglio zurückgedrängt, trat er das Kommando an Moreau ao und zog sich auf sein Landgut Chauny (Ain) zurück. Zu seiner Rechtfertigung schrieb er: »Précis des opérations militaires de l'armée d'Italie depuis le 21 ventôse jusqu'au 7 floréal de l'an VII« (Par. 1799).
   2) Edmond, franz. Theolog der kritischen Schule, geb. 8. April 1815 in Paris, gest. 16. März 1889 in Versailles, studierte in England und zuletzt in Straßburg Theologie und wurde 1845 in Genf Professor der Exegese. Als sich aber seine inzwischen anders gewordenen religiösen Überzeugungen mit dieser Stellung nicht mehr vertrugen, trat er 1850 zurück, siedelte 1860 nach Versailles über und wurde ein Haupt der liberalen Bewegung innerhalb der französisch-protestantischen Kirche, unter der Republik auch lebenslängliches Mitglied des Senats. Mit Colani war er eine Zeitlang Herausgeber der »Revue de théologie et de philosophie chrétienne«, dann Mitredakteur der »Bibliothèque universelle« in Genf und Mitarbeiter am Pariser »Temps«. Er veröffentlichte: »La critique et la foi« (Par. 1850); »Alexandre Vinet, notice sur sa vie, ses écrits« (1853); »Mélanges de critique religieuse« (1860); »Lettre á mon curé« (1853, 3. Aufl. 1890); »Etudes critiques sur la littérature contemporaine« (186395, 10 Tle.); »Mélanges d'histoire religieuse« (2. Aufl. 1865); »Etudes critiques de littérature« (1876); »Diderot, étude« (1880); »La démocratie et la France« (1883); »Melchior Grimm« (1887); »Etudes sur la littérature an XVIII. siècle« (1891). Vgl. Gréard, Edmond S. (Par. 1890).
 
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Scherf (Scherflein, Schärff, scharfer Pfennig, Hahnköpfchen, Helbing, Helblinger), kleiner Teil eines Ganzen und besonders alte deutsche Münze aus sehr dünnem Silber und deshalb fast

[Bd. 6, Sp. 743]


immer einseitig geprägt, 1/2 Pfennig = etwa 10 Pf. norddeutscher Währung. Später in Lübeck etc. aus Kupfer, zuletzt noch im Lüneburgischen = 1/8 Witten.
 
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Scherfestigkeit, s. Meyers Festigkeit, S. 466.
 
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Scherff, Wilhelm von, preuß. General, geb. 6. Febr. 1834 in Frankfurt a. M., trat 1852 in die preußische Armee, machte die Feldzüge 1866 und 1870/71 als Generalstabsoffizier mit, wurde Abteilungschef im Großen Generalstab, war 187378 Lehrer an der Kriegsakademie und 187879 Mitglied der Grenzregulierungskommission in Bulgarien. Nach seiner Rückkehr wurde er Kommandeur des 29. Infanterieregiments, 1882 Chef des Generalstabes des 11. Armeekorps, 1883 Brigadekommandeur, 1888 Generalleutnant und Kommandeur der 33. und 1889 der 18. Division. 1891 nahm er den Abschied und lebt als General der Infanterie z. D. in München. S. ist einer der bekanntesten zurzeit lebenden deutschen Militärschriftsteller. In der Taktik ist er der Hauptvertreter einer Richtung, die das deutsche Infanterie-Exerzierreglement von 1888 wegen der darin jedem Unterführer gelassenen großen Freiheit in der Gefechtsführung heftig angreift und im Interesse des Gesamterfolges ein mehr gebundenes Angriffsverfahren verlangt (Scherffscher Normal- oder Einheitsangriff) im Gegensatze zu dem vom Reglement vertretenen kampftaktisch freien, sogen. »Auftragsverfahren«. Die Erfolge des japanischen durchaus freien Angriffsverfahrens im russisch-japanischen Kriege geben jedoch S. nicht recht, und das neue deutsche Reglement von 1906 betont infolgedessen die Freiheit des Unterführers noch mehr, als es früher geschah. S. schrieb: »Gymnastik und Fechtkunst in der Armee« (mit Görne und Mertens, Berl. 1858); »Anleitung zum Betrieb der Gymnastik und der Fechtkunst in der Armee« (anonym, 1861); »Zur Taktik der Zündnadel-Infanterie« (1863); »Die Schlacht bei Beaune la Rolande« (1872); »Studien zur neuen Infanterietaktik« (187374,4 Hefte); »Zwei- oder dreigliederig?« (1874); »Die Infanterie auf dem Exerzierplatz« (1875); »Die Lehre von der Truppenverwendung als Vorschule für die Kunst der Truppenführung« (187679, 2 Bde.; 2. Aufl. u. d. T.: »Von der Kriegführung«, 1883); »Einige taktische Grundsätze als Anhalt für die Ausbildung der Infanterie« (1879); »Reglementarische Studien« (189192,2 Hefte); »Delbrück und Bernhardi« (1892); »Praktische Taktik und taktische Theorie« (1893); »Unsere heutige Infanterietaktik im Spiegel der Augustkämpfe 1870 um Metz« (1893); »Kriegslehren in kriegsgeschichtlichen Beispielen der Neuzeit« (189497,5 Hefte); »Die Lehre vom Kriege auf der Grundlage seiner neuzeitlichen Erscheinungsformen« (1897); »Der Schlachtenangriff« (18981900, 2 Tle.); »Die Division v. Beyer im Mainfeldzug 1866« (1899); »Einheitsangriff oder individualisierter Angriff nach den Erfahrungen des südafrikanischen Krieges« (1902); »Gewehr und Gelände im heutigen Angriffskämpfe« (1904); »Vergleichender Rückblick auf die neueste Tagesliteratur über den Infanterieangriff« (1906), sämtlich in Berlin erschien en; ferner zahlreiche Aufsätze im »Militär-Wochenblatt« und in den »Süddeutschen Monatsheften« 190405 die Studie »Einführung in das Studium des Krieges«. In der Sammlung »Militärische Klassiker des In- und Auslandes« hat S. Clausewitz' Werk »Vom Kriege« herausgegeben (Dresd. 1891).
 
Artikelverweis 
Scherflein, s. Meyers Scherf.
 
Artikelverweis 
Scherg, s. Meyers Stör.
 
Artikelverweis 
Schergang, s. Meyers Farbegang.
 
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Scherge (althochd. scario, »Ordner«), Polizei-, Gerichtsdiener, jetzt nur mit übler Nebenbedeutung: Büttel, Henkersknecht.

 

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