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Scheren bis Scherenschnabel (Bd. 6, Sp. 739 bis 741)
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Artikelverweis Scheren, Schneidwerkzeuge mit zwei Schneiden (Blättern, Messern, Klingen), die derart gegeneinander bewegt werden, daß sie ein dazwischen gebrachtes Arbeitsstück zerteilen. Man fertigt kleine S. aus Stahl oder aus Schmiedeeisen mit aufgeschweißtem Stahl, größere aus Gußeißen mit aufgeschraubten Blättern. Die Rohform erhalten sie durch Schmieden in Gesenken unter Mithilfe von Durchschlägen zur Vorbildung der Griffe, der Scharnierlöcher etc., oder aus Stahlblech mittels der Durchschnitte. Sie werden dann gefeilt, geschliffen, gehärtet, nachgelassen, gerichtet, feingeschliffen, poliert, auch vielfach verziert durch Gravieren, Vergolden, Versilbern und Vernickeln. Man vereinigt beide Blätter durch eine Feder, die zugleich das Öffnen der Schere besorgt (Schafschere, Rosen schere) oder durch ein Niet, bez. eine Schraube, um die sich die Blätter gegeneinander bewegen. Zu einem guten Schnitt ist nebst dem passenden Schneidwinkel erforderlich, daß die Blätter beim Schließen stets sich vollkommen berühren. Aus dem Grunde wird den gewöhnlichen Scherblättern eine einwärts hohle Krümmung und den großen S. eine bedeutende Blattstärke oft mit Andruckvorrichtungen gegeben. Große S. werden durch maschinellen Antrieb in Bewegung gesetzt. Hierher gehören auch die S., bei denen das bewegliche Blatt schraubenförmig auf einer drehenden Walze befestigt wird (Schermaschine für Appretur, s. Tafel Meyers »Appreturmaschinen«, S. II). Eine besondere Klasse bilden die bei der Metallverarbeitung benutzten S. (vgl. Tafel Meyers »Blechverarbeitungsmaschinen u. Werkzeuge«, S. 1). Größere Handscheren werden mit einem Ansatz in den Schraubstock eingespannt (Stockschere) oder mit einem festen Gestell versehen (Bockschere, Tafelschere). Der Griff bildet dann zweckmäßig die unmittelbare Fortsetzung des beweglichen obern Blattes, folglich einen einarmigen Hebel. Um S. zum Schneiden dicker Bleche mit der Hand zu befähigen, gibt man ihnen eine doppelte Hebelübersetzung. An dem bügelartigen Gußeisengestell a a (Fig. 1) befindet sich das untere feste Scherblatt b'. Das bewegliche obere Scherblatt a' dreht sich um einen Bolzen b u. wird niedergedrückt durch den Hebel g, der sich um f dreht u. durch ein Bogengelenk e d auf das Ende des Scherblattes a´ mit zehnfacher Kraftübersetzung wirkt. Man kann daher mit dieser Schere Eisenblech bis 5 mm Dicke schneiden. An der Schere befindet sich ferner noch ein verstellbarer Anschlag m zum Abschneiden von Streifen von vorgeschriebener Breite. Zum Schneiden profilierter Stäbe erhalten die S. Ausschnitte, die diesen Profilen entsprechen (Formscheren), um ein Zerquetschen des Arbeitsstückes zu vermeiden. Zu solchen S. gehören die Drahtscheren (Fig. 2 u. 3) aus zwei runden Scheiben a u. b, die an den Rändern mit Einschnitten versehen sind, in die man den Draht legt. Indem dann die Scheiben durch die vermittelst der Feder d auseinander

