Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Schembert bis Schenectady (Bd. 6, Sp. 734 bis 735)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Schembert, s. Meyers Schönbart.
 
Artikelverweis 
Schemen (mittelhochd. schime, vielleicht vom griech.-lat. schema), wesenloses Schattenbild.
 
Artikelverweis 
Schemnitz (magyar. Selmecz- és Bélabánya, spr. schélmetz ésch béhlabánja), königliche freie Bergstadt mit geordnetem Magistrat, Sitz des ungarischen Komitats Hont, an der ungarischen Staatsbahnlinie Gran-Breznitz-S., liegt (570 m ü. M.) terrassenförmig in einem tiefen, von schroffen Bergwänden gebildeten Kesseltal am gleichnamigen Bach, besteht aus der eigentlichen Stadt, den Bergvororten Hodritsch, Schnurisberg, Steplitzhof, Oberfuchslos und Windschacht sowie aus der 1868 mit S. vereinigten freien Bergstadt Dilln (Bélabánya) und hat 3 kath. Kirchen, eine 1744 auf einem nahen Basalthügel erbaute Kalvarienkirche (Wallfahrtsort) mit schöner Rundsicht, 2 Klöster und eine evang. Kirche. Hervorragende Gebäude sind das Alte Schloß, das Neue Schloß (Jungfernschlößchen), der Kammerhof (Bergwerksdirektion), der Neubau der Bergwerks- und Forstakademie und das Laboratorium; auch hat S. ein Honvéd-Denkmal. S. zählt (1901) 16,375 slowakische, magyarische und deutsche (römisch-katholische, evangelische und israelitische) Einwohner, die hauptsächlich Bergbau, Holzindustrie, daneben Spitzenklöppelei treiben, und hat eine große Tabakfabrik (1200 Arbeiter) und eine Schuhwarenfabrik. Die sogen. Schemnitzer Tonpfeifen bilden einen bedeutenden Handelsartikel. Außer der von Maria Theresia 1760 gegründeten, ehemals berühmten Bergwerks- und Forstakademie (mit Mineralienkabinett) besteht dort ein dem Piaristenorden gehörendes kath. Obergymnasium, ein evang. Lyzeum und eine Lehrerpräparandie. S. hat eine Bergwerks- und Forst- und eine Tabakfabrikdirektion, ein Bergwerkprodukten-, ein Hütten- und ein Bergamt und ein zweites Bergamt in Windschacht (Szélakna). Die berühmten Erzlagerstätten des Schemnitzer Bergbaues führen gold-, silber-, blei- und teilweise kupferhaltige Silber- und Bleierze. Zwei Drittel des Bergbaues, dessen im Grünstein-Trachyt aufgeschlossene Gänge sich meilenweit bis in das Grantal und bis Königsberg erstrecken, sind Staatseigentum (»Oberbieberstollen«), das letzte Drittel ist Privatbergbau unter der Prinzipalität der Stadt S. und der Gerambschen Union. Von den bestehenden elf Erbstollen ist der im 14. Jahrh. 595 m ü. M. angeschlagene, 8600 m lange Bieberstollen der älteste. Der wichtigste ist der seit 1782 bestehende, 18,000 m lange Kaiser Joseph II. Erbstollen, der einen 16,538 m langen Hauptquerschlag besitzt und die Grubenwässer in

[Bd. 6, Sp. 735]


die Gran ableitet. Die Gesamtlänge der ausgefahrnen Strecken beträgt 367 km, die Länge der Förderbahnen gegen 50 km. Der tiefste Schacht ist der 540 m tiefe Amalienschacht. Bei den Werken der Windschachter königlichen Bergverwaltung werden 2500 Männer und 350 Kinder beschäftigt. Die Jahresproduktion beträgt: 120 kg Gold, 6100 kg Silber, 170 dz Kupfer und 8200 dz Blei. Als Hilfszweige besitzt der Oberbieberstollen außer Schmiede-, Schlosser-, Maschinenbauwerkstätten eine Drahtseilfabrik und 3 Dampfbrettsägen. In Bélabánya befindet sich ferner ein Bleihüttenwerk der Gerambschen Union (1000 Arbeiter). S. ist die älteste Bergstadt in Ungarn, deren Bergbau angeblich schon unter der Römerherrschaft bekannt war. Es wurde im 13. Jahrh. vom König Béla IV. zur königlichen Freistadt erhoben und von flandrischen und niedersächsischen Kolonisten bevölkert. Im 15.16. Jahrh. waren die Werke von den Meyers Fugger (s. d.) gepachtet. Seit Ende des 16. Jahrh. aber ward S. teilweise infolge der Gegenreformation stark slowakisiert und das Deutschtum zurückgedrängt, und erst seit 1848 hat die Magyarisierung nennenswerte Fortschritte gemacht. In der Nähe von S. liegen die besuchten Bäder Szkleno und Meyers Vihnye (s. d.). Vgl. Péch, Geschichte der Schemnitzer Bergbauunternehmungen (magyar., Schemn. 1884).
 
