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Scheren der Haustiere bis Schérer (Bd. 6, Sp. 740 bis 742)
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Artikelverweis Scheren der Haustiere, das Abscheren der glatten Deckhaare beim Pferd, Rind und Sch wein. Ursprünglich sollte das Scheren dem Pferde nur besseres Aussehen geben, daß Pferd sollte auch im Winter Sommerhaar tragen. Später rühmte man auch, daß es günstigen Einfluß ausübe auf Wohlbefinden, Gedeihen, Leistungsfähigkeit u. Verhütung von Krankheiten. Jedenfalls wird bei dem geschornen Pferde das Putzen erleichtert, die Ausdünstungen geregelt und das Nachschwitzen gemindert. Hierdurch ist es bedingt, das manche Pferde, die schlecht fressen, nach dem Scheren mehr Futter aufnehmen. Bei kalter Witterung stört das Scheren momentan die Gesundheit. Zittern, Zusammenstellen der Füße, rauhe Haut, Faltenbildung am Hals u. Bauch, Traurigkeit, geringer Appetit, Steifheit treten ein, selbst in wärmern Ställen. Erst noch Wochen gleicht sich das aus. Auch Durchfälle, Katarrhe und Brustentzündungen werden zuweilen beobachtet. Das Scheren der Pferde, seit dem dritten Jahrzehnt des 19. Jahrh. von England her verbreitet, ist im ganzen eine Luxusoperation.

[Bd. 6, Sp. 741]


Bedeutung hat sie nur für Jagd- und Rennpferde und für sonstige Luxuspferde; für gewöhnliche Arbeits- und Militärpferde ist sie überflüssig. Rinder schert man hauptsächlich zur Förderung der Mast, das Putzen wird erleichtert, die Hauttätigkeit angeregt und der Appetit gesteigert. Schafe werden zur Gewinnung der Wolle regelmäßig geschoren. Schweine werden geschoren, um sie leichter vom Ungeziefer befreien zu können. Zur Ausführung der Schur benutzte man Sengapparate (für Weingeist oder Gas), mit denen über einem kurz gezahnten Kamm die Haare abgebrannt wurden. Da hierbei aber Brandwunden auf der Haut nicht vermieden werden können, so verwendet man jetzt allgemein Pferde- und Rinderscheren, bei denen ein unbeweglicher mit einem beweglichen Kamm aus scharfen Klingen vereinigt sind (Fig. 1). Auch benutzt man maschinelle Vorrichtungen, bei denen ein Gehilfe den Apparat in Bewegung setzt, während das Instrument selbst kunstgerecht gegen die Haare gehalten wird. Der arbeitende Teil der Schafschermaschine (Fig. 2), mit der in 4 Minuten ein Schaf tadellos geschoren werden kann, besteht aus einem stählernen Kamm zum Fassen der Wolle und stählernen Schneidezähnen, die durch eine flexible Welle von irgend einem Motor aus mit ca. 3000 Bewegungen in der Minute über den Kamm hin und her bewegt werden, wodurch der Schnitt der Wolle herbeigeführt wird. Vgl. Ruess, Das Scheren unserer Haustiere (Berl. 1873); Zündel, Das Scheren der Pferde (Straßb. 1874).
 
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Scherenasseln, s. Meyers Asseln.
 
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Scherenberg, Schloßruine, s. Meyers Gemünden 1).
 
