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Schenckendorff bis Schenkel (Bd. 6, Sp. 735 bis 736)
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Artikelverweis Schenckendorff, Emil von, preuß. Abgeordneter, geb. 21. Mai 1837 in Soldin (Neumark), wurde Offizier, trat 1867 in den Reichstelegraphendienst und nahm, seit 1873 Telegraphendirektionsrat in Halle a. S., 1876 gesundheitshalber den Abschied. Er ließ sich in Görlitz nieder, wo er 187882 Stadtrat war, seitdem Stadtverordneter ist, und gehört als Vertreter des Wahlkreises Görlitz-Lauban im Abgeordnetenhaus (188292 und wieder seit 1902) der nationalliberalen Partei an. Als solcher widmet S. sich vorwiegend den Fragen der Erziehung (Werkunterricht oder Handfertigkeit, Jugendspiele, Fortbildungsschule). Sein Vortrag über Notwendigkeit einer Reform der höhern Lehranstalten, 3. Juli 1887 in der deutsch-akademischen Vereinigung in Berlin gehalten, gab Anlaß zu der mit 23,000 Unterschriften an den Kultusminister gelangenden Petition, infolge deren im Dezember 1890 die aus 44 Mitgliedern (darunter auch S.) bestehende Schulkonferenz nach Berlin berufen ward. Er schrieb: »Der praktische Unterricht, eine Forderung der Zeit an die Schule« (Bresl. 1880); »Durch welche Mittel kann zur Verminderung der Verbrechen und Vergehen beigetragen werden?« (Görlitz 1881); »Der Arbeitsunterricht auf dem Lande« (das. 1891). Mit F. A. Schmidt gab er seit 1892 das »Jahrbuch für Volks und Jugendspiele« (Leipz.) heraus, seit 1904 (mit H. Lorenz) fortgesetzt u. d. T.: »Wehrkraft durch Erziehung« (das.).
 
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Schendawin (Schendauin, Gesiret-Schandauil), Flecken im Distrikt Schag der ägypt. Provinz (Mudirieh) Girgeh, am linken Nilufer, Dampferstation; großer Wochenmarkt, (1897) 6668 (als Gemeinde 7634) Einw.
 
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Schendel, Petrus van, holländ. Maler, geb. 21. April 1806 in Ter Heijde bei Breda, gest. 28. Dez. 1870 in Brüssel, lernte in Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen und machte sich besonders durch zahlreiche kleine Bilder, darunter viele Städte- und Marktansichten bei Mond-, Fackel-, Lampen- oder Kerzenlicht, bekannt, die mit großer Zartheit ausgeführt sind. Seit 1850 lebte er in Brüssel.
 
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Schendi, Hauptstadt der Landschaft Dar Schendi im alten Fundschreich (s. Meyers Fundsch), am rechten Nilufer, unterhalb der sechsten Katarakte, gegenüber Metammeh; vor der Eroberung durch die Ägypter (1822) wichtiger Handelsplatz, dessen meist arabische Bewohner auf höherer Kulturstufe standen als ihre Nachbarn, zählte S. 50,000, später nur noch 6000 Einw., darunter Galla- und Nubasklaven. Jetzt Karawanenstation aus Senaar, Kordofan u. a., wohin Salz, Wolle, Teppiche, Straußfedern gebracht werden. S. liegt an der Bahn Wadi Halfa-Chartum. S. hat auch Kattunwebereien, Färbereien, Leder- und Schmiedewarenfabrikation.
 
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Schenectady (spr. ßkĕnécktĕdì), Hauptstadt der gleichnamigen Grafschaft im nordamerikan. Staate New York, am Mohawkfluß und Eriekanal, Bahnknotenpunkt, altertümliche Stadt, hat eine 1795 gegründete Hochschule (Union College), die großartigen Werkstätten der General Electric Company (60 Mill. Doll. Kapital), Maschinen- und Ackergerätefabriken, Handel mit Hopfen, Butter etc. und (1900) 31,682 Einw. S. wurde 1620 von den Holländern gegründet.
 
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Schenefeld, Dorf im preuß. Regbez. Schleswig, Kreis Rendsburg, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, Grützmüllerei, Holzsägerei, Branntweinbrennerei, Bierbrauerei, Wollspinnerei und (1905) 843 Einw.
 
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Schenie, s. Meyers Dizaine.
 