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gedrückten Griffe a' und b' um den Bolzen c gedreht werden, scheren sie den Draht ab. Beim Schließen einer Schere verändert sich der Winkel, den die beiden Blätter miteinander machen (Scherenwinkel), fortwährend, obwohl er eigentlich gleichbleiben sollte, weil bei Winkeln, die größer als der Reibungswinkel sind, das Arbeitsstück herausgeschoben wird. Die konstante Größe des Scherenwinkels ist einfach dadurch zu erhalten, daß man die Schneide eines Blattes nach einer logarithmischen Spirale konvex krümmt (a´, Fig. 1) oder das eine Blatt mit gerader Schneide parallel zu sich selbst bewegt (Parallelschere) oder beide Blätter aus kreisrunden, um die Mitte drehbaren Blättern (Kreisschere) herstellt. Da nun die Bewegung der gewöhnlichen S. mittels Hebel, diejenigen der Parallelscheren in rahmenartigen Führungen erfolgt, so unterscheidet man Hebelscheren oder Winkelscheren, Rahmenscheren oder Parallelscheren und Kreisscheren. Bei den großen Hebelscheren wird der Hebel in der Regel durch ein Kreisexzenter oder einen Krummzapfen bewegt. Dabei kann der Hebel in horizontaler Richtung, wie das Blatt, liegen, oder er steht in rechtem Winkel gegen dasselbe abwärts (Winkelhebelschere). Gibt man dem Hebel dann die Gestalt eines , läßt die bewegende Kraft am vertikalen Arm wirken und an den entgegengesetzt auslaufenden Armen zwei Scherblätter sich befinden, die bei der Schwingung um den zwischen ihnen liegenden Drehpunkt wechselweise gegen entsprechende festliegende Schneiden niedergehen, so erhält man eine Doppelschere. Bei kleinen Rahmenscheren bewegt man das Scherblatt auch mit seitwärts angreifendem Handhebel. Große Rahmenscheren werden gewöhnlich von Schubstangen oder Zugstangen mittels Kreisexzenter, von einer Transmission, einem Elektromotor, einer Dampfmaschine (Dampfschere) oder einer hydraulischen Presse derart angetrieben, daß das obere Scherblatt auf und ab bewegt wird (hydraulische Schere, s. Meyers Hydraulische Presse, S. 690). Rahmenscheren gestatten sehr lange Blätter (bis 2,5 m) und sind daher hauptsächlich zum Schneiden langer dicker Bleche (für Dampfkessel in den Kupferschmieden, zum Brückenbau etc.) in Gebrauch, sehr häufig mit einer Lochmaschine zusammengebaut. Diese vereinigte Loch- und Schermaschine gehört zu den wichtigsten Blechverarbeitungsmaschinen und erhält gewöhnlich die in Fig. 4 dargestellte Anordnung. An einer Seite s' sitzt die Schere, auf der andern Seite 1 der Lochstempel mit Matrize. Das obere Scherblatt und der Lochstempel sitzen an Schlitten, die an Führungen ff auf und ab bewegt werden und zwar mittels Zapfen, die exzentrisch an den Enden einer im Gestell gelagerten Welle angebracht sind und in Gleitstücke der Schieber eintreten. Diese Welle trägt das Zahnrad z, das von einem zweiten Zahnrad angetrieben wird; letzteres sitzt in dem Schutzgehäuse b auf derselben Welle, welche die Schwungräder s, s trägt und von der Riemenscheibe r die Umdrehung erhält. Dabei sitzen die genannten Zapfen gegeneinander so verstellt, daß der eine Schlitten aufwärts geht, während der andre sich senkt. Mit dieser Maschine lassen sich Eisenbleche bis 20 mm Dicke schneiden und Löcher bis 20 mm Durchmesser ausstoßen. Die Kreisschere (s. Tafel Meyers »Blechverarbeitungsmaschinen«) schneidet schnell und sicher beliebig lange Streifen, auch auf das genaueste kreisrunde Scheiben (z. B. für Konservenbüchsen) und Blechringe. Zu den S. gehören auch die Beschneidemaschinen in Buchbindereien (s. Tafel Meyers »Buchbinderei II«, Fig. 3 u. 5).
 
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Scheren, bei der Appretur der Gewebe die auf deren Oberfläche stehenden Härchen oder Fäserchen durch Abschneiden entfernen (s. Appretur); in der Weberei die Kettenfäden nach Länge und Zahl ordnen, bevor sie auf den Webstuhl gebracht werden (s. Meyers Weben); im Seewesen Tauwerk durch Blöcke ziehen, auch soviel wie herankommen, man läßt z. B. ein Boot längsseit des Schiffes scheren (vgl. Ausscheren).
 
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Scheren der Haustiere, das Abscheren der glatten Deckhaare beim Pferd, Rind und Sch wein. Ursprünglich sollte das Scheren dem Pferde nur besseres Aussehen geben, daß Pferd sollte auch im Winter Sommerhaar tragen. Später rühmte man auch, daß es günstigen Einfluß ausübe auf Wohlbefinden, Gedeihen, Leistungsfähigkeit u. Verhütung von Krankheiten. Jedenfalls wird bei dem geschornen Pferde das Putzen erleichtert, die Ausdünstungen geregelt und das Nachschwitzen gemindert. Hierdurch ist es bedingt, das manche Pferde, die schlecht fressen, nach dem Scheren mehr Futter aufnehmen. Bei kalter Witterung stört das Scheren momentan die Gesundheit. Zittern, Zusammenstellen der Füße, rauhe Haut, Faltenbildung am Hals u. Bauch, Traurigkeit, geringer Appetit, Steifheit treten ein, selbst in wärmern Ställen. Erst noch Wochen gleicht sich das aus. Auch Durchfälle, Katarrhe und Brustentzündungen werden zuweilen beobachtet. Das Scheren der Pferde, seit dem dritten Jahrzehnt des 19. Jahrh. von England her verbreitet, ist im ganzen eine Luxusoperation.

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Bedeutung hat sie nur für Jagd- und Rennpferde und für sonstige Luxuspferde; für gewöhnliche Arbeits- und Militärpferde ist sie überflüssig. Rinder schert man hauptsächlich zur Förderung der Mast, das Putzen wird erleichtert, die Hauttätigkeit angeregt und der Appetit gesteigert. Schafe werden zur Gewinnung der Wolle regelmäßig geschoren. Schweine werden geschoren, um sie leichter vom Ungeziefer befreien zu können. Zur Ausführung der Schur benutzte man Sengapparate (für Weingeist oder Gas), mit denen über einem kurz gezahnten Kamm die Haare abgebrannt wurden. Da hierbei aber Brandwunden auf der Haut nicht vermieden werden können, so verwendet man jetzt allgemein Pferde- und Rinderscheren, bei denen ein unbeweglicher mit einem beweglichen Kamm aus scharfen Klingen vereinigt sind (Fig. 1). Auch benutzt man maschinelle Vorrichtungen, bei denen ein Gehilfe den Apparat in Bewegung setzt, während das Instrument selbst kunstgerecht gegen die Haare gehalten wird. Der arbeitende Teil der Schafschermaschine (Fig. 2), mit der in 4 Minuten ein Schaf tadellos geschoren werden kann, besteht aus einem stählernen Kamm zum Fassen der Wolle und stählernen Schneidezähnen, die durch eine flexible Welle von irgend einem Motor aus mit ca. 3000 Bewegungen in der Minute über den Kamm hin und her bewegt werden, wodurch der Schnitt der Wolle herbeigeführt wird. Vgl. Ruess, Das Scheren unserer Haustiere (Berl. 1873); Zündel, Das Scheren der Pferde (Straßb. 1874).
 
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Scherenasseln, s. Meyers Asseln.
 
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Scherenberg, Schloßruine, s. Meyers Gemünden 1).
 
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Scherenberg, 1) Christian Friedrich, Dichter, geb. 5. Mai 1798 in Stettin, gest. 9. Sept. 1881 in Zehlendorf bei Berlin, war erst zum Kaufmann bestimmt, kam dann, 15 Jahre alt, auf das Gymnasium seiner Vaterstadt, verließ aber 1817 heimlich das elterliche Haus und lebte zwei Jahre in Berlin, wo der berühmte Schauspieler Wolf zuerst seine ungewöhnliche dramatische Begabung erkannte und ihn bestimmte, Schauspieler zu werden. S. schloß sich einer Truppe in Magdeburg an, widmete sich aber, durch den Tod seines Vaters in den Besitz eines kleinen Vermögens gelangt, zugleich kaufmännischen Geschäften. Durch unglückliche Spekulationen verarmt, kehrte er 1837 nach Berlin zurück, erhielt eine Anstellung in der Bibliothek des preußischen Kriegsministeriums, nahm seine dichterischen Arbeiten wieder auf und ward bald eins der gefeiertsten Glieder der Dichtergesellschaft »Tunnel«. Neben lyrischen Dichtungen (»Gedichte«, Berl. 1845, 4. Aufl. 1869) veröffentlichte er die Schlachtengemälde: »Waterloo« (das. 1849, 6. Aufl. 1869), »Ligny« (das. 1849, 4. Aufl. 1870), »Leuthen« (das. 1852, 3. Aufl. 1867), »Abukir, die Schlacht am Nil« (das. 1854, 2. Aufl. 1855) und »Hohenfriedberg« (das. 1869). Durch patriotische Glut, durch Mark und Kraft in der Schilderung, durch wirkliche Freude am großen und kleinen Leben des Krieges ausgezeichnet, dabei aber von einem knorrigen Realismus, der im Ringen nach eigentümlichem Ausdruck oft aller Form spottet, gehören Scherenbergs Dichtungen zu jenen Schöpfungen, die mit der wandelbaren Stimmung der Zeit, aus der sie entstanden, auch zurücktreten. Vgl. Fontane, Christ. Friedr. S. und der literarische Verein von 1840 bis 1860 (Berl. 1885).
   2) Ernst, Dichter und Publizist, Neffe des vorigen, geb. 21. Juli 1839 in Swinemünde, gest. 18. Sept. 1905 in Eisenach, besuchte die Berliner Gewerbe akademie, dann die Kunstakademie und widmete sich endlich ausschließlich der Literatur. Er redigierte 1864 bis 1869 das »Braunschweiger Tageblatt« und ließ sich dann in Elberfeld nieder, wo er bis 1883 die Chefredaktion der »Elberfelder Zeitung« führte und das Sekretariat der Handelskammer versah. Als sinniger Lyriker bewährte er sich zuerst in der Gedichtsammlung »Aus tiefstem Herzen« (Berl. 1860, 2. Aufl. 1862), welcher der Zyklus »Verbannt« (das. 1861, 2. Aufl. 1865), »Stürme des Frühlings« (neue Gedichte, das. 1865; 2. Aufl. 1870), »1866, Dichtungen« (das. 1867), »Gedichte« (Leipz. 1874), »Neue Gedichte« (das. 1882) und als 5. u. 6. Auflage eine Gesamtausgabe der »Gedichte« (das. 1894 u. 1899) folgten. Weiter veröffentlichte er die Charakterbilder: »Fürst Bismarck« (Elberf. 1885) und »Kaiser Wilhelm I., ein Gedenkbuch« (Leipz. 1888) sowie die dramatische Dichtung »Germania« (das. 1886) und das fliegende Gedicht: »Niemals! Dem Fürsten Bismarck. Frühjahr 1893« (Elberf. 1893). Auch gab er eine Anthologie: »Gegen Rom, Zeitstimmen deutscher Dichter« (1.10. Aufl., Elberf. 1874), heraus. Nachgelassene Gedichte von ihm erschienen u. d. T.: »Dem Meere zu« (Elberf. 1906).
 
