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Schellbeere bis Schellfisch (Bd. 6, Sp. 729 bis 730)
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Artikelverweis Schellbeere, s. Meyers Rubus, S. 215.
 
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Schelle (Tintinnabulum), Glocke von hart geschlagenem Messing- oder Neusilberblech, oder aus Glockenmetall gegossene Hohlkugel (Zimbel) mit einem eingeschlossenen Eisenstück zu Schlittengeläuten, früher auch Schmuck an Panzern, Wehrgehängen und Kleidern (s. Meyers Schellentracht).
 
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Schellenbaum, Pflanze, s. Cerbera u. Thevetia.
 
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Schellenbaum, ein zur Zeit der Türkenkriege in die deutschen Regimentsmusiken gekommenes, ursprünglich türkisches Rassel- oder Klingelinstrument, auch Mohammedsfahne oder Halbmond (engl. Crescent) genannt.
 
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Schellenberg, Grafschaft, s. Meyers Liechtenstein, S. 535.
 
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Schellenberg, 1) Stadt, s. Meyers Augustusburg. 2) (magyar. Sellemberk) Großgemeinde im ungar. Komitat Hermannstadt (Siebenbürgen), an den Staatsbahnlinien Hermannstadt-Fogaras, S.-Heltau und S.-Caineni, mit Holzhandel und (1901) 895 deutschen und rumänischen (evangelischen und griechisch-orient.) Einwohnern. Am 22. Okt. 1599 siegte hier Michael der Tapfere, Woiwode der Walachei, über Andreas Bathory, Fürsten von Siebenbürgen.
 
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Schellenmetall, Kupferzinnlegierung mit 14 oder 20 Proz. Zinn, ist in der Farbe dem Neusilber ähnlich und dient zu Schellen und Klingeln.
 
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Schellente, s. Meyers Enten, S. 834.
 
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Schellentracht, eine bei Männern und Frauen übliche Stutzertracht, die Ende des 13. Jahrh. zuerst auftrat, gegen Ausgang des 14. allgemein wurde und sich trotz aller Luxusgesetze bis über die Mitte des 15. Jahrh. erhielt. Ursprünglich wurde nur der Gürtel mit runden, ei- oder birnenförmigen Schellen besetzt. Im 15. Jahrh. trug man einen besondern

[Bd. 6, Sp. 730]


Schellengürtel wie ein Bandelier quer über die Brust und Rücken (s. Abbildung), und man heftete auch am Halsausschnitt des Gewandes und an den Rändern der Ärmel, selbst an den Schuhen, einzelne Glöckchen an. Später sah man sie nur noch an den Kleidern der Hofnarren (Narrenkappe).
 
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Scheller, Immanuel Johann Gerhard, Lexikograph, geb. 22. März 1735 in Ihlow bei Dahme, gest. 5. Juli 1803 in Brieg, studierte 175760 in Leipzig und ward 1761 Rektor zu Lübben in der Niederlausitz, 1772 des Gymnasiums zu Brieg in Schlesien. Seine Lexika sind: »Ausführliches lateinisch-deutsches und deutsch-lateinisches Wörterbuch« (Leipz. 178384, 3 Bde.; 3. Aufl. 180405, 7 Bde.); »Lateinisch-deutsches und deutsch-lateinisches Handlexikon« (das. 1792, 2 Bde.), durch Lünemann und Georges vielfach neu aufgelegt; »Kleines lateinisches Wörterbuch in etymologischer Ordnung« (das. 1780; 7. Aufl. von Georges, 1840). Außerdem veröffentlichte er: »Ausführliche lateinische Sprachlehre« (Leipz. 1779, 4. Aufl. 1803); »Kurzgefaßte lateinische Sprachlehre« (das. 1780, 4. Aufl. 1814); »Praecepta stili bene latini« (das. 177980, 2 Bde.; 3. Aufl. 1797) u. a.
 