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Scherenberg, 1) Christian Friedrich, Dichter, geb. 5. Mai 1798 in Stettin, gest. 9. Sept. 1881 in Zehlendorf bei Berlin, war erst zum Kaufmann bestimmt, kam dann, 15 Jahre alt, auf das Gymnasium seiner Vaterstadt, verließ aber 1817 heimlich das elterliche Haus und lebte zwei Jahre in Berlin, wo der berühmte Schauspieler Wolf zuerst seine ungewöhnliche dramatische Begabung erkannte und ihn bestimmte, Schauspieler zu werden. S. schloß sich einer Truppe in Magdeburg an, widmete sich aber, durch den Tod seines Vaters in den Besitz eines kleinen Vermögens gelangt, zugleich kaufmännischen Geschäften. Durch unglückliche Spekulationen verarmt, kehrte er 1837 nach Berlin zurück, erhielt eine Anstellung in der Bibliothek des preußischen Kriegsministeriums, nahm seine dichterischen Arbeiten wieder auf und ward bald eins der gefeiertsten Glieder der Dichtergesellschaft »Tunnel«. Neben lyrischen Dichtungen (»Gedichte«, Berl. 1845, 4. Aufl. 1869) veröffentlichte er die Schlachtengemälde: »Waterloo« (das. 1849, 6. Aufl. 1869), »Ligny« (das. 1849, 4. Aufl. 1870), »Leuthen« (das. 1852, 3. Aufl. 1867), »Abukir, die Schlacht am Nil« (das. 1854, 2. Aufl. 1855) und »Hohenfriedberg« (das. 1869). Durch patriotische Glut, durch Mark und Kraft in der Schilderung, durch wirkliche Freude am großen und kleinen Leben des Krieges ausgezeichnet, dabei aber von einem knorrigen Realismus, der im Ringen nach eigentümlichem Ausdruck oft aller Form spottet, gehören Scherenbergs Dichtungen zu jenen Schöpfungen, die mit der wandelbaren Stimmung der Zeit, aus der sie entstanden, auch zurücktreten. Vgl. Fontane, Christ. Friedr. S. und der literarische Verein von 1840 bis 1860 (Berl. 1885).
   2) Ernst, Dichter und Publizist, Neffe des vorigen, geb. 21. Juli 1839 in Swinemünde, gest. 18. Sept. 1905 in Eisenach, besuchte die Berliner Gewerbe akademie, dann die Kunstakademie und widmete sich endlich ausschließlich der Literatur. Er redigierte 1864 bis 1869 das »Braunschweiger Tageblatt« und ließ sich dann in Elberfeld nieder, wo er bis 1883 die Chefredaktion der »Elberfelder Zeitung« führte und das Sekretariat der Handelskammer versah. Als sinniger Lyriker bewährte er sich zuerst in der Gedichtsammlung »Aus tiefstem Herzen« (Berl. 1860, 2. Aufl. 1862), welcher der Zyklus »Verbannt« (das. 1861, 2. Aufl. 1865), »Stürme des Frühlings« (neue Gedichte, das. 1865; 2. Aufl. 1870), »1866, Dichtungen« (das. 1867), »Gedichte« (Leipz. 1874), »Neue Gedichte« (das. 1882) und als 5. u. 6. Auflage eine Gesamtausgabe der »Gedichte« (das. 1894 u. 1899) folgten. Weiter veröffentlichte er die Charakterbilder: »Fürst Bismarck« (Elberf. 1885) und »Kaiser Wilhelm I., ein Gedenkbuch« (Leipz. 1888) sowie die dramatische Dichtung »Germania« (das. 1886) und das fliegende Gedicht: »Niemals! Dem Fürsten Bismarck. Frühjahr 1893« (Elberf. 1893). Auch gab er eine Anthologie: »Gegen Rom, Zeitstimmen deutscher Dichter« (1.10. Aufl., Elberf. 1874), heraus. Nachgelassene Gedichte von ihm erschienen u. d. T.: »Dem Meere zu« (Elberf. 1906).
 
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Scherende Flechte (Herpes tonsurans), s. Meyers Flechte.
 
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Scherengebiß, eine abnorme Form der Backenzahnreihen beim Pferde. Dieselben stehen normal im Oberkiefer etwas weiter auseinander, haben auch breitere Kauflächen als im Unterkiefer. Die Kauflächen der Ober- und Unterkieferbackenzähne treffen daher nicht genau auseinander, sondern nur der innere Teil der Kaufläche der Oberkieferbackenzähne ruht auf derjenigen der Unterkieferzähne; beide sind außerdem nach außen etwas abgeschrägt. Wenn nun die Backenzahnreihen oben ungewöhnlich weit voneinander stehen, oder der Zwischenraum zwischen denen im Unterkiefer allzu klein ist, so treffen nur die Innenkanten der Ober- und die Außenkanten der Unterkieferbackenzähne auseinander. Diese schleifen sich ab und die Kauflächen werden dadurch immer schräger, so daß sie schließlich nebeneinander liegen und beim Kauen wie die Schenkel einer Schere aneinander vorbeigehen. Da das Kauen beim Pferde von einer malenden Bewegung der Backenzähne auseinander abhängig ist, eine solche aber beim S. unmöglich wird, so vermag ein damit behaftetes Pferd Hafer und Heu nicht mehr genügend zu zerkleinern. Die Ernährung leidet auf das schwerste und die Pferde werden dienstunfähig.
 
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Scherenkran, s. Meyers Kran, S. 568.
 
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Scherenkrebse (Hummern, Astacidae), Familie der Meyers Krebse (s. d.).
 
