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Schein bis Scheinerscher Versuch (Bd. 6, Sp. 725 bis 726)
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Artikelverweis Schein, Johann Hermann, Komponist, geb. 20. Jan. 1586 zu Grünhain in Sachsen, gest. 19. Nov. 1630 in Leipzig, war Diskantist der Dresdener Hofkapelle, besuchte dann die Klosterschule Pforta und die Universität Leipzig, wurde 1615 Hofkapellmeister in Weimar und 1616 Kantor an der Thomasschule in Leipzig. Zahlreiche gediegene kirchliche und weltliche Gesangswerke, die 160927 erschienen und zum Teil mehrfach aufgelegt wurden, erweisen S. als einen der

[Bd. 6, Sp. 726]


gediegensten deutschen Tonsetzer seiner Zeit. Eine Gesamtausgabe seiner Werke in 8 Bänden (redigiert von A. Prüfer) erscheint seit 1901 bei Breitkopf u. Härtel in Leipzig. Vgl. Prüfer, Johan Herman S. (Leipz. 1895).
 
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Scheinangriff, kräftiger, aber nicht Entscheidung suchender Angriff an einer Stelle des Schlachtfeldes, auf die die Aufmerksamkeit des Gegners gezogen werden soll, um sie vom anderswo erfolgenden Hauptangriff abzulenken. Bloße Scheinbewegungen oder Scheinübergänge über Wasserläufe, denen nicht alsbald ein kräftiger Angriff folgt, sind einem energischen Feinde gegenüber ohne Erfolg. Vgl. Demonstration. Scheinanlagen, s. Meyers Maske, S. 397.
 
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Scheinbare Größe (scheinbarer Durchmesser) eines Himmelskörpers, der Winkel, den zwei vom Auge nach den beiden Enden eines Durchmessers desselben gezogene Gerade einschließen. Vgl. Augenmaß.
 
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Scheinbarer Ort eines Himmelskörpers, s. Meyers Astronomischer Ort.
 
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Scheinbeere, Fruchtstand, s. Meyers Beere.
 
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Scheinbeere (Teeheide), s. Gaultheria.
 
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Scheindreher, Gewebe, deren Bindeart ermöglicht, daß sich 3,4 oder 5 Fäden eng aneinander legen, während darauf senkrecht oder wagerecht eine Lücke entsteht, so daß dem Gewebe ein durchbrochenes, dreherartiges Aussehen gegeben wird. Bindung s. Meyers Abbildungen.


 
Artikelverweis Scheineibe, s. Meyers Cephalotaxus.
 
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Scheineller, s. Meyers Clethra.
 
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Scheiner, 1) Christoph, einer der ersten Beobachter der Sonnenflecke, geb. 25. Juli 1573 zu Wald bei Mindelheim in Schwaben, gest. 18. Juni 1650 in Neiße, trat 1595 in den Jesuitenorden, lehrte in Ingolstadt, Freiburg und Innsbruck und wurde 1623 Rektor des Jesuitenkollegs zu Neiße in Schlesien. 1624 ging er nach Rom, 1633 nach Wien und kehrte erst 1639 nach Neiße zurück. Den ersten Sonnenfleck beobachtete er 21. März 1611 in Ingolstadt; da ihm aber sein Provinzial Busäus Stillschweigen auferlegte, weil Aristoteles der Sonnenflecke nicht Erwähnung getan, so berichtete S. erst 12. Nov., 13. und 26. Dez. 1611 über seine Entdeckung in drei Briefen an den gelehrten Ratsherrn Markus Welser in Augsburg, der sie 1612 ohne Wissen des Verfassers u. d. T.: »Apelles latens post tabulam« drucken ließ. Diese Schrift gab Anlaß zu einem Prioritätsstreit mit Galilei. S. baute ein eignes Instrument zu den Sonnenbeobachtungen, machina helioscopica genannt, ein Fernrohr mit Blendglas und parallaktischer Ausstellung. Die Resultate seiner langjährigen fleißigen Beobachtungen hat er in dem Werk »Rosa ursina, sive Sol« (Brazza 162630) niedergelegt. Auch die Erfindung des Pantographen rührt von S. her (»Pantographice, seu ars delineandi res quaslibet per parallelogrammum seu cavum mechanicum mobile«, Rom 1631). Vgl. v. Braunmühl, Christoph S. (Bamb. 1891).
   2) Julius, Astronom, geb. 25. Nov. 1858 in Köln, studierte seit 1878 in Bonn, wurde 1881 Assistent an der Sternwarte in Bonn, 1887 Assistent und 1894 Observator am astrophysikalischen Observatorium in Potsdam, 1895 Professor der Astrophysik an der Universität in Berlin. Er schrieb: »Untersuchungen über den Lichtwechsel Algols« (Bonn 1882); »Die Spektralanalyse der Gestirne« (Leipz. 1890); »Der große Sternhaufen im Herkules, Messier 13, nach Aufnahmen am Potsdamer photographischen Refraktor« (Berl. 1892); »Untersuchungen über die Spektra der hellern Sterne« (Leipz. 1895); »Ausmessung des Orionnebels nach photographischen Aufnahmen« (das. 1896); »Die Photographie der Gestirne« (das. 1897, mit Atlas); »Strahlung und Temperatur der Sonne« (das. 1899); »Der Bau des Weltalls« (2. Aufl., das. 1904).
 
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Scheinerscher Versuch. Bringt man vor das Auge ein Kartenblatt mit zwei seinen Nadelstichen, die noch nicht um den Durchmesser der Pupille voneinander abstehen, und blickt durch die Öffnungen nach einer Nadel, so erscheint diese in kleiner Entfernung doppelt, in größerer einfach, in noch größerer wieder doppelt. Im ersten Fall treffen sich die durch die beiden Öffnungen gehenden Lichtstrahlenbündel hinter der Netzhaut, diese wird also an zwei Stellen gereizt, bei weiterer Entfernung liegt der Schnittpunkt auf der Netzhaut und bei noch weiterer vor der Netzhaut, so daß letztere wieder an zwei Stellen getroffen wird.

 

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