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Schell bis Schellentracht (Bd. 6, Sp. 729)
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Artikelverweis Schell, Hermann, kath. Theolog, geb. 28. Febr. 1850 zu Freiburg i. Br., gest. 31. Mai 1906 in Würzburg, wo er seit 1884 als ordentlicher Professor der Apologetik und vergleichenden Religionswissenschaft wirkte. Durch seine Schriften: »Katholische Dogmatik« (Paderb. 188993, 3 Bde.) und »Die göttliche Wahrheit des Christentums« (das. 189596, 2 Bde.) hatte er sich bereits einen Namen gemacht, als er sich seit 1897 zuerst in der Universitätsrede: »Theologie und Universität« (2. Aufl., Würzb. 1899), dann in den Broschüren: »Der Katholizismus als Prinzip des Fortschritts« (7. Aufl., das. 1899) und »Die neue Zeit und der alte Glaube« (das. 1898) als Vertreter der Gedanken des Meyers Reformkatholizismus (s. d.) bekannte. Die Indexkongregation verurteilte 15. Dez. 1898 nicht nur die beiden Broschüren, sondern auch die dogmatischen Werke. S. erkannte den Beschluß an. Später schrieb er außer Abhandlungen im »Türmer« und in der »Renaissance«: »Apologie des Christentums« (Bd. 1: »Religion und Offenbarung«, 1. u. 2. Aufl., Paderb. 1902; Bd. 2: »Jahwe und Christus«, das. 1905); »Das Christentum Christi« (Münch. 1902); »Christus. Das Evangelium und seine weltgeschichtliche Bedeutung« (Mainz 1903 u. ö.; Volksausg. 1906).
 
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Schellack (engl. shell-lac, shellac, Tafellack, Plattlack, Lacca in tabulis), aus dem Gummilack abgeschiedenes Harz, wird in Indien erhalten, indem man den rohen oder durch Auswaschen mit Wasser vom Farbstoff befreiten Gummilack in Säcken auf etwa 140° erhitzt, die Säcke auswindet und das abfließende Harz auf Pisangblättern oder Metallplatten in dünner Schicht erstarren läßt. Der S. kommt in kleinen, dünnen, eckigen, tafelartigen Bruchstückchen, auch in Form von Kuchen (Kuchenlack) oder Klumpen (Klumpenlack) in den Handel, ist in der Kälte sehr spröde und brüchig, ziemlich hart, geruch- und geschmacklos, mehr oder weniger dunkelbraun, schmilzt beim Erhitzen, verbreitet in höherer Temperatur einen nicht unangenehmen Geruch und brennt mit helleuchtender Flamme. Er ist unlöslich in Wasser, löslich in Weingeist (bis auf das beigemengte Wachs), Borax, Ammoniak und kohlensauren Alkalien. S. besteht aus Wachs (Ceryl- und Myricylalkohol und deren Estern), Farbstoff (Laccainsäure) und Harz (Resinotannolester der Aleuritinsäure, Erythrolaccin, eine resenartige Substanz etc.). Man bleicht ihn, indem man ihn in Sodalösung löst (wobei das Schellackwachs ungelöst bleibt), mit unterchlorigsaurem Natron gemischt dem direkten Sonnenlicht aussetzt, durch Salzsäure fällt und gut auswäscht. Er ist dann farblos, nimmt beim Kneten und Ausziehen in Stangen schönen seidenartigen Glanz an und läßt sich auch färben. S. dient zur Bereitung von Siegellack, von Firnis, Politur (farbloser S. für weiße Hölzer), Kitt, Schleifsteinen, in der Feuerwerkerei, zu Elektrophoren etc. Die Auflösung in Borax (Wasserfirnis) dient zum Steifen und Wasserdichtmachen der Filzhüte, zum Firnissen von Papier und, mit Ruß versetzt, als unzerstörbare Tinte. Erdschellack, s. Akaroidharz.
 
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Schellbeere, s. Meyers Rubus, S. 215.
 
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Schelle (Tintinnabulum), Glocke von hart geschlagenem Messing- oder Neusilberblech, oder aus Glockenmetall gegossene Hohlkugel (Zimbel) mit einem eingeschlossenen Eisenstück zu Schlittengeläuten, früher auch Schmuck an Panzern, Wehrgehängen und Kleidern (s. Meyers Schellentracht).
 
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Schellenbaum, Pflanze, s. Cerbera u. Thevetia.
 
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Schellenbaum, ein zur Zeit der Türkenkriege in die deutschen Regimentsmusiken gekommenes, ursprünglich türkisches Rassel- oder Klingelinstrument, auch Mohammedsfahne oder Halbmond (engl. Crescent) genannt.
 
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Schellenberg, Grafschaft, s. Meyers Liechtenstein, S. 535.
 
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Schellenberg, 1) Stadt, s. Meyers Augustusburg. 2) (magyar. Sellemberk) Großgemeinde im ungar. Komitat Hermannstadt (Siebenbürgen), an den Staatsbahnlinien Hermannstadt-Fogaras, S.-Heltau und S.-Caineni, mit Holzhandel und (1901) 895 deutschen und rumänischen (evangelischen und griechisch-orient.) Einwohnern. Am 22. Okt. 1599 siegte hier Michael der Tapfere, Woiwode der Walachei, über Andreas Bathory, Fürsten von Siebenbürgen.
 
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Schellenmetall, Kupferzinnlegierung mit 14 oder 20 Proz. Zinn, ist in der Farbe dem Neusilber ähnlich und dient zu Schellen und Klingeln.
 
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Schellente, s. Meyers Enten, S. 834.
 
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Schellentracht, eine bei Männern und Frauen übliche Stutzertracht, die Ende des 13. Jahrh. zuerst auftrat, gegen Ausgang des 14. allgemein wurde und sich trotz aller Luxusgesetze bis über die Mitte des 15. Jahrh. erhielt. Ursprünglich wurde nur der Gürtel mit runden, ei- oder birnenförmigen Schellen besetzt. Im 15. Jahrh. trug man einen besondern

[Bd. 6, Sp. 730]


Schellengürtel wie ein Bandelier quer über die Brust und Rücken (s. Abbildung), und man heftete auch am Halsausschnitt des Gewandes und an den Rändern der Ärmel, selbst an den Schuhen, einzelne Glöckchen an. Später sah man sie nur noch an den Kleidern der Hofnarren (Narrenkappe).

 

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