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Scherenschnabel (Rhynchops L.), Gattung der Möwen (Laridae), Vögel mit mehr als kopflangem, scherenblattartig komprimiertem Schnabel, an dem der Oberschnabel um ein Drittel kürzer ist als der Unterschnabel, sehr langen, spitzen Flügeln, gegabeltem Schwanz und eingeschnittenen Schwimmhäuten. Die drei Arten bewohnen die tropischen Küsten der Alten und der Neuen Welt, sind Nachtvögel und suchen ihre Nahrung im langsamen Flug über das Wasser, wobei sie den Unterschnabel minutenlang eintauchen. R. flavirostris L., 45 cm lang, 110 cm breit, schwarzbraun und weiß gefärbt, mit korallenrotem Schnabel

[Bd. 6, Sp. 742]


und Füßen, bewohnt Afrika, liegt am Tage bewegungslos auf Sandbänken, schwimmt nur im Notfall, hat eine eigentümlich klagende Stimme, nistet gesellig im Sand und legt 35 graugrünliche, dunkler gefleckte und gestrichelte, kleine Eier.
 
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Scherer, 1) Georg, Dichter, geb. 16. März 1828 in Dennenlohe bei Ansbach, studierte in München Philosophie und Philologie, wurde nach größern Studienreisen 1865 Dozent für Literatur- und Kunstgeschichte am Polytechnikum in Stuttgart und 1875 Professor an der Kunstschule daselbst. Seit 1881 lebt er als Schriftsteller wieder in München. Seine Gedichte zeichnen sich durch Gemütstiefe und Formvollendung aus; seine Sprache ist schlicht und volkstümlich. Um die Erforschung und Auszeichnung des deutschen Volksliedes hat S. sich besonders verdient gemacht. Er veröffentlichte: »Gedichte« (Leipz. 1864; 6. Aufl. mit Illustrationen von P. Thumann, Stuttg. 1897); »Deutscher Dichterwald«, lyrische Anthologie (22. Aufl., Stuttg. 1906); »Die schönsten deutschen Volkslieder«, mit Bildern und Singweisen (u. Aufl., Leipz. 1868; Prachtausgabe ohne Singweisen, 1875); »Jungbrunnen«, deutsche Volkslieder (3. Aufl., Berl. 1874); »Illustriertes deutsches Kinderbuch« (Bd. 1, 7. Aufl., Leipz. 1905; Bd. 2, 2. Aufl. 1877); »Rätselbuch« (3. Aufl., Münch. 1899); »Die Wacht am Rhein«, Monographie (Berl. 1871); »Liederborn«, 200 Volks- und volkstümliche Lieder mit Singweisen (das. 1880) und gab das »Birket Foster-Album« (Münch. 1881) mit deutschem Text heraus.
   2) Wilhelm, namhafter Germanist, geb. 26. April 1841 zu Schönborn in Niederösterreich, gest. 6. Aug. 1886 in Berlin, begann 1858 auf der Universität zu Wien seine sprachwissenschaftlichen Studien, die er seit 1860 in Berlin fortsetzte, habilitierte sich 1864 an der Wiener Hochschule und wurde hier 1868 nach Fr. Pfeiffers Tode zum ordentlichen Professor für deutsche Sprache und Literatur ernannt. 1872 in gleicher Eigenschaft nach Straßburg berufen, entfaltete er hier eine äußerst fruchtbare Lehrtätigkeit, bis er im Herbst 1877 einem Ruf als Professor der neuern deutschen Literaturgeschichte an der Universität Berlin folgte, wo er 1884 auch zum Mitglied der Akademie ernannt wurde. Von Scherers literarischen Publikationen, die im wesentlichen deutsche Sprachwissenschaft und Literaturgeschichte (letztere von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart) behandeln, sind hervorzuheben: »Denkmäler deutscher Poesie und Prosa« (mit Müllenhoff, Berl. 1864; 3. Aufl. 1892); seine Untersuchungen über die Literatur des 11. und 12. Jahrh.: »Deutsche Studien« (Wien 187078, 3 Tle.; 2. Aufl., Prag 1891), »Geistliche Poeten der deutschen Kaiserzeit« (Straßb. 187475,2 Hefte), »Geschichte der deutschen Dichtung im 11. und 12. Jahrhundert« (das. 1875); ferner die Monographie »Jakob Grimm« (Berl. 1865, 2. erweiterte Aufl. 1885); »Zur Geschichte der deutschen Sprache« (das. 1868, 3. Ausg. 1890); »Vorträge und Aufsätze zur Geschichte des geistigen Lebens in Deutschland und Österreich« (das. 1874); »Die Anfänge des deutschen Prosaromans« (Straßb. 1877); »Aus Goethes Frühzeit, Bruchstücke eines Kommentars zum jungen Goethe« (das. 1879) und seine »Geschichte der deutschen Literatur« (Berl. 1883, 10. Aufl. 1905), die sich als ein hochbedeutender Versuch zeigt, unter Berücksichtigung aller gewonnenen wissenschaftlichen Resultate, gleichsam aus der Mitte der Forschung heraus, eine allen Kreisen zugängliche, durch anmutig lebendige Darstellung ausgezeichnete Geschichte der Entwickelung der deutschen Nationalliteratur zu geben. Für O. Lorenz' »Geschichte des Elsasses« (3. Aufl., Berl. 1884) behandelte er die Literatur des Elsaß, mitten Brink begründete er 1874 in Straßburg die »Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker«. Aus seinem Nachlaß erschienen die »Aufsätze über Goethe« (Berl. 1886, 2. Aufl. 1900), die »Poetik« (das. 1888), die »Kleinen Schriften« (hrsg. von Burdach und Erich Schmidt, das. 1893, 2 Bde.) und »Karl Müllenhoff, ein Lebensbild« (das. 1896). Als akademischer Lehrer entwickelte S. eine überaus anregende Tätigkeit und begründete eine lange Zeit vorherrschende literarhistorische Schule von ausgeprägter Eigenart.
 
