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Schelm bis Schemal (Bd. 6, Sp. 733 bis 734)
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Artikelverweis Schelm (aus mittelhochd. schelme, »Pest, Seuche, Aas«, wie es noch heute in Bayern und Tirol gebraucht wird, wo Viehschelm eine dem Pestmann ähnliche Personifikation der Viehseuchen heißt), aber schon früh für den Abdecker (»S. von Bergen«) und als Schimpfwort, wie Schuft, aber auch in freundlicherm Sinn, ähnlich wie Schalk, gebraucht (S. im Nacken).
 
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Schelmenroman, deutsche Bezeichnung für einen Roman in dem gusto picaresco (Spitzbubenstil), der, nachdem Mendoza in seinem »Lazarillo de Tormes« (1553) ein Muster der Gattung aufgestellt hatte, in Spanien sehr beliebt war und sich auch über das Ausland verbreitete. Die Verfasser dieser Romane führen ihre Helden in einem abenteuerlichen Lebenslauf durch die verschiedenartigsten Gesellschafts- und Berufsklassen hindurch und erhalten so die Gelegenheit zur Entwerfung eines satirischen Zeitgemäldes. In Deutschland wurde der S. durch die Bearbeitung des »Guzman de Alfarache« von Ägidius Albertinus (Münch. 1613) eingeführt, es folgten weitere Übersetzungen

[Bd. 6, Sp. 734]


und Bearbeitungen spanischer Vorbilder. unter anderm der »Picara Justina« von Andreas Perez (Frankf. 162627), wo ein abenteuerndes Weib die Hauptrolle spielt. Auch kam es vor, daß die Bearbeiter den Schauplatz nach Deutschland verlegten. Das hervorragendste deutsche Originalwerk der Gattung ist der »Simplicissimus« von Meyers Grimmelshausen (s. d.), der dann wieder zahlreiche Nachahmungen hervorrief. Auch verfaßte Grimmelshausen einen S. mit weiblicher Hauptperson (die »Landstörtzerin Courasche«). Die berühmtesten Werke der Gattung in Frankreich sind der »Francion« von Charles Sorel (1622, deutsch 1668) und der »Gil Blas« von Lesage (171535); letzterer hat den Schauplatz nach Spanien verlegt. In der allgemeinen Literaturgeschichte ist der S. vor allem wegen seines realistischen Zeitgehaltes von Bedeutung. Vgl. Bobertag, Geschichte des Romans in Deutschland, Bd. 2 (Berl. 1884); Schultheiß, Der S. der Spanier und seine Nachbildungen (Hamb. 1893).
 
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Schelmuffsky, deutscher Lügenroman des 17. Jahrh. von Christian Meyers Reuter (s. d. 1).
 
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Schelon (Schelonj), Zufluß des Ilmensees in ben russ. Gouvernements Pskow und Nowgorod, mündet an der Südwestseite; 229 km lang, wovon 40 km schiffbar.
 
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Schelpen, das von den Wellen an die Küste geworfene kleine Muschelwerk.
 
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Schelper (eigentlich Buck), Otto, Bühnensänger (Bariton), geb. 10. April 1840 in Rostock, gest. 10. Jan. 1906 in Leipzig, ging mit 16 Jahren in Bremen als Schauspieler zum Theater, wirkte dann als Opernsänger in Köln (1864), Bremen (1867), an der Berliner Hofbühne (187071), darauf in Köln und war seit 1876 Mitglied des Leipziger Stadttheaters. Er war ein hervorragender Vertreter seines Faches, ausgezeichnet auch als Darsteller.
 
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Scheltopusik, s. Meyers Panzerschleiche.
 
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Schēma (griech.), eigentlich Gestalt oder Figur; dann im allgemeinen jede Form, die als Muster, Zeichen oder Leitfaden für die Anordnung, Untersuchung oder Darstellung eines Gegenstandes benutzt wird. Daher schematisch, soviel wie einem Vorbild angepaßt, entwurfsmäßig. Ein logisches S. für die Bearbeitung eines beliebigen Themas gibt der bekannte Spruch: »Quis, quid, ubi, quibus auxiliis, cur, quomodo, quando«. In der Rethorik heißen Schemata (figurae dictionis) Wendungen, die in der Rede angewendet werden, um sie mannigfaltiger zu machen. In der Metrik versteht man darunter die Darstellung einer Versart durch versinnlichende Zeichen.
 
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Schĕma (hebr., auch Sch'ma Israel, »höre, Israel!«), Anfang und Name eines die Bibelstellen 5. Mos. 6, 49; 11, 1322; 4. Mos. 15, 3741 umfassenden Hauptteils des israelitischen Morgen- und Abendgebetes, gewissermaßen Glaubensbekenntnis der Israeliten.
 
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Schemacha (Schamacha), Hauptstadt des gleichnamigen Kreises (6667 qkm mit [1897] 121,645 Einw., meist Tataren) im russisch-transkaukas. Gouv. Baku, nahe dem rechten Ufer des Pisargat, der sich später in Lagunen verliert, 680 m ü. M., hat Gartenbau und Handel und (1897) 20,008 Einw. Infolge der Erdbeben (s. unten) ist der früher sehr bedeutende Seidenbau zurückgegangen. Die Stadt, schon von Ptolemäus als Samekhia erwähnt, wurde später Hauptstadt der tatarischen Chane, aber 1734 von Nadir Schah zerstört, der in geringer Entfernung am Aksu eine neue Stadt, Jenghi-Schamaki (Neu-S.), erbauen ließ. Doch wurde die alte Stadt bald darauf von Tataren wieder aufgebaut. Seitdem war bald die eine, bald die andre Stadt die volkreichere und bedeutendere. Unter den Russen wurde S. in seine alten Rechte eingesetzt, und Neu-S. sank zu einem bloßen Dorf herab. Infolge eines zerstörenden Erdbebens 1858 wurde die Regierung nach Baku verlegt. Dennoch wuchs S. bedeutend. Am 13. Febr. 1902 wiederholte sich das Erdbeben in fürchterlicher Weise.
 
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Schemal, ein Nordwestwind im Golf von Persien.

 

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