Artikelverweis 
Scherende Flechte (Herpes tonsurans), s. Meyers Flechte.
 
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Scherengebiß, eine abnorme Form der Backenzahnreihen beim Pferde. Dieselben stehen normal im Oberkiefer etwas weiter auseinander, haben auch breitere Kauflächen als im Unterkiefer. Die Kauflächen der Ober- und Unterkieferbackenzähne treffen daher nicht genau auseinander, sondern nur der innere Teil der Kaufläche der Oberkieferbackenzähne ruht auf derjenigen der Unterkieferzähne; beide sind außerdem nach außen etwas abgeschrägt. Wenn nun die Backenzahnreihen oben ungewöhnlich weit voneinander stehen, oder der Zwischenraum zwischen denen im Unterkiefer allzu klein ist, so treffen nur die Innenkanten der Ober- und die Außenkanten der Unterkieferbackenzähne auseinander. Diese schleifen sich ab und die Kauflächen werden dadurch immer schräger, so daß sie schließlich nebeneinander liegen und beim Kauen wie die Schenkel einer Schere aneinander vorbeigehen. Da das Kauen beim Pferde von einer malenden Bewegung der Backenzähne auseinander abhängig ist, eine solche aber beim S. unmöglich wird, so vermag ein damit behaftetes Pferd Hafer und Heu nicht mehr genügend zu zerkleinern. Die Ernährung leidet auf das schwerste und die Pferde werden dienstunfähig.
 
Artikelverweis 
Scherenkran, s. Meyers Kran, S. 568.
 
Artikelverweis 
Scherenkrebse (Hummern, Astacidae), Familie der Meyers Krebse (s. d.).
 
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Scherenschnabel (Rhynchops L.), Gattung der Möwen (Laridae), Vögel mit mehr als kopflangem, scherenblattartig komprimiertem Schnabel, an dem der Oberschnabel um ein Drittel kürzer ist als der Unterschnabel, sehr langen, spitzen Flügeln, gegabeltem Schwanz und eingeschnittenen Schwimmhäuten. Die drei Arten bewohnen die tropischen Küsten der Alten und der Neuen Welt, sind Nachtvögel und suchen ihre Nahrung im langsamen Flug über das Wasser, wobei sie den Unterschnabel minutenlang eintauchen. R. flavirostris L., 45 cm lang, 110 cm breit, schwarzbraun und weiß gefärbt, mit korallenrotem Schnabel

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und Füßen, bewohnt Afrika, liegt am Tage bewegungslos auf Sandbänken, schwimmt nur im Notfall, hat eine eigentümlich klagende Stimme, nistet gesellig im Sand und legt 35 graugrünliche, dunkler gefleckte und gestrichelte, kleine Eier.

 

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