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Schérer (spr. -rǟr), 1) Barthélemy Louis Joseph, franz. General, geb. 18. Dez. 1747 in Delle bei Belfort, gest. 19. Aug. 1804, trat in österreichische, dann in holländische Kriegsdienste und wurde 1791, nach Frankreich zurückgekehrt, Kapitän in einem Linienregiment. 1793 machte er den Feldzug am Rhein mit und erhielt 1794 den Befehl über eine Division der Sambre- und Maasarmee. Da er mehrere Vorteile über die Österreicher erfocht, ward er 1795 mit dem Oberkommando der Alpen- und dann der Ostpyrenäenarmee betraut. Nach dem Baseler Friedensschluß übernahm er den Oberbefehl in Italien, gab ihn aber, da ihm seine Untätigkeit nach dem Siege bei Loano (23. und 24. Nov.) zum Vorwurf gemacht wurde, 23. Febr. 1796 an Bonaparte ab. 179799 Kriegsminister, wurde er 1799 an Jouberts Stelle abermals nach Italien geschickt. Aber 26. März bei Pastrengo, am 30. bei Verona und 5. April bei Magnano von den Österreichern unter Kray geschlagen und hinter den Mincio und Oglio zurückgedrängt, trat er das Kommando an Moreau ao und zog sich auf sein Landgut Chauny (Ain) zurück. Zu seiner Rechtfertigung schrieb er: »Précis des opérations militaires de l'armée d'Italie depuis le 21 ventôse jusqu'au 7 floréal de l'an VII« (Par. 1799).
   2) Edmond, franz. Theolog der kritischen Schule, geb. 8. April 1815 in Paris, gest. 16. März 1889 in Versailles, studierte in England und zuletzt in Straßburg Theologie und wurde 1845 in Genf Professor der Exegese. Als sich aber seine inzwischen anders gewordenen religiösen Überzeugungen mit dieser Stellung nicht mehr vertrugen, trat er 1850 zurück, siedelte 1860 nach Versailles über und wurde ein Haupt der liberalen Bewegung innerhalb der französisch-protestantischen Kirche, unter der Republik auch lebenslängliches Mitglied des Senats. Mit Colani war er eine Zeitlang Herausgeber der »Revue de théologie et de philosophie chrétienne«, dann Mitredakteur der »Bibliothèque universelle« in Genf und Mitarbeiter am Pariser »Temps«. Er veröffentlichte: »La critique et la foi« (Par. 1850); »Alexandre Vinet, notice sur sa vie, ses écrits« (1853); »Mélanges de critique religieuse« (1860); »Lettre á mon curé« (1853, 3. Aufl. 1890); »Etudes critiques sur la littérature contemporaine« (186395, 10 Tle.); »Mélanges d'histoire religieuse« (2. Aufl. 1865); »Etudes critiques de littérature« (1876); »Diderot, étude« (1880); »La démocratie et la France« (1883); »Melchior Grimm« (1887); »Etudes sur la littérature an XVIII. siècle« (1891). Vgl. Gréard, Edmond S. (Par. 1890).

 

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