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Schenk, 1) (Schenck) Johann, Komponist, geb. 30. Nov. 1753 in Wiener-Neustadt, gest. 29. Dez. 1836 in Wien, Schüler Wagenseils, lebte ohne Anstellung als Musiklehrer in Wien und starb in dürftigen Verhältnissen. Von seinen zahlreichen, durch sprudelnden Humor und Melodienfluß ausgezeichneten Singspielen und Volksopern verdienen die Opern: »Der Dorfbarbier« (1796), »Der Bettelstudent« (1796), »Der Faßbinder« (1802) hervorgehoben zu werden. Vgl. Staub, Johann S. (Wiener-Neustadt 1901).
   2) Eduard von, bayr. Staatsmann und Dichter, geb. 10. Okt. 1788 in Düsseldorf, gest. 26. April 1841 in München, studierte in Landshut und ward, nachdem er 1817 von der protestantischen zur katholischen Kirche übergetreten, 1823 Generalsekretär im Staatsministerium, 1825 Ministerialrat, Vorstand der Schul- und Kirchensektion und 1828, unter Erhebung in den Adelstand, Staatsrat und Minister des Innern, verursachte aber durch mehrere Verordnungen, z. B. über die gemischten Ehen, so viele Mißhelligkeiten zwischen Ständen und Regierung, daß ihn der König 1832 als Präsident der Provinzialregierung nach Regensburg versetzte. 1838 wurde er aber wieder in den ordentlichen Dienst des Staatsrates nach München berufen. Seinen schnell verblichenen dichterischen Ruf begründete er vorzüglich durch das Trauerspiel »Belisar«, das sich einige Zeit auf der Bühne erhielt. Seine »Schauspiele« erschienen gesammelt in 3 Bänden (Stuttg. 182935). Außer mehreren Kantaten und Festspielen gab er auch 183438 das Taschenbuch »Charitas« sowie M. Beers »Sämtliche Werke« (Leipz. 1835, mit der Biographie des Dichters) und dessen Briefwechsel (das. 1837) heraus.
   3) August, Botaniker, geb. 17. April 1815 in Hallein, gest. 30. März 1891 in Leipzig, studierte in München, Erlangen, Wien und Berlin Naturwissenschaft und Medizin, habilitierte sich 1841 als Privatdozent in München, dann in Würzburg, wurde hier 1845 außerordentlicher, 1850 ordentlicher Professor und 1868 in Leipzig. 1887 trat er in den Ruhestand.

[Bd. 6, Sp. 736]


S. erforschte besonders die Verbreitung und Lebensweise der vorweltlichen Pflanzen, indem er deren Reste unter Berücksichtigung der Pflanzengeographie, Anatomie und Morphologie untersuchte. Er schrieb: »Über das Vorkommen kontraktiler Zellen im Pflanzenreich« (Würzb. 1858); »Beiträge zur Flora der Vorwelt« (Kassel 1863); »Beiträge zur Flora des Keupers und der rätischen Formation« (Bamb. 1864, mit 8 Tafeln); »Die fossile Flora der Grenzschichten des Keupers und Lias Frankens« (Wiesbad. 18651867, mit 45 Tafeln); »Die fossile Flora der nordwestdeutschen Wealdenformation« (Kassel 1871, mit 22 Tafeln); »Pflanzen aus der Steinkohlenformation und jurassische Pflanzen aus China« (in Richthofens »China«, Bd. 4, Berl. 1882). Für Martius' »Flora brasiliensis« bearbeitete er die Alströmeriazeen, für den Grafen Széchényi die auf seiner Reise gesammelten fossilen Pflanzen (1883); mit andern gab er das »Handbuch der Botanik« (Bresl. 187990, 4 Bde.; daraus abgedruckt: »Die fossilen Pflanzenreste«, 1888) und mit Luerssen die »Mitteilungen aus dem Gesamtgebiet der Botanik« (Leipz. 187175) heraus. Auch an der Herausgabe von Zittels »Handbuch der Paläontologie« war er seit Schimpers Tod beteiligt.
   4) Karl, schweizer. Staatsmann, geb. 1823 in Bern, gest. daselbst 18. Juli 1895 infolge eines Unfalls, studierte Theologie in Bern, machte den Sonderbundsfeldzug als Feldprediger mit und bekleidete von 184555 verschiedene Pfarrstellen im Kanton. 1855 wurde er vom bernischen Großen Rat an Stelle des in den Bundesrat berufenen Stämpfli in den Regierungsrat gewählt, dessen Präsident er dreimal war. Von 1857 an Abgeordneter Berns im schweizerischen Ständerat, dem er 1863 präsidierte, wurde er im Dezember d. J. nach Stämpslis Austritt in den Bundesrat gewählt und bekleidete 1865, 1871, 1874, 1878, 1885 und 1893 die Würde eines Bundespräsidenten. Als Mitglied des Bundesrats verwaltete er in der Regel das Innere.
 
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Schenkan, chines. Generalgouvernement, umfaßt die Gouvernements Schensi und Kansu, 520,000 qkm mit 19 Mill. Einw. Sitz des Vizekönigs ist Ninghia an der Großen Mauer im Tal des Hwangho.
 
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Schenkbier (Winterbier), s. Meyers Bier, S. 846.
 
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Schenkel, s. Meyers Bein; s. auch Meyers Winkel und Heber.

 

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