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Schellack bis Scheller (Bd. 6, Sp. 729 bis 730)
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Artikelverweis Schellack (engl. shell-lac, shellac, Tafellack, Plattlack, Lacca in tabulis), aus dem Gummilack abgeschiedenes Harz, wird in Indien erhalten, indem man den rohen oder durch Auswaschen mit Wasser vom Farbstoff befreiten Gummilack in Säcken auf etwa 140° erhitzt, die Säcke auswindet und das abfließende Harz auf Pisangblättern oder Metallplatten in dünner Schicht erstarren läßt. Der S. kommt in kleinen, dünnen, eckigen, tafelartigen Bruchstückchen, auch in Form von Kuchen (Kuchenlack) oder Klumpen (Klumpenlack) in den Handel, ist in der Kälte sehr spröde und brüchig, ziemlich hart, geruch- und geschmacklos, mehr oder weniger dunkelbraun, schmilzt beim Erhitzen, verbreitet in höherer Temperatur einen nicht unangenehmen Geruch und brennt mit helleuchtender Flamme. Er ist unlöslich in Wasser, löslich in Weingeist (bis auf das beigemengte Wachs), Borax, Ammoniak und kohlensauren Alkalien. S. besteht aus Wachs (Ceryl- und Myricylalkohol und deren Estern), Farbstoff (Laccainsäure) und Harz (Resinotannolester der Aleuritinsäure, Erythrolaccin, eine resenartige Substanz etc.). Man bleicht ihn, indem man ihn in Sodalösung löst (wobei das Schellackwachs ungelöst bleibt), mit unterchlorigsaurem Natron gemischt dem direkten Sonnenlicht aussetzt, durch Salzsäure fällt und gut auswäscht. Er ist dann farblos, nimmt beim Kneten und Ausziehen in Stangen schönen seidenartigen Glanz an und läßt sich auch färben. S. dient zur Bereitung von Siegellack, von Firnis, Politur (farbloser S. für weiße Hölzer), Kitt, Schleifsteinen, in der Feuerwerkerei, zu Elektrophoren etc. Die Auflösung in Borax (Wasserfirnis) dient zum Steifen und Wasserdichtmachen der Filzhüte, zum Firnissen von Papier und, mit Ruß versetzt, als unzerstörbare Tinte. Erdschellack, s. Akaroidharz.
 
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Schellbeere, s. Meyers Rubus, S. 215.
 
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Schelle (Tintinnabulum), Glocke von hart geschlagenem Messing- oder Neusilberblech, oder aus Glockenmetall gegossene Hohlkugel (Zimbel) mit einem eingeschlossenen Eisenstück zu Schlittengeläuten, früher auch Schmuck an Panzern, Wehrgehängen und Kleidern (s. Meyers Schellentracht).
 
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Schellenbaum, Pflanze, s. Cerbera u. Thevetia.
 
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Schellenbaum, ein zur Zeit der Türkenkriege in die deutschen Regimentsmusiken gekommenes, ursprünglich türkisches Rassel- oder Klingelinstrument, auch Mohammedsfahne oder Halbmond (engl. Crescent) genannt.
 
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Schellenberg, Grafschaft, s. Meyers Liechtenstein, S. 535.
 
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Schellenberg, 1) Stadt, s. Meyers Augustusburg. 2) (magyar. Sellemberk) Großgemeinde im ungar. Komitat Hermannstadt (Siebenbürgen), an den Staatsbahnlinien Hermannstadt-Fogaras, S.-Heltau und S.-Caineni, mit Holzhandel und (1901) 895 deutschen und rumänischen (evangelischen und griechisch-orient.) Einwohnern. Am 22. Okt. 1599 siegte hier Michael der Tapfere, Woiwode der Walachei, über Andreas Bathory, Fürsten von Siebenbürgen.
 
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Schellenmetall, Kupferzinnlegierung mit 14 oder 20 Proz. Zinn, ist in der Farbe dem Neusilber ähnlich und dient zu Schellen und Klingeln.
 
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Schellente, s. Meyers Enten, S. 834.
 
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Schellentracht, eine bei Männern und Frauen übliche Stutzertracht, die Ende des 13. Jahrh. zuerst auftrat, gegen Ausgang des 14. allgemein wurde und sich trotz aller Luxusgesetze bis über die Mitte des 15. Jahrh. erhielt. Ursprünglich wurde nur der Gürtel mit runden, ei- oder birnenförmigen Schellen besetzt. Im 15. Jahrh. trug man einen besondern

[Bd. 6, Sp. 730]


Schellengürtel wie ein Bandelier quer über die Brust und Rücken (s. Abbildung), und man heftete auch am Halsausschnitt des Gewandes und an den Rändern der Ärmel, selbst an den Schuhen, einzelne Glöckchen an. Später sah man sie nur noch an den Kleidern der Hofnarren (Narrenkappe).
 
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Scheller, Immanuel Johann Gerhard, Lexikograph, geb. 22. März 1735 in Ihlow bei Dahme, gest. 5. Juli 1803 in Brieg, studierte 175760 in Leipzig und ward 1761 Rektor zu Lübben in der Niederlausitz, 1772 des Gymnasiums zu Brieg in Schlesien. Seine Lexika sind: »Ausführliches lateinisch-deutsches und deutsch-lateinisches Wörterbuch« (Leipz. 178384, 3 Bde.; 3. Aufl. 180405, 7 Bde.); »Lateinisch-deutsches und deutsch-lateinisches Handlexikon« (das. 1792, 2 Bde.), durch Lünemann und Georges vielfach neu aufgelegt; »Kleines lateinisches Wörterbuch in etymologischer Ordnung« (das. 1780; 7. Aufl. von Georges, 1840). Außerdem veröffentlichte er: »Ausführliche lateinische Sprachlehre« (Leipz. 1779, 4. Aufl. 1803); »Kurzgefaßte lateinische Sprachlehre« (das. 1780, 4. Aufl. 1814); »Praecepta stili bene latini« (das. 177980, 2 Bde.; 3. Aufl. 1797) u. a.

 

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