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Schellfisch (Gadus Gthr.), Gattung der Weichflosser und der Familie der Schellfische (Gadidae), Fische mit mehr oder weniger verlängertem, mit kleinen, weichen, zahnrandigen Schuppen bedecktem Körper, drei Rücken- und zwei Afterflossen, selbständiger Schwanzflosse, schmaler, an die Kehle gerückter Bauchflosse, einem Bartfaden an der Spitze der Unterkinnlade und großer Schwimmblase. Der Kabeljau (Kabliau, Gadus Morrhua L., s. Tafel Meyers »Fische IV«, Fig. 8), bis 1,6 m lang, bis 50 kg schwer, oberseits grau, braun oder olivengrün, gefleckt, unterseits gelblichweiß, mit breiter, weißer, häufig gefleckter Seitenlinie. An manchen Orten werden rote, graue, gelbe oder schwarze Varietäten gefangen. Der Kabeljau bewohnt das Atlantische Meer vom 40.° an und das Eismeer bis zu 75° nördl. Br., in einer kleinern Varietät (50 cm lang) als Dorsch (Bergenfisch, G. Calliaras L.) auch die Ostsee, hält sich hauptsächlich in den Tiefen dieser Meere auf, geht aber zur Fortpflanzung in ungeheuern Scharen (Bergen), die mehrere Meter hoch übereinander schwimmen, auf verhältnismäßig flach liegende Bänke, wie die von Neufundland und Rockall, und laicht an der östlichen Seite des Ozeans wegen des Golfstroms schon im Februar, an der westlichen im Mai und Juni in einer Tiefe von 4590 m. Das Weibchen enthält 4 (9) Mill. Eier; die Jungen sind im dritten Jahre fortpflanzungsfähig. Er ist ungemein gefräßig, nährt sich von Fischen, Krebsen, Muscheln, folgt den Zügen der Heringe und sammelt sich zeitweise in unglaublicher Menge an den Neufundlandbänken, den Lofoten, der Doggerbank etc. Dort wird er leicht mit der Grundschnur und Handangel, an der norwegischen Küste in Netzen gefangen. Die gefangenen Tiere werden enthauptet, ausgeweidet und der Länge nach in zwei Hälften zerschnitten, die man auf Gerüsten an der Luft trocknet (Stockfisch); andre werden gesalzen und auf Klippen getrocknet (Klippfisch) oder eingesalzen in Fässer verpackt (Laberdan). Die Lebern werden auf Lebertran, andre Abfälle auf gewöhnlichen Tran und Fischguano verarbeitet. Aus den Schwimmblasen fertigt man Leim, und der gesalzene Rogen dient als Köder beim Sardinenfang. In neuerer Zeit gelangt der schmackhaftere Dorsch in größern Quantitäten auch in die Binnenstädte Deutschlands. Seine hauptsächliche Bedeutung hat der S. als Fastenspeise in katholischen Ländern. Etwa 4000 Schiffe sind in der dreimonatigen Fangzeit an den Lofoten und im Westfjord versammelt und bereiten dort die obengenannte Ware, während von den englischen Fischereigründen der Fisch meist frisch ins Land verschickt wird. Norwegen liefert durchschnittlich im Jahre 52 Mill. Kabeljaus. Auf den Weltmarkt kommen jährlich etwa 150 Mill. getrocknete und gesalzene Kabeljaus. Viele der früher ergiebigsten Gründe, wie die Doggerbank, die Süd- und Westküste Islands etc., sind mehr oder weniger unergiebig geworden; die großartigste Fischerei wird aber schon seit fast 300 Jahren an den Küsten von Neufundland, Neuschottland und Neuengland betrieben. Die Zahl der jährlich gefangenen Kabeljaus wird auf 400600 Mill. Stück geschätzt; in Europa beschäftigt sein Fang etwa 100,000 Menschen. In Schottland hat man Kabeljaus längere Zeit in Salzwasserteichen gehalten, mit allerlei Muscheln gefüttert und gute Resultate erzielt. In Nordamerika hat man den Kabeljau durch künstliche Erbrütung großer Massen von Eiern an Küstenstrichen eingeführt, denen er früher fehlte. Der S. (G. Aeglefinus L., s. Tafel Meyers »Fische IV«, Fig. 4), bis 90 cm lang und bis 8 kg schwer, gestreckter gebaut, am Rücken bräunlich, an den Seiten silbergrau, mit schwarzer Seitenlinie und schwarzem Fleck hinter der Brustflosse, am Bauch weißlich, lebt überall in Scharen in der Nordsee, findet sich seltener und nur bis Kiel hinab in der Ostsee und kommt im Februar und März hart an die Küste, um zu laichen. Man fängt ihn viel mit Grundleine und Handangel, weniger mit Netzen und bringt ihn frisch auf die Märkte Englands, Nordwestfrankreichs, Deutschlands, Hollands und Norwegens; sein Fleisch, das man auch einsalzt und räuchert, ist sehr geschätzt. Der Wittling (Merlan, G. Merlangus L.), 3060 cm lang, ohne Bartfaden, hell braungrau, an den Seiten und am Bauch weiß, mit dunkeln Flecken an der Wurzel der Brustflossen, findet sich in den westeuropäischen Meeren von den Orkneys bis Portugal, minder häufig in der Nord- und Ostsee bis zur Danziger Bucht, tritt bei weitem nicht so massenhaft auf wie die vorigen, kommt aber in Scharen im Januar und Februar den Küsten sehr nahe; sein Fleisch gilt als besonders wohlschmeckend. Der Köhler (G. carbonarius L.) ist dunkel gefärbt, bewohnt besonders die nördlichen Meere, findet sich aber auch in der Nord- und Ostsee. Er liebt felsigen Grund in nicht zu großer Tiefe und lauert versteckt auf Beute: Heringe, Kruster etc. Die Laichzeit währt von Dezember bis Februar. Sein Fleisch ist wenig geschätzt, es kommt gesalzen und getrocknet in den Handel. Junge Köhler sind schmackhafter. In Seewasserteichen wird er sehr zahm. Die Gattung Merluccius Gthr. (Meer- oder Seehecht) umfaßt Fische mit zwei Rückenflossen, einer Afterflosse, gesonderter Schwanzflosse, gut entwickelten Bauchflossen, ohne Bartfäden. Der Kummel (Kalmul, Hechtdorsch, M. vulgaris Flem.), 1,25 m lang, bis 16 kg schwer, oberseits braungrau mit schwarzen

[Bd. 6, Sp. 731]


Punkten, an den Seiten heller, am Bauch silberweiß, bewohnt das Mittelmeer und den Atlantischen Ozean bis 62° nördl. Br., verirrt sich bisweilen in die Ostsee, weilt in der Fortpflanzungszeit vom Januar bis April am Boden des Meeres, folgt den Pilcharden und Anschovis auf ihrem Zug an die Küsten, ist äußerst gefräßig und wird in Massen gefangen und zu Stock- und Klippfisch verarbeitet.

 

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