Artikelverweis 
Schemnitzer Erzgebirge, s. Meyers Ungarisches Erzgebirge.
 
Artikelverweis 
Schemyl, Tscherkessenanführer, s. Meyers Schamyl.
 
Artikelverweis 
Schenck, Johann, Komponist, s. Meyers Schenk 1).
 
Artikelverweis 
Schenckendorff, Emil von, preuß. Abgeordneter, geb. 21. Mai 1837 in Soldin (Neumark), wurde Offizier, trat 1867 in den Reichstelegraphendienst und nahm, seit 1873 Telegraphendirektionsrat in Halle a. S., 1876 gesundheitshalber den Abschied. Er ließ sich in Görlitz nieder, wo er 187882 Stadtrat war, seitdem Stadtverordneter ist, und gehört als Vertreter des Wahlkreises Görlitz-Lauban im Abgeordnetenhaus (188292 und wieder seit 1902) der nationalliberalen Partei an. Als solcher widmet S. sich vorwiegend den Fragen der Erziehung (Werkunterricht oder Handfertigkeit, Jugendspiele, Fortbildungsschule). Sein Vortrag über Notwendigkeit einer Reform der höhern Lehranstalten, 3. Juli 1887 in der deutsch-akademischen Vereinigung in Berlin gehalten, gab Anlaß zu der mit 23,000 Unterschriften an den Kultusminister gelangenden Petition, infolge deren im Dezember 1890 die aus 44 Mitgliedern (darunter auch S.) bestehende Schulkonferenz nach Berlin berufen ward. Er schrieb: »Der praktische Unterricht, eine Forderung der Zeit an die Schule« (Bresl. 1880); »Durch welche Mittel kann zur Verminderung der Verbrechen und Vergehen beigetragen werden?« (Görlitz 1881); »Der Arbeitsunterricht auf dem Lande« (das. 1891). Mit F. A. Schmidt gab er seit 1892 das »Jahrbuch für Volks und Jugendspiele« (Leipz.) heraus, seit 1904 (mit H. Lorenz) fortgesetzt u. d. T.: »Wehrkraft durch Erziehung« (das.).
 
Artikelverweis 
Schendawin (Schendauin, Gesiret-Schandauil), Flecken im Distrikt Schag der ägypt. Provinz (Mudirieh) Girgeh, am linken Nilufer, Dampferstation; großer Wochenmarkt, (1897) 6668 (als Gemeinde 7634) Einw.
 
Artikelverweis 
Schendel, Petrus van, holländ. Maler, geb. 21. April 1806 in Ter Heijde bei Breda, gest. 28. Dez. 1870 in Brüssel, lernte in Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen und machte sich besonders durch zahlreiche kleine Bilder, darunter viele Städte- und Marktansichten bei Mond-, Fackel-, Lampen- oder Kerzenlicht, bekannt, die mit großer Zartheit ausgeführt sind. Seit 1850 lebte er in Brüssel.
 
Artikelverweis 
Schendi, Hauptstadt der Landschaft Dar Schendi im alten Fundschreich (s. Meyers Fundsch), am rechten Nilufer, unterhalb der sechsten Katarakte, gegenüber Metammeh; vor der Eroberung durch die Ägypter (1822) wichtiger Handelsplatz, dessen meist arabische Bewohner auf höherer Kulturstufe standen als ihre Nachbarn, zählte S. 50,000, später nur noch 6000 Einw., darunter Galla- und Nubasklaven. Jetzt Karawanenstation aus Senaar, Kordofan u. a., wohin Salz, Wolle, Teppiche, Straußfedern gebracht werden. S. liegt an der Bahn Wadi Halfa-Chartum. S. hat auch Kattunwebereien, Färbereien, Leder- und Schmiedewarenfabrikation.
 
Artikelverweis 
Schenectady (spr. ßkĕnécktĕdì), Hauptstadt der gleichnamigen Grafschaft im nordamerikan. Staate New York, am Mohawkfluß und Eriekanal, Bahnknotenpunkt, altertümliche Stadt, hat eine 1795 gegründete Hochschule (Union College), die großartigen Werkstätten der General Electric Company (60 Mill. Doll. Kapital), Maschinen- und Ackergerätefabriken, Handel mit Hopfen, Butter etc. und (1900) 31,682 Einw. S. wurde 1620 von den Holländern gegründet.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: